Wer sich vorstellt, dass Obelix in der Kluft eines Torwarts mit katzenartiger Eleganz und Schnelligkeit durch Strafräume huscht, mag sicher zunächst vor lauter Nonsensgedanken den Kopf schütteln. In Wales gab es jedoch einst jemanden, der eine Art Tor-Obelix spielte. Neville Southall galt in den 80er Jahren als einer der besten britischen Torwarte. Aus dem Anlass des morgigen deutschen Gastspiels in Wales in der WM-Quali für Südafrika erzählt TW elf kurze Episoden aus dem langen Torwartleben des „Hünen aus Llandudno“:1. Wer Neville Southall nicht kennt, dem sei hier das charakteristische Zitat der Berliner Zeitung empfohlen, die einst angesichts seines massigen Auftretens folgerte, dass der schnauzbärtige Southall aussehe, wie der „Rausschmeißer einer Bar“. Schon allein Llandudno, jenes walisische Nest mit dem fast aussprechbaren Namen, woher der heute 51-Jährige stammt, klingt so, als wenn von dort ohnehin nur Hünen in die weite Welt hinauswirfen werden.
2. Überraschenderweise wurde Southall daher auf den Fußballplätzen Englands und Wales auf der Insel der Spitzname „Big Nev“ hinterhergeröhrt.
3. Southalls hünenhaften Ruf vollendete im Übrigen in Deutschland ein hier nicht genannter ZDF-Reporter, der bei einem deutschen WM-Qualifikationsspiel in Cardiff anno 1989 „Big Nev“ flüsternd wie anerkennend nachhallte, dass dieser in der Lage sei, seine Abschläge so weit platzieren zu können, wie dieser wolle.
4. Bis sich Southall allerdings einen Namen als wohl bester walisischer Torsteher aller Zeiten machte, sollte zuvor einige Zeit vergehen. Der Legende seiner Laufbahn zufolge sollen die Bolton Wanderers Ende der 70er Jahre dem kräftigen Talent zunächst den erhofften Profivertrag versagt haben. Das hatte zur Folge, dass Southall sich zunächst als Maurer und Kellner im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagen musste, bevor er die Fußballwelt erobern konnte.
5. Das sollte ihm dann ausgerechnet beim Lokalrivalen der Bolton Wanderers, dem FC Bury gelingen, der Southall im gesetzteren Alter von 22 Jahren seinen ersten Profivertrag gab. Angesichts von Burys Vereinsmotto war der Klubs für den Hünen aus Wales sicher der richtige Verein für den Profieinstieg: „We'll give 'em a shaking. In fact, we are the Shakers.“
6. Das Jahr in Bury verkam deshalb letztlich für den nach mehr rüttelnden Southall nur zu einem Intermezzo, verpflichtete ihn doch 1981 der große FC Everton, für den er schließlich 17 Jahre die Pfosten hütete. Wen wundert es da, dass Southall dort mit über 750 Pflichtspielen zu Evertons Rekordspieler avancierte. Nebenbei ließ er seinen obelixhaften Charme dank der von ihm für seine umfassende Körperfülle an den Tag gelegten ungewöhnlich katzenhaften Reflexen vergessen.
7. Doch „Big Nev“ sollte als Evertonian nicht nur die meisten Spiele bestreiten. Obendrein Mitte der 80er Jahre eine Vielzahl an Titeln gewinnen, die ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten der letzten großen Ära in Evertons Vereinsgeschichte gemacht haben. Selbstredend erhielt Southall als einer von nur bisher zwölf Everton-Kickern die Ehre eines Abschiedsspiels und wurde unlängst auch als Keeper für Evertons Jahrhundertelf nominiert.
8. Als sein persönlich bestes Jahr gilt dabei 1985, als Southall neben dem Gewinn des englischen Meistertitels, des Europapokals der Pokalsieger sowie des englischen Supercups zudem von den Journalisten im Fußballmutterland zum englischen Fußballer des Jahres gekürt wurde. Und, dass als Torsteher.
9. Weitaus weniger erfolgreich verlief dagegen „Big Nevs“ Karriere in der walisischen Nationalmannschaft, mit der er sich kein einziges Mal für ein internationales Turnier qualifizieren konnte. Und dass trotz namhafter Gefährten wie Ian Rush, Mark Hughes oder später dem juvenilen Ryan Giggs.
10. Nichtsdestotrotz lief „Big Nev“ bis ins hohe Alter von 39 Jahren für Wales auf und ist bis heute mit 92 Länderspielen walisischer Rekordnationalspieler. Immerhin kann Southall mittlerweile loslassen und adelte inzwischen den aktuellen walisischen Schlussmann Wayne Hennessey mit einem leichten Anflug von Bescheidenheit: „Er wird der beste walisische Torhüter seit mir.“ Wie beruhigend, dass hier die Vorbild-Ableger-Wechselwirkung stimmt und Hennessey den guten alten „Big Nev“ sein großes Idol nennt.
11. Rekordverdächtig dürfte abschließend in Southalls von Rekorden sprießendem Torwartleben vermutlich ebenso die Anzahl seiner Klubs sein, bei denen er nach seinem Ende bei Everton im Rahmen einer aufgeblähten Abschiedstour über die Insel noch einen Abstecher machte. Es sind sage und schreibe elf.






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