Samstag, 28. März 2009

Der unsichtbare Dritte

Eines der gängisten Klischees über das Fußball-Mutterland ist sicher die Litanei über die Fangkünste der englischen Torwächter, welches an dieser Stelle allerdings nicht unnötig bedient werden soll. Nachdem Englands Nationalcoach Fabio Capello seinen Kader für die beiden englischen Länderspiele gegen die Slowakei und die Ukraine bekanntgegeben hat, gerät man gleichwohl ins Staunen. Schließlich nominierte Capello neben Oldie David James aus Portsmouth und West Hams Stammkeeper Rob Green mit Ben Foster den dritten Torwart von Manchester United.

Wer ist Ben Foster? Bis vor wenigen Wochen galt dieser noch als ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Das verwundert nicht, sofern man einen Blick in die Vita des 25-Jährigen wirft. Der gehört freilich seit Jahren Manchester United und wurde dereinst mit der Alex Fergusons Prophezeiung Englands next goalkeeper in die Dienste Uniteds genommen. Bislang hat Foster begünstigt durch etliche Leihgeschäfte jedoch lediglich für mehrere zumeist unterklassige Klubs deren Pfosten gehütet. Premier League-Luft schnupperte Foster lediglich beim FC Watford. Dies ist der Klub, bei dem Elton John schon den pfundigen Mäzen gab, als Roman Abramowitsch noch ungekannt hinter dem Eisernen Vorhang schlummerte.

Seinerzeit stieg der begabte Foster mit Watford nach einem Jahr sogleich wieder ab, hinterließ dank seiner Fertigkeiten aber bleibenden Eindruck, so dass Sir Alex Ferguson dem Ausleihgeschäft mit Watford ein Ende machte und Foster nach Old Trafford zurückholte. Trotz einiger in Watford erworbener Vorschlusslorbeeren gelang es Foster nicht, an dem niederländischen Torwarturgestein Edwin van der Sar vorbeizuziehen.

Hinter dem Polen Kuszczak rangiert Foster, der sich nach seiner Rückkehr zu ManUtd zunächst zwei schwere Verletzungen zuzog, lediglich als unsichtbarer Dritter in Manchesters interner Torwarthierarchie. Foster hat zwar nach einem Einsatz gegen Spanien 2007 schon ein Länderspiel absolviert. Neulich servierte ihm jedoch Englands Torwartlegende Peter Shilton den wohlmeinenden Rat, dass Foster, um überhaupt den Hauch einer Chance auf eine WM-Nominierung Capellos zu haben, sich erneut von Manchester innerhalb der Premier League ausleihen lassen solle.

Denn nachvollziehbar hat Foster durch seinen schwierigen Status in der ManUtd-Hierarchie wenig Gelegenheiten für seine Qualitäten zu werben. Obschon er durchaus in der Lage zu sein scheint, seine sich ihm bietenden Chancen zu nutzen. So wie kürzlich im englischen Ligapokalpokalfinale, Manchester United traf im Wembleystadion auf Vorjahressieger Tottenham, quälte sich gegen den Klub dem Londoner Norden etwas uninspiriert über den Rasen und die letztlich 120-minütige Spielzeit. Wer hätte gedacht, dass gerade Foster noch zum Helden dieses Abends avancieren würde, indem er im anschließenden Elfmeterschießen den entscheidenden Elfer von Tottenhams letztem Schützen Jamie O'Hara parieren und damit Manchester den Ligapokal festhalten sollte.

Im Übrigen verbunden mit der tags darauf in der Presse publik gewordenen Raffinesse, dass Foster sich zuvor am Seitenrand O'Haras Lieblingsecke beim kurzfristigen Studium der Schussgewohnheiten von Tottenhams Schützen auf seinem iPod gemerkt hat. Hiernach war ihm selbstredend nicht nur der Applaus des knorrigen Sir Alex gewiss.

Abschließend bleibt daher die Frage, wann England zuletzt solch einen raffinierten Torsteher in seinen Reihen gehabt hat. Einen Torsteher, der also noch zusätzlich Elfmeter festhalten kann. Vielleicht sollte Foster den Rat Shiltons befolgen. Alsdann könnte der unsichtbare Dritte womöglich von Capello den Ritterschlag erhalten und sich dadurch Alex Fergusons einstige Prophezeiung Englands next goalkeeper tatsächlich irgendwann bewahrheiten.

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