Montag, 30. März 2009

Fallrückzieher ins Nichts

War früher etwa alles besser? Noch am Samstagabend schwelgte TW angesichts des schnöden Spielchens von Jogis Löwen gegen Liechtenstein in Gedanken bei Klaus Fischer, nachdem unser aller Lukas Podolski mit dem Fallrückzieher-König in der DFB-Torrangliste gleichzog. Gegen seine Nachkommen im deutschen Sturm zieht Fischer aber nun in der Art vom Leder, als hätte man eine Faust auf einem Tisch knallen gehört. Beispielsweise höhnte Fischer gegen den glücklosen Mario Gomez:

„Er hat jetzt ein Jahr lang kein Tor mehr gemacht. Noch nicht einmal gegen Liechtenstein oder Vorwärts Indien. Der hätte früher nie wieder gespielt. Heute darf ja jeder, der geradeaus laufen kann, in der Nationalmannschaft spielen!“

Doch auch Podolski blieb nicht von Fischer verschont, der den künftigen Kölner trotz demselben Ranglistenplatz offenbar mit sich selbst noch längst nicht auf einer Augenhöhe sieht:

„Zählen Sie mal nach, wie viele Tore Podolski gegen gute Gegner gemacht hat. Er trifft gegen Liechtenstein, fünf Mal gegen San Marino – dann kommen Sie schnell auf 20 Tore gegen die Kleinen.“

Um Fischers markigen Worten eigentlich etwas mehr Nachdruck verleihen zu können, hat TW die Statistikseite des DFB gewälzt und eine Übersicht (s. Screenshot) über Fischers Treffer in seinen fünf Jahren mit dem Adler auf der Brust ausgegraben, die Überraschendes offenbart.

Gewiss, die Schalker Legende hat die beeindruckende Torquote von besagten 32 Treffern in 45 Länderspielen vorzuweisen, inklusive seines denkwürdigen Fallrückzieherschmankerls des WM-Halbfinales '82 gegen bärenstarke Franzosen um Michel Platini. Ganz zu schweigen von Fischers ehrbaren Erfolgserlebnissen gegen Fußballgroßmächte wie gegen Argentinien und Brasilien, die Niederlande und Sowjetunion oder zu Beginn der 80er Dekade starke Polen. Ferner ungeachtet von Jublern Fischers gegen damals mittelprächtig starke Österreicher, Spanier und Portugiesen.


Soweit so gut. Rechnet man jedoch kritisch nach, gegen welche weiteren Länder Fischer den Ball ins Netz bugsiert hat. Dann heißt es angesichts seines erwähnten rigiden Urteils obacht! Man gelangt zu dem schon angedeuteten unerwarteten Ergebnis. Oder besser im erwähnten Fischer-Sound gesagt: zählen Sie mal nach, wie viele seiner 32 Tore Fischer allein gegen sogenannte kleinere Nationen gemacht hat - dann kommen Sie schnell auf über die Hälfte.

Inwiefern? Also dann, rechnen wir in der Retrospektive nach: insgesamt vier Treffer gegen Ende der 70er kanonenfutterartige Finnen, drei gegen schon damals unbequeme aber nicht besonders gefürchtete Waliser, sowie jeweils zwei Tore gegen Zwerge wie gegen Albanien und Malta oder überaus schlagbare Schweizer und Nordiren, nicht zu vergessen ein Törchen gegen keineswegs bange machenden Bulgaren. In toto sind dies, mit Verlaub, 17 von 32 Treffern. Unerwähnt und nicht addiert, aber dennoch im Sinne wäre da noch ein Doppelpack gegen schwer einschätzbare Mexikaner anno '77, die ein Jahr später bei der 78er WM in Argentinien von der DFB-Elf mit 6:0 vom Feld geschossen werden sollte.

Würde der unverwüstliche Heribert Faßbender noch hinter dem Mikrofon sitzen, bestünde mutmaßlich die Gefahr, dass diesem eine seiner gefürchteten „Fischer, ein Fallrückzieher ins Nichts“-Floskeln über die Lippen huschen könnte.

In diesem Sinne, guten Abend allerseits!

Bildquelle: dfb.de