Donnerstag, 26. November 2009

Best of

Maradona good, Pele better, George Best. Gestern vor vier Jahren starb George Best.

Sonntag, 22. November 2009

Keine Hand Gottes

Allez, allez! La France fährt zur WM. Die irischen Harfen zetern seither unentwegt in Moll. Der Irish Examiner empörte sich gar über einen „Diebstahl am hellichten Tag“. Wenn es nicht schon schlimm genug gewesen wäre, als dass dieser Thierry Henry, die lebende Arsenal-Legende, die sich bislang wenig zu Schulden hat kommen lassen, seine Hand zur Vorbereitung des wichtigen Ausgleichstreffers in der Verlängerung genutzt hätte. Zunächst einmal bewahrte Monsieur Henry nach diesem dramatischen Relegationsabend von Paris einen Hauch von Anstand, indem er sich bei dem Inselvolk zumindest entschuldigte. Er plädierte in den vergangenen Tagen auf gewisse Weise verbal nach Canossa gehend sogar für ein Wiederholungsspiel.

Den tränengebeutelten Iren, dem reumütigen Sünder Henry, dem neuen T(h)or der Woche, und der nach Gerechtigkeit lechzenden Welt des Fußballs hilft dieses lamentierende Gebaren allerdings nicht viel. Die FIFA, auf ihrem hohen Schild stehend, versagte sozusagen im Handstreich diese Wiederholung. Dafür hat der Ire Damien Duff im Übrigen, wie das Blog Zum Runden Leder heute notiert, eine eigenwillige Erklärung. Die FIFA wolle die großen Mannschaften bei der WM, also auch Frankreich. Adidas sponsere diesen Wettbewerb, und sei französischer Ausrüster. Michel Platini habe ebenfalls grossen Einfluss. Wenn die WM von Umbro (dem irischen Ausrüster) gesponsert wäre, hätten die Iren dieses Spiel gewonnen.

Doch Duff hin, der zufällig einen Privatschuhvertrag mit der 3-Streifen-Marke abgeschlossen haben soll, Duff her - das NO der FIFA ist unumstößlich. Die irischen Harfen werden weiter wimmern. La France weiter in der Schmach von Mittwochnacht versinken , dass es selbst eine Frage der Zeit war, bis Monsieur Sarkozy den Iren sein Bedauern ausdrückte. Der grüne Fleck dieser Nacht wird freilich nicht mehr gänzlich von der glanzvollen Karriereweste des Thierry Henry zu tilgen sein. Doch wie wohltuend, dass er sich immerhin nicht auf die Hand Gottes berief. Zinedine Zidanes unaufgeregtes Wort sollte hierzu bei allem Schwermut vielleicht im Ohr bleiben: „Thierry ist kein Falschspieler. Der Regelverstoß ist immens, und er hat ihn begangen. Das ist für die Iren schwer, aber das passiert immer wieder. Man soll auch nicht übertreiben.

Über den T(h)or der Woche

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Samstag, 21. November 2009

Falscher Franz?

Es ist schier unglaublich, welch hohe Wellen der neue Wettskandal im deutschen Fußball schlägt. Manch Kicker soll sich für eine für ihn reizvolle Summe erbarmt haben, mit einem Fehler ein Spiel zugunsten eines gewünschten Ergebnisses zu beeinflussen. Beispielsweise beim VfL Osnabrück scheint sich derzeit ein wenig die lila-weiße Plattentektonik zu verschieben, seitdem von der zuständigen Bochumer Staatsanwaltschaft die Namen der Kicker Thomas Reichenberger, Marcel Schuon und Thomas Cichon in diesem Zusammenhang erwähnt wurde. Diese drei vermeintlich schwarzen Schafe sollen gemäß der WELT in der abgelaufenen Zweitligasaison, die Osnabrück den Abstieg brachte, maßgeblich an der Manipulation der VfL-Partien gegen Nürnberg und Augsburg, die jeweils zu Niederlagen führten, beteiligt gewesen sein.

Ein paar Mal hat es mich in den letzten Jahren an die Bremer Brücke in Osnabrück verschlagen. Vor allem bei Flutlichtspielen entwickelte sich bisweilen eine fast "englische" Stimmung. Die lila-weiße Elf schien zumeist technisch ein wenig limitiert, glich die Defizite, seinerzeit angetrieben von Ex-Trainer Pele Wollitz an guten Tagen durch Kampf, Biss und Leidenschaft wieder aus. Als einer der symbolhaften Hauptprotagonisten galt für mich jener Thomas Cichon. Der gab einen wenig sprintstarken Libero, dem Toni Polster zu seinen Kölner Zeiten den veritablen Spitznamen Franz verpasst haben soll, mit akzeptablen Auge und einer Affinität zu Diagonalpässen über das halbe Feld. Doch irgendwie hielt Cichon lange Zeit Osnabrücks Abwehr zusammen, auch wenn das Gestöhne auf den Tribünen der Bremer Brücke immer wieder ob seiner fehlenden Dynamik durchdrang.

Gut kann ich mich etwa erinnern, wie jener Cichon mal mehr mal weniger entscheidende Elfmeter für den VfL versenkte und sich danach stets ausgiebig auf dem Zaun vor der Osnabrücker Fankurve feiern ließ. Humba, humba, tätärä undsoweiter, das volle Programm mit Pauke undsoweiter eben. Es wäre für mich einfach unglaublich, wenn dieser langsame Libero Thomas Cichon, dieser elfmeterschießende Zaunkönig, tatsächlich jenes schwarzes Schaf, also ein falscher Franz, wäre, von dem die WELT bezugnehmend auf die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft berichtet. So platt es klingen mag: man schaut den Leuten halt doch nur vor den Kopp.

Dienstag, 10. November 2009

In Gedenken


The Lehmann Brothers

Jens Lehmann wird heute 40. Herzlichen Glückwunsch! Da hat es der einstige Nationaltorwächter doch endlich geschafft, die dinozoffeske Altergrenze seiner Zunft zu überschreiten. Dennoch vermuten wir gewiss nicht erst seit gestern, dass es womöglich gleich zwei von der Sorte Jens Lehmanns gibt? Lehmann Brothers?

Einen intelligenten, eloquenten und gut erzogenen Jens Lehmann neben dem Rasen und einen Mad Jens, einen Polarisator und Agent Provocateur, zwischen den Torpfosten. Auf eine kleinkarierte Chronologie der Abenteuer von Mad Jens, dem Kauz, der Type, des Originals, des Schnösels, soll gleichwohl verzichtet werden. Viel interessanter dürfte ein Blick auf den Zitatenschatz von und über den Jubilar sein. Daher elfmal Jens Lehmann bitte:

1. „Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.“ [Lehmanns Sternstunde]

2. „Lehmann kann sich aufhängen. Kahn ist der bessere Torwart.“ [Kahnsinn? Sepp Maier verzettelt sich in einer Torwartdiskussion]

3. „Eine WM ist, wenn die besten Fußballer vieler Länder gegeneinander spielen, und Papa steht bei Deutschland im Tor.“ [Lehmann erklärt seinen Kindern und Sepp Maier die WM-Welt]

4. „Entspannt auf dem Rasen? Ich will gewinnen. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen: Da musst du kämpfen. Mit Nettsein und Entspannung kommst du nicht weiter. Ich wüsste gar nicht, wie ich auf dem Platz anders sein sollte. “ [Lehmann über Mad Jens]

5. „Eine Minute nach Spielende habe ich noch nicht die Intelligenz, um das Spiel zu beurteilen.“ [Lehmann beansprucht für sich Zeit zum Durchatmen.]

6. „Ich will jetzt nicht sagen, ich bin der tollste Torhüter. Aber ich habe bisher noch keinen kennen gelernt, der von seinem Können her kompletter ist als ich.“ [Lehmann kokettiert mit dem eigenem Komplettismus.]

7. „Ich behandele die Menschen so, wie ich auch selbst behandelt werden will. Jemanden hier zu haben der mich hasst, ist einfach unglaublich. Ich weiß, er hasst mich.“ [Manuel Almunia, Lehmanns Ex-Rivale bei Arsenal, weint sich im Guardian aus]

8.„Eher gelingt es, in der Wüste Fische zu züchten, als in der Champions League ein Tor gegen Jens Lehmann zu schießen.“ [Die tschechische Gazette Mlada fronta Dnes aalt sich in Vorfreude]

9. „Ein bisschen mehr Gelassenheit täte Jens ganz gut.“ [Ein im Glashaus sitzender Olli Kahn wirft mit Steinen.]

10. „Es ist mir egal, dass man mich komisch findet.“ [Lehmann lässt Kahns Steinchen abprallen.]

11. „Zu 95 Prozent steht für mich fest, dass ich Schluss mache. So ganz genau weiß ich es aber nicht. Vielleicht kommt noch was dazwischen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte ich locker weiterspielen.“ [Schlusslicht? Lehmann lässt sich ein Hintertürchen offen.]

Man muss mutmaßlich kein Prophet sein, um weisszusagen, dass es ohne die Lehmann Brothers im deutschen Fußball durchaus langweilig werden könnte...

Sonntag, 8. November 2009

Keine lahme Kritik

Alarmstufe Rot beim FC Bayern. Philipp Lahm hat der Süddeutschen ein offenes Inteview gegeben, in dem er sich u. a. kritisch mit der Transferpolitik und der Spielphilosophie des Rekordmeisters auseinandersetzt. Das keineswegs lahme Interview in vier Schlaglichtern:

1. Wenn man unsere Mannschaft mit anderen Topteams aus der Champions League vergleicht, dann sind diese eben auf sieben, acht Positionen strategisch erstklassig besetzt - und das fehlt uns. Wenn man sich mit Barcelona, mit Chelsea, mit Manchester United messen will - dann braucht man als FC Bayern eine Spielphilosophie. Das muss auch das Ziel des Vereins sein.

