Sonntag, 4. Oktober 2009

Mit weicher Klinge

Chapeau, seit nunmehr 13 Jahren kultiviert Arsène Wenger, der neue T(h)or der Woche, den Trainerstuhl des Arsenal Football Clubs und ist damit wie fast jede britische Gazette schreiben wird the longest-serving Arsenal boss. Der Kosmopolit hauchte Arsenals ehedem eckigen, kantigen und zuweilen langweiligen Spiel den gewissen raffinierten Verve ein. Damit führte der Elsässer den Verein aus dem Norden Londons allmählich auf Augenhöhe mit Manchester United. Das führte nicht nur zu überaus elektrisierenden Duellen der Gunners auf dem Rasenrechteck mit ManUtd.

Solche Duelle elektrisieren auch grundsätzlich Sir Alex Ferguson, der traditionell bei jedwedem Kratzen an der Vormachtstellung Manchesters zum schottischen Kampfhahn mutiert. In Arsène Wenger schien Ferguson den kongenialen Antagonisten gefunden zu haben. Denn wenn Wenger sozusagen als gallischer Hahn zum medialen Gegenschlag nach einer Ferguson-Attacke ausholte, brauchten sich die Tabloids auf der Insel keine Sorgen um ihre Schlagzeilen zu machen. Scharfe verbale Klingen wetzend stellte halt der schottische Kampfhahn den französischen als „schlechten Verlierer“ an den medialen Pranger oder man beschimpfte sich einander als „Schande“.

Im Herbst 2004 erreichte die Feindschaft der beiden Rivalen ihren Höhepunkt. Manchester beendete im Old Trafford Arsenals legendäre Serie von 49 Partien ohne Niederlage mit einem 2:0-Triumph jäh und Wenger soll Ferguson nach Tumulten im Spielertunnel mit Pizza und Suppe beworfen haben. Was in den Wochen und Monaten nach dem vielbeschriebenen „Pizzagate“ folgte, skizzierten Englands Gazetten als „Krieg der Worte“, in den unter anderem der damalige britische Sportminister beschwichtigend einschaltete. Selbst der Polizeichef Islingtons meldete sich seinerzeit besorgt zu den Scharmützeln zu Wort und wies darauf hin, dass jede Feindseligkeit auch die Aggressivität bei den Zuschauern der beiden Klubs erhöhe.

Mittlerweile scheint sich das Verhältnis der beiden Kampfhähne derart entspannt zu haben, dass zuweilen lediglich mit weicher Klinge hantiert wird und die „FAZ“ die Feindschaft schon zu einer „Kuschelrivalität“ verwässert sah. Ob es an der Altersmilde der Konkurrenten liegt oder Ferguson Arsenal nach einigen titelosen Jahren nicht mehr ganz auf Augenhöhe mit seinen Red Devils wähnt, sei dahingestellt. Dieser Tage ließ Ferguson sogar über seinen einstigen Lieblingsfeind Bemerkenswertes verlauten und salutierte neulich wohl ob Wengers Dienstjubiläum bei einer Pressekonferenz vor dem Elsässer:

„Ich denke er hat aus Arsenal das Beste herausgeholt. Seitdem er dort ist, hat der Klub wunderbare Erfolge gefeiert. Das beweist, dass die Langlebigkeit, in meinem oder seinem Fall, belohnt wird. Sein Team spielt mit der richtigen Einstellung. Das Stadion ist jede Woche voll. Er ist ein unglaublich erfolgreicher Trainer für Arsenal, daran gibt es nichts zu zweifeln.“

Zudem lobte der Schotte Wengers Prinzipientreue und hat vielleicht ein wenig Wenger in sich wiedererkannt. Schließlich eint beiden Trainerikonen neben der Leidenschaft für Erfolge, Titel und schönes Spiel, dass das Dinner for One der beiden in Old Trafford und im Emirates Stadium dem Sonnenuntergang entgegengeht. Es darf daher mit Spannung erwartet werden, ob der Fehdehandschuh bei den nächsten Duellen nochmals geworfen wird. Denn auf eine gewisse Weise gehört diese Fehde zur Fußballfolklore auf der Insel einfach dazu, selbst wenn sie mit regelrecht weichen Klingen ausgetragen wird…

Der Beitrag ist ebenfalls auf dem Goonerportal und auf Footbo.com zu finden.

Keine Kommentare: