Sonntag, 11. Oktober 2009

Bang Boom Boateng

Vor Überraschung schien gestern zunächst fast die nahe Moskwa über die Ufer zu treten, als sich abzeichnete, dass Jogi Löw mit Jérome Boateng im vielbeschworenen „Spiel des Jahres“ (wie oft wurde die Wendung eigentlich genutzt?) einen waschechten Debütanten gegen Arschawin und dessen Kollegen aus der Sbornaja aufbieten wird. Freilich war die Verblüffung allerorten nicht in dem Ausmaß zu vernehmen wie über die Nobelpreisvergabe an einen gewissen Obama tags zuvor.

Gleichwohl schien die Aufstellungsverkündung von Béla Réthy zumindest Oliver Kahn in seinem feinen Zwirn kurzzeitig die Sprache zu verschlagen. Schließlich hatte Kahn gegenüber ZDF-Lady Müller-Hohenstein noch wenige Momente zuvor darüber doziert, dass sich Jogi Löw gegen die Sbornaja keine Experimente leisten könne. Es machte zum ersten Mal an diesem Abend: Bang Boom Boateng. Der Sound von Oliver Kahn wechselte daher rapide die Windrichtung. Kahn lavierte, dass man die Startelfberufung von Boateng nun „individuell“ betrachten solle. Aha, wird mancher vor dem Bildschirm die Schultern gezuckt haben. Die Moskwa wird sicherlich ein wenig geschäumt haben.

Nachdem Bela Rethy jedoch später erläutert hatte, wie Boateng bei tollen Spielen in der U 21 und zuletzt im HSV-Dress herausragte, blieben vorläufig kaum noch Fragen zu dessen Nominierung offen. Vorläufig. Denn Boateng sollte freilich zunächst in Löws Hintermannschaft seinen Mann stehen, wie zuletzt gegen das Bravour-Duo des FC Bayern Robben und Ribery. Gegen die wendigen Russen musste der Debütant schnell erkennen, dass manches Mal lediglich ein Foul ein probates Mittel für die Unterbrechung der zumeist schnell vorgetragenen russischen Angriffe war.

Da sich derlei Senserei dem Grunde nach nur zweimal in einer Partie erlauben lässt, mündete die Premiere des talentierten Novizen nach zwei gelbwürdigen Fouls in der 41. und 68. Minute auf der Rechtsverteidigerposition in einem Platzverweis. Es machte erneut: bang, boom, Boateng. Hätte Löw seinen zuweilen unsicheren Novizen schon in der Halbzeit in der Kabine behalten sollen oder gar von Vornherein auf Arne Friedrich setzen sollen? Die Diskussion ist nach dem Sieg müßig, zumal Löw nach dem Schlusspfiff konstatierte, dass Boateng ab jetzt „zum festen Kader“ zählt.

Den Weg eines gewissen Zoltan Sebescen wird Boateng, der neue T(h)or der Woche, damit sicherlich nicht beschreiten. Ob der ganzen Turbulenzen um Boateng vergaß uns Béla Réthy übrigens sogar mitzuteilen, dass mit Boateng der Großneffe von Helmut Rahn den Adler auf der Brust trug. Das hätte an dem Abend eigentlich noch gefehlt. Deswegen wäre die Moskwa vermutlich auch nicht über die Ufer geschwappt…

Über den T(h)or der Woche

Kommentare:

Kid Klappergass hat gesagt…

Schöner Blogtitel.

Den Blogeintrag fand ich übrigens im einiges interessanter als die Spiele der Truppe, um die es geht.

Kahn? Löw? Rethy? An einem Abend? Gute Güte. Von solch einer akustischen Selbstquälerei bin ich weit entfernt. ;-)

Gruß vom Kid

Thor Waterschei hat gesagt…

Danke. Bist Du etwa eher den Herren Delling und Netzer zugetan?

Kid Klappergass hat gesagt…

Nein. Das war aber mal anders. Ist allerdings schon einige Zeit her.

mars (spielbeobachter) hat gesagt…

Alles schön gesagt. Nur ergänzen würde ich wollen, daß der gottlob kurze Auftritt des "Routiniers vom Tabellenletzten" (Rethy über Friedrich) zeigte, daß Boateng durchaus die bessere Wahl war. nicht nur wegen des Elfmeters, den Friedrich eigentlich versucht hat.

Thor Waterschei hat gesagt…

Wo war eigentlich Hinkel?