2. „Aber ich glaube, in der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. Sicher lag es auch daran, dass wir in den letzten Jahren verschiedene Trainer mit verschiedenen Vorstellungen hatten. Aber man muss auch ganz klar feststellen: Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. Man holt gezielt Spieler - und dann steht die Mannschaft.“

3. „Auch Barcelona hat sehr, sehr viel Ballbesitz - aber sie haben eben auch Spieler, die sagen: ,Okay, jetzt geht's nach vorne.' Das ist das, was uns fehlt. Ich sehe unsere Spiele der letzten Wochen und frage mich: Wer soll das denn machen bei uns? Und jetzt haben wir ja nur über eine Position geredet. In der Bundesliga reicht es vielleicht, wenn du dort gut besetzt bist. Aber international brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind. Ich sehe diese acht Spieler bei uns nicht, und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre.“

4. „Der Verein muss sagen, wenn ein Trainer kommt: So spielen wir. Bei Barcelona kommt doch keiner mehr auf die Idee, dass sie 4-4-2 spielen. Der FC Barcelona ist 4-3-3 - das ist einfach so! Wir dagegen haben jetzt viele Spieler, für die es in einem 4-3-3, das unser Trainer gerne spielen möchte, gar keine Position mehr gibt. Zum Beispiel unsere Stürmer. Wir haben wirklich gute Stürmer - aber beim 4-3-3 sitzen zwei, drei immer auf der Bank. Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten im 4-3-3 spielt.“

Was sagen die Blogger? Bayern-Blogger Breitnigge fragt sich etwa heute, ob sein FCB „kurz vor der Implosionsteht und kann Lahms Worten durchaus positive Aspekte abgewinnen.

[...] Davon abgesehen ist das Interview doch eher positiv. Er hält van Gaal für einen guten [...] und zum FC Bayern passenden Trainer. Nerlinger findet er gut und hält es sogar für möglich, dass die beiden – van Gaal und Nerlinger – Chance und Mut zur Veränderung beim FC Bayern haben. Sowas tut nun einmal weh. Veränderung. Und Angst kann/darf man davor auch haben. Das ist normal. Und ich denke, wir sollten dieses Risiko eingehen.Von daher: Wo ist das Problem? Mit diesem Interview?“

Was sagt Oliver Kahn?

Man merkt, dass es Unzufriedenheiten gibt. Bei den Spielern, bei den Verantwortlichen. Es kocht momentan. [...] Es ist wichtig, dass Spieler eine gewisse Verantwortung übernehmen. Das gehört zum Prozess, dass man mal aneckt und mal Tacheles redet. Das setzt Energien frei.

Was sagen Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge?

Zur Kasse, bitte!

Hoch lebe Grafite

Als ich gestern Abend in der Sportschau sah, wie Wolfsburgs Grafite in der 58. Minute nach seinem Treffer gegen Hoffenheim auf dem Boden liegend sein Gesicht freudetrunken in den Rasen der Hoffenheimer Arena drücke, da habe ich einen kurzen Moment in die Hände geklatscht.

Diesem Grafite, dem neuen T(h)or der Woche, habe ich dieses Tor, das spätere Siegtor, durchaus gegönnt. Die Geschichte der Saison des amtierenden Schützenkönigs (28 Treffer) ist bekannt. Grafite trifft nicht mehr, wird ausgewechselt, legt sich mit dem neuen Trainer Armin Veh an, Grafite ist traurig und trifft daraus folgend nicht mehr in der Bundesliga, noch nicht einmal mehr die Wolfsburger Möbelwagen. Erst recht trifft Grafite nicht mehr in der Champions League. Dank Grafites Turbulenzen schien es bei diesem plastikhaften wie langweiligen VfL Wolfsburg ein wenig zu menscheln - wie gestern in jener 58. Spielminute in der Hoffenheimer Arena.

Nach einer Woche ihm vergönnten Heimaturlaub hat Grafite seinen Ladehemmung also besiegt, ist wieder glücklich, macht sein 3. Saisontor, lobt den neuen Trainer Armin Veh und wird vermutlich wieder regelmäßiger treffen. Erst in der Bundesliga, dann in der Königklasse. Die Möbelwagen der Autostadt lassen wir mal aus dem Spiel. Treffen, wie es öde Sat 1-Einspieler zur Champions League suggerieren, in dem Grafite den Ball bekommt und ihn ganz Tormaschine einnetzt.

Und wenn Grafites Tormotor erst wieder richtig zuckelt, dann dürfen wir uns vermutlich erneut darauf freuen, wie die Herren Kommentatoren aller Sender uns mit ihrer Interpretation der richtigen Aussprache seines Namens nerven. „Grafitsch“, „Grafitschi“ oder halt „Grafitä“. Das Gebaren gehört offenbar bei Treffern Grafites dazu, auch wenn das gar kein Grund ist, kurz zu klatschen.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 7. November 2009

Der gute Geist des Molineux

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. TW pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die Wolverhampton Wanderers duellieren sich mit Arsenal am 12. Premier League-Spieltag. Business as usual, vor allem für Arsenal? Oh no, die beiden Klubs verbindet mehr als man denkt.

Für ein englisches Stadion besitzt der Name der Heimstatt der Wolverhampton Wanderers, gemeinhin „Wolves“ genannt, einen bemerkenswert frankophilen Klang - Molineux. Dort duelliert sich heute Abend Arsenal mit dem gastgebenden Premier League-Aufsteiger. Man wähnt sich zunächst eher auf der anderen Seite des Ärmelkanals als in dem Herzen der West Midlands, wo im 19. Jahrhundert eifrig Kohle und Erz abgebaut wurde. Zurück geht der ungewöhnliche Stadionname auf Benjamin Molineux, einen lokalen Kaufmann, dessen Familie französischen Ursprungs ist. Jener Molineux baute rund 150 Jahre vor der Eröffnung des später gleichnamigen Stadions anno 1889 auf dem heutigen Stadiongrundstück das in Wolverhampton bekannte „Molineux-Haus“.

Was das Molineux-Stadion aber mit dem FC Arsenal zu tun hat? Well, das lässt sich schnell klären. Zunächst einmal, wenn man Englands Fußball-Legende Billy Wright ins Spiel bringt. Wright ist erster Nationalspieler mit über 100 Länderspielen - lange vor den Shiltons, Charltons, Moores oder Beckhams – in die Ahnengalerie der „Three Lions“ eingegangen.

Sein ganzes langes Kickerleben verbrachte Wright bei den „Wolves“ und dem Klub etwa bei den drei einzigen Meistertiteln in der 132-jährigen Vereinsgeschichte als Kapitän vor. Zum Dank setzte man Wright in Wolverhampton nicht nur ein lebensgroßes Denkmal vor dem Molineux, zudem wurde auch eine Tribüne nach dem 1994 verstorbenen benannt. Vielleicht bleibt der stets rechtschaffene Wright damit so etwas wie der gute Geist des Molineux. Trotz aller Meriten schlugen bei Wright offenbar zwei Herzen in seiner Brust. Schon in seiner Jugend schwärmte er für Arsenal . Später schwang er dieser Jugendliebe frönend in Highbury, und nicht etwa bei seinen „Wolves“, von 1962 bis zu seiner Entlassung 1966 den Trainertaktstock. Den ließ er danach für immer fallen und kehrte nie wieder auf irgendeine Trainerbank, auch nicht zu jener Wolverhamptons, zurück.

Rückkehr ist an dieser Stelle ein ganz gutes Stichwort. Denn neben der Erinnerung an Wright verbindet Arsenal noch mehr mit Wolverhampton. Die Saison 2003/2004, nach der die Gunners-Granden wie Henry, Bergkamp oder Vieira ungeschlagen als „The Invincibles“ in den Premier League-Olymp aufstiegen. Erstmals seit dieser herausragenden Spielzeit gastiert Arsenal im Molineux. Der Kalender schrieb seinerzeit den 7. Februar 2004, Arsenal siegte nach Toren von Bergkamp, Henry und Toure souverän mit 3:1. Übrig geblieben von jenem Aufeinandertreffen sind nur noch zwei Protagonisten.

Auf Seiten der „Wolves“ ist es deren hartgesottener Kapitän Jody Craddock, der im Herzen von Wolverhamptons Abwehrzentrum steht und dort als „tough-tackling“ Turm in der Schlacht gilt . Auf Seiten von Arsenal Arsene Wenger. Mit mittlerweile 60 Jahren und allein 13 Dienstjahren bei den „Gunners“ hat der Elsässer schon einiges erlebt. Eine Niederlage in sechs Duellen mit den „Wolves“ gehört, wie die BBC zu berichten weiß, indes nicht dazu. Mal darf also gespannt sein, ob heute Wengers siebter Streich gegen die auf dem drittletzten Rang platzierten Wölfe folgt. Für die Gastgeber wäre dies im harten Abstiegskampf sicher zum Heulen, für Arsenal zweifellos ein Pflichtsieg.

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Viel Rauch um nichts

Über Uwe Rapolder, den Trainer der zweitklassigen TuS Koblenz habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch kein einziges Mal gebloggt. Die passenden Anlässe fehlten, umkippende chinesische Reissäcke sind halt nicht so spannend. Das hat sich seit gestern ein wenig geändert, da wurde bei Spox.com ein Interview mit jenem Uwe Rapolder veröffentlicht. Der Zigarilloliebhaber, dem zugeschrieben wird, Fußball-Deutschland die Errungenschaft des Konzeptfußballs nahegebracht zu haben, ließ es dort ordentlich rauchen.

