Sonntag, 8. November 2009

Keine lahme Kritik

Alarmstufe Rot beim FC Bayern. Philipp Lahm hat der Süddeutschen ein offenes Inteview gegeben, in dem er sich u. a. kritisch mit der Transferpolitik und der Spielphilosophie des Rekordmeisters auseinandersetzt. Das keineswegs lahme Interview in vier Schlaglichtern:

1. Wenn man unsere Mannschaft mit anderen Topteams aus der Champions League vergleicht, dann sind diese eben auf sieben, acht Positionen strategisch erstklassig besetzt - und das fehlt uns. Wenn man sich mit Barcelona, mit Chelsea, mit Manchester United messen will - dann braucht man als FC Bayern eine Spielphilosophie. Das muss auch das Ziel des Vereins sein.

2. „Aber ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. Sicher lag es auch daran, dass wir in den letzten Jahren verschiedene Trainer mit verschiedenen Vorstellungen hatten. Aber man muss auch ganz klar feststellen: Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. Man holt gezielt Spieler - und dann steht die Mannschaft.“

3. „Auch Barcelona hat sehr, sehr viel Ballbesitz - aber sie haben eben auch Spieler, die sagen: ,Okay, jetzt geht's nach vorne.' Das ist das, was uns fehlt. Ich sehe unsere Spiele der letzten Wochen und frage mich: Wer soll das denn machen bei uns? Und jetzt haben wir ja nur über eine Position geredet. In der Bundesliga reicht es vielleicht, wenn du dort gut besetzt bist. Aber international brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind. Ich sehe diese acht Spieler bei uns nicht, und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre.“

4. „Der Verein muss sagen, wenn ein Trainer kommt: So spielen wir. Bei Barcelona kommt doch keiner mehr auf die Idee, dass sie 4-4-2 spielen. Der FC Barcelona ist 4-3-3 - das ist einfach so! Wir dagegen haben jetzt viele Spieler, für die es in einem 4-3-3, das unser Trainer gerne spielen möchte, gar keine Position mehr gibt. Zum Beispiel unsere Stürmer. Wir haben wirklich gute Stürmer - aber beim 4-3-3 sitzen zwei, drei immer auf der Bank. Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten im 4-3-3 spielt.“

Was sagen die Blogger? Bayern-Blogger Breitnigge fragt sich etwa heute, ob sein FCB „kurz vor der Implosionsteht und kann Lahms Worten durchaus positive Aspekte abgewinnen.

[...] Davon abgesehen ist das Interview doch eher positiv. Er hält van Gaal für einen guten [...] und zum FC Bayern passenden Trainer. Nerlinger findet er gut und hält es sogar für möglich, dass die beiden – van Gaal und Nerlinger – Chance und Mut zur Veränderung beim FC Bayern haben. Sowas tut nun einmal weh. Veränderung. Und Angst kann/darf man davor auch haben. Das ist normal. Und ich denke, wir sollten dieses Risiko eingehen.Von daher: Wo ist das Problem? Mit diesem Interview?“

Was sagt Oliver Kahn?

Man merkt, dass es Unzufriedenheiten gibt. Bei den Spielern, bei den Verantwortlichen. Es kocht momentan. [...] Es ist wichtig, dass Spieler eine gewisse Verantwortung übernehmen. Das gehört zum Prozess, dass man mal aneckt und mal Tacheles redet. Das setzt Energien frei.

Was sagen Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge?

Zur Kasse, bitte!