Samstag, 7. November 2009

Der gute Geist des Molineux

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. TW pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die Wolverhampton Wanderers duellieren sich mit Arsenal am 12. Premier League-Spieltag. Business as usual, vor allem für Arsenal? Oh no, die beiden Klubs verbindet mehr als man denkt.

Für ein englisches Stadion besitzt der Name der Heimstatt der Wolverhampton Wanderers, gemeinhin „Wolves“ genannt, einen bemerkenswert frankophilen Klang - Molineux. Dort duelliert sich heute Abend Arsenal mit dem gastgebenden Premier League-Aufsteiger. Man wähnt sich zunächst eher auf der anderen Seite des Ärmelkanals als in dem Herzen der West Midlands, wo im 19. Jahrhundert eifrig Kohle und Erz abgebaut wurde. Zurück geht der ungewöhnliche Stadionname auf Benjamin Molineux, einen lokalen Kaufmann, dessen Familie französischen Ursprungs ist. Jener Molineux baute rund 150 Jahre vor der Eröffnung des später gleichnamigen Stadions anno 1889 auf dem heutigen Stadiongrundstück das in Wolverhampton bekannte „Molineux-Haus“.

Was das Molineux-Stadion aber mit dem FC Arsenal zu tun hat? Well, das lässt sich schnell klären. Zunächst einmal, wenn man Englands Fußball-Legende Billy Wright ins Spiel bringt. Wright ist erster Nationalspieler mit über 100 Länderspielen - lange vor den Shiltons, Charltons, Moores oder Beckhams – in die Ahnengalerie der „Three Lions“ eingegangen.

Sein ganzes langes Kickerleben verbrachte Wright bei den „Wolves“ und dem Klub etwa bei den drei einzigen Meistertiteln in der 132-jährigen Vereinsgeschichte als Kapitän vor. Zum Dank setzte man Wright in Wolverhampton nicht nur ein lebensgroßes Denkmal vor dem Molineux, zudem wurde auch eine Tribüne nach dem 1994 verstorbenen benannt. Vielleicht bleibt der stets rechtschaffene Wright damit so etwas wie der gute Geist des Molineux. Trotz aller Meriten schlugen bei Wright offenbar zwei Herzen in seiner Brust. Schon in seiner Jugend schwärmte er für Arsenal . Später schwang er dieser Jugendliebe frönend in Highbury, und nicht etwa bei seinen „Wolves“, von 1962 bis zu seiner Entlassung 1966 den Trainertaktstock. Den ließ er danach für immer fallen und kehrte nie wieder auf irgendeine Trainerbank, auch nicht zu jener Wolverhamptons, zurück.

Rückkehr ist an dieser Stelle ein ganz gutes Stichwort. Denn neben der Erinnerung an Wright verbindet Arsenal noch mehr mit Wolverhampton. Die Saison 2003/2004, nach der die Gunners-Granden wie Henry, Bergkamp oder Vieira ungeschlagen als „The Invincibles“ in den Premier League-Olymp aufstiegen. Erstmals seit dieser herausragenden Spielzeit gastiert Arsenal im Molineux. Der Kalender schrieb seinerzeit den 7. Februar 2004, Arsenal siegte nach Toren von Bergkamp, Henry und Toure souverän mit 3:1. Übrig geblieben von jenem Aufeinandertreffen sind nur noch zwei Protagonisten.

Auf Seiten der „Wolves“ ist es deren hartgesottener Kapitän Jody Craddock, der im Herzen von Wolverhamptons Abwehrzentrum steht und dort als „tough-tackling“ Turm in der Schlacht gilt . Auf Seiten von Arsenal Arsene Wenger. Mit mittlerweile 60 Jahren und allein 13 Dienstjahren bei den „Gunners“ hat der Elsässer schon einiges erlebt. Eine Niederlage in sechs Duellen mit den „Wolves“ gehört, wie die BBC zu berichten weiß, indes nicht dazu. Mal darf also gespannt sein, ob heute Wengers siebter Streich gegen die auf dem drittletzten Rang platzierten Wölfe folgt. Für die Gastgeber wäre dies im harten Abstiegskampf sicher zum Heulen, für Arsenal zweifellos ein Pflichtsieg.

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