Morgen trifft Jogi Löws Eleven in der WM-Quali in Leipzig auf Liechtenstein. Muss das sein, wird so mancher da denken? Und wenn schon, dann zumindest zweistellig. Werden Schweini & Co. allerdings derlei Chauvinismen verfallen, könnte nicht nur Herr Löw streng den Zeigefinger heben. Vielleicht auch der gute alte Pierre Littbarski, der derzeit beim liechtensteinischen Spitzenklub und schweizer Erstligisten FC Vaduz als Trainer das Zepter schwingt.Schade ist nur, dass mit dem gelbgesperrten Franz Burgmeier den Alpen-Kickern einer ihrer wenigen nennenswerten Helden im Leipziger Zentralstadion fehlen wird. Immerhin schoss Burgmeier anno 2004 beim historischen liechtensteinischen 2:2-Remis gegen Portugal eines der beiden Treffer des Fußball-Zwergs. Einen Moment, den der 26-Jährige als den „schönsten seiner Karriere“ bezeichnen sollte.
Nun ist Burgmeier nach Stationen unter anderem bei den einstigen schweizer Champions League-Teilnehmern FC Basel und FC Thun beim englischen Viertligisten Darlington gelandet. Auch wenn Burgmeiser mit den Quakers in der Football League Two im Tabellenniemandsland herumkrebst, darf er sich immerhin erster und einziger Kicker des Fürstentums im Fußball-Mutterland nennen. Dass Burgmeier seine Stiefel als liechtensteinischer Pionier überhaupt auf der Insel schnüren darf, hat er der Überlieferung zufolge offenbar vor allem dem 12-jährigen Max Houghton zu verdanken.
Dieser ist der Enkel von Darlingtons Chairman George Houghton und war bereits im Herbst 2003 auf Burgmeier aufmerksam geworden, als Liechtenstein im Old Trafford in Manchester weilte und gegen England nur 0:2 verlor. Der damals siebenjährige Max fühlte sich nach eigenem Bekunden vor dem Fernsehschirm im Angesicht von Burgmeiers Kampfkraft und Widerborstigkeit, die den alten ManU-Heroen David Beckham und Gary Neville an diesem Abend schwermütige 90 Minuten bescherte, doch glatt an Michael Essien erinnert.
Wie der Zufall es im Sommer 2008 so wollte, suchte nicht nur Burgmeier einen neuen Klub. Ebenso ward bei Darlington die Position des linken Mittelflügelspielers vakant. Als genannter Max dann der Legende nach bei Wikipedia ausspähte, dass gerade Burgmeier auf dem Rasenrechteck dort seinen angestammten Platz hat und zugleich ein free agent war, bewegte Max schließlich Grandpa George den ihm einst imponierenden Liechtensteiner, zum einwöchigen Probetraining einzuladen. Burgmeier fackelte nicht lange, ließ sich die Chance nicht entgehen und beackert seither Darlingtons linke Mittelfeldseite.
Mittlerweile darf sich Burgmeier gar Darlingtons Rekordnationalspieler nennen. Dieser Titel ist ihm nach seinem fünften Länderspieleinsatz für Liechtenstein seit dem Wechsel in den englischen Nordosten nicht mehr zu nehmen. In der übersichtlichen Presselandschaft Darlingtons verhalf dies dem Exoten aus den Alpen schnell zum Legendenstatus. Das Herz des hasenzähnigen Max Houghton soll angeblich genauso hoch geschlagen haben wie einen Monat zuvor im September 2008. Da erzielte Burgmeier gegen Port Vale, jenem Klub, dem ein gewisser Robbie Williams regelmäßig ein paar Pfund zustecken soll, seinen ersten Treffer für die Quakers. Max durfte sich sodann in Darlingtons Lokalpostille Northern Echo zurecht als „Super-Scout“ feiern lassen.
Auf seinen England-Legionär wird Liechtensteins Nationaltrainer Hanspeter Zaugg daher in Leipzig gegen die deutsche Startruppe sicher nicht gerne verzichten werden. Vielleicht hätte der „liechtensteinische Essien“ Schweinsteiger & Co. so wie einst Beckham und Neville unangenehme 90 Minuten bereitet. Selbst „Super-Scout“ Max Houghton wird hier nicht mehr helfend einschreiten können. Grandpa hin, Grandpa her...
Ebenfalls veröffentlicht auf Goal.com und Footbo






0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen