Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wimpel-Wednesday # 24: Racing Club de Avellaneda

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 24. Den Racing Club de Avellaneda, diesen Traditionsklub aus dem Speckgürtel von Buenoes Aires, den hat WELT-Kolumnist Udo Muras heute noch als Borussia Mönchengladbach Argentiniens gepriesen. In welchem Zusammenhang? Natürlich mit Lothar Matthäus, der trotz zwischenzeitlicher Dementis mit den Argentiniern einen innigen Verhandlungstango getanzt hat. Doch mit Verlaub, es sollte ein Tango ins Leere werden.

Man muss es sich so vorstellen. Matthäus hat Racing auf der Tanzfläche stehen lassen, ist vor die Tür gegangen, um Racing per SMS mitzuteilen, nicht weiter tanzen zu möchten. Das alles, obwohl Matthäus bereits am Wochenende Racings wenig rassiges Spiel auf dem grünen Rasen allein durch seine Anwesenheit befeuern sollte. Glaubt man Stimmen aus Argentinien sollen Racing sogar bereits gewesen, alle vertraglichen Forderungen Matthäus zu erfüllen, inklusive Modelunterstützungsgedöns für Lothars Gattin.

Allerdings soll, wie Matthäus aber dem Kölner Express anvertraute, dass „Gesamtpaket “nicht gestimmt haben. Senor Matthäus wird doch nicht etwa beim Tangotanzen zwischen Tür und Angel jenen Katzenfluch aufgeschnappt haben, der auf Racing gelegen haben soll. Wie das löbliche Fachblog über Argentiniens Fußball Argifútbol jüngst zu berichten wusste, sollen an der endlos anmutenden Periode von 35 Jahren (1966 - 2001) ohne Meistertitel, sieben im Estadio Presidente Peron vergrabene Katzen Schuld gewesen sein, die die Anhänger des Erzrivalen Independiente willkürlich im Stadion vergraben hatten.

Dass es das Lothar Matthäus Racing Team nun nicht geben wird, könnte einen besonderen Grund haben. Senor Matthäus wird doch wohl nicht acht Jahre nach dem letzten Meistertitel im Racing-Rasen die nächste vergrabene Katze vermutet haben. Zum Trost hänge ich einen Racing-Wimpel in die Wimpelecke und bin durchaus erleichtert, in naher Zukunft nicht diesen orakelnden Satz von ihm hören zu müssen: „Ein Lothar Matthäus spricht bald argentinisch.“

Wer Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI zu unterstützen, der möge ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de mailen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Welcome home

Dieser Sonntag ist in England ein spezieller. Der Plan des 10. Spieltags der Premier League sieht das vielsprechende Duell des kriselnden FC Liverpool gegen Manchester United vor. Gewiss ranken sich ausreichend Anekdoten um die Fehde der nordenglischen Erzrivalen. Wie ein Damoklesschwert über dem North-West-Derby, das Ryan Giggs ehedem als „probably the most famous fixture in English football“ beschrieb, schwebt die Rückkehr von Liverpools Legende Michael Owen an seine alte Wirkungsstätte an der Mersey.

Owen kickt bekanntlich mittlerweile für Manchester United, nachdem er bei Absteiger Newcastle United beinah in der Zweitklassigkeit versunken wäre. Wäre da im Sommer nicht Sir Alex Ferguson gewesen. Der griff zum Telefonhörer und überredete den völlig überraschten Owen zu einem Engagement in Old Trafford. Dessen dortige Initiation dürfte sich spätestens seit seinem Siegtreffer vor wenigen Wochen in allerletzter Minute im 4:3-Thriller gegen Stadtrivale ManCity in den finalen Zügen befinden.

Entgegen der hierzulande schwelenden Annahme, dass Owen per se einen ähnlich überschwänglich idolisierten Status an der Anfield Road gehabt hat wie ihn Reds-Ikone Steven Gerrard besitzt, zeichnete der Independent in seiner gestrigen Ausgabe in einem lesenswerten Artikel hierzu ein überraschend gegensätzliches Bild. Independent-Journalist Ian Herbert schreibt vom „Return of the Outsider“, der trotz seiner 158 Treffer in fast 300 Pflichtspielen bis zu seinem Wechsel anno 2004 zu Real Madrid vom „Kop“ allenfalls geduldet und respektiert als heiß und innig geliebt wurde.

Seitdem Owen 2005 aus Spanien auf die Insel zurückkam, gastierte Europas einstiger Fußballer des Jahres mit Newcastle bislang dreimal in Liverpool. Dreimal machten die „Reds“ dabei kurzen Prozess und Owen nicht den Hauch eines Treffers. Welch elektrisierender Moment würde zweifellos heute die Anfield Road übermannen, wenn sich ausgerechnet dort nachfolgendes Szenario in der Schlussminute beim Stand von 0:0 ereignen würde. Flanke Giggs, Tor Owen. Ob man dann wohl ganz kurz eine Stecknadel in Owens altem Wohnzimmer fallen hören könnte?

Verballhornt

Menschenskinder! In der weiten Welt des Fußballs geschehen derweil interessante Ereignisse. Vor einer Woche lachten wir über den Beachball den ein Dreikäsehoch im nordenglischen Sunderland auf das Spielfeld des Stadiums of Light warf und damit die Vorlage für das Anfang vom Ende der Pleite des großen FC Liverpool in seinem Premier League-Gastspiel bei den Black Cats gab.

Gestern sah sich dann kein Geringerer als der Methusalem aller deutschen Torwächter Jens Lehmann von einem Balljungen in Hannover düpiert. Lehmanns VfB war in der zweiten Halbzeit drauf und dran bei den vor Mittelmaß zutiefst strotzenden 96er zu verlieren und noch weiter in den Krisensog abzurutschen. Um das Spiel zu beschleunigen wollte Lehmann höchstselbst in der eigenen Hälfte einen Einwurf ausführen. So mancher wird sich vergnügt auf die Schenkel geklopft haben, wie der Frechdax von Balljunge anstelle den Ball in Lehmanns Pranken zu legen diesen lässig über Lehmanns Kopf hinwegwarf.

Das brachte den verballhornten Lehmann, dem neuen T(h)or der Woche, selbst nach dem Schlusspfiff und der 0:1-Pleite noch völlig auf die Palme, so dass der 40-Jährige gar zum Kulturkritiker aufschwang und rundumschlagend die „Zeitschindekultur“ in der Bundesliga mächtig beschimpfte.

Was bleibt? Aus welchem Blickwinkel auch immer betrachtet, der hitzige Lehmann sah ganz schön alt aus. Böse Zungen könnten gut und gerne die Platte auflegen, wie günstig es für ihn sei, nicht mehr zum Kandidatenkreis für Jogi Löws Nationalkeepercasting zu gehören. Schließlich hätte er ja noch nicht einmal den Ball des Balljungen fangen können. Auch wenn sich in Lehmanns Salven vielleicht durchaus ein Fünkchen Wahrheit finden mag.

Über den T(h)or der Woche

Freitag, 23. Oktober 2009

Arsène knows

Happy birthday! Arsène Wenger wird heute 60 Jahre alt. Zum TW-Beitrag zu Wengers kürzlichem 13-jährigen Dienstjubiläum bei Arsenal geht es hier lang (→ Mit weicher Klinge).

Was machen Louis van Gaal?

Erst neulich präsentierte Louis van Gaal in Amsterdam seine Biografie. Die war nicht nur mit einem furchteinflößenden Emblem versehen. Angeblich sollen sich in Amsterdam glatt die Grachten gebogen haben, da van Gaal sein Werk gleich in zwei Bände aufgeteilte. Seiner literarischen Komposition verpasste er gar den Titel „Biographie und Visionen“. Hollands ungekrönter König Johan Cruyff sollte danach wie ein auf dem Stadiondach der AmsterdamArena sitzender Rohrspatz schimpfen, dass Louis van Gaal unter Alzheimer leide.

Anders als der sodann von den Medien angenommene Zusammenhang, der mit einem missglückten Weihnachtsbesuch van Gaals bei Familie Cruyff zu tun gehabt soll, dürfte nun klar sein, was Cruyff tatsächlich mit seiner Tirade gemeint haben könnte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich an diesem Freitagnachmittag das van Gaal'sche Eingeständnis im Netz. Van Gaal gesteht ein, „kein Gott“ zu sein.

Was machen Louis van Gaal? Er scheint einfach vergessen zu haben, diese Offenbarung in seine Biografie einzufügen. Welch Chuzpe! Schließlich hätte dieses Bekenntnis gleich beide Bände bereichern können. Wenn Louis van Gaal noch nicht einmal ein Fußball-Gott ist, wird es dann erlaubt sein zu fragen, wie es dann erst mit der Zugehörigkeit von Franz Beckenbauer zur Kaste der „Kaiser“ aussieht?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Sesselsitzer in Minute 19

Was für ein gelungener Einstand in den Europapokalabend. Austria Wien duelliert sich mit Werder Bremen in der Europa League. Ich setzte mich leicht verspätet, in Minute 19, in den Sessel. Während dessen schwafelt Sat 1-Reporter Erich Laaser noch ein wenig versonnen von Werders letztem Gastspiel im Wiener Franz-Horr-Stadion anno 1989, da erlöst mich dieser Claudio Pizarro mit seinem Kopfstoß zum 1:0 aus Laasers lauer Schwelgerei. Der Werder-Express scheint weiter unaufhaltsam durch die Europa League zu düsen.

