Sonntag, 31. Mai 2009

Endspiel

Es hatte nach dem Abpfiff des Pokalfinales durchaus etwas Elektrisierendes, als Frank Baumann nach dem Endspiel seiner Karriere sozusagen im Rahmen seiner letzten Diensthandlung als Bremer Spielführer den güldenen Pott in den Berliner Abendhimmel stemmte. Wie landauf landab in den Gazetten zu lesen war, geht der Kapitän von Bord.

Bisweilen fällt es schwer, sich an eine Bremer Partie mit Baumann zu erinnern, in der er nicht seine Numero 6 und die Bremer Kapitänsbinde getragen hat. Ballkünstler Diego wird man auf den ersten Blick im Bremer Spiel sicherlich eher vermissen. Baumann, der unauffällige Defensivallrounder vom unaufgeregten Schlage Carsten Ramelows, wird Werder gewiss genauso fehlen. Daher sei auf die treffende Charakterisierung Baumanns auf der Werder-Homepage verwiesen:

„Man könnte meinen, es wären Schwächen. Doch das Gegenteil ist richtig: die zurückhaltende Art, der unspektakuläre Fußball – es sind die Dinge, die Frank Baumann so wertvoll machen. Er ist bei Werder nicht für die große technische Kunst zuständig, doch sein unermüdlicher Dienst für die Kollegen, seine Aufmerksamkeit und seine Initiativen für Werders Spiel sind unverzichtbar.“

Demnächst wird Baumann zum Assistenten von Werder-Manager Klaus Allofs avancieren, hierfür an den neuen T(h)or der Woche alles Gute!

Samstag, 30. Mai 2009

Finalfieber

Im Mikrokosmos von THOR WATERSCHEI herrscht heute gewissermaßen Finalfieber. Zum einen heißt es in England „Vorhang auf“ für das 128. Endspiel des FA Cups, in dem Michael Ballacks FC Chelsea und der FC Everton um den Sieg im bedeutensten englischen Pokalwettbewerb ringen. Die Litanei über Ballacks unglückselige Finalpleiten wird sich einfach erspart. Schließlich sitzt bei den Blues noch immer Guus Hiddink, auch wenn heute zum letzten Mal, auf der Bank, dem man mitunter nachsagt, über sogenannte Midas-Hände zu verfügen.

Inwiefern dieser Samstag für Chelsea ein goldener wird, bleibt abzuwarten. Denn wenn es nach Englands Ausgabe von Udo Lattek geht, die Terry Venables heißt, dann dürfte das FA Cup-Finale für Chelsea keine Spaziergang über das satte Wembley-Green werden. Wie sich auf der Onlineseite der Sun nachlesen lässt, gab „El Tel “dem zuständigen Redakteur zu Protokoll, dass er eine Überraschung durch Everton für nicht unwahrscheinlich halte und garnierte seine Prognose mit dem Sahnehäubchen „Toffees are like Barcelona“. Behält er Recht, hängen für Ballack und seine Blues heute in Wembley die Trauben recht hoch.

Der andere wichtige Vorhang wird sich heute in Berlin heben. Bayer Leverkusen trifft im DFB-Pokalendspiel auf Werder Bremen und hofft auf den zweiten Pokalsieg nach 1993, in dem die Amateurmannschaft von Hertha BSC dank eines Kirsten-Tores bezwungen wurde. Doch die Erinnerung an diesen Triumph und das wenig spektakuläre Finale ist schon reichlich verblasst. Bei mir klingelts nur noch im Bezug darauf, dass Bayer-Coach Dragoslav Stepanovic damals im Sportstudio ständig damit genervt hat, nicht den Pokal anfassen zu wollen, weil Vorgänger Reinhard Saftig kurz vor dem Finale geschasst worden war.

Weniger geziert hat sich da Werders Trainerikone Thomas Schaaf vor zehn Jahren, der Bremen selbst vor dem siegreichen Pokalfinale '99 übernahm und letztmals im Bremer Doublejahr 2004 den Pott an den Weser geholt hat. Als Appetitmacher auf dieses Finale gaben sich dieser Tage übrigens die beiden Blogger Tobias Singer (Meine Saison mit dem SVW) und Jens Peters (Catenaccio) im TW-Gästeblock die Ehre und orakelten dort wortgewandt, warum gerade ihr Lieblingsklub heute den DFB-Pokal in den Berliner Abendhimmel stemmen wird.

Ein umfassender Blick in den Gästeblock lohnt sich also, zumal, Gott sei Dank, in keinem der beiden Gastbeiträge die wenig betörende Floskel „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ zu finden ist. Es darf also ein hochklassiges Finale erwartet werden.

Freitag, 29. Mai 2009

Berlin, Berlin...

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Als Vorgeschmack auf das morgige Pokalfinale in Berlin, hat gestern bereits Werder-Edelfan Tobias Singer darüber philosophiert, wieso sein SVW den DFB-Pokal holen wird. Heute gibt sich Leverkusen-„Fan aus Mitleid“ Jens Peters im Gästeblock die Ehre und erklärt, warum bei einer Finalpleite seiner Werkself unterm Bayer-Kreuz Holland in Not wäre.

Was hängt bei der Werkself aus Leverkusen nicht alles von diesem Finale ab? Jedenfalls, wenn man der Presse Glauben schenken darf. Verliert das Team von Bruno Labbadia das DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen, ist Holland in Not. Zunächst einmal würde es keinen internationalen Fußball in Leverkusen geben. Schlimm genug, wenn da nicht noch das neue Stadion wäre. Die Einnahmen aus der Europaliga würden fehlen, um finanzielle Verbindlichkeiten zurück zu zahlen.

Dann ist da ja noch der Trainer. Während die Presse bereits drei von vier Stuhlbeinen Labbadias mächtig angesägt hat, arbeitet die Mannschaft angeblich kräftig an des Trainers letzter Standfestigkeit. Noch legen aber Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser weiche Matten aus, für den Fall, dass der Trainer vom Stuhl kippt. Geht das Finale verloren, darf der braungebrannte Mann an der Seitenlinie wohl die Koffer packen.

Und noch einige mehr, werden wohl Sack und Pack zusammenraufen, sofern dies möglich ist. Zwei Jahre kein internationaler Fußball unterm Bayer-Kreuz, ein Mittelfeldplatz in der Bundesliga sind nicht gerade Gründe für potenzielle Stars, bei einer Mannschaft zu verbleiben. Rene Adler, Patrick Helmes, Tranquillo Barnetta und Co. würden es sich zwei Mal überlegen, wenn ein attraktives Angebot aus dem Süden der Republik, bzw. aus dem Ausland kommt.

Soweit die Bedeutung des Finales für die Leverkusener. Die Frage ist nun, reichen diese Punkte aus, um zu sagen, Bayer gewinnt das Finale? Will man nächstes Jahr internationalen Fußball in der neuen BayArena spielen? Will man gar den Posten des Trainers retten? Will man gemeinsam in der nächsten Saison oben mitspielen? Sicherlich alles Überlegungen, die man treffen kann, aber das wichtigste ist doch der Pokal!

Den Pokal würde ich nach Hause holen wollen. Den Pott. Heim in die Vitrine. Den Gegner an die Wand spielen, in Berlin, vor 80.000 Zuschauern, die Trophäe in die Hand nehmen, mit Sekt füllen, daraus trinken, feiern bis zum nächsten Tag. Das würde ich wollen. Und die Chance könnte kaum größer sein. Ein Match zum ultimativen Erfolg. Das wäre für mich Grund genug, zu gewinnen.

Dass Bayer gewinnen kann, daran zweifeln die wenigsten. Das Team hatte theoretisch Potenzial, ganz vorne mitzuspielen, doch irgendjemand, hat vergessen in der Bundesliga den Schalter umzulegen. Im Pokal ging es. Wenn es darauf ankam. Gegen die Bayern. Gegen Mainz in der Verlängerung. Also warum auch nicht gegen die Bremer? Dann könnte der Norden der Republik, personifiziert durch Hamburg und Bremen Vizekusen, im Nichterreichen von Erfolgen ablösen. Ich würde mich freuen.

Ich würde auch Fan bleiben, dieses Mal auch nicht aus Mitleid.

Jens Peters ist der Kopf des äußerst erfrischenden Bayer 04-Blogs „Catenaccio“.

Das vergessene Länderspiel


Hat es einer bemerkt? Heute gab es ein Länderspiel von Jogis Löwen zu beobachten. War jemand dabei in Shanghai? Angeblich soll ein gewisser Lukas Podolski ins chinesische Tor eingenetzt haben. Kapitän Lahm soll geprustet haben,dass es frustriere, immer hinterherzulaufen und selbst Jogi Löw soll anständig gereizt durchgeschnauft haben, „über nicht reibungslos gelaufene Dinge...“

Das vergessene Länderspiel scheint tatsächlich zum Vergessen gewesen sein.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Der Fußballgott ist ein Arschloch

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Als Vorgeschmack auf das Pokalfinale am Samstag in Berlin, werden heute und morgen mit Tobias Singer und Jens Peters gleich zwei Edelfans der beiden Finalisten ihre Visitenkarte im Gästeblock abgeben und uns davon berichten, wieso gerade ihr Lieblingsklub den DFB-Pokal holen wird. Den Anfang macht heute Werder-Anhänger Tobias, der offenbar genau weiß, wie Werder Bayer Leverkusen den Pokal wird wegschnappen können.

Warum wird Werder Bremen Pokalsieger? Ich könnte es mir einfach machen und auf unseren Gegner verweisen. Bayer Leverkusen ist nicht gerade bekannt für den nötigen Killerinstinkt am Ende einer Saison. So ist die Titelsammlung der Rheinländer wenig beeindruckend. Immerhin den DFB-Pokal haben sie schon einmal gewonnen. Nicht wenige Fans freuten sich daher sehr über „Vizekusen“ als Finalgegner.

Ich könnte es mir auch einfach machen und auf Werders Pokalgeschichte verweisen. Reisen nach Berlin gehörten schon immer zu den Bremer Lieblingsbeschäftigungen, was sicher nicht an unserer Auswärtsbilanz gegen die Hertha liegt. In den 22 Jahren meines bewussten Fan-Daseins stand Werder bislang siebenmal im Finale und ging dabei viermal als Sieger vom Platz. Der letzte Pokalsieg ist bereits fünf Jahre her. Es wird also höchste Zeit, mal wieder einen Pott an die Weser zu holen.

Doch der wahre Grund, warum Werder am Samstag als Sieger vom Platz gehen wird, ist genauso einfach wie traurig und eigentlich jedem Fußballfan bekannt: Der Fußballgott ist ein Arschloch!

Kaum eine Mannschaft hat sich in den letzten Monaten derart unbeliebt gemacht, wie Werder. Bestechungsskandale, Wettbewerbsverzerrung und unsportliches Verhalten sind nur einige der Vorwürfe, die gegen den Verein erhoben wurden. Werder spielte 2009 in einer Liga für sich, spulte in der Bundesliga bis auf wenige Ausnahmen ein Pflichtprogramm runter und zeigte nur in den Pokalwettbewerben, was eigentlich in der Mannschaft steckt. Ging es nicht ums direkte Weiterkommen, spielte man oft uninspiriert und wenig ansehnlich. Am Ausgang der Bundesliga wollte sich Werder lieber nicht beteiligen. Zu dumm, dass die letzten Spiele ausgerechnet gegen Absteiger Karlsruhe und Meister Wolfsburg stattfanden.

Als es darum ging, dem Nordrivalen aus Hamburg die tolle Saison zu vermiesen, war Werder plötzlich wieder voll da. „Kein Finale, keine Schale, HSV“, sangen die Fans und so muss wohl auch die Mannschaft gedacht haben. Nun liegt der HSV am Boden (sprich: Europaliga) und Werder hat beruhigt ein paar Gänge zurückgeschaltet. Wer wäre also besser geeignet, den nach Titeln lechzenden Leverkusenern den Pokal vor der Nase wegzuschnappen? Irgendwie werden der fallsüchtige Diego und der geldgeile Pizarro den Ball schon im Tor unterbringen. Und falls gar nichts mehr geht, liegt bestimmt irgendwo eine Papierkugel, die ins Spiel eingreift.

Jubeln werden am Ende also wir unsympathischen grünweißen Fischköppe. Doch es ist nicht so, als hätte der Fußballgott kein Herz: Nach der Meisterschaft auch den Pokal an einen Werksverein zu vergeben, das wäre selbst für ihn zu gemein.

Tobias Singer bloggt ansonsten leidenschaftlich über Werder und den Fußballgott in seinem Werder-Tagebuch Meine Saison mit dem SVW .

Better side

Gestern Abend im Stadio Olimpico von Rom ging es feierlich zu. Vor allem, nachdem Barca den silbernen Landesmeisterpott zum dritten Mal nach 1992 und 2006 gen Abendhimmel stemmen durfte. Trainer Baade notierte während des Finales fleißig wie aufschlußreich mit. Trainer Ferguson resümierte schottisch trocken: „Barca were better side.“

Mittwoch, 27. Mai 2009

Gladiatoren

Im Stadio Olimpico in Rom geben heute Abend ab 20.45 Uhr die Kicker von Manchester United und dem FC Barcelona die Gladiatoren des diesjährigen Champions League-Finals. Im kicker-Interview hat sich United-Legende Ole-Gunnar Solskjaer, um sich offenbar selbst die Wartezeit zum Finale Grande zu verkürzen, an ein Champions League-Endspiel aus dem Jahre 1999 erinnert, an welches sich so mancher Bayern-Fan bestimmt gar nicht mehr wird erinnern können.

Montag, 25. Mai 2009

Ticketfieber in Turf Moor

Es gibt in diesen Zeiten Fußballklubs, die lassen einen doch wahrlich das Fußballerherz höher schlagen. Einer dieser Klubs ist der FC Burnley. FC Burnley, da wird sich nun bei dem einen oder anderen ein mittleres Stirnrunzeln breit machen. Gut, der FC Burnley wird in der nächsten Saison in der Premier League seine Visitenkarte abgeben, nachdem er gestern im Playoff-Entscheidungsspiel der englischen zweiten Liga Sheffield United im Wembley-Stadion mit 1:0 bezwungen hat.

Für die Fans des FC Burnley bedeutet dies, dass sie in Turf Moor, in England zweitältester Kampfbahn, nach über 33-jähriger Abstinenz endlich wieder erstklassigen englischen Fußball bewundern können. Da Burnleys Bosse offensichtlich ein Herz für ihre treuesten Fans haben, könnte sich der Einstieg in den Premier League-Fahrstuhl für rund 7.000 Supporter der Clarets sogar im wahrsten Wortsinne doppelt bezahlt machen. Denn 7.000 der treuesten erhalten ihr Jahresticket für die kommende Saison umsonst, sofern ein Burnley-Anhänger seine aktuelle Dauerkarte vor dem 8. August 2008 erworben hat.

Diese schöne Aktion lässt sich der Klub geschlagene 2,3 Millionen Euro kosten. Doch in einem noch helleren Glanz steht sie, wenn man mal nachzählt, dass das gute alte Turf Moor lediglich über knapp 23.000 Plätze verfügt. Als einer der bekanntesten Kicker in Burnleys langer Vereinsgeschichte darf, wie sich schön nachschmökern lässt, im Übrigen ein gewisser Paul Gascoigne bezeichnet werden. Schließlich machte Gazza vor wenigen Jahren kurz vor seinem endgültigen fußballerischen Verfall eine Handvoll Spiele für den zweimaligen englischen Meister.

Wie schade jedoch, dass Gazza seither weniger mit den Clarets am Hut gehabt hat. Hätte er sich ehedem im beschaulichen Burnley eine Dauerkarte gegönnt, wäre Gazza künftig vielleicht wieder einmal etwas öfter in der Premier League zu erblicken gewesen.

Sonntag, 24. Mai 2009

Durch dick und dünn

Dem Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 e.V. ist es gestern (endlich) gelungen, aus den Niederungen der 3. Liga den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu meistern. Die größten Erfolge der Fortuna sind zwar bereits rund 30 Jahre her. Doch in Düsseldorf könnte tatsächlich ein schlafender Riese schlummern, der da offenbar allmählich geweckt wurde. Aus diesem Anlass sei nun auf einen formidablen Gastbeitrag von Fortuna-Edelfan Carsten Koslowski, genannt Janus, verwiesen, der mit seiner Fortuna durch dick und dünn geht und die er für den besten Verein der Welt hält. Seinen Artikel hat Janus THOR WATERSCHEI im Februar 2008 zur Verfügung gestellt.

Ein Appetithappen gefällig? Bitteschön:

„Fortuna Düsseldorf – was soll man darüber schon groß schreiben? Natürlich ist Fortuna der beste Verein der Welt, solchen Langweilern wie Bayern München oder Werder Bremen turmhoch überlegen, von den selbstbeweihräucherten Selbstdarstellern im Bahnhofskapellendorf etwas südlich von Düsseldorf mal ganz abgesehen – auch wenn dies im Umfeld nicht wirklich viele Leute so weit interessieren würde, dass sie mal regelmäßig ins Stadion kommen würden. In Düsseldorf gab und gibt es stets Wichtigeres, als dem lokalen Fußballverein zu huldigen. Und diesem Verein über Jahrzehnte anzuhängen, ist wohl nur möglich, wenn man das alles nicht so Ernst nimmt...“

Hier geht es zu dem gesamten Beitrag von Janus in den TW-Gästeblock: „Fortuna Düsseldorf - alles andere ist (nur) Fußball!“.

Abgehakt

In dem ganzen Trubel der letzte Woche um den Gewinn der Meisterschale, den Abschied von Felix Magath und den weiteren relevanten und weniger relevanten Ereignissen des letzten Bundesligaspieltags ist beinah untergegangen, wie die kurze und beinah trivial anmutende Karriere des Jermaine Jones in der Nationalmannschaft beendet wurde. Jogi Löw verkündete kürzlich sein Aufgebot für die bevorstehende Asien-Reise, die sicher verzichtbare Länderspiele gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und China mit sich bringt.

Wie wir alle wissen, muss Löw auf dieser Expedition zumeist aus Termingründen auf rund 16 etablierte Akteure verzichten. Dennoch ließ es sich Löw nicht nehmen, auf die Dienste des Schalkers Jones, der in der rumpeligen abgelaufenen Schalker Saison mit seiner Kampfkraft zumindest wie ein Einäugiger unter vielen Blinden wirkte, höchstselbst zu verzichten. Der kantige Jones hat offensichtlich schnell bemerkt, dass Löw damit beinahe lautlos die Guillotine in Bezug auf Jones weitere Zukunft im Kreis der Nationalelf hat fallen lassen.

Der Tagesspiegel kommentierte dies messerscharf:

„Der Fußballer Jermaine Jones besitzt einige Fähigkeiten, die ihn aus der Masse seiner Kollegen herausheben: Er ist athletisch und kampfstark, furcht- und kompromisslos. Seit gestern wissen wir, dass Jones zudem eine rasche Auffassungsgabe besitzt. Nachdem Schalkes Mittelfeldspieler das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die Asienreise zu Gesicht bekommen hatte, hat er seine Länderspielkarriere umgehend für beendet erklärt.“

Jones selbst verkniff sich einen stinkstiefelhaften verbalen Schlenker, für den er bisweilen durchaus gut ist: „Es ist ja nicht nur für mich erledigt, sondern auch der Bundestrainer hat das wohl abgehakt.“ Kurzum, die WM 2010 dürfte für Jones, den neuen T(h)or der Woche, damit ebenfalls abgeschrieben sein. Gleichwohl stellt sich die einfach zu formulierende Frage, was nach dieser Rückrunde macht speziell den für die Jones-Position nominierten Hoffenheimer Weis als auch den wegen des Pokalfinales nicht berufenen Simon Rolfes, der vermutlich seinen Platz im Kader gehabt hätte, besser als Jones?

Oder war es der sogenannte Nutella-Fluch, den Jones als ersten der vier aktuellen Nutella-Boys erwischt hat? Wenn dem übrigens so sein sollte, dann werden die beiden weiteren Nutella-Boys Weis und Rolfes ihr Nationaltrikot künftig mutmaßlich ebenfalls auf dem Bügel hängen lassen können.

Über den T(h)or der Woche

Thor Auswärtsspiel: Dieser Artikel ist auch auf footbo.com zu finden.

Samstag, 23. Mai 2009

Jetzt ist der Drops gelutscht!

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der VfL Wolfsburg wird nach einem 5:1-Kantersieg gegen UEFA-Vizepokalsieger Werder Bremen erstmals Deutscher Meister.

Magath+Medizinbälle=Meisterschale. Oder wie der Wolfsburger Meistertrainer heute sagen dürfte: der Drops ist gelutscht. Seine Wölfe und deren Anhänger werden heute heulen, aber natürlich nur aus euphorischer Freude.

THOR WATERSCHEI gratuliert selbstredend und freut sich vor allem aufrichtig für den lange in der Versenkung verschwundenen Veteranen Sebastian Schindzielorz, den Magath in den Niederungen des griechischen Fußballs ausgegraben hat und dem von Magath sieben Minuten vor Spielschluss gegen gefallene Bremer von Magath sein 6. Saisoneinsatz geschenkt wurde. Da kam selbst die ansonsten sachliche NDR 2-Radioikone Alexander Bleick ins Frohlocken:

„Jetzt kommt auch noch Schindzielorz, der seine Hände in seiner Karriere bisher noch nicht einmal annähernd an der Meisterschale liegen hatte.“

Freitag, 22. Mai 2009

„Das ist sie, Freunde!“

Was macht eigentlich...Andreas Brehme? Wenn unser 1990er WM-Siegtorschütze, wir erinnern uns an das kurzweilig malade matthäus‘sche Nervenkostüm des Finales von Rom, nicht gerade ganz im Stile eines Volkstribuns im unverkennbarem hamburgischen Idiom in der Provinz Mini-Fußballplätze einweiht. Dann kümmert er sich als derzeitiger Fußballtrainer außer Dienst zeitweise um Salatschüsseln.

Gemach gemach, da ist nun kein neuer Tupper-Generalvertreter wie eine Rakete in den Himmel geschossen. Andi Brehme wurde auserkoren, morgen vielmehr seinem Ex-Verein Bayern München, sofern dieser gegen den VfB Stuttgart gewinnt und Wolfsburg gegen Bremen verliert, die Meisterschale zu überreichen. Gewiss, das wäre was, wenn die Bayern selbst nach dieser unberechenbaren Saison als Deutscher Meister in die Bundesligannalen eingingen.

Apropos Annalen. Wer wusste eigentlich, dass Brehme seine eigenen bereits anno 1998, im Doppelpass mit dem Journalisten Herbert Günther verfasst hat. „Das war’s, Freunde!“ heißt dieser literarischer Erguss, in der Brehme, wie es bei Amazon heißt, „penibel Auskunft über jede einzelne Saison und bedeutende Turniere“ gibt. In Anlehnung an seine literarische Flanke könnte Brehme den Bayern also am Samstag so gegen 17:30 Uhr im Rahmen der feierlichen Übergabe der Meisterschale zurufen: „Das ist sie, Freunde!“

Dass Brehme seinem altem Bayern-Trainer aus den 80ern, Jupp Heynckes, indes penibel über jeden einzelnen Bundesligameister Auskunft geben wird, darf wohl inständig bezweifelt werden. Vielleicht wird Brehme Heynckes dafür anerkennend Teile seines schier unermesslichen Zitatenschatzes um die Ohren fegen: „Jupp, von der Einstellung her, stimmte bei den Bayern unter Dir stets die Einstellung.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Noch vor dem Sonnenuntergang

Bei Eintracht Frankfurt geht eine Ära zu Ende. Friedhelm Funkel, zweitdienstältester Trainer am Riederwald nach Erich Ribbeck, hat nach emotionalen fünf Jahren mit Wirkung zum Saisonende um Auflösung seines gerade erst bis 2010 verlängerten Kontrakts gebeten. Funkel war seit geraumer Zeit zum Feindbild eines Großteils der Frankfurter Fans avanciert, die dem sachlichen Funkel'schen Fußball überdrüssig waren. Ein schöner Funkel-Nachruf ist im Blog G zu finden.

Gerüchten zufolge soll Funkel in Gesprächen mit dem trainerlosen 1. FC Kaiserslautern stehen, für den er ehedem in der Bundesliga die Stiefel geschnürt hat. Wenn es nach einem innovativen Gladbach-Daumendrücker geht, könnten seine Borussen ebenso ihre Netze nach dem am Main zuweilen viel geschmähten Funkel auswerfen. Wie verriet der User <Borusse> auf Welt Online:

„Hoffentlich reagiert Borussia Mönchengladbach und verpflichtet Funkel noch bevor die Sonne untergeht!“

Als Funkel-Nachfolger ist bei den Hessen neben Mirko Slomka oder Michael Skibbe unter anderem auch ein gewisser Lothar Matthäus im Gespräch. Man braucht voraussichtlich kein Prophet sein, um zu erkennen, dass viele Zeitgenossen im Eintracht-Kosmos unseren Rekordnationalspieler analog zu Uli Hoeneß noch nicht einmal in der Funktion des Greenkeepers den Rasen der schmucken Frankfurter Arena, die einst Waldstadion hieß, mähen lassen würden. Dass mutmaßlich weder vor noch nach dem Sonnenuntergang...