Neben falscher persönlicher Karriereplanung weiß Rapolder dort ein wenig überraschend ebenfalls die Brücke zu Jürgen Klinsmann zu schlagen, um diesen nebenbei aus der Trainergilde auszuschließen a la „ich bin Konzepttrainer und Du gar kein Trainer.“ Schaut man sich den gestrigen Freitagabend, wo Rapolder pikiert in Paderborn nach der 1:2-Pleite seiner TuS über seine Abwehr schimpfte und vom drittletzten Rang der zwoten Liga grüßt, scheint sein Interview-Gebaren in dieser Situation allerdings viel Rauch um nichts zu sein.

Rapolders mediale Raucherei vor allem etwas absurd, wenn man einen Blick auf Google-News wirft. In den rapoldergefilterten Schlagzeilen lässt sich etwa nachlesen, dass für Rapolder bald in Koblenz die Luft reichlich dünn werden kann. Aha. Welche Gemütsverfassung muss Konzepttrainer Rapolder im Übrigen erst vor gut einem Jahr verspürt haben, als die TuS beim 0:9 im Rostocker Ostseestadion die höchste Zweitligapleite aller Zeiten kassierte? Rasend in Rostock?

Freitag, 6. November 2009

Trio Infernale?

Jogis Löwen testen demnächst gegen Chile und die Elfenbeinküste. Hierfür hat sich Jogi Löw mit den Herren Hunt, Müller und Kießling ein Trio zum Testspielcasting ausgeguckt, über dessen Berufung sich so mancher ärgern könnte.

Die Engländer vielleicht im Falle Hunt. Nach ihrem Werben um den Bremer (→ On the Hunt) mit der englischen Mutter, der nach eigener Aussage, nur für den DFB auflaufen will, haben die Briten insofern auch von Jogi Löw reinen Wein eingeschenkt bekommen haben. Ein gewisser Uli Hoeneß könnte weiter über die Nominierung von Thomas Müller murren, worüber bei TW bereits erschöpfend (→ Über die Kirche im Dorf) gebloggt wurde. Wir behalten erst einmal seinen strengen verbalen Fingerzeig im Sinn: „Früher musste man ein Jahr so spielen, um nominiert zu werden.

Wäre da noch zu guter Letzt Stefan Kießling, der zu einer Art Martin Max-Verschnitt der Gegenwart auszuwachsen drohte. Es ließ sich durchaus gut an, über die Nichtberücksichtigung des blonden Torjägers aus Leverkusen den Kopf zu schütteln, um damit das gelegentliche Unverständnis über Löws mitunter vorkommenden Berufsungsirrungen im Angriff zu kompensieren. Mit Augenzwinkern gesagt, könnte so mancher Wohnzimmer-Bundestrainer nun ins Grübeln kommen, in welche Wunde als nächstes der Finger gelegt wird.

Ein Vorschlag: vielleicht zurück zur stets reizenden T-Frage? Denn wo hat Löw eigentlich in seinem Aufgebot Robert Enke versteckt? Skandal!

Dienstag, 3. November 2009

Yippi-Yippi-Yeah

Was macht eigentlich...Rüdiger Abramczik? Der frühere Flügelstürmer mit dem großen Talent und dem ebenso großen Nachhall eines nicht erwachsen werden wollenden Kindeskopfes ist ein Meistertrainer. Gewiss um den einstigen „Flankengott vom Kohlenpott“, der diesen Titel von Stan Libuda erbte, ranken sich einige Mythen. Fast wie bei Botanikfreunden die Pflänzchen von der Fensterbank.

Doch wärmen wir ruhig aus Abramcziks Zeit in den wilden Siebziger und Achtzigern die Geschichte auf, wie man im Kreise der Nationalspieler einen Western schaute und „Abi“ plötzlich aufgesprungen sein soll, sich wo auch immer ein Schaukelpferd herbeigeholt und ohne Umschweife darauf schaukelnd Yippi-Yippi-Yeah geheult hat. Die Nationalelf und Abramczik, eine seltsame Geschichte. In seiner besten Zeit bei Schalke erinnerte Abramcziks Zusammenspiel mit Fallrückzieherkönig Klaus Fischer ein wenig an die Symbiose zwischen Horst Hrubesch und Manni Kaltz. „Abi“ Flanke, Fischer Tor.

Nicht wenige hätten ihm als mitunter brillanten Rechtsaußen in der Libuda-Spur weit mehr als seine 19 Länderspiele zugetraut. Der spätere Bundestrainer Jupp Derwall nach Abis Debüt anno 1977 wohl am meisten, als er frohlockte: „Noch nie hat ein Spieler so ein überzeugendes Debüt gegeben wie Abi. Der hat Flanken für drei Länderspiele hereingegeben.“ Nachdem sich „Abi“ jedoch später mit DFB-Boss Neuberger überwarfen, kam ab 1979 keines mehr dazu.

30 Jahre später steht Abramczik zumindest für kurze Zeit wieder ein wenig im Rampenlicht der schnelllebigen Fußballwelt. Das alles deshalb, weil ihn seine abenteuerliche Trainerkarriere, die ihn über Stationen in Saarbrücken, Österreich, in der Türkei und Bulgarien im Sommer 2008 zum lettischen Klub Metalurgs Liepaja geführt hat. Dort fristete der Futbola Klubs Liepājas Metalurgs so etwas wie ein bayerleverkuseneskes Dasein und wurde seit 1998 stolze siebenmal lettischer Vizemeister.

Vor dem letzten Spieltag der sagenumwobenen lettischen Virslīga hat Abramcziks Eleven aber nun fünf Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger FK Ventspils und darf uneinholbar sich bereits vorzeitig über die zweite lettische Meisterschaft in der Neunerliga feiern. Auf eine gewisse Weise scheint Abramczik also in den internationalen Fußball zurückgekehrt zu sein. Ob er ein andächtiges Yippi-Yippi-Yeah ausgestoßen hat ob der Tatsache, hierzu nicht eine einzige Flanke beisteuern zu müssen, ist allerdings nicht überliefert.

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Montag, 2. November 2009

„Das ist hier doch kein Freundschaftsspiel...“

Da zappe ich gerade ins DSF rein. Irgendwo hatte ich heute aus einer kernigen Zeitungsanzeige aufgeschnappt, dass die zweite Liga die Zweikampfliga sei. Da musste es doch zwischen Hansa Rostock und seinem „Lieblingsgegner“ FC St. Pauli hoch hergehen. Wir schreiben Minute 41. Und? Weit gefehlt.

In Anbetracht der Tatsache, dass Mikrofonmann Frank Buschmann zum belarethyesken Faktenapparat mutiert, mal wieder ein Montagsspiel zum Gähnen. Von wegen manic monday. Wenn nicht einmal der holde Buschi kurze Schreiattacken bekommt, außer einem kurzen scheinbar stilechtem Stöhner „Bruuuuuuuuns, Bruuuuuuuuuns, Waaaaalke, oooh“.

Doch das war es schon. Erweckender ist da doch der passende Pauli-Hansa-Clip von Extra 3, der im großen Youtube-Arsenal zu finden ist. Der Kommentator könnte glatt Gerd Gottlob sein, der aus der Rivalität zwischen Pauli und Hansa gleich die richtigen Schlüsse zieht: „Das ist hier doch kein Freundschaftsspiel...“

Stadionstadl?

Stadionstadl gefällig? Es geht um die Zahlung eines Pauschalbetrags für das Catering in der Münchner Arena. Gemäß der vertraglichen Übereinkunft müssen sowohl der FC Bayern als auch der TSV 1860 jährlich einen Fixbetrag von zwei Millionen Euro für die Verpflegung der Geschäftskunden auf den Business Seats zahlen müssen – unabhängig von Zuschauerzahlen oder Ligazugehörigkeit.

Das ist etwas, was die Sechziger dem Anschein nicht tun. So sollen die Sechziger, die sich in der Arena nur noch eingemietet sind, lediglich jene Business-Seats abrechnen, die tatsächlich besetzt sind.

Uli Hoeneß brüllte dazu in der tz wie ein Löwe: „Das ist Geld, das sie uns klauen.

1860-Geschäftsführer Stoffers brüllt zurück: „1860 soll allein für die Bewirtschaftung des Business-Bereichs bis 2025 über 40 Millionen Euro zahlen. Alle Versuche, den Vertrag den tatsächlichen Kräfteverhältnissen anzupassen, wurden kategorisch abgelehnt.“

Wenn die Münchner Luxus-Arena in Kürze ausschließlich rot leuchtet, könnte der letzte Vorhand dieses Stadionstadls vermutlich gefallen sein. Ob es ein Wink des Schicksal für die Löwen bedeutet, dass solche Vorhänge auch meistens rot sind? Könnte allerdings auch eine haltlose Vermutung ins Blaue sein.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wimpel-Wednesday # 24: Racing Club de Avellaneda

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 24. Den Racing Club de Avellaneda, diesen Traditionsklub aus dem Speckgürtel von Buenoes Aires, den hat WELT-Kolumnist Udo Muras heute noch als Borussia Mönchengladbach Argentiniens gepriesen. In welchem Zusammenhang? Natürlich mit Lothar Matthäus, der trotz zwischenzeitlicher Dementis mit den Argentiniern einen innigen Verhandlungstango getanzt hat. Doch mit Verlaub, es sollte ein Tango ins Leere werden.

Man muss es sich so vorstellen. Matthäus hat Racing auf der Tanzfläche stehen lassen, ist vor die Tür gegangen, um Racing per SMS mitzuteilen, nicht weiter tanzen zu möchten. Das alles, obwohl Matthäus bereits am Wochenende Racings wenig rassiges Spiel auf dem grünen Rasen allein durch seine Anwesenheit befeuern sollte. Glaubt man Stimmen aus Argentinien sollen Racing sogar bereits gewesen, alle vertraglichen Forderungen Matthäus zu erfüllen, inklusive Modelunterstützungsgedöns für Lothars Gattin.

Allerdings soll, wie Matthäus aber dem Kölner Express anvertraute, dass „Gesamtpaket “nicht gestimmt haben. Senor Matthäus wird doch nicht etwa beim Tangotanzen zwischen Tür und Angel jenen Katzenfluch aufgeschnappt haben, der auf Racing gelegen haben soll. Wie das löbliche Fachblog über Argentiniens Fußball Argifútbol jüngst zu berichten wusste, sollen an der endlos anmutenden Periode von 35 Jahren (1966 - 2001) ohne Meistertitel, sieben im Estadio Presidente Peron vergrabene Katzen Schuld gewesen sein, die die Anhänger des Erzrivalen Independiente willkürlich im Stadion vergraben hatten.

Dass es das Lothar Matthäus Racing Team nun nicht geben wird, könnte einen besonderen Grund haben. Senor Matthäus wird doch wohl nicht acht Jahre nach dem letzten Meistertitel im Racing-Rasen die nächste vergrabene Katze vermutet haben. Zum Trost hänge ich einen Racing-Wimpel in die Wimpelecke und bin durchaus erleichtert, in naher Zukunft nicht diesen orakelnden Satz von ihm hören zu müssen: „Ein Lothar Matthäus spricht bald argentinisch.“

Wer Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI zu unterstützen, der möge ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de mailen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Welcome home

Dieser Sonntag ist in England ein spezieller. Der Plan des 10. Spieltags der Premier League sieht das vielsprechende Duell des kriselnden FC Liverpool gegen Manchester United vor. Gewiss ranken sich ausreichend Anekdoten um die Fehde der nordenglischen Erzrivalen. Wie ein Damoklesschwert über dem North-West-Derby, das Ryan Giggs ehedem als „probably the most famous fixture in English football“ beschrieb, schwebt die Rückkehr von Liverpools Legende Michael Owen an seine alte Wirkungsstätte an der Mersey.

Owen kickt bekanntlich mittlerweile für Manchester United, nachdem er bei Absteiger Newcastle United beinah in der Zweitklassigkeit versunken wäre. Wäre da im Sommer nicht Sir Alex Ferguson gewesen. Der griff zum Telefonhörer und überredete den völlig überraschten Owen zu einem Engagement in Old Trafford. Dessen dortige Initiation dürfte sich spätestens seit seinem Siegtreffer vor wenigen Wochen in allerletzter Minute im 4:3-Thriller gegen Stadtrivale ManCity in den finalen Zügen befinden.

Entgegen der hierzulande schwelenden Annahme, dass Owen per se einen ähnlich überschwänglich idolisierten Status an der Anfield Road gehabt hat wie ihn Reds-Ikone Steven Gerrard besitzt, zeichnete der Independent in seiner gestrigen Ausgabe in einem lesenswerten Artikel hierzu ein überraschend gegensätzliches Bild. Independent-Journalist Ian Herbert schreibt vom „Return of the Outsider“, der trotz seiner 158 Treffer in fast 300 Pflichtspielen bis zu seinem Wechsel anno 2004 zu Real Madrid vom „Kop“ allenfalls geduldet und respektiert als heiß und innig geliebt wurde.

Seitdem Owen 2005 aus Spanien auf die Insel zurückkam, gastierte Europas einstiger Fußballer des Jahres mit Newcastle bislang dreimal in Liverpool. Dreimal machten die „Reds“ dabei kurzen Prozess und Owen nicht den Hauch eines Treffers. Welch elektrisierender Moment würde zweifellos heute die Anfield Road übermannen, wenn sich ausgerechnet dort nachfolgendes Szenario in der Schlussminute beim Stand von 0:0 ereignen würde. Flanke Giggs, Tor Owen. Ob man dann wohl ganz kurz eine Stecknadel in Owens altem Wohnzimmer fallen hören könnte?

Verballhornt

Menschenskinder! In der weiten Welt des Fußballs geschehen derweil interessante Ereignisse. Vor einer Woche lachten wir über den Beachball den ein Dreikäsehoch im nordenglischen Sunderland auf das Spielfeld des Stadiums of Light warf und damit die Vorlage für das Anfang vom Ende der Pleite des großen FC Liverpool in seinem Premier League-Gastspiel bei den Black Cats gab.

Gestern sah sich dann kein Geringerer als der Methusalem aller deutschen Torwächter Jens Lehmann von einem Balljungen in Hannover düpiert. Lehmanns VfB war in der zweiten Halbzeit drauf und dran bei den vor Mittelmaß zutiefst strotzenden 96er zu verlieren und noch weiter in den Krisensog abzurutschen. Um das Spiel zu beschleunigen wollte Lehmann höchstselbst in der eigenen Hälfte einen Einwurf ausführen. So mancher wird sich vergnügt auf die Schenkel geklopft haben, wie der Frechdax von Balljunge anstelle den Ball in Lehmanns Pranken zu legen diesen lässig über Lehmanns Kopf hinwegwarf.

Das brachte den verballhornten Lehmann, dem neuen T(h)or der Woche, selbst nach dem Schlusspfiff und der 0:1-Pleite noch völlig auf die Palme, so dass der 40-Jährige gar zum Kulturkritiker aufschwang und rundumschlagend die „Zeitschindekultur“ in der Bundesliga mächtig beschimpfte.

