Montag, 18. Mai 2009

De leeuw

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Eric Gerets, de leeuw.

Wallendes dunkles Haar im punkigen Endsiebzigerlook, garniert mit einem schwarzen Vollbart. Die Nummer Zwei auf dem Rücken, die Stutzen hochgezogen und positioniert auf der rechten Außenverteidigerseite. Es ist die Rede von dem jungen Eric Gerets, der belgischen Fußball-Ikone, die ehedem in den 70er und 80er Jahren hinten rechts die Post abgehen ließ. Gerets sah nicht nur einem Löwen zum Verwechseln ähnlich, er besaß offenbar auf dem Rasenrechteck ebenso den Habitus eines Löwen. Gerets, der lange Jahre den Dress von Standard Lüttich und des PSV Eindhoven trug, konnte richtig zubeißen, kämpfte stets wie ein Löwe und erhielt in seinem Heimatland folgerichtig den Spitznamen De leeuw verpasst.

Dabei galt Gerets nicht unbedingt als Verteidiger der alten Schule, der den gegnerischen Linksaußen, um warm zu werden, erst einmal auf die Aschebahn geschickt hat. Wie Klaus Allofs einmal der WELT verriet, schieb Gerets Anfang der 80er seiner Zeit schon etwas voraus zu sein: „Er hat schon damals nicht mehr diesen alten Verteidigerstil gespielt, sondern die Offensive gesucht. Er war nicht so groß, aber sehr stämmig, ein sehr dynamischer Spieler, der mit viel Temperament bei der Sache war.“

Es ist nicht überraschend, dass Gerets maßgeblich an den Erfolgen von Belgiens Nationalteam in den 80ern beteiligt war, in denen Belgiens große Generation um Jean-Marie Pfaff, Jan Ceulemans, Franky van der Elst und Gerets mit der Vizeeuropameisterschaft 1980 oder dem 3. Rang bei der 86er WM in Mexiko glänzte. Dass bei dem heutigen Trainer von Olympique Marseille indes nicht alles Gold ist, was glänzt, davon zeugt ein Bestechungsskandal, in den Gerets seinerzeit als Geldbote verwickelt war und hierfür rund 13 Monate lange gesperrt wurde.

Diese unschöne Episode über Gerets und Standard Lüttich handelt von der wenig aufrichtigen Vorbereitung der die belgische Meisterschaft entscheidenden Partie der Saison 1981/82. Der Gegner Standard Lüttichs hieß seinerzeit THOR Waterschei, der traurigerweise monetär für das Hochheben seiner Beine entschädigt werden sollte.

Seine Grätsche ins Nichts hat Gerets einmal als „schwersten Fehler meines Lebens“ bezeichnet. Mit viel Temperament und Löwenmut erkämpfte sich Gerets im Laufe der Zeit seinen Ruf zurück, wie auch seine Vorherrschaft auf Belgiens rechter Abwehrseite. Das alles ist jedenfalls schon lange her, wovon auch Gerets fortgeschrittenes Alter zeugt. Denn heute wird Gerets 55 Jahre alt, das wallende dunkle Haar und der schwarze Vollbart sind weg, der Schopf schimmert grau. De leeuw erhält ab sofort einen Platz in der Galerie der Eisenfüße. Und dass ironischerweise ausgerechnet bei THOR WATERSCHEI.

Keine Kommentare: