Sonntag, 29. März 2009

„Howay the lads“

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute erklärt Blogger GeordieRamon, warum er seinem Lieblingsklub Newcastle United stets die Treue halten wird, egal was kommt.„Howay the lads!“

Wieso Newcastle United? Wieso unterstütze ich nicht Manchester United, Liverpool oder Chelsea, sondern einen Verein, der sich seit Jahren in der zweiten Tabellenhälfte herumschlägt und dieses Jahr sogar gute Chancen hat, erstmals seit dem Aufstieg in die Premier League 1993 wieder in die zweite Liga abzusteigen?

Angefangen hat meine Begeisterung für die Magpies, wie Newcastle aufgrund der Vereinsfarben genannt wird, Mitte der Neunziger. Zuvor hatte sich Kevin Keegan, der ehemalige Topstürmer von Liverpool & dem HSV, gegen Ende seiner Karriere in die Herzen der Toon Army geschossen, bevor er sich endgültig in den Ruhestand verabschiedete. 1991 lag United völlig am Boden, nicht nur finanziell, sondern auch sportlich am falschen Ende der zweiten Division. Doch als der wohlhabende Sir John Hall mit seiner Magpie Group in den Club einstieg, ersetzte er den ehemaligen argentinischen Spitzenspieler Ossi Ardiles mit Kevin Keegan als neuen Trainer. King Kev löste in der ganzen Region eine enorme Begeisterungswelle aus. Zwei Spieltage vor Saisonende stand man aber immer noch auf einem Abstiegsplatz und musste das Heimspiel gegen Portsmouth unbedingt gewinnen. Newcastle machte es einmal mehr spannend und konnte seinen Fans erst kurz vor Spielende einen Grund zur Freude versorgen, als David Kelly das wohl wichtigste Tor seiner Karriere erzielte. Schliesslich rettete Keegan Newcastle und führte sie mit dem Geld Sir John Halls in der darauf folgenden Saison in die Premier League, wo man sogleich mit Angriffsfussball den Rest des Landes begeisterte und als Aufsteiger auf Platz drei landete.

Die erste Saison im Oberhaus des englischen Fussballs sollte keine Eintagsfliege bleiben. In der Saison 1995/96 spielte Newcastle den mit Abstand besten Fussball auf der Insel und führte die Tabelle mit zeitweise mit 12 Punkten vor dem Rivalen aus Manchester an. Doch aus dem ersten Titel seit 1969 wurde nichts – der Vorsprung wurde noch verspielt. Der ‚turning point’ war wohl das Heimspiel gegen Alex Fergusons Manchester United anfangs März. Newcastle spielte 90 Minuten lang auf ein Tor, doch Eric Cantona bestrafte die fahrlässigen Gastgeber mit dem Siegestor kurz nach Wiederbeginn der zweiten Halbzeit. Alles verloren ging in der 3:4-Niederlage an der Anfield Road, dass von vielen als the best game ever bezeichnet wurde. Just in der Zeit fing ich an, mich für diese Mannschaft zu interessieren, die unter Keegan als The Entertainers galt. Später entwickelte sich daraus eine grosse Liebe, und heute gibt es im Fussball für mich nur noch Newcastle und meinen Heimatverein.

1996-97 wiederholten die Magpies zwar den zweiten Tabellenrang, und auch der Local Boy Alan Shearer konnte mit der damaligen Rekordablösesumme von £16m verpflichtet werden. Doch King Kev trat 1997 völlig überraschend zurück, nachdem ihm der Job keinen Spass mehr gemacht hatte, da es der Vereinsführung nur noch um das Geld gegangen sei. Kenny Dalglish, Ruud Gullit, Sir Bobby Robson, Graeme Souness, Glen Roeder, Sam Allardyce, wieder Kevin Keegan und derzeit Joe Kinnear haben seither erfolgslos versucht, wieder einmal einen Titel für die wohl treusten Supporter Englands zu holen. Nur Bobby Robson konnte die Erwartungen einigermassen erfüllen, er führte United nacheinander zu einem vierten, dritten und fünften Tabellenrang und brachte die Champions League zurück in den St. James’ Park. Doch seither ist vieles schief gelaufen, Newcastle spielte zuletzt 2005-06 in einem europäischen Wettbewerb und kämpft nun in dieser Saison um den Ligaerhalt. Erstmals seit dem Ausbau des Stadions auf 52'000 Plätze im Jahre 2000 ist der Zuschauerschnitt unter 50'000 gefallen. Sogar die treuen Geordies, wie die Einwohner von Newcastle genannt werden, verlieren langsam die Geduld mit ihrem Verein und einem Clubbesitzer, der nicht weiss, was er tut. Es scheint, als gastieren im St. James’ Park bald nicht mehr Man United oder Liverpool, sondern Blackpool, Norwich und Barnsley.

Wir brauchen einfach einen ‚modernen’ David Kelly, der uns zum Klassenerhalt schiesst… Vielleicht wird das Michael Owen sein, der uns vor seinem wahrscheinlichen Abgang im Sommer noch ein Abschiedsgeschenk besorgen könnte. Ich aber bleibe meinem Verein treu, egal was kommt. Ich werde den St. James’ Park auch in der zweiten Liga besuchen, und nichts ist schöner, als in einem der schönsten Stadien Englands zu sitzen und meine Mannschaft anzufeuern. Newcastle United gehört aufgrund seiner bewegten Geschichte und seiner Fans immer noch zu einem der grössten Vereine Englands. Künstlich aufgeblasene Clubs wie Manchester City erachte ich nicht als grösser, sondern nur als reicher. Reicher an Tradition ist mein Verein allemal. Falls Newcastle aber absteigt, wird das Lokalderby gegen Sunderland, wo die Stimmung immer elektrisierend ist, wohl mindestens für ein Jahr wegfallen, weil die Mackems auf dem besten Weg dazu sind, den Klassenerhalt zu sichern. Früher sah die Konstellation meistens umgekehrt aus. Und das zeigt, wie tief Newcastle United gefallen ist. Vielleicht wäre ein Neuanfang gar nicht mal so schlecht.

Auf Premiership & mehr bloggt GeordieRamon seit kurzem kenntnisreich über den Fußball auf der Insel.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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