Sonntag, 18. Oktober 2009

Über die Kirche im Dorf

Wie schnell darf man in die Nationalelf berufen werden? Uli Hoeneß hat der Journaille nach dem gestrigen Bayern-Sieg in Freiburg auf diese Gretchenfrage angesprochen reichlich reinen Wein eingeschenkt:

„Da schießt einer mal drei Tore und soll dann gleich in die Nationalmannschaft. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.“

Von Hoeneß gemeint war Bayerns Sturm-Novize Thomas Müller, der seit Saisonbeginn wie eine kleine Rakete in den Fußballhimmel geschossen ist und Bayerns renommierte Stürmergarde um Luca Toni, Miro Klose und Mario Gomez derzeit alt aussehen lässt. Jogi Löw hatte dem 20-jährigen Müller eine Nominierung für die Länderspiele im November gegen Chile und Ägypten in Aussicht gestellt.

Hoeneß, der neue T(h)or der Woche, sprach sich vehement gegen eine Nominierung aus und plädierte dafür im Falle Müller die Kirche im Dorf zu lassen. Der oftmals streitbare Bayern-Manager hat hiermit zweifellos den Nagel auf den Kopf getroffen. Es wäre sehr schade, wenn Müllers gerade aufgehender Stern schon vor dem nächsten Frühling ob potenzierter und überhöhter Erwartungen und damit verbundenen Enttäuschungen plötzlich verglühen würde. Toni Kroos lässt hier ein wenig grüßen.

Sofern es Ende April 2010 noch immer wie im Spätsommer und diesem Herbst weiter „müllern“ sollte, hätte sich das potenzielle „Bömberchen der Nation“ zumindest über eine gesamte Saison, womöglich als Shooting-Star der Saison und nicht des Septembers, bewährt. Hat Jogi Löw sich etwa von dem Müller-Hype ein wenig anstecken lassen? Wäre nicht auch zunächst einmal ein gewisser Herr Kießling aus Leverkusen in der Nationalelf an der Reihe?

Uli Hoeneß absolvierte im Übrigen am 29. März 1972 im Alter von 20 Jahren und 2 Monaten sein Länderspieldebüt bei einem deutschen 2:0-Sieg in Ungarn, zu dem er den zweiten Treffer beisteuern sollte. Das Ganze geschah seinerzeit mehr als eineinhalb Jahre nach Hoeneß' Bundesligapremiere für den FC Bayern im August 1970.

Über den T(h)or der Woche

2 Kommentare:

Kid Klappergass hat gesagt…

Preisfrage: Wer hat folgendes gesagt? "Lehmanns Nachfolger in der Nationalelf wird auf jeden Fall Rensing und sonst keiner. Da können sich alle anderen auf den Kopf stellen."

Rensing hatte zu diesem Zeitpunkt innerhalb von drei Spielzeiten ein Dutzend Bundesligaspiele absolviert. ;-)

Gruß vom Kid

Breitner hat gesagt…

So ist halt der Uli. Ein wenig von Franz hat er schon. Was schert mich mein Geschwätz von gestern...