Dienstag, 31. März 2009

Hüne aus Llandudno

Wer sich vorstellt, dass Obelix in der Kluft eines Torwarts mit katzenartiger Eleganz und Schnelligkeit durch Strafräume huscht, mag sicher zunächst vor lauter Nonsensgedanken den Kopf schütteln. In Wales gab es jedoch einst jemanden, der eine Art Tor-Obelix spielte. Neville Southall galt in den 80er Jahren als einer der besten britischen Torwarte. Aus dem Anlass des morgigen deutschen Gastspiels in Wales in der WM-Quali für Südafrika erzählt TW elf kurze Episoden aus dem langen Torwartleben des „Hünen aus Llandudno“:

1. Wer Neville Southall nicht kennt, dem sei hier das charakteristische Zitat der Berliner Zeitung empfohlen, die einst angesichts seines massigen Auftretens folgerte, dass der schnauzbärtige Southall aussehe, wie der „Rausschmeißer einer Bar“. Schon allein Llandudno, jenes walisische Nest mit dem fast aussprechbaren Namen, woher der heute 51-Jährige stammt, klingt so, als wenn von dort ohnehin nur Hünen in die weite Welt hinauswirfen werden.

2. Überraschenderweise wurde Southall daher auf den Fußballplätzen Englands und Wales auf der Insel der Spitzname „Big Nev“ hinterhergeröhrt.

3. Southalls hünenhaften Ruf vollendete im Übrigen in Deutschland ein hier nicht genannter ZDF-Reporter, der bei einem deutschen WM-Qualifikationsspiel in Cardiff anno 1989 „Big Nev“ flüsternd wie anerkennend nachhallte, dass dieser in der Lage sei, seine Abschläge so weit platzieren zu können, wie dieser wolle.

4. Bis sich Southall allerdings einen Namen als wohl bester walisischer Torsteher aller Zeiten machte, sollte zuvor einige Zeit vergehen. Der Legende seiner Laufbahn zufolge sollen die Bolton Wanderers Ende der 70er Jahre dem kräftigen Talent zunächst den erhofften Profivertrag versagt haben. Das hatte zur Folge, dass Southall sich zunächst als Maurer und Kellner im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagen musste, bevor er die Fußballwelt erobern konnte.

5. Das sollte ihm dann ausgerechnet beim Lokalrivalen der Bolton Wanderers, dem FC Bury gelingen, der Southall im gesetzteren Alter von 22 Jahren seinen ersten Profivertrag gab. Angesichts von Burys Vereinsmotto war der Klubs für den Hünen aus Wales sicher der richtige Verein für den Profieinstieg: „We'll give 'em a shaking. In fact, we are the Shakers.“

6. Das Jahr in Bury verkam deshalb letztlich für den nach mehr rüttelnden Southall nur zu einem Intermezzo, verpflichtete ihn doch 1981 der große FC Everton, für den er schließlich 17 Jahre die Pfosten hütete. Wen wundert es da, dass Southall dort mit über 750 Pflichtspielen zu Evertons Rekordspieler avancierte. Nebenbei ließ er seinen obelixhaften Charme dank der von ihm für seine umfassende Körperfülle an den Tag gelegten ungewöhnlich katzenhaften Reflexen vergessen.

7. Doch „Big Nev“ sollte als Evertonian nicht nur die meisten Spiele bestreiten. Obendrein Mitte der 80er Jahre eine Vielzahl an Titeln gewinnen, die ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten der letzten großen Ära in Evertons Vereinsgeschichte gemacht haben. Selbstredend erhielt Southall als einer von nur bisher zwölf Everton-Kickern die Ehre eines Abschiedsspiels und wurde unlängst auch als Keeper für Evertons Jahrhundertelf nominiert.

8. Als sein persönlich bestes Jahr gilt dabei 1985, als Southall neben dem Gewinn des englischen Meistertitels, des Europapokals der Pokalsieger sowie des englischen Supercups zudem von den Journalisten im Fußballmutterland zum englischen Fußballer des Jahres gekürt wurde. Und, dass als Torsteher.

9. Weitaus weniger erfolgreich verlief dagegen „Big Nevs“ Karriere in der walisischen Nationalmannschaft, mit der er sich kein einziges Mal für ein internationales Turnier qualifizieren konnte. Und dass trotz namhafter Gefährten wie Ian Rush, Mark Hughes oder später dem juvenilen Ryan Giggs.

10. Nichtsdestotrotz lief „Big Nev“ bis ins hohe Alter von 39 Jahren für Wales auf und ist bis heute mit 92 Länderspielen walisischer Rekordnationalspieler. Immerhin kann Southall mittlerweile loslassen und adelte inzwischen den aktuellen walisischen Schlussmann Wayne Hennessey mit einem leichten Anflug von Bescheidenheit: „Er wird der beste walisische Torhüter seit mir.“ Wie beruhigend, dass hier die Vorbild-Ableger-Wechselwirkung stimmt und Hennessey den guten alten „Big Nev“ sein großes Idol nennt.

11. Rekordverdächtig dürfte abschließend in Southalls von Rekorden sprießendem Torwartleben vermutlich ebenso die Anzahl seiner Klubs sein, bei denen er nach seinem Ende bei Everton im Rahmen einer aufgeblähten Abschiedstour über die Insel noch einen Abstecher machte. Es sind sage und schreibe elf.

Montag, 30. März 2009

Fallrückzieher ins Nichts

War früher etwa alles besser? Noch am Samstagabend schwelgte TW angesichts des schnöden Spielchens von Jogis Löwen gegen Liechtenstein in Gedanken bei Klaus Fischer, nachdem unser aller Lukas Podolski mit dem Fallrückzieher-König in der DFB-Torrangliste gleichzog. Gegen seine Nachkommen im deutschen Sturm zieht Fischer aber nun in der Art vom Leder, als hätte man eine Faust auf einem Tisch knallen gehört. Beispielsweise höhnte Fischer gegen den glücklosen Mario Gomez:

„Er hat jetzt ein Jahr lang kein Tor mehr gemacht. Noch nicht einmal gegen Liechtenstein oder Vorwärts Indien. Der hätte früher nie wieder gespielt. Heute darf ja jeder, der geradeaus laufen kann, in der Nationalmannschaft spielen!“

Doch auch Podolski blieb nicht von Fischer verschont, der den künftigen Kölner trotz demselben Ranglistenplatz offenbar mit sich selbst noch längst nicht auf einer Augenhöhe sieht:

„Zählen Sie mal nach, wie viele Tore Podolski gegen gute Gegner gemacht hat. Er trifft gegen Liechtenstein, fünf Mal gegen San Marino – dann kommen Sie schnell auf 20 Tore gegen die Kleinen.“

Um Fischers markigen Worten eigentlich etwas mehr Nachdruck verleihen zu können, hat TW die Statistikseite des DFB gewälzt und eine Übersicht (s. Screenshot) über Fischers Treffer in seinen fünf Jahren mit dem Adler auf der Brust ausgegraben, die Überraschendes offenbart.

Gewiss, die Schalker Legende hat die beeindruckende Torquote von besagten 32 Treffern in 45 Länderspielen vorzuweisen, inklusive seines denkwürdigen Fallrückzieherschmankerls des WM-Halbfinales '82 gegen bärenstarke Franzosen um Michel Platini. Ganz zu schweigen von Fischers ehrbaren Erfolgserlebnissen gegen Fußballgroßmächte wie gegen Argentinien und Brasilien, die Niederlande und Sowjetunion oder zu Beginn der 80er Dekade starke Polen. Ferner ungeachtet von Jublern Fischers gegen damals mittelprächtig starke Österreicher, Spanier und Portugiesen.


Soweit so gut. Rechnet man jedoch kritisch nach, gegen welche weiteren Länder Fischer den Ball ins Netz bugsiert hat. Dann heißt es angesichts seines erwähnten rigiden Urteils obacht! Man gelangt zu dem schon angedeuteten unerwarteten Ergebnis. Oder besser im erwähnten Fischer-Sound gesagt: zählen Sie mal nach, wie viele seiner 32 Tore Fischer allein gegen sogenannte kleinere Nationen gemacht hat - dann kommen Sie schnell auf über die Hälfte.