Mittlerweile ist Halbzeit und ich erinnere mich gerne daran, dass im TW-Gästeblock überaus lesenswerte Gastbeiträge über Austria Wien und Werder Bremen schlummern. Austria-Anhänger Wolfgang Gams rezitierte etwa den Schriftsteller Friedrich Torberg, der einst sagte: „Austrianer ist, wer es trotzdem bleibt!“ Werder-Edelfan Nils Reschke proklamierte etwa: „Wir sind die Guten!“ Sein Werder-Fankollege Tobias Singer beschrieb Werder schlichtweg als die „Die schönste aller Bräute“. Mal sehen, ob die kleine Wiener Arena heute Abend für Werder noch zum Franz-Horror-Stadion wird.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Wimpel-Wednesday # 23: Tasmania Berlin

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 23. Was denn bei Hertha BSC los sei, fragte ich mich am letzen Wimpel-Wednesday. Und nun? Da funkelt noch weniger beim Hauptstadtklub als noch vor einigen Wochen. Eigentlich funkelt es einzig im Namen des aktuellen Trainers der „alten Dame“, der die Hertha wieder auf Kurs bringen soll. Sinnbildlich für die Talfahrt ist wohl, dass in Berlin bereits mehr Torhüter (ganze 4) eingesetzt werden mussten, als nach neun Spieltagen Punkte (ganze 3) auf dem Konto stehen.

Mittlerweile hat sich die Lage dermaßen verschlimmert, dass sogar schon der Geist von Tasmania Berlin durch die Gegend wabert. 11 Freunde schrieb von Tasmania BSC, selbst die Berliner Morgenpost sieht die Hertha mit ihren drei Pünktchen und einem Torverhältnis von 7:23 auf Tasmanias Spuren. Tasmania? Wir erinnern uns, schlimmer ging es nimmer. Saison 1965/66, 34 Partien, 8:60 Punkte, ein Torverhältnis von 15:108. Doch obacht, die Mannen der Hertha können seit heute aufatmen.

Tasmanias einstiger Torwächter Klaus Basikow durfte der WELT ein Interview geben und dort proklamieren, dass selbst die Hertha nicht so schlecht sei „wie wir“. Dieses Damoklesschwert dürfte zumindest sofort vom Berliner Himmel gefallen sein. Wenn das so ist, wird klammheimlich ein Tasmania-Wimpel in die Wimpelecke gehängt, bevor Tasmania bald wieder in Vergessenheit gerät. Schlimmer kann es dann vermutlich nicht mehr werden. Es sei denn, Hertha verliebt sich in Ailton und lockt diesen an die Spree.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Montag, 19. Oktober 2009

Was eine „Wildpinkelei“...

Der HSV hat derzeit nicht nur ein Stürmerproblem. Der Bundesligadino hat in seiner Arena, die nicht Uwe-Seeler-Kampfbahn heißen soll, offenbar ein Manko an Toiletten. Dies führt in der Arena dem Anschein nach regelmäßig zu sogenannten „Wildpinkel“-Attacken. Beispielsweise durch unerschrockene HSV-Fans aus Buxtehude, deren Attacken von gnadenlosen Ordnern vorzeitig abgewürgt werden.

Von alldem weiß jedenfalls Reporter-Urgestein Dieter Matz vom Hamburger Abendblatt in seinem HSV-Blog „Matz ab“ umfassend zu berichten. Von einem der 30 Kommentatoren seines kühnen Beitrags darf sich der HSV-Hofschreiber ob seiner erstaunlich detailgetreuen wie brutalen Darstellung gar als „Matz Bukowski “ feiern lassen. Eine bukowskieske Kostprobe gefällig?

Bitte: „Ich wurde getragen, aber ich pinkelte weiter. Mein Schniedel hing natürlich aus der Hose, als ich so in der Luft hing, aber das störte die zwei Ordner nicht....“

Ganz nach hanseatischer Kaufmannsmentalität werden sich die Rothosen doch nicht etwa durch Minderausgaben für die Anmietung von Dixie-Klos die Kosten für einen halbwegs renommierten Stürmer in der Winterpause ersparen wollen...

Sonntag, 18. Oktober 2009

Balloon Goal

Über die Kirche im Dorf

Wie schnell darf man in die Nationalelf berufen werden? Uli Hoeneß hat der Journaille nach dem gestrigen Bayern-Sieg in Freiburg auf diese Gretchenfrage angesprochen reichlich reinen Wein eingeschenkt:

„Da schießt einer mal drei Tore und soll dann gleich in die Nationalmannschaft. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.“

Von Hoeneß gemeint war Bayerns Sturm-Novize Thomas Müller, der seit Saisonbeginn wie eine kleine Rakete in den Fußballhimmel geschossen ist und Bayerns renommierte Stürmergarde um Luca Toni, Miro Klose und Mario Gomez derzeit alt aussehen lässt. Jogi Löw hatte dem 20-jährigen Müller eine Nominierung für die Länderspiele im November gegen Chile und Ägypten in Aussicht gestellt.

Hoeneß, der neue T(h)or der Woche, sprach sich vehement gegen eine Nominierung aus und plädierte dafür im Falle Müller die Kirche im Dorf zu lassen. Der oftmals streitbare Bayern-Manager hat hiermit zweifellos den Nagel auf den Kopf getroffen. Es wäre sehr schade, wenn Müllers gerade aufgehender Stern schon vor dem nächsten Frühling ob potenzierter und überhöhter Erwartungen und damit verbundenen Enttäuschungen plötzlich verglühen würde. Toni Kroos lässt hier ein wenig grüßen.

Sofern es Ende April 2010 noch immer wie im Spätsommer und diesem Herbst weiter „müllern“ sollte, hätte sich das potenzielle „Bömberchen der Nation“ zumindest über eine gesamte Saison, womöglich als Shooting-Star der Saison und nicht des Septembers, bewährt. Hat Jogi Löw sich etwa von dem Müller-Hype ein wenig anstecken lassen? Wäre nicht auch zunächst einmal ein gewisser Herr Kießling aus Leverkusen in der Nationalelf an der Reihe?

Uli Hoeneß absolvierte im Übrigen am 29. März 1972 im Alter von 20 Jahren und 2 Monaten sein Länderspieldebüt bei einem deutschen 2:0-Sieg in Ungarn, zu dem er den zweiten Treffer beisteuern sollte. Das Ganze geschah seinerzeit mehr als eineinhalb Jahre nach Hoeneß' Bundesligapremiere für den FC Bayern im August 1970.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 17. Oktober 2009

Im Sumpf gegen die Schwäne

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der große Roy Keane steht mit Ipswich Town am Tabellenende der zweiten englischen Liga und empfängt heute die formstarken Waliser von Swansea City.

Das Fußball-Unterhaus Englands, die zweitklassige Football League Championship, birgt einige Juwelen. Schließlich tummeln sich unterhalb der Premier League namhafte Traditionsklubs wie Nottingham Forest, Middlesbrough oder Newcastle United. Dort zu finden ist ebenfalls Ex-Europapokalsieger Ipswich Town. Ipswich um den Abwehrhauklotz Terry Butcher gewann anno 1981 den UEFA-Pokal gegen AZ Alkmaar, ist von solchen Höhenflügen derzeit allerdings Lichtjahre entfernt.

Denn bislang lässt sich die bisherige Saison des Traditionsklubs von der altehrwürdigen Portman Road als eine Spielzeit in Moll bezeichnen. Dies begann mit dem Tod von Englands Trainer-Legende Sir Bobby Robson, der Ende Juli einem langjährigem Krebsleiden erlag und Ipswich in seiner 13-jährigen Amtszeit als Coach der Tractor Boys die erfolgreichste Periode der Vereinsgeschichte bescherte, inklusive vorgenannten UEFA-Pokal-Tiumph. Nachdem der Klub Robson bereits unlängst vor dem Stadion an der Portman Road ein Denkmal gesetzt hatte, wurde ihm zu Ehren im September zudem der North Stand in den Sir Bobby Robson Stand umbenannt.

Der traurige Saisonverlauf setzt sich unterdessen Woche für Woche fort. Daran ändert offenbar auch nicht, dass Ipswich sich mit Roy Keane eine der namhaftesten Figuren des Fußballs auf der Insel geangelt hat. Trotz Keane sitzen die Tractor Boys im Sumpf des Tabellenkellers als Schlusslicht der Football League regelrecht fest und sind neben dem FC Darlington, Tabellenletzter der viertklassigen League Two, das einzige Team im englischen Profifußball ohne Punktspielsieg. Dabei musste Keane etwa erleben, wie seine Elf bei den letzten Duellen bei einem 3:3-Remis bei Sheffield United und einer 1:2-Niederlage in Barnsley jeweils in der Nachspielzeit ein spätes Gegentor kassierte.

Ohne prophetische Anwandlungen besitzen zu müssen, lässt sich erahnen, dass das diese sumpfige Suppe dem ehrzeigen Keane nicht besonders gut schmeckt. Das spürte etwa ein BBC-Reporter, der Keane nach der Barnsley-Niederlage fragte, ob dieser Ipswich-Coach bleiben werde. Mit funkelnden Augen zischte der Ire, dass er auf eine solche Frage nicht antworten werde. Als sich der Reporter allerdings erlaubte, nachzuhaken, ob dies ein Yes oder No auf seine Eingangsfrage bedeute, schien der Ire sogleich zubeißen zu wollen und raunzte pikiert: „Take it which ever way you want.

Der BBC-Mann konnte offensichtlich froh sein, Keane in dieser pikanten Situation nicht auf dem Spielfeld gegenübergestanden zu haben. Die Anwesenheit der laufenden Kamera tat zum Schutz des Reporters mutmaßlich ihr Übriges. Vor einer Trainerdiskussion scheint also auch Roy Keane im beschaulichen Ipswich nicht gefeit. Mal sehen, welchen Gemütszustand die heutigen 90 Minuten seiner Tractor Boys gegen Swansea City hinterlassen. Dass die formstarken Swans aus der walisischen Hafenstadt, die seit fünf Punktspielen nicht mehr verloren haben, an der Portman Road tatsächlich untergehen, scheint fraglich.

