Sonntag, 24. Mai 2009

Abgehakt

In dem ganzen Trubel der letzte Woche um den Gewinn der Meisterschale, den Abschied von Felix Magath und den weiteren relevanten und weniger relevanten Ereignissen des letzten Bundesligaspieltags ist beinah untergegangen, wie die kurze und beinah trivial anmutende Karriere des Jermaine Jones in der Nationalmannschaft beendet wurde. Jogi Löw verkündete kürzlich sein Aufgebot für die bevorstehende Asien-Reise, die sicher verzichtbare Länderspiele gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und China mit sich bringt.

Wie wir alle wissen, muss Löw auf dieser Expedition zumeist aus Termingründen auf rund 16 etablierte Akteure verzichten. Dennoch ließ es sich Löw nicht nehmen, auf die Dienste des Schalkers Jones, der in der rumpeligen abgelaufenen Schalker Saison mit seiner Kampfkraft zumindest wie ein Einäugiger unter vielen Blinden wirkte, höchstselbst zu verzichten. Der kantige Jones hat offensichtlich schnell bemerkt, dass Löw damit beinahe lautlos die Guillotine in Bezug auf Jones weitere Zukunft im Kreis der Nationalelf hat fallen lassen.

Der Tagesspiegel kommentierte dies messerscharf:

„Der Fußballer Jermaine Jones besitzt einige Fähigkeiten, die ihn aus der Masse seiner Kollegen herausheben: Er ist athletisch und kampfstark, furcht- und kompromisslos. Seit gestern wissen wir, dass Jones zudem eine rasche Auffassungsgabe besitzt. Nachdem Schalkes Mittelfeldspieler das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die Asienreise zu Gesicht bekommen hatte, hat er seine Länderspielkarriere umgehend für beendet erklärt.“

Jones selbst verkniff sich einen stinkstiefelhaften verbalen Schlenker, für den er bisweilen durchaus gut ist: „Es ist ja nicht nur für mich erledigt, sondern auch der Bundestrainer hat das wohl abgehakt.“ Kurzum, die WM 2010 dürfte für Jones, den neuen T(h)or der Woche, damit ebenfalls abgeschrieben sein. Gleichwohl stellt sich die einfach zu formulierende Frage, was nach dieser Rückrunde macht speziell den für die Jones-Position nominierten Hoffenheimer Weis als auch den wegen des Pokalfinales nicht berufenen Simon Rolfes, der vermutlich seinen Platz im Kader gehabt hätte, besser als Jones?

Oder war es der sogenannte Nutella-Fluch, den Jones als ersten der vier aktuellen Nutella-Boys erwischt hat? Wenn dem übrigens so sein sollte, dann werden die beiden weiteren Nutella-Boys Weis und Rolfes ihr Nationaltrikot künftig mutmaßlich ebenfalls auf dem Bügel hängen lassen können.

Über den T(h)or der Woche

Thor Auswärtsspiel: Dieser Artikel ist auch auf footbo.com zu finden.

1 Kommentar:

heinzkamke hat gesagt…

Bisher hatte ich zumindest ein Stück weit den Eindruck, dass sich Joachim Löw seit der EM verstärkt am Leistungsprinzip orientiert. Für Jones scheint es allerdings nicht zu gelten.