Werder wenig wunderbar

Es ist amtlich, der UEFA-Pokal wurde in Istanbul beerdigt, die Bremer-Siegträume von den filigranen Ukrainern in den Oranje-Trikots gleich dazu. Das letzte Kapitel in den UEFA-Cup-Annale hat nun also Schachtjor Donezk geschrieben. Oder wie Sat 1-Reporter Erich Laaser gestern gefühlte 25 Mal nicht vergaß zu erwähnen, dass Donezk sich nach Dynamo Kiew 1975 und 1986 der Ukraine den dritten Europapokalsieg gesichert hat.

THOR WATERSCHEI hat in der Blogosphäre nach Eindrücken zur Werder-Pleite gestöbert, eine Blogschau:

1. Das Weser-Blog bringt den Abend von Istanbul auf den Punkt: „Schade, Werder das war wohl nichts.“

2. Fanartisch überreicht Werder augenzwinkernd den UEFA-Pokal. Da ist die legendäre Papierkugel nicht weit. „Leider für Werder Bremen auch nur aus Papier: der Uefa-Pokal“

3. Das Werder-Blog sieht eine alte Weisheit umgekehrt: „Und Geld schießt eben doch Tore“.

4. Das Bundesliga-Blog trauert mit: „Keine grün-weiße Nacht in Istanbul“.

5. Oliver Fritsch in seinem direkten Freistoß legt den Finger treffend in die Bremer Wunde: „Zum letzten Schritt hat Bremen die Qualität gefehlt“.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Otto-Orakel

17 Jahre nach Werder Bremens Triumph im Finale Europapokals der Pokalsieger gegen den AS Monaco gibt Otto Rehhagel für Werders heutiges UEFA-Pokal-Endspiel gegen Donezk das wohlwollende Orakel:

„Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Wenn die Spieler also entsprechend auftreten, traue ich ihnen den Europacup-Triumph zu. Endspiele sind etwas Außergewöhnliches. Dessen müssen sich die Spieler bewusst sein.“

Damals waren die Herren Schaaf und Allofs, der einen Treffer beisteuerte, sogar noch persönlich mit von der Partie. Mal sehen, inwiefern es Herrn Schaaf gelingt, die Herren Frings und Konsorten nochmals richtig unter Schweiß zu setzen. Er wird doch nicht etwa zu dem taktischen Kniff greifen und ihnen erzählen, dass Donezk im Trikot des HSV auflaufen wird...

Dienstag, 19. Mai 2009

Beerdigung in Istanbul

Der UEFA-Pokal wird morgen Abend im schmucken Şükrü-Saracoğlu-Stadion in Istanbul beerdigt. Die gute alte Zeit scheint endgültig vorbei. Der Europapokal der Landesmeister ist schon lange abgeschafft und ins schmissigere Champions League-Gewand gezerrt. Die Tränen um den einstigen Europapokal der Pokalsieger sind schon lange getrocknet, ist er doch bereits vor zehn Jahren geruhsam entschlafen.

Nun ist der UEFA-Pokal an der Reihe, dessen für die einen wohlklingenden, für die anderen furchteinflößenden Namen die UEFA für immer in die ewigen Jagdgründe verbannt hat. Euro-League nennt sich das Wortungetüm aus dem Bausteinkasten der Herren um Monsieur Platini. Für die Bayern hat das ganze Prozedere trefflich ein Gutes, sie müssen nie wieder im UEFA-Pokal spielen. Schade eigentlich!

THOR WATERSCHEI kondoliert mit aufrichtiger Anteilnahme und und gedenkt anlässlich des letzten UEFA-Pokals-Finales mit stillem Gruß nochmals allen Siegern seit 1972. Der Vorläufer des Wettbewerbs war der Messepokal, der von 1955 bis 1971 ausgespielt wurde.

1972: Tottenham Hotspur
1973: FC Liverpool
1974: Feyenoord Rotterdam
1975: Borussia Mönchengladbach
1976: FC Liverpool
1977: Juventus Turin
1978: PSV Eindhoven
1979: Borussia Mönchengladbach
1980: Eintracht Frankfurt
1981: Ipswich Town
1982: IFK Göteborg
1983: RSC Anderlecht
1984: Tottenham Hotspur
1985: Real Madrid
1986: Real Madrid
1987: IFK Göteborg
1988: Bayer 04 Leverkusen
1989: SSC Neapel
1990: Juventus Turin
1991: Inter Mailand
1992: Ajax Amsterdam
1993: Juventus Turin
1994: Inter Mailand
1995: AC Parma
1996: FC Bayern München
1997: FC Schalke 04
1998: Inter Mailand
1999: AC Parma
2000: Galatasaray Istanbul
2001: FC Liverpool
2002: Feyenoord Rotterdam
2003: FC Porto
2004: FC Valencia
2005: ZSKA Moskau
2006: FC Sevilla
2007: FC Sevills
2008: Zenit St. Petersburg
2009: ?

Gestatten: Berger, Feuerwehrmann

Gefühlte Jahrzehnte nach dem letzten Gastspiel von Jahrhunderttrainer Ernst Middendorp, gedenkt Arminia Bielefeld seine akuten Abstiegsbrände von Feuerwehrmann Jörg Berger löschen zu lassen. Schließlich wusste dereinst schon der norwegische Spaßvogel Jan-Aage Fjörtoft:

„Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet...“

Dann mal Wasser marsch auf der Alm.

Montag, 18. Mai 2009

Amanatidis in Agonie

„Es ist erbärmlich, dass man mit 33 Punkten in der Liga bleibt. Das spricht für die Schwäche der gesamten Liga. Die Zweiklassengesellschaft wird immer größer. Die oben werden immer besser, die unten werden immer schlechter.“

Was sagt denn hierzu wohl der gemeine Eintracht-Fan, ob hier der Funke(l) überspringen wird? Amanatidis, twelve points?

De leeuw

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Eric Gerets, de leeuw.

Wallendes dunkles Haar im punkigen Endsiebzigerlook, garniert mit einem schwarzen Vollbart. Die Nummer Zwei auf dem Rücken, die Stutzen hochgezogen und positioniert auf der rechten Außenverteidigerseite. Es ist die Rede von dem jungen Eric Gerets, der belgischen Fußball-Ikone, die ehedem in den 70er und 80er Jahren hinten rechts die Post abgehen ließ. Gerets sah nicht nur einem Löwen zum Verwechseln ähnlich, er besaß offenbar auf dem Rasenrechteck ebenso den Habitus eines Löwen. Gerets, der lange Jahre den Dress von Standard Lüttich und des PSV Eindhoven trug, konnte richtig zubeißen, kämpfte stets wie ein Löwe und erhielt in seinem Heimatland folgerichtig den Spitznamen De leeuw verpasst.

Dabei galt Gerets nicht unbedingt als Verteidiger der alten Schule, der den gegnerischen Linksaußen, um warm zu werden, erst einmal auf die Aschebahn geschickt hat. Wie Klaus Allofs einmal der WELT verriet, schieb Gerets Anfang der 80er seiner Zeit schon etwas voraus zu sein: „Er hat schon damals nicht mehr diesen alten Verteidigerstil gespielt, sondern die Offensive gesucht. Er war nicht so groß, aber sehr stämmig, ein sehr dynamischer Spieler, der mit viel Temperament bei der Sache war.“

Es ist nicht überraschend, dass Gerets maßgeblich an den Erfolgen von Belgiens Nationalteam in den 80ern beteiligt war, in denen Belgiens große Generation um Jean-Marie Pfaff, Jan Ceulemans, Franky van der Elst und Gerets mit der Vizeeuropameisterschaft 1980 oder dem 3. Rang bei der 86er WM in Mexiko glänzte. Dass bei dem heutigen Trainer von Olympique Marseille indes nicht alles Gold ist, was glänzt, davon zeugt ein Bestechungsskandal, in den Gerets seinerzeit als Geldbote verwickelt war und hierfür rund 13 Monate lange gesperrt wurde.

Diese unschöne Episode über Gerets und Standard Lüttich handelt von der wenig aufrichtigen Vorbereitung der die belgische Meisterschaft entscheidenden Partie der Saison 1981/82. Der Gegner Standard Lüttichs hieß seinerzeit THOR Waterschei, der traurigerweise monetär für das Hochheben seiner Beine entschädigt werden sollte.

