Montag, 27. April 2009

„Osram“ brennt wieder

Jürgen Klinsmann ist beim FC Bayern Geschichte. Das Experiment „Innovation“ damit an der Säbener Straße gescheitert. Als Nachfolger haben die Bayern-Granden einen alten Bekannten auserkoren: Jupp Heynckes. Für den Stern ist dessen Ernennung eine „Bankrotterklärung“, für viele traditionsbewusste Bayern-Anhänger vermutlich Bayerns große Hoffnung. THOR WATERSCHEI mit elf Eckpunkten aus dem langen Fußballerleben des Jupp Heynckes.

1. Weltmeister 1974, Europameister 1972 mit der deutschen Nationalelf und mit Borussia Mönchengladbach gleich viermal deutscher Meister, Pokalsieger, UEFA-Cup-Sieger sowie mit 220 Treffern drittbester Torjäger nach Gerd Müller und Klaus Fischer in der Bundesliga. Der Trophäenschrank des Rheinländers lässt sich also sehen.

2. Nur, wer kann sich bloß noch daran erinnern, dass Heynckes sich sogar mal eine dreijährige Stippvisite zu Hannover 96 nicht entgehen ließ.

3. Nebenbei darf sich Heynckes auch noch Entdecker eines gewissen Lothar Matthäus nennen, den er Ende der 70er zu Borussia Mönchengladbach holte und seinerzeit am Bökelberg groß raus brachte.

4. Das galt nicht ganz für das 80er „enfant terrible“ Wolfram Wuttke, der Heynckes angeblich den Spitznamen „Osram“ verpasst haben soll, da dieser in Momenten des derbsten Kabinenzorns stets ein leuchtend rotes Gesicht bekam.

5. Etwas mehr Gelassenheit soll Heynckes während seiner Abstecher in Spanien erfahren haben, wo er sich bei Athletic Bilbao als smarter Don Jupp großen Respekt verdiente.

6. Später in Diensten von Real Madrid gewann Don Jupp mit den „Königlichen“ gar die Champions League, sah sich angesichts der unglaublich hohen Ansprüche im Estadio Bernabeu einem beinah klinsmannesken Kampf gegen Windmühlen ausgesetzt und zog letztlich vergrämt von dannen.

7. Dass Jupp Heynckes nach seinem ersten erfolgreichen Engagement zwischen 1987 und 1991 tatsächlich zum FC Bayern zurückgekehrt ist, tat er nach eigenem Bekunden „nur für den FC Bayern und Uli Hoeneß“.

8. Schließlich bezeichnete Hoeneß anno 1991 die Entlassung von Heynckes als den größten Fehler seiner Amtszeit. Angeblich sollen beide während der Verkündung der Entscheidung geheult haben wie zwei Schlosshunde.

9. Nicht verwunderlich, duellierten sich das Duo doch einst in einem legendären Auftritt im Sportstudio mit dem frechen Christoph Daum und Udo Lattek, was selbstredend nachwirkt wie eine ewige „Blutsbrüderschaft“, die auch Old Shatterhand und Winnetou nicht inniger hätten gestalten können.

10. Fürwahr sorgt Heynckes-Rückkehr nicht überall für helle Freude, befürchtet so mancher kritische Geist Taktikspielereien aus dem angestaubten Archiv. Für 11-Freunde-Redakteur Benni Kuhlhof war der FC Bayern „unter Klinsmann so modern wie Kräuterlimonade, mit Heynckes schmeckt jetzt alles wieder wie Erdbeerjoghurt kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit“.

11. Erwähnte Blutsbrüderschaft als Quell der Heynckes-Rückkehr soll angeblich nach den finalen fünf Saisonspielen dieser Saison wieder versiegen. Gleichwohl, was macht denn eigentlich der FC Bayern, wenn Heynckes plötzlich über dem Marienplatz thronend die Schale in den Händen hält? Dann wird Uli Hoeneß doch etwa nicht mal wieder Sören Lerby als Nachfolger seines „Blutsbruders“ ins Spiel bringen…

Der Artikel ist auch auf Footbo.com zu finden.

Kommentare:

Kid Klappergass hat gesagt…

Zu 2.: Ich kann mich erinnern. Und ich kann sogar zwei Zitate von Josef Heynckes dazu liefern: :-)

"Meine Wiege stand zwar in Mönchengladbach, doch längst bin ich ein Hannoveraner geworden."
(„Mein schönstes Tor - Belser Fußballjahrbuch 1969/70“, Seite 58)

"Ich habe mich auch in Hannover wohlgefühlt, aber 96 ist halt doch nicht die Borussia!" ("kicker" vom 20. August 1973, Seite 14)

gses hat gesagt…

Schön, das noch jemand das "Glühbirnen-Thema" aufgreift. Uli und Jupp vereint nebeneinander, da wird um die Wette geleuchtet.

Alex hat gesagt…

Nun muss Jupp zeigen das er in den wenigen verbleibenden Spieltagen noch Meister werden kann. Im Moment (36.Minute) führen die Bayern 1:0 gegen Gladbach. Die Freundschaft zu Uli wird, egal wie es ausgeht, nicht darunter leiden!
Alex