Möglicherweise hilft Keane und seinem Team die Gewissheit, dass er sich mit Sunderland vor wenigen Jahren aus einer ähnlichen Situation befreien konnte und am Ende sogar mit dem Klub in die Premier League aufstieg. Möglicherweise aber auch nicht. Die Zeiten, in denen Keane mit Grätschen, Provokationen und sonstiger Attitüde auf den Rasenrechtecken Britanniens den „aggressive leader“ gab, sind schlichtweg vorbei.

Der von respektlosen Ebay-Verkäufern ob seines Pferdchens im Emblem zum „Pferdeclub“ verballhornte Traditionsverein aus East Anglia droht im englischen Zweitligasumpf zu versinken. Das könnte bedeuten, im nächsten Jahr eine Etage tiefer womöglich beim drittklassigen Erzrivalen Norwich City gastieren zu müssen.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Litmanen

Was macht eigentlich... Jari Litmanen? Er spielt und spielt und spielt. Morgen in Hamburg geht es für Jogis Löwen gegen Finnland um die Goldene Ananas. Wer hätte jedoch gedacht, dass im Herzen des finnischen Spiels noch immer Veteran Jari Litmanen den Ton angibt. Zur Einstimmung hat WELT-Kolomnist Udo Muras Litmanen bereits in eine Garde neben erlauchten Kickern wie etwa George Best, Ryan Giggs oder Alfredo di Stefano eingereiht, die allesamt gemein haben, niemals an einer WM teilgenommen zu haben.

Ajax, Barca, Liverpool: der mittlerweile 38-Jährige kann in seiner titelreichen Vita mit so einigen beeindruckenden Stationen aufwarten, mal abgesehen von einem Abstecher zu Hansa Rostock. In den letzten Jahren ist es um den filigranen Spielmacher etwas ruhiger geworden, der sich in seiner Heimat beim FC Lathi verdingt und dort seine Karriere ausklingen lässt.

Erstmals streifte Litmanen am 22. Oktober 1989 gegen Trinidad & Tobago den weiß-blauen Dress der Huuhkajats über. Angesichts der Hektik und Dynamik in der weiten Welt des Fußballs wirkt dies schier wie eine Ewigkeit. Gute 18 Tage vor seiner Premiere hatte sich jene finnische Auswahl übrigens in der Quali zur WM 1990 in Italien im Dortmunder Westfalenstadion eine deftige 1:6-Pleite abgeholt, seinerzeit wirbelten noch Herren im Sturm von Franz Beckenbauer, die auf die Namen Rudi Völler und Jürgen Klinsmann hörten.

Das morgige Duell um die Goldene Ananas könnte also eine der letzten großen Bühnen für den Alleinunterhalter des finnischen Fußballs werden, den man vermutlich an dem leicht schleppenden Gang und der weißen Zehn auf dem blauen Trikot erkennen wird.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Bang Boom Boateng

Vor Überraschung schien gestern zunächst fast die nahe Moskwa über die Ufer zu treten, als sich abzeichnete, dass Jogi Löw mit Jérome Boateng im vielbeschworenen „Spiel des Jahres“ (wie oft wurde die Wendung eigentlich genutzt?) einen waschechten Debütanten gegen Arschawin und dessen Kollegen aus der Sbornaja aufbieten wird. Freilich war die Verblüffung allerorten nicht in dem Ausmaß zu vernehmen wie über die Nobelpreisvergabe an einen gewissen Obama tags zuvor.

Gleichwohl schien die Aufstellungsverkündung von Béla Réthy zumindest Oliver Kahn in seinem feinen Zwirn kurzzeitig die Sprache zu verschlagen. Schließlich hatte Kahn gegenüber ZDF-Lady Müller-Hohenstein noch wenige Momente zuvor darüber doziert, dass sich Jogi Löw gegen die Sbornaja keine Experimente leisten könne. Es machte zum ersten Mal an diesem Abend: Bang Boom Boateng. Der Sound von Oliver Kahn wechselte daher rapide die Windrichtung. Kahn lavierte, dass man die Startelfberufung von Boateng nun „individuell“ betrachten solle. Aha, wird mancher vor dem Bildschirm die Schultern gezuckt haben. Die Moskwa wird sicherlich ein wenig geschäumt haben.

Nachdem Bela Rethy jedoch später erläutert hatte, wie Boateng bei tollen Spielen in der U 21 und zuletzt im HSV-Dress herausragte, blieben vorläufig kaum noch Fragen zu dessen Nominierung offen. Vorläufig. Denn Boateng sollte freilich zunächst in Löws Hintermannschaft seinen Mann stehen, wie zuletzt gegen das Bravour-Duo des FC Bayern Robben und Ribery. Gegen die wendigen Russen musste der Debütant schnell erkennen, dass manches Mal lediglich ein Foul ein probates Mittel für die Unterbrechung der zumeist schnell vorgetragenen russischen Angriffe war.

Da sich derlei Senserei dem Grunde nach nur zweimal in einer Partie erlauben lässt, mündete die Premiere des talentierten Novizen nach zwei gelbwürdigen Fouls in der 41. und 68. Minute auf der Rechtsverteidigerposition in einem Platzverweis. Es machte erneut: bang, boom, Boateng. Hätte Löw seinen zuweilen unsicheren Novizen schon in der Halbzeit in der Kabine behalten sollen oder gar von Vornherein auf Arne Friedrich setzen sollen? Die Diskussion ist nach dem Sieg müßig, zumal Löw nach dem Schlusspfiff konstatierte, dass Boateng ab jetzt „zum festen Kader“ zählt.

Den Weg eines gewissen Zoltan Sebescen wird Boateng, der neue T(h)or der Woche, damit sicherlich nicht beschreiten. Ob der ganzen Turbulenzen um Boateng vergaß uns Béla Réthy übrigens sogar mitzuteilen, dass mit Boateng der Großneffe von Helmut Rahn den Adler auf der Brust trug. Das hätte an dem Abend eigentlich noch gefehlt. Deswegen wäre die Moskwa vermutlich auch nicht über die Ufer geschwappt…

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 10. Oktober 2009

Miro machts möglich

Jogis Löwen haben ihre Mission Moskau gemeistert, Miro Klose machte es mit seinem goldenem Tor möglich. Gott sei Dank! Die ZDF-Lady Müller-Hohenstein hat uns zwar gefühlte fünfundvierzig Mal auf das Etikett Spiel des Jahres hingewiesen. Doch dieses Gezeter und das Kunstrasen-Geplänkel sind nun ja definitiv vorbei. Gott sei Dank!

Russisches Tor

Live ins Spiel des Jahres reingeschaut. Kicker.de sah Miro Klose vor dem wärmenden Halbzeittee nach toller Kombination über Podolski und Özil ein russisches Tor erzielen. Seit Minute 50 erhebt der holde Béla Réthy schier minütlich die Stimme ob der Russen, die laut Réthy aus allen Lagen schießen. Der Kunstrasen hält jedenfalls, wie bislang der deutsche Abwehrriegel...

Freitag, 9. Oktober 2009

Kunstrasenkunde

Kunstrasen - eine Art russisches Roulette für Jogis Löwen? Oder doch eine Ausrede? Ja, warum hat der Jogi denn dann nicht den ollen „Zico“ Zickler nominiert. Schließlich nimmt der doch mit dieser mit seinen roten Salzburger Bullen beinah jeden Gegner in der Salzburger Kunstrasenkampfbahn auf die Hörner.

Hat „Zico“ Zickler, der gebürtige Sachse, ehedem nicht auch noch russisch in der Schule gehabt? Das wären bereits eine Handvoll Argumente gewesen, Herrn Kießling nicht zu nominieren. Oder wie doziert „Zico“ Zickler im 11-Freunde-Sachgespräch über Kunstrasen: „Es gibt keine Ausreden.

Dienstag, 6. Oktober 2009

On the Hunt

Was macht eigentlich…Aaron Hunt? Kurzum, es wird von keinem geringeren Klub als dem FC Liverpool offenbar Jagd auf den Bremer Stürmer gemacht, doch dazu später mehr. Abgesehen davon, dass Hunt bei Werder Bremen endlich vor dem lange herbeigesehnten Durchbruch steht, gibt er derzeit toreschießend und sicher allen kritischen Werder-Fans gefallend in den gegnerischen Abwehrriegeln mit seiner Nummer 14 auf dem Rücken den steten Brandherd.

Wenn Werder an gewissen Tagen dann zudem seine Affinität zu Jerseys in Orange Ausdruck verleiht und Hunt mit seiner 14 über das Feld tigert, wird sich so mancher doch nicht etwa blenden lassen. Blenden lassen in dem Sinne, an die wilden Siebziger zurückzudenken als in oranje Trikots der König aller Vierzehner, ein gewisser Johan Cruyff, den Holzhackern der weiten Welt des Fußballs dribbelnd weggewirbelt ist.

Derlei Vergleiche sind selbstredend nicht nur ein wenig hanebüchen. Aber vielleicht nicht ganz für einen namentlich unbekannten englischen Reporter, der offenbar dem Kosmos des löblichen Guardian zugehörig ist, und scheinbar eine Prise Cruyff in Hunt gesehen habe muss. Denn jener englische Reporter hat die zuweilen headlinearme Phase vor Länderspielwochenenden dazu genutzt, in den Football transfer rumours des Guardian ein angebliches Transfertauschmanöver des FC Liverpool anzudeuten.