Inwiefern? Also dann, rechnen wir in der Retrospektive nach: insgesamt vier Treffer gegen Ende der 70er kanonenfutterartige Finnen, drei gegen schon damals unbequeme aber nicht besonders gefürchtete Waliser, sowie jeweils zwei Tore gegen Zwerge wie gegen Albanien und Malta oder überaus schlagbare Schweizer und Nordiren, nicht zu vergessen ein Törchen gegen keineswegs bange machenden Bulgaren. In toto sind dies, mit Verlaub, 17 von 32 Treffern. Unerwähnt und nicht addiert, aber dennoch im Sinne wäre da noch ein Doppelpack gegen schwer einschätzbare Mexikaner anno '77, die ein Jahr später bei der 78er WM in Argentinien von der DFB-Elf mit 6:0 vom Feld geschossen werden sollte.

Würde der unverwüstliche Heribert Faßbender noch hinter dem Mikrofon sitzen, bestünde mutmaßlich die Gefahr, dass diesem eine seiner gefürchteten „Fischer, ein Fallrückzieher ins Nichts“-Floskeln über die Lippen huschen könnte.

In diesem Sinne, guten Abend allerseits!

Bildquelle: dfb.de

Sonntag, 29. März 2009

„Howay the lads“

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute erklärt Blogger GeordieRamon, warum er seinem Lieblingsklub Newcastle United stets die Treue halten wird, egal was kommt.„Howay the lads!“

Wieso Newcastle United? Wieso unterstütze ich nicht Manchester United, Liverpool oder Chelsea, sondern einen Verein, der sich seit Jahren in der zweiten Tabellenhälfte herumschlägt und dieses Jahr sogar gute Chancen hat, erstmals seit dem Aufstieg in die Premier League 1993 wieder in die zweite Liga abzusteigen?

Angefangen hat meine Begeisterung für die Magpies, wie Newcastle aufgrund der Vereinsfarben genannt wird, Mitte der Neunziger. Zuvor hatte sich Kevin Keegan, der ehemalige Topstürmer von Liverpool & dem HSV, gegen Ende seiner Karriere in die Herzen der Toon Army geschossen, bevor er sich endgültig in den Ruhestand verabschiedete. 1991 lag United völlig am Boden, nicht nur finanziell, sondern auch sportlich am falschen Ende der zweiten Division. Doch als der wohlhabende Sir John Hall mit seiner Magpie Group in den Club einstieg, ersetzte er den ehemaligen argentinischen Spitzenspieler Ossi Ardiles mit Kevin Keegan als neuen Trainer. King Kev löste in der ganzen Region eine enorme Begeisterungswelle aus. Zwei Spieltage vor Saisonende stand man aber immer noch auf einem Abstiegsplatz und musste das Heimspiel gegen Portsmouth unbedingt gewinnen. Newcastle machte es einmal mehr spannend und konnte seinen Fans erst kurz vor Spielende einen Grund zur Freude versorgen, als David Kelly das wohl wichtigste Tor seiner Karriere erzielte. Schliesslich rettete Keegan Newcastle und führte sie mit dem Geld Sir John Halls in der darauf folgenden Saison in die Premier League, wo man sogleich mit Angriffsfussball den Rest des Landes begeisterte und als Aufsteiger auf Platz drei landete.

Die erste Saison im Oberhaus des englischen Fussballs sollte keine Eintagsfliege bleiben. In der Saison 1995/96 spielte Newcastle den mit Abstand besten Fussball auf der Insel und führte die Tabelle mit zeitweise mit 12 Punkten vor dem Rivalen aus Manchester an. Doch aus dem ersten Titel seit 1969 wurde nichts – der Vorsprung wurde noch verspielt. Der ‚turning point’ war wohl das Heimspiel gegen Alex Fergusons Manchester United anfangs März. Newcastle spielte 90 Minuten lang auf ein Tor, doch Eric Cantona bestrafte die fahrlässigen Gastgeber mit dem Siegestor kurz nach Wiederbeginn der zweiten Halbzeit. Alles verloren ging in der 3:4-Niederlage an der Anfield Road, dass von vielen als the best game ever bezeichnet wurde. Just in der Zeit fing ich an, mich für diese Mannschaft zu interessieren, die unter Keegan als The Entertainers galt. Später entwickelte sich daraus eine grosse Liebe, und heute gibt es im Fussball für mich nur noch Newcastle und meinen Heimatverein.

1996-97 wiederholten die Magpies zwar den zweiten Tabellenrang, und auch der Local Boy Alan Shearer konnte mit der damaligen Rekordablösesumme von £16m verpflichtet werden. Doch King Kev trat 1997 völlig überraschend zurück, nachdem ihm der Job keinen Spass mehr gemacht hatte, da es der Vereinsführung nur noch um das Geld gegangen sei. Kenny Dalglish, Ruud Gullit, Sir Bobby Robson, Graeme Souness, Glen Roeder, Sam Allardyce, wieder Kevin Keegan und derzeit Joe Kinnear haben seither erfolgslos versucht, wieder einmal einen Titel für die wohl treusten Supporter Englands zu holen. Nur Bobby Robson konnte die Erwartungen einigermassen erfüllen, er führte United nacheinander zu einem vierten, dritten und fünften Tabellenrang und brachte die Champions League zurück in den St. James’ Park. Doch seither ist vieles schief gelaufen, Newcastle spielte zuletzt 2005-06 in einem europäischen Wettbewerb und kämpft nun in dieser Saison um den Ligaerhalt. Erstmals seit dem Ausbau des Stadions auf 52'000 Plätze im Jahre 2000 ist der Zuschauerschnitt unter 50'000 gefallen. Sogar die treuen Geordies, wie die Einwohner von Newcastle genannt werden, verlieren langsam die Geduld mit ihrem Verein und einem Clubbesitzer, der nicht weiss, was er tut. Es scheint, als gastieren im St. James’ Park bald nicht mehr Man United oder Liverpool, sondern Blackpool, Norwich und Barnsley.

Wir brauchen einfach einen ‚modernen’ David Kelly, der uns zum Klassenerhalt schiesst… Vielleicht wird das Michael Owen sein, der uns vor seinem wahrscheinlichen Abgang im Sommer noch ein Abschiedsgeschenk besorgen könnte. Ich aber bleibe meinem Verein treu, egal was kommt. Ich werde den St. James’ Park auch in der zweiten Liga besuchen, und nichts ist schöner, als in einem der schönsten Stadien Englands zu sitzen und meine Mannschaft anzufeuern. Newcastle United gehört aufgrund seiner bewegten Geschichte und seiner Fans immer noch zu einem der grössten Vereine Englands. Künstlich aufgeblasene Clubs wie Manchester City erachte ich nicht als grösser, sondern nur als reicher. Reicher an Tradition ist mein Verein allemal. Falls Newcastle aber absteigt, wird das Lokalderby gegen Sunderland, wo die Stimmung immer elektrisierend ist, wohl mindestens für ein Jahr wegfallen, weil die Mackems auf dem besten Weg dazu sind, den Klassenerhalt zu sichern. Früher sah die Konstellation meistens umgekehrt aus. Und das zeigt, wie tief Newcastle United gefallen ist. Vielleicht wäre ein Neuanfang gar nicht mal so schlecht.

Auf Premiership & mehr bloggt GeordieRamon seit kurzem kenntnisreich über den Fußball auf der Insel.

Adieu Ansgar

Von der Gattung der weißen Brasilianer gibt es im Fußballkosmos Deutschlands wohl nicht mehr als drei. Mehmet Scholl darf als solcher bezeichnet werden, Bernd Schneider ohnehin. Dann wäre da noch Ansgar Brinkmann, der schillernde blonde Dribbelkünstler aus dem deutschen Nordwesten, der wohl genauso viele Klubs auf dem Buckel wie Anekdoten über ihn kursieren.

Der gestrenge Berti Vogts hat Brinkmann angeblich einmal vorgerechnet, sich durch seine Eskapaden um 50 Länderspiele gebracht zu haben. Am Freitag ging in Bielefeld nun Brinkmanns Abschiedsspiel über die Bühne. Nach 20 Jahren sagte der gute Ansgar dem Profileben adieu und wird auch künftig was im Fußball machen wollen. Wie formulierte es der neue T(h)or der Woche neulich noch gleich: „Fußball ist meine große Leidenschaft. Ob der Ball in Alaska rollt oder in Zimbabwe, wenn der Ball rollt, habe ich ein Funkeln in den Augen.“

Über den T(h)or der Woche

Eine gute Nacht

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: David Beckham wird Englands Rekord-Feldspieler und überholt damit den großen Bobby Moore.

Der Applaus der rund 85.000 Zuschauern im weiten Wembley-Rund war David Beckham gestern selbstredend nach dem klaren 4:0-Sieg Englands gegen schwache Slowaken gewiss. Hierzu hatten zwar weder eine tolle Flanke oder außergewöhnliche Ecke geführt. Doch die Einwechselung des mittlerweile 33-jährigen Oldies nach der Halbzeit sollte den zuweilen traditionsliebenden Engländern einen historischen Moment verschaffen.

Beckham absolvierte seinen 109. Länderspieleinsatz, überholte hiermit den großen Bobby Moore (108 Einsätze) und avancierte hierdurch zum Nationalspieler mit den zweitmeisten Einsätzen nach Rekordnationalspieler Peter Shilton. Doch Becks wäre sicher nicht Becks, würde für ihn nicht angesichts seines fortgeschrittenen Alters ein neuer Rekord geschaffen. Schließlich wird Becks nun als Englands Rekord-Feldspieler geführt, als England's most capped outfield player, wie es in den englischen Gazetten heute feierlich heißen wird.

Das klingt freilich ein wenig hanebüchen, weil es an der Tatsache von Shiltons originären Rekordspielerstatus nicht viel ändert. Aber der Rekord sei David Beckham vergönnt, der sich mit stolz geschwellter Brust entsprechend freute: „Darauf bin ich sehr stolz, aber viel wichtiger war unsere gute Leistung heute als Mannschaft auf dem Platz. Aber es ist etwas sehr Besonderes für mich, Bobby Moore einzuholen. Insgesamt kann man sagen, dass eine gute Nacht für mich, aber eine noch viel bessere Nacht für das Team ist.“ Das einzige, was Becks im Vergleich zu Bobby Moore jetzt in seiner Meritensammlung für die Three Lions noch fehlt, ist vermutlich, sich mit dem WM-Pokal auf den Schultern seiner Mitspieler feiern zu lassen.

Samstag, 28. März 2009

In Gedanken bei Klaus Fischer

Der Kick von Jogis Löwen gegen ersatzgeschwächte Gäste aus Liechtenstein war trotz eines 4:0-Sieges zumeist eine recht zähe Angelegenheit. Nach der treffenden Beschreibung von ZDF-Ikone Bela Réthy gerierten sich Ballack und Kollegen trotz schneller 2:0-Führung und weiteren schnellen zwei Treffern nach der Halbzeit gegen den Fußball-Zwerg aus den Alpen als blutleer. Mitte der zwoten Hälfte musste sich Rethy etwa aus lauter Langeweile Sorgen darum, dass sich Robert Enke in Anbetracht seiner Beschäftigungslosigkeit nicht erkältet. Man mag jetzt einen Pseudo-Huster ausstoßen.

Doch es wurde noch schlimmer, musste zur Zeitüberbrückung gar Schalkes absagender Manager-Kandidat Olli Kahn im kleinen Sichtfenster zugeschaltet werden und dazu Stellung nehmen, wie schwer es ist, sich während so eines Spielchens, sich nicht zu verkühlen. Welch heiße Angelegenheit daher, nebenbei verkünden zu können, dass Lukas Podolski mit seinem Länderspieltreffer Numero 32 an diesem schnöden Leipziger Abend Schalke-Legende Klaus Fischer in der DFB-Torrangliste eingeholt hat.

Wie schade, dass Poldi hierbei nicht von Klaus Fischers einstiger Spezialität, dem Fallrückzieher, Gebrauch gemacht hat. Das hätte dem Spielchen wohl zumindest einen kleinen Kick gegeben. Wie dem auch sei, hoffentlich hat Robert Enke zumindest prophylaktisch eine Aspirin Complex bekommen. Inhalieren gesehen hat man ihn in seinem Strafraum im Leipziger Zentralstadion jedenfalls nicht. In dem Sinne: auf nach Cardiff...

Der unsichtbare Dritte

Eines der gängisten Klischees über das Fußball-Mutterland ist sicher die Litanei über die Fangkünste der englischen Torwächter, welches an dieser Stelle allerdings nicht unnötig bedient werden soll. Nachdem Englands Nationalcoach Fabio Capello seinen Kader für die beiden englischen Länderspiele gegen die Slowakei und die Ukraine bekanntgegeben hat, gerät man gleichwohl ins Staunen. Schließlich nominierte Capello neben Oldie David James aus Portsmouth und West Hams Stammkeeper Rob Green mit Ben Foster den dritten Torwart von Manchester United.

Wer ist Ben Foster? Bis vor wenigen Wochen galt dieser noch als ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Das verwundert nicht, sofern man einen Blick in die Vita des 25-Jährigen wirft. Der gehört freilich seit Jahren Manchester United und wurde dereinst mit der Alex Fergusons Prophezeiung Englands next goalkeeper in die Dienste Uniteds genommen. Bislang hat Foster begünstigt durch etliche Leihgeschäfte jedoch lediglich für mehrere zumeist unterklassige Klubs deren Pfosten gehütet. Premier League-Luft schnupperte Foster lediglich beim FC Watford. Dies ist der Klub, bei dem Elton John schon den pfundigen Mäzen gab, als Roman Abramowitsch noch ungekannt hinter dem Eisernen Vorhang schlummerte.

Seinerzeit stieg der begabte Foster mit Watford nach einem Jahr sogleich wieder ab, hinterließ dank seiner Fertigkeiten aber bleibenden Eindruck, so dass Sir Alex Ferguson dem Ausleihgeschäft mit Watford ein Ende machte und Foster nach Old Trafford zurückholte. Trotz einiger in Watford erworbener Vorschlusslorbeeren gelang es Foster nicht, an dem niederländischen Torwarturgestein Edwin van der Sar vorbeizuziehen.

Hinter dem Polen Kuszczak rangiert Foster, der sich nach seiner Rückkehr zu ManUtd zunächst zwei schwere Verletzungen zuzog, lediglich als unsichtbarer Dritter in Manchesters interner Torwarthierarchie. Foster hat zwar nach einem Einsatz gegen Spanien 2007 schon ein Länderspiel absolviert. Neulich servierte ihm jedoch Englands Torwartlegende Peter Shilton den wohlmeinenden Rat, dass Foster, um überhaupt den Hauch einer Chance auf eine WM-Nominierung Capellos zu haben, sich erneut von Manchester innerhalb der Premier League ausleihen lassen solle.

Denn nachvollziehbar hat Foster durch seinen schwierigen Status in der ManUtd-Hierarchie wenig Gelegenheiten für seine Qualitäten zu werben. Obschon er durchaus in der Lage zu sein scheint, seine sich ihm bietenden Chancen zu nutzen. So wie kürzlich im englischen Ligapokalpokalfinale, Manchester United traf im Wembleystadion auf Vorjahressieger Tottenham, quälte sich gegen den Klub dem Londoner Norden etwas uninspiriert über den Rasen und die letztlich 120-minütige Spielzeit. Wer hätte gedacht, dass gerade Foster noch zum Helden dieses Abends avancieren würde, indem er im anschließenden Elfmeterschießen den entscheidenden Elfer von Tottenhams letztem Schützen Jamie O'Hara parieren und damit Manchester den Ligapokal festhalten sollte.

Im Übrigen verbunden mit der tags darauf in der Presse publik gewordenen Raffinesse, dass Foster sich zuvor am Seitenrand O'Haras Lieblingsecke beim kurzfristigen Studium der Schussgewohnheiten von Tottenhams Schützen auf seinem iPod gemerkt hat. Hiernach war ihm selbstredend nicht nur der Applaus des knorrigen Sir Alex gewiss.

Abschließend bleibt daher die Frage, wann England zuletzt solch einen raffinierten Torsteher in seinen Reihen gehabt hat. Einen Torsteher, der also noch zusätzlich Elfmeter festhalten kann. Vielleicht sollte Foster den Rat Shiltons befolgen. Alsdann könnte der unsichtbare Dritte womöglich von Capello den Ritterschlag erhalten und sich dadurch Alex Fergusons einstige Prophezeiung Englands next goalkeeper tatsächlich irgendwann bewahrheiten.

Freitag, 27. März 2009

Pionier in Darlington

Morgen trifft Jogi Löws Eleven in der WM-Quali in Leipzig auf Liechtenstein. Muss das sein, wird so mancher da denken? Und wenn schon, dann zumindest zweistellig. Werden Schweini & Co. allerdings derlei Chauvinismen verfallen, könnte nicht nur Herr Löw streng den Zeigefinger heben. Vielleicht auch der gute alte Pierre Littbarski, der derzeit beim liechtensteinischen Spitzenklub und schweizer Erstligisten FC Vaduz als Trainer das Zepter schwingt.