Seine Grätsche ins Nichts hat Gerets einmal als „schwersten Fehler meines Lebens“ bezeichnet. Mit viel Temperament und Löwenmut erkämpfte sich Gerets im Laufe der Zeit seinen Ruf zurück, wie auch seine Vorherrschaft auf Belgiens rechter Abwehrseite. Das alles ist jedenfalls schon lange her, wovon auch Gerets fortgeschrittenes Alter zeugt. Denn heute wird Gerets 55 Jahre alt, das wallende dunkle Haar und der schwarze Vollbart sind weg, der Schopf schimmert grau. De leeuw erhält ab sofort einen Platz in der Galerie der Eisenfüße. Und dass ironischerweise ausgerechnet bei THOR WATERSCHEI.

Sonntag, 17. Mai 2009

Man nannte ihn „Hot Shot“

39 Jahre ist Michael Tarnat mittlerweile alt. Tanne Tarnat, der alte Haudegen, als der in Duisburg noch als Talent galt, hetzte dort sogar noch Zettel-Ewald Lienen in Zebra-Kluft über den Rasen. Tanne Tarnat, der alte Haudegen, als der sich in Karlsruhe allmählich einen Namen machte, fegte dort noch Winnie Schäfer mit seiner wallenden roten Haarpracht wie ein Irrwisch vor der KSC-Bank her.

Tanne Tarnat, der alte Haudegen, als der in München bei den Bayern viele titelreiche Jahre verlebte, war auch jenes ominöse Jahr vor zehn Jahren dabei, als die Bayern in Barcelona gegen Manchester United ihren legendären Minuten-Tod starben. Tanne Tarnat, der alte Haudegen, als es den auf die Insel zu Manchester City verschlug, eroberte er schnell die Herzen der Fans. In Deutschland kannte man ja Tarnats riesigen Bumms bereits, in England machte sich Tarnat damit ebenfalls einen Namen: man nannte man ihn „Hot Shot“.

Tanne Tarnat, der alte Haudegen und passionierte Trikotsammler, als der vor fünf Jahren in Hannover bei 96 anheuerte, klopfte man sich dort noch gefällig auf die Schenkel, tatsächlich einen Oldtimer solchen Kalibers zu 96 gelockt zu haben. Allmählich kann Tanne Tarnat, der alte Haudegen, jedoch von Hannover aus dem Sonnenuntergang seiner Laufbahn entgegenreiten. Wie man über Tanne Tarnat, den alten Haudegen, so hört und liest, bekam dieser Stunden vor dem letzten 96-Heimspiel dieser Saison gegen Wolfsburg wenig aufrichtig mitgeteilt, bei 96 für das nächste Jahr keinen neuen Vertrag mehr zu erhalten. Mit einem Blumenstrauß zum Abschied soll übrigens auch gegeizt worden sein.

Wie sich vernehmen lässt, hat Uli Hoeneß Tarnat zwar seinerzeit zum Abschied einen Job als Bayern-Scout in die Tasche gesteckt. Doch angeblich will der derzeit älteste Feldspieler der Bundesliga nach dieser für ihn so verletzungsreichen Spielzeit nicht einfach so abtreten und noch ein allerletztes finales Jahr die Stiefel schnüren. Es wäre doch was, wenn man Tanne Tarnat, den alten Haudegen und neuen T(h)or der Woche, nach ein oder zwei knackigen Freistoßknallern noch ein paar Mal „Hot Shot“ nennen könnte.

Auf einer Rekordmeisterstufe

Manchester United steht nach dem Gewinn des 18. Meistertitels seiner Vereinsgeschichteauf einer Rekordmeisterstufe mit dem FC Liverpool. Man beachte die kreischenden Herren Neville, Ronaldo, Ferdinand, Tevez und wie sie alle heißen. Bei allein elf Titeln stand Sir Alex Ferguson nervös kaugummikauend vor der United-Bank, meckerte und peitschte seine Red Devils nach vorne. Dieser Schotte weiß offenbar einfach, wie es geht.

Samstag, 16. Mai 2009

Wie gelutscht ist der Drops?

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der VfL Wolfsburg triumphiert am 33. Bundesligaspieltag mit 5:0 in Hannover und legt damit bereits eineinhalb Hände an die Schale.

Gelutschter Drops?

Barcode-Ästhetik

Schon seit geraumer Zeit habe ich mir vorgenommen, mal wieder über den 1. FC Köln zu bloggen. Schließlich steht der Effzeh womöglich vor einer Ära. Denn wir wissen bekanntlich alle: Poldi kommt zurück an den Rhein, der unlängst vor lauter Freude fast übergeschwappt wäre. Allerdings ward zuletzt wenig bloggenswertes im Geißbock-Mikrokosmos zu finden.

Der Dom steht noch immer, Poldi wurde mit reichlich Zirkusgetöse zurückgeholt, den Bayern wurde auf eigenem Feld eine Pleite beigebracht. Doch seither fragt man sich, ob der Effzeh überhaupt noch in der Bundesliga mitspielt. Dass Köln derweil im Niemandsland der Bundesliga grauer als Bochum in seinen besten Zeiten wirkt, mag vielleicht wie ein Hauch von Konstanz anmuten nach langen im Fahrstuhl zwischen den Ligen.

Da indes noch nicht einmal der Daum exaltierte Extravaganzen mit seinen Kickern veranstaltet, soll sich jetzt gepflegt dem neuen Effzeh-Trikot der kommenden Saison gewidmet werden, dessen Barcode-Ästhetik kürzlich im Forum des Onlineportals des Express für Aufruhr sorgte. Die hegen bereits Hass auf den neuen Dress und schreiben dessen Design bereits den widrigen kreativen Künsten von Geißbock Hennes zu. Die anderen erkennen sogar einen Hauch von Liverpool in dem neuen FC-Trikot. THOR WATERSCHEI dokumentiert elf exemplarische Eindrücke aus der leidenschaftlichen wie heterogenen Forendiskussion:

1. „Hässlich.“

2. „
ohhh Mann, ist das hässlich ! könnt froh sein,dass Poldi kommt sonst wären die Trikots Ladenhüter...

3. „
Es wird verkannt das es ne ganz schlaue Aktion vom FC ist. Jeder der mit dem Trikot im Supermarkt einkaufen geht, dem wird der Barcode automatisch an der Kasse gescannt und zahlt 79 Euro. Jedes mal. Dann kann sich der FC bald auch den Helmes zurueckkaufen.“

4. „
Ich persönlich finde, dass das Trikot nicht grad eine Augenweide ist....Aaaaber wenn die da schon das Geld für eine teure Designer-Agentur gespart haben, dann will ich nächste Saison auch gute Spieler auf dem Platz sehen und keine ablösefreien Gurkenspieler.“

5. „
Die Barcodes sind echt nicht schön. Aber generell siehts gut aus. Das letzte Trikot fanden Anfangs auch alle schlimm, jedoch lief am Schluß doch jeder damit rum :-)

6. „
ICH find DAS trikot EINFACH super UND werde es mir auf jeden Fall kaufen. Außerdem glaube ich nicht, dass dieses Trikot jemals ein Ladenhüter wird, denn das war in Köln noch nieeee so.

7. „
Fehlen noch die grünen Äpfel auf der Rückseite und das Trikot sieht genauso aus wie die Einkaufstüte vom Sponsor...echt grottenschlecht!

8. „
Werden die Spieler jetzt auf dem Spielfeld auch gescannt...dann werden wir bald immer ein "Biep" hören, wenn die Spieler einen gewissen Punkt überschreiten oder ähnlich...“

9. „Ist ja alles wie immer. Kaum traut sich mal jemand was neues, wird es kaputt geredet. Ich finde das Trikot nicht schlecht. Neues, innovatives Design - einfach mal was anderes als der Bundesliga-Einheits-Look. Und in einem halben Jahr werdet Ihr alle dieses Trikot gekauft haben und voller Stolz tragen! Darauf wette ich!

10. „
ich hasse dieses trikot wer hat das entworfen etwa hennes? ich hab mich echt gefreut ein trikot mit poldi hintendrauf zu tragen aber das?SCHEISSE

11. „
Sieht nett aus. Der Hauptsponsor hat das Design wohl mitbeeinflußt und einen Strichcode unten draufgepackt. Ansonsten aber ok, ähnlich zu den ehemaligen Liverpool Trikots.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Aus den Annalen der Stuttgarter Kickers

Was machen eigentlich...die Stuttgarter Kickers? Gell, in Stuttgart existiert neben dem VfB mit den Kickers vom Degerloch noch ein weiterer Traditionsverein. Auf der Kickers-Internetseite klingt dies übrigens so: der Blaue Traditionsverein aus Degerloch. Wie schade, dass der Klub, der den späteren VfB-Granden wie Guido Buchwald, Jürgen Klinsmann, Fredi Bobic oder auch Karl Allgöwer im Profigeschäft das Laufen beigebracht hat, ab der kommenden Saison Grüße aus der 4. Liga, der Regionalliga Süd, schicken wird.

Denn wie seit heute bekannt, ist dieser Abstieg unumgänglich, nachdem die Kickers, zurzeit angehendes Drittligaschlusslicht zusätzlich wegen vermeintlicher Liquiditätsproblemen eine 3-Punkte-Strafe aufgebürdet bekam, die den Kickers sämtliche Klassenerhaltshoffnungen ad acta legen lässt. Der Klub, der seine Partien im Stadion unter dem Stuttgarter Fernsehturm austrägt, gedeihte zwar schon immer etwas im Schatten der Roten vom VfB. Doch vor allem zwei glorreiche Spiele dürften in die Annalen der Kickers eingegangen sein.

Zum einen das DFB-Pokalfinale 1987, das der HSV nur mit Mühe und Not nach einem Rückstand in den Schlussminuten drehen konnte. Zum anderen der großartige Kickers-Triumph aus dem Oktober 1991 während des zweiten Bundesligagastspiels nach 1988/89, als die von dem altehrwürdigen Rainer Zobel trainierte Kickers-Elf im Münchner Olympiastadion eine schier unglaubliche 1:4-Pleite beibrachte.

Der Bayern-Trainer hieß damals zufällig Jupp Heynckes und durfte nach diesem Desaster seinen Hut nehmen. Die Protagonisten der Kickers hießen Karel Kula, Andreas Keim, Reinhold Tattermusch oder ein gewisser Claus Reitmaier und werden so manchem eingefleischten Blauem aus Degerloch sicher noch immer schnell über die Lippen gehen. Solche Zeiten sind unter dem Stuttgarter Fernsehturm aber bekanntlich schon lange vorbei, gell?


Dienstag, 12. Mai 2009

Traumklub

Das nennt man wohl die Bewerbung eines niederländischen Meistertrainers trotz etwas paradoxer Schlagzeilenlage...

Sonntag, 10. Mai 2009

Treffende Flanke

Nicht nur HSV-Edelfan Dittsche wird wissen, dass es sich bei Manni Kaltz um Mr. Bananenflanke handelt. Immer wieder, wenn in der HSV-Hemnisphäre an die glorreichen und wohl auch zuweilen lähmenden glorreichen alten Zeiten in den Achtzigern gedacht wird, wird der Name von Kaltz in einem Atenzug mit den übrigen Rauten-Granden wie Hrubesch, Magath, Stein oder Happel genannt. Ansonsten ist es um den HSV-Rekordspieler recht ruhig geworden, da Kaltz nicht zu jeder verunglückten Hereingabe seiner Nachfahren auf dem Flügel seinen Senf hinzugeben muss.

Wird Kaltz, mithin als 69-maliger Nationalspieler Europameister '80 und Vizeweltmeister '82, allerdings nach einer flankierenden Analyse der gegenwärtigen Situation bei seinem HSV oder bei der Nationalelf befragt, gerät diese dann ebenso fundiert wie treffend. Dies zeigte sich beispielsweise in einem Interview mit der FAZ am Tag vor dem 3. Akt des Nordderbys, dem UEFA-Pokal-Rückspiel am Donnerstag, als Kaltz der jungen Jol-Eleven die Grenzen aufzeigte:

„Um wirklich wieder eine große Mannschaft zu werden, muss der HSV noch deutlich mehr erreichen und vermutlich auch erst noch viele Niederlagen einstecken. [...]. Wir waren damals ja auch nicht auf Anhieb erfolgreich: Unsere Mannschaft wurde nach dem Umbruch nach der Ära von Uwe Seeler und Willi Schulz langsam aufgebaut seit Anfang der 70er. Wir mussten dann auch immer erst eine bittere Niederlage einstecken wie im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1980, ehe wir daraus unsere Lehren gezogen haben. Wir wurden durch Niederlagen cleverer und haben es dann beispielsweise 1983 beim Endspielsieg gegen Juventus Turin besser gemacht. Diese Lehre hat die heutige Mannschaft noch nicht durchlaufen.“

Trotz allem Papierkugel-Gedöns lässt sich in der Rückschau der vier Nordderby-Partien eine Menge Wahrheit in den Kaltz'schen Worten erkennen. Kurzum scheinen die Rothosen nach den drei Niederlagen gegen Werder ironischerweise noch zu grün für den ersten Titel seit 1987, dem in Berlin errungenen DFB-Pokalsieg. Bei dem war Kaltz, der neue T(h)or der Woche, auch zugegen und erzielte seinerzeit zwei Minuten vor dem Schlusspfiff gegen die Stuttgarter Kickers den vorentscheidenden Treffer zum 2:1.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 9. Mai 2009

Gegomezt

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der VfL Wolfsburg wird in Stuttgart gegomezt und verliert drei Spieltage vor dem Saisonende der Bundesliga wichtigen Boden auf dem Weg zur Meisterschale.


Wer kann sich noch daran erinnern? Vor wenigen Wochen lud Deutschland in der WM-Qualifikation Liechtenstein in Leipzig zum Tanz. Ein paar Törchen fielen beim lockeren 4:0-Sieg von Jogis Löwen natürlich auch, nur für diesen Mario Gomez blieb das Tor des Fußballzwerges wie vernagelt. Viel schlimmer, welch unappetitliche Fragen sich Gomez danach stellen lassen musste. Noch schlimmer ward es, als Fallrückzieheronkel Klaus Fischer (→ Fallrückzieher ins Nichts) zudem Gomez große Qualitäten dem Grunde nach in Frage stellte und palaverte:

„Er hat jetzt ein Jahr lang kein Tor mehr gemacht. Noch nicht einmal gegen Liechtenstein oder Vorwärts Indien. Der hätte früher nie wieder gespielt.“

Es hatte den Anschein, als wenn Fußball-Deutschland sich dem Trunke einer anwachsenden Anti-Gomez-Hysterie, die sich in dessen schwachen Darbietungen bei der EM 2008 begründete, ergeben würde. Dass der gute Herr Gomez bis dahin im Trikot mit dem VfB-Brustring gehörig seinen Mann stand und sich seine Pflichtspieltreffer an drei Händen nicht mehr abzählen ließen, geschenkt. Wer will da denn auch nachzählen. Wie gut, dass es heute Nachmittag in der Stuttgarter Arena, die früher Neckarstadion hieß, ein paar Tore weniger waren. Beim 4:1 der Schwaben wurde der Spitzenreiter aus Wolfsburg nicht einfach nur geschlagen, er wurde regelrecht gegomezt.

Genau gesagt, netzte Gomez vier Mal im Kasten der Magath-Elf. Ja, im Tenor von Klaus Fischer gesagt, dabei war Wolfsburg noch nicht einmal von der Güte von Vorwärts Indien. Und Stuttgart hat sich dank seines Goalgetters, der derzeit immerhin die Hand an der Torjägerkanone hat, die Tür zur Meisterschaft vor den finalen drei Spieltagen mächtig aufgeschlagen. Was sind schon zwei Pünktchen, vor allem in dieser verrückten Saison und wenn man obendrein einen bärenstarken Mario Gomez in seinen Reihen hat.

Wolf im Schaafspelz?

Thomas Schaaf, Werders Jubilar, Werders Trainerurgestein. Lassen wir die Papierkugel von Donnerstag jetzt einfach wieder Papierkugel sein. Tatsächlich soll der VfL Wolfsburg seine Netze nach dem Bremer Erfolgstrainer und aktuellem T(h)or der Woche ausgeworfen haben.

Wie wir alle wissen, lässt Felix Magath demnächst königsblaue Medizinbälle schleppen. Dass kürzlich sich weigerte, ein Gelübde für die Werderewigkeit abzulegen und betreffend seiner weiteren Zukunft bei Werder sprach, dass er nicht wisse, „wie lange es geht“, steht plötzlich diese zunächst herrliche unaufgeregte Aussage in einem ganz anderen Licht.

Es hätte schon etwas von einer Verschiebung der Bremer Plattentektonik sollte Schaaf Werder tatsächlich in diesem Sommer verlassen. Ein Wolf im Schaafspelz, irgendwie kaum vorstellbar, oder?

Freitag, 8. Mai 2009

Papierkugel der Pandora

Diese unglückselige Papierkugel. Die unglückselige Papierkugel, über die Herr Gravgaard und der HSV gestern im 3. Teil des Nordderbys stolperten. Ja, wahrlich über Nacht hat sie sich schon zur Papierkugel Gottes gemausert. Einer der billigsten Lacher ist hierzu übrigens dieser Scherz:

„Warum hat die Papierkugel eigentlich keine gelbe Karte bekommen? Ach ne, sie hat ja nur den Ball gespielt.“

So mancher HSV-Supporter wird vermutlich ein entsprechendes Exemplar auf seinem Schreibtisch liegen gehabt haben, wenn er sich nicht irgendwo eingeschlossen hat. Und dass alles nur wegen dieser Papierkugel der Pandora, die ausgerechnet aus dem HSV-Block geflogen kam und jetzt auch noch twittert. Wie notierte sie vor etwa zwei Stunden: „Anruf von Klaus Allofs, wenn Sanogo im Sommer geht, würde er mir ein Angebot machen.“ Für Werder kann es nur noch heißen, auf nach Istanbul...

Donnerstag, 7. Mai 2009

Aufstieg

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute liefert Carsten Pilger, engagierter 1. FC Saarbrücken-Blogger und Fanzineschreiber, einen Erlebnisbericht von der Aufstiegsfeier seines 1. FCS, der nach zuletzt drei Abstiegen nun begann, den Rückweg aus den Niederungen der fünftklassigen Oberliga Südwest anzutreten.

"5:1, die Null wird nicht gehalten, aber nach dem Spiel interessiert uns das auch nicht mehr", so in etwa lauteten die Worte, die ich vor Spielbeginn als meinen Tipp für das Fanradio präsentieren konnte. Viele Tore, ein paar Schwächen in der Abwehr, also doch noch etwas auf dem Boden geblieben, aber wichtiger natürlich: der Aufstieg. Der Tabellenletzte der Oberliga Südwest, in diesem Falle Bad Breisig, ist da natürlich ein denkbar unattraktiver Gegner, aber was will man nach drei Abstiegen schon erwarten?

Symbolisch verarbeitete man die "2 Jahre[n] in dunkler Tiefe" mit einer Unterwasser-Choreographie der Droogs-SB, in der "Captain Ferner das FCS U-Boot U-1903 zurück an die Wasseroberfläche" brachte, was gar kindliche Freude über den ersehnten Aufstieg mit der Selbstironie, die es eines FCS-Fans bedarf, vereinte. Ein besonderer Tag also, an dem man endlich ausbrechen darf, wildfremde Menschen sich wahllos umarmen dürfen, jedenfalls dann, wenn das Spiel erst einmal zuende ist.

4.800 Zuschauer wollten sich jedenfalls dann auch unter den Jubelnden befinden. Zunächst bekamen sie auch einen FCS zu sehen, der schon früh den Abstiegskandidaten aus Bad Breisig unter Druck setzte. Erkennbar offensiv waren die Blau-Schwarzen von Dieter Ferner auch ausgerichtet worden, sodass mit Marcel Schug, Michael Petry, Sammer Mozain und Nazif Hajdarovic vier der fünf besten Torschützen in der Startformation standen. Flüssige Kombinationen gab es in den ersten Minuten oft zu sehen, was im Endeffekt meist an der Abseitsentscheidung des Schiedsrichtergespanns scheiterte.

Danach beobachtete man, wie so oft in dieser Saison, dass der Gegner das einzig wirksame Mittel ergriff und konsequent auf Abwehrarbeit setzte. Was Mannschaften wie Elversberg II oder Wirges zum Punktgewinn im Ludwigspark verhalf, lähmte nun auch das Kombinationsspiel des 1. FC Saarbrücken. Die größte Chance für den FCS ergab sich nach einem Eckball in der 20. Minute, als Marcel Rozgonyi einen Volleyschuss nur knapp über die Querlatte setzte. Vereinzelte Vorstöße von Bad Breisig wurden schon weit vor dem Saarbrücker Tor abgefangen. Nur eine Mischung aus Torschuss und Flanke geriet kurzweilig zur Gefahr für Tobias Rott, allerdings konnte man dieser Planlosigkeit bereits ablesen, dass mein Tipp, die Null würde heute fallen, vielleicht doch nicht eintreffen würde.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit sollte es dann doch noch einer dieser Momente geben, in dem sich wieder der Unterschied zu vergangenen FCS-Mannschaften zeigte. Einen Freistoß aus gut 20 Metern Entfernung setzte Sammer Mozain zur 1:0-Führung in die Torwartecke! Eine vorzeitige Erlösung, noch lange nicht die Entscheidung.

Nach der Pause ergab sich das gewohnte Bild, der FCS bemühte sich den Bad Breisiger Riegel zu knacken, kam dabei allerdings nicht immer in Schussposition. Das Spiel konzentrierte sich nun vollends auf die Gästehälfte und die Frage, wann und ob das 2:0 die Blau-Schwarzen endgültig in die Regionalliga befördern würde, beherrschte die Kulisse. Dieter Ferner brachte mit Metin für Otto, Stelletta für Mozain und Brückerhoff für Weißmann frische, vor allem aber wendige Spieler, um wenigstens im entscheidenden Moment einfach die Abwehr zu durchbrechen. Für Aufregung sorgte dabei ein heftiger Körpereinsatz im Strafraum gegen Michael Petry, der das Stadion wie aus einer Kehle "Elfmeter!" reklamieren ließ, was vom Schiedsrichter unerhört blieb. Kurze Zeit später sah es anders aus.

Von einem Abwehrspieler gelegt holte Mike Brückerhoff in der 77. Spielminute einen Elfmeter heraus und diesmal sollte Nazif Hajdarovic, der den FCS verlassen wird, sein Glück vom Punkt versuchen. Ein knallharter Schuss in die Tormitte und dem FCS war die Meisterschaft praktisch nicht mehr zu nehmen: 2:0 durch Hajdarovic!
Bad Breisig hatte sich nun völlig aufgegeben, sodass vier Minuten vor Ende der Partie ein mustergültiger Konter zum 3:0-Entstand abgeschlossen wurde, der Torschütze hieß erneut Hajdarovic.

Und kurz darauf öffneten sich zum ersten Mal seit 2004 wieder die Stadiontore.Es war zwar nur ein Aufstieg von der ungeliebten Fünft- in die nicht sonderlich beliebtere Viertklassigkeit, wie auch ich vor dem Spiel im Fanradio-Interview zugab, allerdings war davon nach Abstieg nicht mehr viel zu spüren. Vielleicht war die Menschenmasse im Gegensatz zu 2004 ein wenig geschrumpft, vielleicht war der Aufdruck des offiziellen Aufstiegshemds "Erster FC Saarbrücken 09" ein wenig verhaltener als sonst, vielleicht fehlte dem ein oder anderem Zuschauer das obligatorische Freibier. Dennoch steigt man nicht jedes Jahr auf, nicht jedes Jahr gelingt einer Truppe der Spagat zwischen Erfolg und Ehrlichkeit und einen Trainer wie Dieter Ferner, der mit der schweren Last eines ehemaligen Publikumslieblings gekonnt umgegangen ist, findet man auch nicht alle Tage.

Und diese Tage muss man auskosten, auch nach drei Abstiegen.

Carsten Pilger betreibt das FCS-Blog und ist außerdem dafür mitverantwortlich, dass das stets ausverkaufte FCS-Fanzine „Der Leuchtturm“ das Licht der Welt erblickte.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wimpel-Wednesday # 21: 1. FC Saarbrücken

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 21. Dass Felix Magath bald auf Schalke Trainer sein wird, hat sich im Fußball-Kosmos vermutlich rumgesprochen wie ein Lauffeuer. Dass Magath neben Felix mit Wolfgang einen weiteren Vornamen besitzt, daran werden sich emsige Paninibildersammler womöglich entsinnen können. Dass Wolfgang Felix Magath vor langer Zeit allerdings, weit vor europapokalbringenden Bogenlampen mit der HSV-Raute auf der Brust, mal den blau-schwarzen Dress des 1. FC Saarbrücken trug, da wird sich so mancher mutmaßlich erst einmal grübelnd das Kinn kratzen. Magath und der 1. FC Saarbrücken?

Ist schon lange her. Es ist ebenfalls lange her, dass der 1. FCS, das Bundesligagründungsmitglied, richtig von sich reden machte. Gut, da gab es doch mal diesen Eric Wynalda, der die Saarländer Anfang der Neunziger kurzzeitig auf Rang drei der Bundesliga schoss. Nach ein paar sogenannten Fahrstuhlfahrten wehten die blau-schwarzen Fahnen des 1. FCS zu Anfang dieser Saison dagegen erstmals in der 5. Liga, was den getreuen FCS-Fans sicher einiges an Leidensfähigkeit abverlangt haben wird. Oberliga West hieß plötzlich die Realität des Saarbrücker Fußballalltags.