Dies betrifft tatsächlich Aaron Hunt, der wie kolportiert wird, im Winter gegen den niederländischen Flügelstürmer Ryan Babel getauscht werden soll. Man fühlt sich schon ein wenig schwindelig gespielt, zumal das Transfergerücht schnell über den Ärmelkanal schwappte und Hunt, der einen englischen Vater hat, darüber hinaus am Saisonende ablösefrei zu haben ist. Das wäre doch mal ein Knaller.

Man stelle sich vor, der gute Aaron weiß zwar nicht so recht, wie ihm geschieht. Nichtsdestotrotz lässt er im kommenden Januar an einem nasskalten FA Cup-Sonntag im feinen roten Liverpool-Dress urbritische Wadenbeißer von Drittliga-Klubs wie Huddersfield Town toreschießend im nachmittäglichen Regen stehen. Zum Abschluss dudelt dann aus den Stadionboxen an der Anfield Road der leicht angestaubte Lynyrd Skynyrd -Klassiker „On the Hunt“, great stuff wäre das!


Sonntag, 4. Oktober 2009

Mit weicher Klinge

Chapeau, seit nunmehr 13 Jahren kultiviert Arsène Wenger, der neue T(h)or der Woche, den Trainerstuhl des Arsenal Football Clubs und ist damit wie fast jede britische Gazette schreiben wird the longest-serving Arsenal boss. Der Kosmopolit hauchte Arsenals ehedem eckigen, kantigen und zuweilen langweiligen Spiel den gewissen raffinierten Verve ein. Damit führte der Elsässer den Verein aus dem Norden Londons allmählich auf Augenhöhe mit Manchester United. Das führte nicht nur zu überaus elektrisierenden Duellen der Gunners auf dem Rasenrechteck mit ManUtd.

Solche Duelle elektrisieren auch grundsätzlich Sir Alex Ferguson, der traditionell bei jedwedem Kratzen an der Vormachtstellung Manchesters zum schottischen Kampfhahn mutiert. In Arsène Wenger schien Ferguson den kongenialen Antagonisten gefunden zu haben. Denn wenn Wenger sozusagen als gallischer Hahn zum medialen Gegenschlag nach einer Ferguson-Attacke ausholte, brauchten sich die Tabloids auf der Insel keine Sorgen um ihre Schlagzeilen zu machen. Scharfe verbale Klingen wetzend stellte halt der schottische Kampfhahn den französischen als „schlechten Verlierer“ an den medialen Pranger oder man beschimpfte sich einander als „Schande“.

Im Herbst 2004 erreichte die Feindschaft der beiden Rivalen ihren Höhepunkt. Manchester beendete im Old Trafford Arsenals legendäre Serie von 49 Partien ohne Niederlage mit einem 2:0-Triumph jäh und Wenger soll Ferguson nach Tumulten im Spielertunnel mit Pizza und Suppe beworfen haben. Was in den Wochen und Monaten nach dem vielbeschriebenen „Pizzagate“ folgte, skizzierten Englands Gazetten als „Krieg der Worte“, in den unter anderem der damalige britische Sportminister beschwichtigend einschaltete. Selbst der Polizeichef Islingtons meldete sich seinerzeit besorgt zu den Scharmützeln zu Wort und wies darauf hin, dass jede Feindseligkeit auch die Aggressivität bei den Zuschauern der beiden Klubs erhöhe.

Mittlerweile scheint sich das Verhältnis der beiden Kampfhähne derart entspannt zu haben, dass zuweilen lediglich mit weicher Klinge hantiert wird und die „FAZ“ die Feindschaft schon zu einer „Kuschelrivalität“ verwässert sah. Ob es an der Altersmilde der Konkurrenten liegt oder Ferguson Arsenal nach einigen titelosen Jahren nicht mehr ganz auf Augenhöhe mit seinen Red Devils wähnt, sei dahingestellt. Dieser Tage ließ Ferguson sogar über seinen einstigen Lieblingsfeind Bemerkenswertes verlauten und salutierte neulich wohl ob Wengers Dienstjubiläum bei einer Pressekonferenz vor dem Elsässer:

„Ich denke er hat aus Arsenal das Beste herausgeholt. Seitdem er dort ist, hat der Klub wunderbare Erfolge gefeiert. Das beweist, dass die Langlebigkeit, in meinem oder seinem Fall, belohnt wird. Sein Team spielt mit der richtigen Einstellung. Das Stadion ist jede Woche voll. Er ist ein unglaublich erfolgreicher Trainer für Arsenal, daran gibt es nichts zu zweifeln.“

Zudem lobte der Schotte Wengers Prinzipientreue und hat vielleicht ein wenig Wenger in sich wiedererkannt. Schließlich eint beiden Trainerikonen neben der Leidenschaft für Erfolge, Titel und schönes Spiel, dass das Dinner for One der beiden in Old Trafford und im Emirates Stadium dem Sonnenuntergang entgegengeht. Es darf daher mit Spannung erwartet werden, ob der Fehdehandschuh bei den nächsten Duellen nochmals geworfen wird. Denn auf eine gewisse Weise gehört diese Fehde zur Fußballfolklore auf der Insel einfach dazu, selbst wenn sie mit regelrecht weichen Klingen ausgetragen wird…

Der Beitrag ist ebenfalls auf dem Goonerportal und auf Footbo.com zu finden.

Samstag, 3. Oktober 2009

Von lahmen Eulen

Gestern in Meppen, bei dem einstigen David der zweiten Bundesliga, war für einen gemütlichen Fußballabend alles angerichtet. Das Flutlicht flackerte, das schmucke Stadion glänzte wie zu besten Zeiten und die Stadionwurst mundete.

Nachbar Eintracht Nordhorn hatte sich am 9. Spieltag der Oberliga Niedersachsen-West zum Derby angesagt und beim Blick auf die Meppener Aufstellung fiel einem sogar der Name Robben ins Auge. Gerade das in Liga Fünf auf dem rechten Angriffsflügel ein Namensvetter des niederländischen Premiumkickers erwartet werden darf, sollte eigentlich schon was heißen.

Ein einträchtiges Schlottern der Knie der Gäste aus Nordhorn ließ sich von der ehrwürdigen Alten Tribüne allerdings deshalb während der unterhaltsamen 90 Minuten nicht vernehmen. Denn die rotgekleideten Nordhorner standen in der Abwehr stabil und konterten in ihrer roten Kluft, die irgendwie an den Retrostil von Nottingham Forest Anfang der Achtziger erinnerte, clever, flott und effizient.

Die Meppener Elf schien sich dagegen am Habitus seines Stadionsprechers zu orientieren. Der ließ nicht nur das Gefühl eines emsländischen Cousins von Harry Wijnvoord aufkommen, sondern entlockte so manchem ungeduldigen Besucher auf der Alten Tribüne das gnadenlose Urteil, dass die „lahme Eule“ endlich mit den Startaufstellungen fertig werden solle.

Dem SV Meppen um seine Robben-Ausgabe fehlte gegen den nachbarschaftlichen Rivalen der Schwung und biss folglich in der Offensive stets auf Granit. Jener Robben, der mit Vornamen Jens  und nicht Arjen heißt und sich einige Jahre unauffällig in der zweiten Liga verdingte, gefiel allein wegen seiner roten Schuhe. Denn dank derer wurde sein minimaler Bewegungsradius leider auffällig markiert.

Ganz anders die Nordhorner Gäste. Die besaßen zwar keinen Robben in ihren Reihen, dafür mit ihrem Mittelstürmer Dennis Brode einen waschechten Torjäger. Dem gelangen kurz vor der Pause qua lupenreinem Hattrick sämtliche drei Tore des nasskalten Herbstabends, womit Brode schon vor dem Halbzeitpfiff eine leidige Trainerdiskussion über Meppens umstrittenen Coach Frank Claaßen, der seit dem Sommer Meppens Trainertaktstock schwingt, in Gang setzte. Denn das stakkatohafte „Claaßen raus“ war weder im Stadionrund zu überhören noch endeten die Diskussionen beim halbzeitlichen Stelldichein am Pinkelbusch hinter der Tribüne.

Zu den Highlights der zweiten Hälfte avancierten die „Aufhören“-Rufe nach einer knappen Stunde. Hiernach verließen nicht wenige Zuschauer kopfschüttelnd und vorzeitig das Stadion. So mancher Besucher wird aber trotz der Negativserie von fünf sieglosen Punktspielen zum nächsten Heimspiel des SV Meppen in zwei Wochen wieder auf der Alten Tribüne sitzen.

Oder wie ist folgender Schlusspfiffdialog zweier SV Meppen-Schalträger ansonsten zu verstehen? „Moin Werner, tuste Dir den VfB Oldenburg auch wieder an? – Muss ich, ich hab ja ne Jahreskarte!“ Wie schön, dass die weiteren rund 1.300 Zuschauer vor dem aufkommenden Pfeifkonzert mit wohligen „You’ll never walk alone“-Klängen in die Nacht entlassen wurden. Das nächste Heimspiel in der früheren Zweitliga-Trutzburg kann also kommen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Olé

Olé ! Mario Kempes, eines der vielen Fußball-Idole Argentiniens, schenkt Diego Maradona (→ Maradonanitis) in einem faz-Interview reinen Wein ein. Ehrlich und amüsant kommentiert Kempes Maradonas Fähigkeiten als Nationaltrainer:

„Auf dem Platz wird deutlich, dass die Spieler nicht verstehen, was er von ihnen verlangt. Vielleicht weiß er aber auch selbst noch nicht genau, welchen Stil er verfolgt. “

Ergo, Maradona weiß als Trainer noch nicht, wo links und rechts sind. Das alles als Trainer jenen Landes, aus dem jener Mann kam, der einst darüber parlierte, dass linker Fußball schön sei und rechter Fußball Titel gewinne. Darauf zum Abschluss ein menottieskes „Olé“.