Freitag, 9. Januar 2009

Wie Dr. Jekyll und Mister Hyde

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Lothar Woelk.

Um Lothar Woelk, den einst vollbärtigen Abräumer des VfL Bochum, war etwas ruhig geworden nach seinem Karriereende Anfang der neunziger Jahre. Lediglich VfL-Edelfan Ben Redelings schien in seinem Scudetto-Blog die Flamme der Erinnerung an Woelk nicht ganz ersticken lassen zu wollen. Nicht verwunderlich, schließlich gebührt Woelk als einem der VfL-Granden der Siebziger und Achtziger um Ata Lameck oder Tiger Gerland der nötige Respekt, dem VfL die fast mystisch schmeckende Suppe der Unabsteigbarkeit gekocht zu haben.

Nach welcher Rezeptur dies erledigt wurde? „Einschüchtern, zu Fehlern zwingen, niederkämpfen. Das war unser Stil.“ So klingt das jedenfalls im Sound von Woelks Worten. Womit wir natürlich gleich bei dem ehedem an den Tag gelegten ehrlichen Stil des hartgesottenen Haudegens wären. Mit netzerischen Worten im Ziegespräch mit Herrn Delling gesagt, kennt man diese Rezeptur auch als so genannte „deutsche (Turnier-)Tugenden“. Oder etwa nicht?

Im Falle von Lothar Woelk hat dieser Stil im Übrigen neben einer gewissen Limitiertheit der eigenen Fähigkeiten im Umgang mit dem runden Leder als Wurzel eine überaus löbliche Einstellung zum Spiel, die sich in einem lesenswerten RevierSport-Interview nachlesen lässt:
„Man hat mir immer nachgesagt, ich wäre wie Dr. Jekyll und Mister Hyde. Also privat ein ganz anderer als auf dem Fußballplatz. Ich wollte halt auf dem Platz immer gewinnen, und diese Mentalität habe ich mir regelrecht antrainiert. Ich empfand es auch als Verpflichtung gegenüber dem Publikum. Die Fans wollen gute Spiele und Siege sehen, aber wenn du alles gibst und in der letzten Minute unglücklich verlierst, dann verzeihen sie dir das auch.“
Und wenn dass alles nicht schon genug Öl für den Rücken der Fußball-Romantiker wäre, garnierte Woelk Vorgenanntes zusätzlich mit einem philosophischen Sahnehäubchen, das die Zunge dann noch mal richtig zum Schnalzen bringt:

„Denn Fußball ist ja keine Verarsche, sondern Wahrheit.“

Man erwischt sich schon fast dabei, wie einem da ein altkluges „früher war ja alles besser“ über die Lippen geht.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

guten Start