Sonntag, 10. Mai 2009

Treffende Flanke

Nicht nur HSV-Edelfan Dittsche wird wissen, dass es sich bei Manni Kaltz um Mr. Bananenflanke handelt. Immer wieder, wenn in der HSV-Hemnisphäre an die glorreichen und wohl auch zuweilen lähmenden glorreichen alten Zeiten in den Achtzigern gedacht wird, wird der Name von Kaltz in einem Atenzug mit den übrigen Rauten-Granden wie Hrubesch, Magath, Stein oder Happel genannt. Ansonsten ist es um den HSV-Rekordspieler recht ruhig geworden, da Kaltz nicht zu jeder verunglückten Hereingabe seiner Nachfahren auf dem Flügel seinen Senf hinzugeben muss.

Wird Kaltz, mithin als 69-maliger Nationalspieler Europameister '80 und Vizeweltmeister '82, allerdings nach einer flankierenden Analyse der gegenwärtigen Situation bei seinem HSV oder bei der Nationalelf befragt, gerät diese dann ebenso fundiert wie treffend. Dies zeigte sich beispielsweise in einem Interview mit der FAZ am Tag vor dem 3. Akt des Nordderbys, dem UEFA-Pokal-Rückspiel am Donnerstag, als Kaltz der jungen Jol-Eleven die Grenzen aufzeigte:

„Um wirklich wieder eine große Mannschaft zu werden, muss der HSV noch deutlich mehr erreichen und vermutlich auch erst noch viele Niederlagen einstecken. [...]. Wir waren damals ja auch nicht auf Anhieb erfolgreich: Unsere Mannschaft wurde nach dem Umbruch nach der Ära von Uwe Seeler und Willi Schulz langsam aufgebaut seit Anfang der 70er. Wir mussten dann auch immer erst eine bittere Niederlage einstecken wie im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1980, ehe wir daraus unsere Lehren gezogen haben. Wir wurden durch Niederlagen cleverer und haben es dann beispielsweise 1983 beim Endspielsieg gegen Juventus Turin besser gemacht. Diese Lehre hat die heutige Mannschaft noch nicht durchlaufen.“

Trotz allem Papierkugel-Gedöns lässt sich in der Rückschau der vier Nordderby-Partien eine Menge Wahrheit in den Kaltz'schen Worten erkennen. Kurzum scheinen die Rothosen nach den drei Niederlagen gegen Werder ironischerweise noch zu grün für den ersten Titel seit 1987, dem in Berlin errungenen DFB-Pokalsieg. Bei dem war Kaltz, der neue T(h)or der Woche, auch zugegen und erzielte seinerzeit zwei Minuten vor dem Schlusspfiff gegen die Stuttgarter Kickers den vorentscheidenden Treffer zum 2:1.

Über den T(h)or der Woche