Schade ist nur, dass mit dem gelbgesperrten Franz Burgmeier den Alpen-Kickern einer ihrer wenigen nennenswerten Helden im Leipziger Zentralstadion fehlen wird. Immerhin schoss Burgmeier anno 2004 beim historischen liechtensteinischen 2:2-Remis gegen Portugal eines der beiden Treffer des Fußball-Zwergs. Einen Moment, den der 26-Jährige als den „schönsten seiner Karriere“ bezeichnen sollte.

Nun ist Burgmeier nach Stationen unter anderem bei den einstigen schweizer Champions League-Teilnehmern FC Basel und FC Thun beim englischen Viertligisten Darlington gelandet. Auch wenn Burgmeiser mit den Quakers in der Football League Two im Tabellenniemandsland herumkrebst, darf er sich immerhin erster und einziger Kicker des Fürstentums im Fußball-Mutterland nennen. Dass Burgmeier seine Stiefel als liechtensteinischer Pionier überhaupt auf der Insel schnüren darf, hat er der Überlieferung zufolge offenbar vor allem dem 12-jährigen Max Houghton zu verdanken.

Dieser ist der Enkel von Darlingtons Chairman George Houghton und war bereits im Herbst 2003 auf Burgmeier aufmerksam geworden, als Liechtenstein im Old Trafford in Manchester weilte und gegen England nur 0:2 verlor. Der damals siebenjährige Max fühlte sich nach eigenem Bekunden vor dem Fernsehschirm im Angesicht von Burgmeiers Kampfkraft und Widerborstigkeit, die den alten ManU-Heroen David Beckham und Gary Neville an diesem Abend schwermütige 90 Minuten bescherte, doch glatt an Michael Essien erinnert.

Wie der Zufall es im Sommer 2008 so wollte, suchte nicht nur Burgmeier einen neuen Klub. Ebenso ward bei Darlington die Position des linken Mittelflügelspielers vakant. Als genannter Max dann der Legende nach bei Wikipedia ausspähte, dass gerade Burgmeier auf dem Rasenrechteck dort seinen angestammten Platz hat und zugleich ein free agent war, bewegte Max schließlich Grandpa George den ihm einst imponierenden Liechtensteiner, zum einwöchigen Probetraining einzuladen. Burgmeier fackelte nicht lange, ließ sich die Chance nicht entgehen und beackert seither Darlingtons linke Mittelfeldseite.

Mittlerweile darf sich Burgmeier gar Darlingtons Rekordnationalspieler nennen. Dieser Titel ist ihm nach seinem fünften Länderspieleinsatz für Liechtenstein seit dem Wechsel in den englischen Nordosten nicht mehr zu nehmen. In der übersichtlichen Presselandschaft Darlingtons verhalf dies dem Exoten aus den Alpen schnell zum Legendenstatus. Das Herz des hasenzähnigen Max Houghton soll angeblich genauso hoch geschlagen haben wie einen Monat zuvor im September 2008. Da erzielte Burgmeier gegen Port Vale, jenem Klub, dem ein gewisser Robbie Williams regelmäßig ein paar Pfund zustecken soll, seinen ersten Treffer für die Quakers. Max durfte sich sodann in Darlingtons Lokalpostille Northern Echo zurecht als „Super-Scout“ feiern lassen.

Auf seinen England-Legionär wird Liechtensteins Nationaltrainer Hanspeter Zaugg daher in Leipzig gegen die deutsche Startruppe sicher nicht gerne verzichten werden. Vielleicht hätte der „liechtensteinische Essien“ Schweinsteiger & Co. so wie einst Beckham und Neville unangenehme 90 Minuten bereitet. Selbst „Super-Scout“ Max Houghton wird hier nicht mehr helfend einschreiten können. Grandpa hin, Grandpa her...

Ebenfalls veröffentlicht auf Goal.com und Footbo

Donnerstag, 26. März 2009

Rutten rasiert

Fred Rutten, fliegender Holländer! Der richtige Mann zur falschen Zeit?

Dienstag, 24. März 2009

Millwall calling!

Bei gewissen den Fußballkosmos betreffenden Meldungen der BBC beginnt man wahrlich zu schaudern. Welch bizarre Verbindung, der FC Millwall verpflichtet Thierry Henry. Der große Monsieur Henry wird doch nicht etwa fernab von Camp Nou und der ganzen Barca-Folklore ein bislang unbeachtetes Doppelleben mit Millwall als seinem höchstpersönlichen Fight Club führen?

Shocking. Nicht, dass er sich Arsenals-Rekordtorschütze bereits während seiner Highbury-Ära an unbescholtenen Flutlichtabenden mit dem berüchtigten Klub aus dem Londoner Südosten und dessen gleichgültigem „So what?“-Sound heimlich angefreundet hat: „No one likes us, no one likes us, no one likes us, we don't care.

PS.: Zur Auflösung der Meldung geht es hier.

Montag, 23. März 2009

„Der Bätmän bin i“

Was macht eigentlich...Hans Krankl? Hans Krankl, der Cordoba-Held, kehrt nach fast vierjähriger Abstinenz zurück in den österreichischen Fußball und soll den Traditionsverein LASK Linz vor dem drohenden Abstieg aus der österreichischen Bundesliga retten. Es besteht somit die gesteigerte Gefahr, dass man in Fußball-Österreich mal wieder „narrisch“ werden könnte. THOR WATERSCHEI hat daher elf Highlights aus dem ereignisreichen Leben des Hans Krankl gesammelt.

1. Johann „Hans“ Krankl ist wohl Österreichs größter Torjäger aller Zeiten, auch wenn Toni Polster mit 44 Treffern Rekordschütze der rot-weiß-roten Auswahl ist.

2. Beim 9:0-Kantersieg gegen Malta anno 1977, dem bis heute höchsten österreichischen Länderspielsieg, gelangen Krankl alleine sechs der neun Treffer.

3. Viel berühmter als für seinen Malta-Sechserpack ist der heute 56-Jährige natürlich dank seiner beiden Treffer bei der 78er WM in Argentinien gegen Deutschland und avancierte hierdurch zum „Helden von Cordoba“.

4. Edi Fingers nervtötenden Torschrei „I werd narrisch“ kann vermutlich spätestens seit der abgelaufenen Euro 2008 und dem Geplänkel um das österreichisch-deutsche Duell kaum noch ein deutscher Fußballanhänger hören.

5. Doch nicht nur für die österreichische Auswahl traf Krankl das gegnerische Tor. Für Rapid Wien, Krankls Leib- und Magen-Klub, gelangen ihm bei seinen drei Stippvisiten (1970/71, 1972-1978, 1981 -1986) über 250 Tore.

6. 1978 stellt dabei nicht nur wegen seines Doppelpacks von Cordoba eines der besten in Karrierejahre Krankls dar. Zuvor war Österreichs seinerzeit schnauzbärtiger Stürmer-Star mit 41 Treffern in dem Alpenland zum Torschützenkönig avanciert und sicherte sich obendrein mit dieser Tormarke den Goldenen Schuh. FC Barcelona sah sich jedenfalls veranlasst, Krankl schnellstens unter Vertrag zu nehmen.

7. Auch in Katalonien büßte Krankl nichts von seiner Torgefährlichkeit ein. Vielmehr traf er in seiner ersten Saison 78/79 bei Barca gleich am häufigsten in die gegnerischen Netze und gewann den Pichichi, jene Trophäe, die dem spanischen Torschützenkönig verliehen wird. Selbstredend schoss er sich hiermit ebenso in die Herzen der Barca-Fans, die ihn Goleador taufen sollten.

8. Krankl weiß übrigens nicht nur, wie man Tore schießt. Ebenso kennt er sich in der (Austro-)Musikbranche aus und brachte insgesamt drei durchaus erfolgreiche Alben heraus. Dank seines wahrhaftig geheimnisvollen Pseudonyms erfreute „Johann K.“ österreichische Musikliebhaber mit bluesartigen Schlagern wie dem offenbar selbstbeschreibenden Titel „Der Bätmän bin i“.

9. Bei seinen ersten musischen Gehversuchen in den Siebzigern hielten sich die potenziellen Käufer aber mit dem Erwerb von Krankl-Scheiben zurück. Nicht verwunderlich angesichts gerdmülleresker Refrains seiner Debüt-Singles „Vor, vor, noch ein Tor“oder „Ohne Ball'n und ohne Netz”, die Krankl später als „musikalische Todsünde“ geißeln sollte.