Mittlerweile ist im Saarbrücker Ludwigspark jedoch endlich Licht am Ende des Tunnels zu erkennen, schließlich gelang dem Traditionsverein jüngst der Aufstieg in die viertklassige Regionalliga West. All das soll für THOR WATERSCHEI Anlass genug sein, einen FCS-Wimpel in die TW-Wimpelecke zu hängen und vorab einen spannenden Erlebnisbericht von der Saarbrücker Aufstiegsfeier anzukündigen, mit dem FCS-Edelfan und Wimpeleinsender Carsten Pilger dem TW-Gästeblock morgen erneut (→ Kafkaesk) seine Aufwartung machen wird.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Montag, 4. Mai 2009

Verrostet?

HSV-Torwächter Frank Rost, der schroffe Charakterkopf, der sich allen Ernstes Fäustel nennen lässt, hat der FAZ ein gestern erschienendes Interview gegeben, in dem der 35-Jährige Jogi Löw nicht nur offenherzig die Auswahl eines erfahrenen Torsteher für die WM in Südafrika nahelegt.

Da die Brücke zu sich selbst natürlich schnell geschlagen ist, lässt es sich Rost, der Tachelesredner, nicht unerwähnt, wie es sich anfühlt in der Nationalmannschaftssackgasse zu stecken:

„Ich kenne die Gründe nicht, warum ich nicht dabei bin. Mich hat man wohl kategorisch ausgeschlossen – das Leistungskriterium scheint dabei weniger zu zählen. Ehrlich gesagt, will ich nicht ewig über dieses Thema philosophieren. Ich kann es nicht erzwingen.“

Den griffigen Sound des altehrwürdigen Uli Stein hat der gute Fäustel Rost also durchaus drauf. Ebenso allerdings die Fähigkeit, konstant, ohne einen segelnden Adler zu mimen, eine Saison auf hohem Niveau durchzuspielen und einer Verteidigung die empfohlene Erfahrung und Rückendeckung zu geben. Gleichwohl wird sich Jogi Löw sicher nicht unter der Sonne von Kapstadt von Fäustel zu einem Suppenkasper Reloaded machen lassen wollen...

Sonntag, 3. Mai 2009

„Ich weiß nicht, wie lange es geht“

Es gibt Zeitgenossen, die sich beim Anblick von Thomas Schaaf an das strenge Angesicht von Marlon Brando als Paten erinnert fühlen. Noch mehr Zeitgenossen sehen in dem zumeist norddeutsch trocken auftretenden Werder-Trainer jedoch den potenziellen Nachfolger von Werder-Rekordtrainer Otto Rehhagel. Schließlich steht in der kommenden Woche Schaaf seine Jubiläumswoche als Werder-Coach bevor. Seit zehn Jahren hat das Werder-Urgestein nunmehr auf der Bremer Brücke das Sagen und wird irgendwann in der Retrospektive für sich beanspruchen dürfen, dass er den schöneren Fußball hat spielen lassen als Otto I. in seiner 14-jährigen Ära am Weserstrand.

Das Gelübde für die Ewigkeit legt Schaaf dennoch nicht ab und sprach betreffend seiner weiteren Zukunft bei Werder herrlich unaufgeregt: „Ich weiß nicht, wie lange es geht“. Der Realist kennt die Gesetze des Geschäfts. Schließlich sah so mancher Schreiberling noch im Februar, als die Endspiele im DFB-Pokal und UEFA-Cup für Werder noch nicht zum Greifen nah waren, die Sonne der Schaaf-Ära so langsam untergehen. Doch inzwischen strahlt diese wieder wie in besten Tagen.

Wie vor zehn Jahren steht Schaaf mit Werder im Pokalfinale und darf trotz der Hinspielpleite am Donnerstag im UEFA-Pokal gegen den HSV noch immer auf den Endspieleinzug dieses bald beerdigten Europapokals hoffen. Zum einen machte Werder nicht zuletzt im jüngsten DFB-Pokalhalbfinale in der Uwe Seeler-Kampfbahn eine gute Figur. Zum anderen scheint es, als wenn der neue T(h)or der Woche speziell in dieser Saison bei Pokalpartien vor auswärtigem Publikum immer irgendwie noch einen Trumpf in der Tasche hätte.

Über den T(h)or der Woche

Ohne Schuster

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der FC Barcelona deklassiert eine erschreckend normale Equipe, die sich Real Madrid nennt und obendrein per Zufall im selben Stadion aufläuft, in dem ansonsten der ehrfürchtige spanische Rekordmeister zu Hause ist.

Hola! Offensichtlich gelingt es in Spanien, das Duell zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona auch ohne einen gewissen Bernd Schuster über die Bühne zu bringen. Schuster, der kauzige blonde Engel, dereinst Träger beider Trikots. THOR WATERSCHEI meint sich zu erinnern, dass erst im Frühling des vergangenen Jahres die Eleven von Barca, Messi und Henry eingenommen, für die seinerzeit von Schuster trainierten königlichen Kicker artig Spalier stehen mussten.

Wir erinnern uns, wie Schuster vor dem Hinspiel im kalten Dezember kühn prophezeite: „Wir können höchstens eine gute Partie gegen Barcelona spielen, gewinnen niemals. Sie sind zu gut. Ich glaube, dass dies das Jahr von Barca sein wird.“ Hiernach musste Schuster bekanntlich in Madrid seinen Hut nehmen. Der Prophet zählz bekanntlich im eigenen Land nichts, nicht einmal in solch einem königlichen Kosmos...

Samstag, 2. Mai 2009

Perfekte Wahl

Der FC Bayern München und kein Ende. Bekanntlich sitzt jetzt erst einmal Jupp Heynckes (→ Osram brennt wieder) neben seinem Freund Uli Hoeneß auf der Rekordmeisterbank. Nach der Klinsmann-Entlassung schießen beinah täglich neue Trainernamen wie Pilze aus dem Boden, die künftig an der Säbener Straße das Zepter schwingen sollen.

Bei etwas genauerer Betrachtung fällt auf, dass zuweilen viele Trainer aus dem niederländischen Königreich gehandelt werden. Kaiser Franz bevorzugte zunächst angeblich Guus Hiddink, dann ist von Frank Rijkaard die Rede. HSV-Coach Martin Jol (→ Wilder Siebziger) darf freilich auch nicht fehlen, zumal dieser Ende der Siebziger als Spieler schon den Bayern-Dress in wenigen Kurzeinsätzen tragen durfte.

Großer Favorit auf die Regentschaft beim Rekordmeister scheint allerdings Louis van Gaal zu sein, der gerade erst AZ Alkmaar in den Niederlanden zu Meisterehren geführt hat und anno dazumal Ajax schon UEFA-Pokal-Gewinn sowie einen glanzvollen Champions League-Sieg bescherte. Für Goal.com ist van Gaal sogar die perfekte Wahl:

„Louis van Gaal wäre der perfekte Bayern-Trainer. Hochnäsig genug, um in der Münchener Schickeria zu überleben, international schwer erfolgreich, spricht Deutsch und hat eine so große Klappe, dass die Presse auf Knien darum bitten wird, von ihm erniedrigt zu werden. Genau der richtige Diktator – Entschuldigung, Dompteur, der wieder Ordnung in diesen Zirkus Bayern bringen könnte und jemand, der keinen Respekt vor Stars hat, sondern diese schuften lässt. Ein Ottmar Hitzfeld, nur mit Peitsche statt Zuckerbrot.“

Als so genannte perfekte Wahl lässt sich ein gewisser Lothar Matthäus nicht bezeichnen. Er wird ja noch nicht einmal ernsthaft gehandelt. Bald wird sich nicht die Frage vermeiden lassen, was bloß aus LM werden soll. Hat dieser erst im Laufe dieser Woche zufällig seinen Vertrag in Israel mit Wirkung zum Saisonende aufgelöst. Da wird dem weitgereisten Lothar doch jetzt wohl nicht von den Bayern-Granden vorgehalten werden, dass er kaum etwas niederländisch Geprägtes in seiner prall gefüllten fußballerischen Vita vorzuweisen hat, außer vielleicht eines Gullit-Trikots aus den späten Achtzigern.

Allmählich lassen sich Zweifel nicht leugnen, dass sich unser Rekordnationalspieler tatsächlich vom Greenkeeper an bei den Bayern wird hochrackern müssen...