Donnerstag, 7. Mai 2009

Aufstieg

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute liefert Carsten Pilger, engagierter 1. FC Saarbrücken-Blogger und Fanzineschreiber, einen Erlebnisbericht von der Aufstiegsfeier seines 1. FCS, der nach zuletzt drei Abstiegen nun begann, den Rückweg aus den Niederungen der fünftklassigen Oberliga Südwest anzutreten.

"5:1, die Null wird nicht gehalten, aber nach dem Spiel interessiert uns das auch nicht mehr", so in etwa lauteten die Worte, die ich vor Spielbeginn als meinen Tipp für das Fanradio präsentieren konnte. Viele Tore, ein paar Schwächen in der Abwehr, also doch noch etwas auf dem Boden geblieben, aber wichtiger natürlich: der Aufstieg. Der Tabellenletzte der Oberliga Südwest, in diesem Falle Bad Breisig, ist da natürlich ein denkbar unattraktiver Gegner, aber was will man nach drei Abstiegen schon erwarten?

Symbolisch verarbeitete man die "2 Jahre[n] in dunkler Tiefe" mit einer Unterwasser-Choreographie der Droogs-SB, in der "Captain Ferner das FCS U-Boot U-1903 zurück an die Wasseroberfläche" brachte, was gar kindliche Freude über den ersehnten Aufstieg mit der Selbstironie, die es eines FCS-Fans bedarf, vereinte. Ein besonderer Tag also, an dem man endlich ausbrechen darf, wildfremde Menschen sich wahllos umarmen dürfen, jedenfalls dann, wenn das Spiel erst einmal zuende ist.

4.800 Zuschauer wollten sich jedenfalls dann auch unter den Jubelnden befinden. Zunächst bekamen sie auch einen FCS zu sehen, der schon früh den Abstiegskandidaten aus Bad Breisig unter Druck setzte. Erkennbar offensiv waren die Blau-Schwarzen von Dieter Ferner auch ausgerichtet worden, sodass mit Marcel Schug, Michael Petry, Sammer Mozain und Nazif Hajdarovic vier der fünf besten Torschützen in der Startformation standen. Flüssige Kombinationen gab es in den ersten Minuten oft zu sehen, was im Endeffekt meist an der Abseitsentscheidung des Schiedsrichtergespanns scheiterte.

Danach beobachtete man, wie so oft in dieser Saison, dass der Gegner das einzig wirksame Mittel ergriff und konsequent auf Abwehrarbeit setzte. Was Mannschaften wie Elversberg II oder Wirges zum Punktgewinn im Ludwigspark verhalf, lähmte nun auch das Kombinationsspiel des 1. FC Saarbrücken. Die größte Chance für den FCS ergab sich nach einem Eckball in der 20. Minute, als Marcel Rozgonyi einen Volleyschuss nur knapp über die Querlatte setzte. Vereinzelte Vorstöße von Bad Breisig wurden schon weit vor dem Saarbrücker Tor abgefangen. Nur eine Mischung aus Torschuss und Flanke geriet kurzweilig zur Gefahr für Tobias Rott, allerdings konnte man dieser Planlosigkeit bereits ablesen, dass mein Tipp, die Null würde heute fallen, vielleicht doch nicht eintreffen würde.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit sollte es dann doch noch einer dieser Momente geben, in dem sich wieder der Unterschied zu vergangenen FCS-Mannschaften zeigte. Einen Freistoß aus gut 20 Metern Entfernung setzte Sammer Mozain zur 1:0-Führung in die Torwartecke! Eine vorzeitige Erlösung, noch lange nicht die Entscheidung.

Nach der Pause ergab sich das gewohnte Bild, der FCS bemühte sich den Bad Breisiger Riegel zu knacken, kam dabei allerdings nicht immer in Schussposition. Das Spiel konzentrierte sich nun vollends auf die Gästehälfte und die Frage, wann und ob das 2:0 die Blau-Schwarzen endgültig in die Regionalliga befördern würde, beherrschte die Kulisse. Dieter Ferner brachte mit Metin für Otto, Stelletta für Mozain und Brückerhoff für Weißmann frische, vor allem aber wendige Spieler, um wenigstens im entscheidenden Moment einfach die Abwehr zu durchbrechen. Für Aufregung sorgte dabei ein heftiger Körpereinsatz im Strafraum gegen Michael Petry, der das Stadion wie aus einer Kehle "Elfmeter!" reklamieren ließ, was vom Schiedsrichter unerhört blieb. Kurze Zeit später sah es anders aus.

Von einem Abwehrspieler gelegt holte Mike Brückerhoff in der 77. Spielminute einen Elfmeter heraus und diesmal sollte Nazif Hajdarovic, der den FCS verlassen wird, sein Glück vom Punkt versuchen. Ein knallharter Schuss in die Tormitte und dem FCS war die Meisterschaft praktisch nicht mehr zu nehmen: 2:0 durch Hajdarovic!
Bad Breisig hatte sich nun völlig aufgegeben, sodass vier Minuten vor Ende der Partie ein mustergültiger Konter zum 3:0-Entstand abgeschlossen wurde, der Torschütze hieß erneut Hajdarovic.

Und kurz darauf öffneten sich zum ersten Mal seit 2004 wieder die Stadiontore.Es war zwar nur ein Aufstieg von der ungeliebten Fünft- in die nicht sonderlich beliebtere Viertklassigkeit, wie auch ich vor dem Spiel im Fanradio-Interview zugab, allerdings war davon nach Abstieg nicht mehr viel zu spüren. Vielleicht war die Menschenmasse im Gegensatz zu 2004 ein wenig geschrumpft, vielleicht war der Aufdruck des offiziellen Aufstiegshemds "Erster FC Saarbrücken 09" ein wenig verhaltener als sonst, vielleicht fehlte dem ein oder anderem Zuschauer das obligatorische Freibier. Dennoch steigt man nicht jedes Jahr auf, nicht jedes Jahr gelingt einer Truppe der Spagat zwischen Erfolg und Ehrlichkeit und einen Trainer wie Dieter Ferner, der mit der schweren Last eines ehemaligen Publikumslieblings gekonnt umgegangen ist, findet man auch nicht alle Tage.

Und diese Tage muss man auskosten, auch nach drei Abstiegen.

Carsten Pilger betreibt das FCS-Blog und ist außerdem dafür mitverantwortlich, dass das stets ausverkaufte FCS-Fanzine „Der Leuchtturm“ das Licht der Welt erblickte.