10. Im Gegensatz zu Krankls Torjäger- und Musikerkarriere verlief seine Trainerlaufbahn weitgehend unspektakulär, trotz einem längeren Abstecher auf die Rapid-Bank und einem längst verjährten wie verziehenem Ausflug an die Seitenlinie von Fortuna Köln. Vor allem Krankls Amtszeit als Teamchef der österreichischen Nationalelf lässt sich als glücklos bezeichnen, vergönnte es der österreichische Fußballbund seinem Cordoba-Helden nicht, die rot-weiß-rote Elf bei der letztjährigen Heim-EM coachen zu lassen.

11. Nichtsdestotrotz hat sich Krankl dank einzelner Engagements bei österreichischen Abstiegskandidaten immerhin den Ruf eines Feuerwehrmannes erarbeitet. Den befeuerte die Kleine Zeitung in Anbetracht von Krankls neuem Job beim LASK Linz nochmals und lobte heute auf ihrem Web-Portal den einstigen Goleador sogar „als den Motivator schlechthin“. Diese Reputation ist nicht verwunderlich angesichts des schon legendären Krankl'schen Schlachtrufs: „wir müssen gewinnen, alles andere ist primär”.

Sonntag, 22. März 2009

Perle aus Peru

Vor nicht allzu langer Zeit war es etwas schwierig, sich eine einschlägige Meinung über Paolo Guerrero zu bilden. Sicher, in jungen Jahren beim FC Bayern parlierte er zunächst in der Zwoten der Bayern als Drittligagoalgetter und just darauf in der FCB-Profielf zuweilen als Joker vom Dienst.

So ein bißchen schien in Guerrero jedoch ein kleiner Schönwetterkicker mittleren Ausmaßes zu stecken, indem er kevinkuranyiesk eher durch abwechselungsreiche Frisuren als durch gefällige Finten und Treffer überraschte. Einzelne 11 FREUNDE-Redakteure sahen sich infolgedessen gar angestrieben, auf dem Internetportal des Magazins eine entsprechende Frisurengalerie des Peruaners anzulegen.

Diese schwierige Phase der Adoleszenz, vor allem eingeleitet in der abgelaufenen Saison beim HSV durch den knorrigen Huub Stevens, zum etablierten Bundesligaangreifer der gehobenen Güteklasse hat Guerrero offenbar durchschritten. Trotz teilweiser Windschattenposition beim HSV hinter Ivica Olic und Mladen Petric zeigt Guerrero im Zuge seiner Einsätze nicht nur auf dem Feld Flexibilität, sondern dort zudem Zähne. Sinnbildlich beim tollen 3:2-Triumph der Rothosen im UEFA-Pokal im Hexenkessel von Istanbul, als sich Hamburgs Nummer neun über eine Stunde kaum sehen ließ.

Plötzlich bewies der 25-Jährige indes ungeahnte dynamische Qualitäten, mit denen er sich glatt das Prädikat Anden-Express verdient und schoss den HSV mit seinem Doppelpack ins UEFA-Pokal-Viertelfinale. Übrigens, à propos Doppelpack - darauf scheint sich Guerrero mutmaßlich spezialisiert zu haben. Schließlich ließ er es auch heute beim sonntäglichen Bundesligagastspiel der Seeler-Erben auf Schalke gleich zweimal klingeln, sorgte dadurch beim wichtigen 2:1-Sieg für die siegbringenden Treffer der Jol-Elf, die jetzt nur noch ein Pünktchen von der Pole Position der Bundesliga entfernt liegt.

Die hamburgische Perle aus Peru lässt den Bundesliga-Dino damit weiter von der Meisterschale träumen. Man darf gespannt sein, ob der neue T(h)or der Woche seine Gala-Form halten wird. Es würde mit Uwe Seeler oder Horst Hrubesch sicherlich nicht nur Guerreros Vorgänger bei den Rothosen, die einst beim HSV die Raute auf der Brust und ebenso die Nummer neun auf dem Rücken trugen, freuen.

Über den T(h)or der Woche

Wilder Siebziger

In der neuen Serie „Fußballtrainer waren auch mal jung“ hat sich THOR WATERSCHEI unlängst auf die Suche nach Jugendfotos von Martin Jol gemacht und ist sogar in doppeltem Sinn fündig geworden. Zum einen ist endlich ein Beweisfoto seiner Stippvisite als Spieler Ende der 70er Jahre beim FC Bayern aufgetaucht, bei dem der ansonsten so stets joviale Jol keine besonders vergnügliche Zeiten verlebt haben soll. Zum anderen zeigt dieses Foto uns einen jungen Maarten Cornelius „Martin“ Jol, der sich auch damals durch seine charismatische Kinnpartie idenfizieren ließ, mit einer für seine heutigen Verhältnisse wallende Mähne.

Samstag, 21. März 2009

Die schönste aller Bräute

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute bekennt Tobias Singer, warum Werder Bremen für ihn die schönste aller Bräute ist.

Ich bin Werderfan seit ich mich erinnern kann. 1986, gerade knapp 5 Jahre alt, habe ich zum ersten Mal bewusst Fußball geguckt. Es war WM in Mexiko und mein Herz schlug für die Mannschaft aus Belgien. Weil ich den Namen aus irgendeinem Grund toll fand.

Später in jenem Jahr bekam ich mein erstes Panini-Sammelalbum geschenkt. Eines meiner ersten Bilder war Rudi Völler, der - wie ich mir sagen ließ - der große Star bei Werder Bremen war und in den ich mich umgehend verliebte. In den folgenden Jahren verbrachte ich fast jedes Wochenende vor dem Radio und hörte mir die Bundesligaübertragungen an. Mit der Zeit löste ich die kleinen Rätsel, die der Fußball mir damals stellte (beispielhaft den Unterschied zwischen "München - Gladbach" und "Mönchengladbach" oder auch die geografische Lage der Städte Schalke, Wattenscheid und Uerdingen). Zu ungefähr derselben Zeit entwickelte ich die "Fähigkeit", mir Unmengen an teils interessantem aber größtenteils unnützem Fußballwissen anzueignen (dabei spielt es keine Rolle, ob ich es mir merken möchte oder nicht). Ich weiß bis heute nicht, warum das so ist. Aber ich habe noch immer jedes Ergebnis aus der Meistersaison 2004 im Kopf und weiß, dass der Tabellenletzte der zweiten Liga in der Saison 1986/87 FSV Salmrohr hieß. Wenn ich mir nur andere Dinge so einfach merken könnte...

Erster Höhepunkt war natürlich die Deutsche Meisterschaft 1988, deren Gewinn ich allerdings noch nicht so richtig einordnen konnte. Ich hatte ja die drei Vizemeisterschaften zwischen ‘83 und ‘86 noch nicht miterlebt. Die weitere Geschichte des Vereins brauche ich wohl kaum weiter auszuführen - zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und ein Europapokalsieg sprechen für sich. Als Otto Rehagel 1995 zum FC Bayern wechselte, war ich ein erfolgsverwöhnter 13 Jähriger, der nicht bereit war, den Weg seiner Mannschaft durch die Niederungen der Liga bedingungslos mitzugehen. So kam es, wie es kommen musste: ich ging fremd. Aus heutiger Sicht betrachtet, habe ich mir die prallste Blondine ausgesucht, die zu der Zeit auf dem Markt war: Der VfB Stuttgart spielte den attraktivsten Fußball, hatte mit dem "magischen Dreieck" einen Mythos geschaffen und warf sich mir willig vor die Füße. Mit dem Abgang Jogi Löws und damit des attraktiven Fußballstils aus dem Schwabenland, kehrte ich reumütig zum SVW zurück.

Dieser wurde seinerzeit, im Herbst 1998, von Felix Magath trainiert, welcher damals noch Quälix hieß. Werder spielte eine desolate Saison, doch ich wusste, dass ich nur einmal eine zweite Chance bekommen würde. Ich war sogar willens, der Mannschaft durch die zweite Liga zu folgen. Doch dann kam alles anders: Meine "neue Treue" wurde belohnt. Mit Thomas Schaaf kam ein neuer Trainer, die Mannschaft schaffte im letztem Moment den Klassenerhalt und zu allem Überfluss wurde dann auch noch der FC Bayern im Pokalfinale geschlagen. Eine neue Ära brach an. Werder stand auf einmal für attraktiven Offensivfußball. Es wurden wieder junge, preisgünstige Spieler verpflichtet und nach ein paar Jahren als Stars verkauft, wie zu besten Rehagel-Zeiten.

Auch wenn es angesichts dieser Geschichte nicht sehr überzeugend klingen mag, ist mir der Erfolg meines Vereins immer ein wenig unheimlich geblieben. Erwartungen wurden aufgebaut, die irgendwann enttäuscht werden mussten. Was passiert nun, wenn es wieder UI-Cup gibt statt Champions League (wo man sich bestimmt wieder gegen Mannschaften wie THOR Waterschei, bzw. deren Nachfolger blamiert)? Abstiegskampf statt Spitzenspiel gegen Bayern? Werde ich wieder schwach werden und mich nach schöneren Bräuten umsehen?

Nein, im Gegensatz zu 1996 weiß ich heute, dass ich mich zwar zu schönem Fußball hingezogen fühle, aber nur den SVW aufrichtig lieben kann. Nicht ich habe mir diesen Verein ausgesucht, sondern er mich!

Wer mehr über Werder Bremen erfahren möchte, sollte sich das Internettagebuch Meine Saison mit dem SVW nicht entgehen lassen, in dem sich Tobias Singer lesenswert mit dem Werder-Mikrokosmos beschäftigt.

Total d'accord

Dem Auftakt der Managerkarriere von Oliver Kahn dürfte nach der heutigen Einlassung von Kaiser Franz in der BILD doch eigentlich nicht mehr viel entgegenstehen. Schließlich ist der Kaiser offenbar ebenso wie die Schalke-Granden aus Rheda-Wiedenbrück mit Kahn "total d'accord" und proklamierte: Kahn kann's. Welch ein irrsinniger Kahnsinn der Schalke-Granden noch weitere Kandidaten in die königsblaue Castingzentrale nach Rheda-Wiedenbrück einzuladen.

Freitag, 20. März 2009

Barca als Braut?

Gehen diese süßholzraspelnden Worte von Lionel Messi (→ Es gibt nur einen Maradona) an seine holde Barca noch als Liebeserklärung durch oder stellen sie etwa schon einen Heiratsantrag dar?

„Ich werde nicht zu Real Madrid wechseln. Es wäre das Schönste, ein Leben lang bei Barça zu bleiben. Es gibt Dinge, die kann man nicht mit Geld bezahlen. Meine Glücksgefühle bei diesem Verein zum Beispiel.“

Die Reporter, die während einer Pressekonferenz Zeuge von Messis Aufwartung wurden, sollen bei solch pulsierendem Pathos gerührt applaudiert haben. Auf ein leidenschaftliches Intonieren des Refrains der Barça-Hymne sollen sie gleichwohl ebenso wie Messi verzichtet haben:

Blau-rot in den Wind,
Ein beherzter Schrei,
Wir haben einen Namen, den die ganze Welt kennt,
Barça, Barça, Barça!


P.S.: Ob Messi seine holde Barca künftig gegen den FC Bayern beschützen und ins Champions League-Halbfinale führen können wird?

Im Streiflicht

Wunderbar: 11 FREUNDE parlieren mit einer Ode auf den guten alten UEFA-Pokal, Der wird übrigens just in diesem Moment in 61 Tagen und 38 Minuten und 44 Sekunden in Istanbul beerdigt, wie seine ablaufende Uhr im THOR WATERSCHEI-Klubhaus bezeugt. Von Schattenspielen im Streiflicht...

Donnerstag, 19. März 2009

Knappen casten Kahn

Glück auf, Oliver Kahn gilt als einer der Kandidaten für Schalkes Managerposten. Wieso? Schaut man sich kritisch seinen vorgelegten Bewerbungsspot an, suggeriert eine gewisse schalkeaffine Perspektive, dass er mit viel Biss ausgestattet durchaus in der Lage ist, den schwarz-gelben Kartoffelkäfern des verhassten Erzrivalen herrlich die Stirn zu bieten.

Mittwoch, 18. März 2009

Wimpel-Wednesday # 18: Eintracht Braunschweig

Wimpel-Wednesday, 18. Ausgabe. Nicht wenigen Daumendrückern von Eintracht Braunschweig, unter ihnen vielleicht auch Eintrachts Edel-Daumendrücker Rolf Töpperwien, könnte am gestrigen Dienstagabend vor Freude das blaue-gelbe Herz vor lauter Aufregung in die Hose gerutscht sein. Schließlich errang der BTSV beim FC Bayern einen 1:0-Triumph. Doch fürwahr, nachdem der Kopf von Jürgen Klinsmann heute noch dran war, die Stirn von Uli Hoeneß sich nicht puterrot verfärbt und der Kaiser den bajuwarischen Notstand ausgerufen hat, kann man fast von selbst drauf kommen.

Braunschweig siegte bei Bayerns Zwoten, 3. Liga vor 800 Zuschauern in der alten Giesinger Kampfbahn an der Grünwalder Straße. Dennoch fühlen sich Siege bei den Bayern bekanntlich durchaus erhebend an. Zumal die Eintracht selbst in ihrem annus mirablis 1967,dem Jahr des Gewinn der Deutschen Meisterschaft, bei den Bayern nicht gewinnen konnte. Kühne Blicke in die Fußball-Almanache lassen einen zudem zum Zeugen der Tatsache werden,dass Töppis Lieblingsklub auch sein bisher letztes Bundesligaspiel im Juni'85 gegen die Bayern seinerzeit verloren.

Schade daher, dass der Braunschweiger Sieg bei den Bayern kaum zur Kenntnis genommen wurde. THOR WATERSCHEI ist dieser nicht entgangen und hängt sogleich einen blau-gelben Wimpel in seine Wimpelecke.


Interesse die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI mitzugestalten? Dann sende ein Foto eines Wimpels Deines Lieblingsklubs mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de.

Dienstag, 17. März 2009

Von Traps Tönen und Titeln

Bene, Giovanni Trapattoni wird heute 70 hat und bekanntlich in seinem Amt als irischer Nationalcoach noch lange nicht fertig. Zu diesem feierlichen Anlass kommt TW um Traps legendäre Wutrede, die noch immer kultivierend nachhallt, nicht herum.



Von Traps ganzen Titeln mal ganz zu schweigen. Da fehlt fast nur noch der WM-Titel mit den ollen Iren.

Sonntag, 15. März 2009

335

Verschnixt und zugenäht ist das lange her, dass Sabine Töpperwien an Samstagnachmittagen in der Radiokonferenz von Flankenbällen von Bernd Schneider schwärmt. Es verhält sich nicht so, dass dadurch der Nachmittagskaffee bekömmlicher wurde, Töpperwiens Töne zu den zumeist feingliedrigen wie filigranen Aktionen Bernd Schneiders gehörten aber irgendwie dazu. 335 Tage musste Schneider pausieren, seitdem ihn ein hartnäckiger Bandscheibenvorfall und dessen Folgen matt gesetzt haben.

Leverkusens „vergessener Nationalspieler“ ist seit gestern jedoch wieder da und lief für Leverkusens Zweite in der viertklassigen Regionalliga gegen die Sportfreunde Lotte auf. Der weiße Brasilianer hat im Laufe seiner langen Laufbahn zwar sicher weitaus größeren Kulissen als die 153 Zuschauer im Rund des Kölner Südstadions erlebt, die die 0:1-Niederlage der Bayer-Kicker begleiteten. Was zählt dürfte allerdings sein, dass der inzwischen 35-jährige neue T(h)or der Woche die 90 Minuten heil überstanden hat. Man darf gespannt sein, wann Sabine Töpperwien im Radio wieder einmal zu Elogen auf Bernd Schneider ansetzen wird.

Über den T(h)or der Woche

Cascarino liest im Kaffeesatz

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Liverpools gestriger epochaler Triumph bei Manchester United.

In der guten alten englischen Times mimt Tony Cascarino vor wichtigen Fußball-Ereignissen einen Kaffeesatzleser der Netzer'schen Art. Tony Cascarino's ultimate football weekend nennt sich die weissagende Kolumne des früheren irischen Nationalstürmers und durfte freilich nicht vor diesem 29. Spieltag der englischen Premier League fehlen. Besondere Belichtung fand dabei das dieswöchige Spitzenspiel zwischen den beiden nordenglischen Erzrivalen Manchester United und FC Liverpool.

Wie wir nach dem gestrigen Samstagnachmittag wissen landeten die Reds um ihren Heroen Steve Gerrard vor knapp 76.000 Zuschauern in Manchester einen 4:1-Triumph, dank dessen ihnen selbstredend heute in der britischen Gazettenlandschaft sämtliche erdenklichen Lobeshymnen gewiss sind. Angesichts der souveränen Bahnen, die die Eleven von Sir Alex Ferguson in den letzten Wochen auf der Insel und international zog, kam diese Eroberung Old Traffords von Liverpool in dem epochalen Ausmaß etwas überraschend. Vor allem, nachdem Cristiano Ronaldo zunächst United in Front geschossen hatte. In toto liegt hinter Liverpool damit eine Woche, deren Bilanz man an der Anfield Road bei allen früheren Erfolgen durchaus in Stein meißeln sollte: 4:0 in der Champions League gegen Real Madrid und jenes 4:1 bei Manchester United.

Um auf Tony Cascarinos kleine Times-Kolumne zurückzukommen, stört es da sicher nicht, dass der Ire, dem während seines Celtic Glasgow-Gastspiels vor vielen Jahren die Celtic-Fans den störrischen Spitznamen „the donkey“ (der Esel) mit auf seinen weiteren Lebensweg gaben, in der Rubrik Pub debate seiner genannten Kolumne mit Steve Gerrard, Fernando Torres und Reds-Keeper Reina nur drei Liverpudlians die Klasse zusprach, einen Platz in der Stammelf von Manchester United ergattern zu können. Es könnte also die Gefahr bestehen, dass Mr. Cascarino bei einem seiner nächsten Besuche an der Anfield Road vergnügt angewiehert wird: IA...IA...IA...

Samstag, 14. März 2009

Pudelnass in Wankdorf

Bei den Freunden des Runden Leders herrscht heute vergnügliche Stimmung. Schließlich feiert der Leib- und Magen-Klub der schweizer Herren, Young Boys Bern, heute den 111. Geburtstag. Anlass genug für THOR WATERSCHEI, dereinst vom Runden Leder zum „einschlägigen Fachblog“ erkoren, einen Blick zurück in die Geschichte der Young Boys zu werfen. Nach eingehender Recherche lässt sich verorten, dass rund um Wankdorf nicht nur die YB-Viertelstunde und die YB-Wurst existieren.

Auch die Annalen der Berner Europapokalhistorie geben einiges her. Eine Halbfinalteilnahme im Landesmeistercup, ein Erreichen eines Viertelfinales im Pokalsiegercup und sogar einen 1:0-Triumph über Real Madrid. Dieser wurde im regnerischen September 1986 in der 1. Runde des Europapokals der Landesmeister erzielt. Gegen ein Real, bei dem an diesem Abend im Wankdorf geneigte Kicker-Ikonen wie Hugo Sanchez, Emilio Butragueño oder Manuel Sanchis pudelnass wurden. Das Rückspiel überließen die Young Boys zwar sodann im Bernabeu den Königlichen mit 0:5, was die 140 Gramm schwere YB-Wurst natürlich heute nicht mehr fetter macht.

Real hin, Real her -am Tag nach dem 111. Geburtstag gastiert Bern morgen in Liechtenstein beim von Pierre Littbarski trainierten FC Vaduz und könnte einem Sieg sowie Glück und Geschick gar mit dem aktuellen schweizer Spitzenreiter FC Zürich gleichziehen.

Freitag, 13. März 2009

Verzappt

Freitagabend, verzappt man sich auf der unschuldigen Fernbedienung, erblickt man plötzlich Tiger Effenberg auf der Mattscheibe neben Stefan Raab stehend - Schlag den Star heißt das Ding auf Pro 7. Und, dass der Tiger bekanntlich auch in gesetzteren Semestern richtig beißen kann, beweist er nicht nur auf Premiere. Bei einem der Raab'schen Spielchen darf der coole Effe z. B. Spielzeugtierchen befummeln, dann deren Name erraten und landet hierbei sogleich einen Volltreffer, indem er einen Wal glatt zu einem Fisch mutieren lässt.

Wie dem auch sei, das ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Ebenso wie die den Abend garnierende Quizfrage. Die lautet, mit welchem Klub Effe drei Mal deutscher Meister geworden sei: A. Bayern München, B. AC Florenz. Und gewusst? Nicht? Macht nichts! Daher wird schnell wieder weggezappt und zum Trost ne Tomte-Scheibe eingelegt. Im Übrigen in der leisen Hoffnung, dass der olle Thees Ullmann andächtig Der letzte große Wal schmettern wird...

Breitner für Brasilien

Obacht, was sich doch für interessante Bonmots auf dem Webportal des Bocholter-Borkener Volksblattes so ausgraben lassen. Da trägt doch ein aus Venezuela stammendes 19-jähriges Talent den ehrwürdigen Dress des Pele-Klubs FC Santos, will künftig die brasilianische Staatsbürgerschaft annehmen und auch zusätzlich für die Selecao auflaufen. Sicher nicht außerordentlich bemerkenswert, da dieses Bestreben fast jeder Brasilianer oder der es einmal werden möchte sicherlich haben dürfte.

Doch, wenn man den Namen jenes jungen Mannes so liest, wird einem doch etwas Angst und Bange, gab sein fußballverrückter Vater Joaquin ihm doch tatsächlich einen besonders klangvollen Namen, der die Historie des deutschen Fußballs der 70er in sich vereint. Der Name lautet: Overath Breitner da Silva Medina. Bei dieser namentlichen Qual der Wahl soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass einzig die sogenannte Kurzform BREITNER den Dress des ambitionierten Kickers ziert.

Tja, sollte der junge Breitner wahrhaftig den denselben Weg von Afro-Paule beschreiten, sei ihm mit einem zwinkernden Auge vorausgesagt, dass er in zwei WM-Endspielen jeweils einen Elfmeter verwandeln wird. Mehr verlockende Details gibt die Glaskugel derzeit leider nicht her. Den Treppenwitz, der dunkel unken lässt, ob Breitner beim FC Santos einmal in die Fußstapfen Peles treten wird, sparen wir uns an dieser Stelle einfach mal...

Lange Leine?

When Saturday comes...morgen erwartet Manchester United den FC Liverpool zum nordenglischen Premier League-Showdown in Old Trafford. Der gute Wayne Rooney kann das Duell offenbar gar nicht mehr abwarten und bellte etwas blutrünstig in der Sun:

„Ich freu mich schon sehr auf das Spiel. Ich wuchs als Everton-Fan auf, meine ganze Familie sind Fans von Everton. Ich habe Liverpool immer gehasst - und das hat sich nicht geändert.“

Der rüstige Sir Alex Ferguson soll, wie dank unbestätigten Gerüchten von der Insel im THOR WATERSCHEI-Klubhaus bekannt wurde, seinen bissigen Pitbull kaum noch an der Leine halten können, so dass dem Schotten angeblich gar der stets hilfsbereite Ryan Giggs beim morgendlichen Gassigehen zur Hand gehen musste. Eine therapeutische Teilnahme an einem Hunderennen soll Pferdefreund Fergie übrigens abgelehnt haben.

Die Fakten sind unterdessen recht eindeutig. Verliert Liverpool in Old Trafford, können sich die Reds die erste Meisterschaft seit 20 Jahren vollends abschminken. Derzeit liegt mit United mit einem Spiel weniger als Spitzenreiter sieben Punkte vor dem englischen Rekordmeister.

Mittwoch, 11. März 2009

„Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.“

Dachten die Herrschaften von Sporting Lissabon gestern Abend etwa, dass sie anlässlich eines Oktoberfestbummels in München gelandet wären? Fürwahr, nach der 0:5-Heimklatsche im Hinspiel unterschied Sporting bei der 7:1-Gala der Bayern nicht mehr ganz so viel von einem dieser laxen luxemburgischen Klübchen, die sich ausnahmsweise in die 1. Runde des UEFA-Pokals verirrt haben. Oder wie notierte die portugiesische Tageszeitung O Jogo heute mit erbarmungslos spitzer Feder: „Sporting geht in die Geschichte der Champions League ein: mit 1:12 zerquetscht. Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.“

Dienstag, 10. März 2009

Olé, Olaf Thon!

Auf Schalke wird derzeit eifrig nach einem neuen Manager gesucht und mögliche Nachfolger für den glücklosen Andreas Müller diskutiert. Selbstredend fährt auf dem rappelvollen Kandidatenkarussell auch Schalke-Ikone Olaf Thon mit, der jedoch angeblich trotz reichlich Stallgeruch so große Chancen auf das Pöstchen haben soll wie Herr Matthäus auf den Platz auf der Trainerbank der Bayern.

Da wird den Schalke-Chefs doch wohl nicht entgehen, dass die gestelzten Weisheiten, die Olaf Thon zu seinen aktiven Zeiten auf dem Rasenrechteck im besten Thon-Sound von sich gab, eine erstaunliche Kompatibilität für fast alle Lebenslagen eines Managers von Schalke 04 besitzen. THOR WATERSCHEI hofft daher, die Bewerbungsmappe von Herrn Thon durch die Präsentation von nachfolgendem Potpourri zu seinen Gunsten etwas erweitern zu können:

1. „Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann man nicht mehr sinken.“
2. „Mensch, mir ist aber kalt jetzt! Ehrlich! Boah!“
3. „Matthäus hatte mehr Frauen als ich.“
4. „Ich habe ihn nur leicht retouchiert.“
5. „Man soll auch die anderen Mannschaften nicht unter dem Teppich kehren lassen.“
6. „Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu.“
7. „In erster Linie stehe ich voll hinter dem Trainer, in zweiter Linie hat er Recht.“
8. „Man hetzt die Leute mit Tatsachen auf, die nicht der Wahrheit entsprechen.“
9. „Niemand ist perfekt, auch nicht der Ball.“
10. „Man darf das Spiel nicht so schlecht reden, wie es wirklich war.“
11. „Manchmal spreche ich zuviel.“

Montag, 9. März 2009

So siehts Sócrates

Null Acht, das österreichische Magazin für Rasenpflege, hat das brasilianische Fußball-Idol der Achtziger, Sócrates, besucht. Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Interview, welches vorab auf dem Online-Portal der österreichischen Gazette Der Standard veröffentlicht wurde. Beispiel gefällig? Sócrates' Antworten sind jedenfalls so scharf, wie er dereinst seine Elfmeter aus dem Stand schoss.

„Wozu braucht man Titel? Für den Lebenslauf? Den kannst du dir dann in die Tasche stecken, zusammenfalten und zerreißen. Wenn du an einem großen Ereignis teilnimmst, ist das Wichtigste der Titel, Erfolg zu haben. Gewinn und Erfolg ist das Einzige, was für viele Menschen zählt. Aber es gibt diese und jene Werte. Ich meine: Jede Sekunde in meinem Leben muss die beste sein und die nächste muss die vorangegangene übertreffen. Was wirklich zählt, ist Glücklichsein.“

Von Fahnen und Freiheiten...

Sonntag, 8. März 2009

El Nene

Gestatten, Perus Fußball-Idol Teófilo Cubillas, der in Anbetracht seines jungenhaften Gesichts in der südamerikanischen Fußballhemnisphäre nur El Nene gerufen ward, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Neben Miroslav Klose ist Cubillas der einzige Kicker der WM-Historie, der während zwei Turnieren fünf Treffer erzielen konnte. Bis heute gilt der Jubilar als bester peruanischer Kicker aller Zeiten, wurde nicht nur in die südamerikanische Jahrhundertauswahl berufen, sondern darf sich als einer jener 125 Auserwählten fühlen, die der große Pele 2004 auf seine Liste der besten noch lebenden Fußballer setzte.

Abschließend soll nun noch ein happiges Kleinod aufgetischt werden, welches von Cubillas' ansonsten wenig bemerkenswerten Abstecher Anfang der Siebziger beim FC Basel handelt. Denn wie Cubillas Jahrzehnte später einem Interview gestand, bekam er dort zu seinem Entsetzen nur Salat vorgesetzt, was dazu führte, dass er innerhalb eines Monats von seinerzeit 74 kg auf 64 kg abmagerte. Zu allem Überfluss übertrugen seine damalige Spielgefährten diese Magerkost auf das Rasenrechteck und sollen ihn kaum mit ansprechenden Flanken gefüttert haben, was vermutlich die für Cubillas' damaligen Ansprüche ungewöhnliche geringe Trefferquote von sieben Törchen während seiner Basler Saison erklären dürfte.

Mourinho United?

The Special One plant eifrig seine Zukunft: „Wenn Sir Alex in Rente geht, wird man sich bei den besten Trainern der Welt erkundigen - und ich falle sicher in diese Kategorie.“

Hoffentlich grätscht dem neuen T(h)or der Woche nicht im letzten Moment der altehrwürdige Roy Keane in die Parade.

Freitag, 6. März 2009

Ostfriesen-Alemão

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Dieter Eilts.

Dieter Eilts ist gewiss eine tragische Figur. Nach der 2:3-Pleite am heutigen Freitagabend beim FC St. Pauli ging für Eilts als Trainer von Hansa Rostock der Daumen geradewegs nach unten. Hansas Managernovize Rene Rydlewicz hatte in einer seiner ersten Amtshandlungen der Bremer Mittelfeld-Legende mit einem unmissverständlichen „Siegen oder Fliegen“ die Pistole auf die Brust gesetzt. Tja, jetzt ist der einst gefürchtete Eisen-Dieter erst einmal beurlaubt und wird vermutlich künftig Urlaub von der Ostsee machen.

Dennoch lässt es sich THOR WATERSCHEI nicht nehmen, Eilts in seine Galerie der Eisenfüße aufzunehmen. Denn eigentlich kann Eilts unglücklicher Abstecher auf die bereits sinkende Hansa-Kogge doch nur als Anheuern auf dem falschen Kahn gewertet werden, nachdem er beim DFB irrwitzigerweise trotz durchaus erfolgreicher Amtszeit als Juniorentrainer vom Hof gejagt wurde.

Ja, spröde ist er. So wie zu seinen besten Tagen auf dem Rasenrechteck, als Otto Rehhagel den 96er Europameister in Anlehnung an diesen ungewöhnlichen Brasilianer, der Mitte der Achtziger die strategische Rampensau in der Selecao gab, zum Ostfriesen-Alemão adelte. Nüchtern und kompromisslos im Umgang mit Ball und Gegner und wahrlich kein technischer Torpedo.

„Siegen oder Fliegen“, welch emphatische Schwafelei. Im Nachhinein verbunden mit der unnötigen Frage, was gewesen wäre, wenn Hansa bei Pauli gesiegt hätte. Dieter Eilts, dem Ostfriesen-Alemão, fiel jedoch bereits in früheren Semestern eine verbal schnörkeloser Haken um den unvermeidlichen Fußballkonjunktiv herum ein; indem er sprach: „Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen!“

Donnerstag, 5. März 2009

Mr. Charisma

Während allen voran der Guardian heute mit einer Rückkehr von Michael Ballack zum FC Bayern liebäugelte, suggerierte die Sun Mr. Ballack dabei erwischt zu haben, wie er sich offensichtlich bei seinem neuen niederländischen Trainer ein wenig einzuschmeicheln versuchte. Mr. Charisma kling schon ein wenig aufgesetzt. Hätte da nicht auch ein schnödes Guus is good gereicht?

Catenaccio

Wer übrigens mal wieder ein paar Zeilen über den unverwüstlichen Uwe Rahn lesen möchte, dem empfehle ich, einen Blick auf Catenaccio zu werfen. Bei dieser Gelegenheit nen schönen Gruß an den Leverkusen-Fan aus Mitleid, Jens Peters, der derzeit im Skiurlaub weilt. Nur, ob er dort auch mitbekommen hat, dass Bayers neuer Wunderstürmer Angelos Charisteas in seinem 5-Minuten-Einsatz schier mehr zustande gebracht hat, als gefühlt, in eineinhalb langen Jahren beim Club?

Batsch, batsch und nochmals batsch

Landauf, landab lässt es sich heute lesen. Dem gemeinen Bayern-Fan wird sicher sein olles mir san mir allmählich im Halse stecken bleiben, blickt er in der Retrospektive auf den gestrigen Pokalabend zu Düsseldorf. 70 Minuten lang sollte das kickende Gedöns der Klinsmänner offenbar eine Art Subkultur von Fußball darstellen. Die Quittung der Werkself hat man ja vernommen. Es machte batsch, batsch und nochmals batsch, so dass vor der heimischen Mattscheibe wegen des hochroten Hoeneß'schen Hauptes es einem schon Sorgesfalten auf die eigene Stirn trieb. Zwei zu vier...

Bester Bayer auf dem grünen Rasen war wohl noch Mehmet Scholl, der den Ton im Ersten zumindest besser traf als so mancher der Klinsmänner zuweilen in den vorherigen 90 Minuten den Ball. Nun denn, die Springer-Armada übt sich bekanntlich bereits seit Saisonbeginn mal mehr mal weniger subtil daran, die Nägel in Klinsmanns Sarg Stück für Stück zu versenken und fragte sich heute wenig überraschend, wie oft Klinsi denn noch verlieren dürfe. Wie schrieb Bukowski ehedem: den Göttern kommt das große Kotzen. Auch Klinsmann dürfte davon nicht mehr allzu weit entfernt sein.

PS.: Im Thor Waterschei-Klubhaus brennt wieder Licht, die Sendepause neigt sich langsam seinem Ende zu.