Was bleibt? Aus welchem Blickwinkel auch immer betrachtet, der hitzige Lehmann sah ganz schön alt aus. Böse Zungen könnten gut und gerne die Platte auflegen, wie günstig es für ihn sei, nicht mehr zum Kandidatenkreis für Jogi Löws Nationalkeepercasting zu gehören. Schließlich hätte er ja noch nicht einmal den Ball des Balljungen fangen können. Auch wenn sich in Lehmanns Salven vielleicht durchaus ein Fünkchen Wahrheit finden mag.

Über den T(h)or der Woche

Freitag, 23. Oktober 2009

Arsène knows

Happy birthday! Arsène Wenger wird heute 60 Jahre alt. Zum TW-Beitrag zu Wengers kürzlichem 13-jährigen Dienstjubiläum bei Arsenal geht es hier lang (→ Mit weicher Klinge).

Was machen Louis van Gaal?

Erst neulich präsentierte Louis van Gaal in Amsterdam seine Biografie. Die war nicht nur mit einem furchteinflößenden Emblem versehen. Angeblich sollen sich in Amsterdam glatt die Grachten gebogen haben, da van Gaal sein Werk gleich in zwei Bände aufgeteilte. Seiner literarischen Komposition verpasste er gar den Titel „Biographie und Visionen“. Hollands ungekrönter König Johan Cruyff sollte danach wie ein auf dem Stadiondach der AmsterdamArena sitzender Rohrspatz schimpfen, dass Louis van Gaal unter Alzheimer leide.

Anders als der sodann von den Medien angenommene Zusammenhang, der mit einem missglückten Weihnachtsbesuch van Gaals bei Familie Cruyff zu tun gehabt soll, dürfte nun klar sein, was Cruyff tatsächlich mit seiner Tirade gemeint haben könnte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich an diesem Freitagnachmittag das van Gaal'sche Eingeständnis im Netz. Van Gaal gesteht ein, „kein Gott“ zu sein.

Was machen Louis van Gaal? Er scheint einfach vergessen zu haben, diese Offenbarung in seine Biografie einzufügen. Welch Chuzpe! Schließlich hätte dieses Bekenntnis gleich beide Bände bereichern können. Wenn Louis van Gaal noch nicht einmal ein Fußball-Gott ist, wird es dann erlaubt sein zu fragen, wie es dann erst mit der Zugehörigkeit von Franz Beckenbauer zur Kaste der „Kaiser“ aussieht?

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Sesselsitzer in Minute 19

Was für ein gelungener Einstand in den Europapokalabend. Austria Wien duelliert sich mit Werder Bremen in der Europa League. Ich setzte mich leicht verspätet, in Minute 19, in den Sessel. Während dessen schwafelt Sat 1-Reporter Erich Laaser noch ein wenig versonnen von Werders letztem Gastspiel im Wiener Franz-Horr-Stadion anno 1989, da erlöst mich dieser Claudio Pizarro mit seinem Kopfstoß zum 1:0 aus Laasers lauer Schwelgerei. Der Werder-Express scheint weiter unaufhaltsam durch die Europa League zu düsen.

Mittlerweile ist Halbzeit und ich erinnere mich gerne daran, dass im TW-Gästeblock überaus lesenswerte Gastbeiträge über Austria Wien und Werder Bremen schlummern. Austria-Anhänger Wolfgang Gams rezitierte etwa den Schriftsteller Friedrich Torberg, der einst sagte: „Austrianer ist, wer es trotzdem bleibt!“ Werder-Edelfan Nils Reschke proklamierte etwa: „Wir sind die Guten!“ Sein Werder-Fankollege Tobias Singer beschrieb Werder schlichtweg als die „Die schönste aller Bräute“. Mal sehen, ob die kleine Wiener Arena heute Abend für Werder noch zum Franz-Horror-Stadion wird.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Wimpel-Wednesday # 23: Tasmania Berlin

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 23. Was denn bei Hertha BSC los sei, fragte ich mich am letzen Wimpel-Wednesday. Und nun? Da funkelt noch weniger beim Hauptstadtklub als noch vor einigen Wochen. Eigentlich funkelt es einzig im Namen des aktuellen Trainers der „alten Dame“, der die Hertha wieder auf Kurs bringen soll. Sinnbildlich für die Talfahrt ist wohl, dass in Berlin bereits mehr Torhüter (ganze 4) eingesetzt werden mussten, als nach neun Spieltagen Punkte (ganze 3) auf dem Konto stehen.

Mittlerweile hat sich die Lage dermaßen verschlimmert, dass sogar schon der Geist von Tasmania Berlin durch die Gegend wabert. 11 Freunde schrieb von Tasmania BSC, selbst die Berliner Morgenpost sieht die Hertha mit ihren drei Pünktchen und einem Torverhältnis von 7:23 auf Tasmanias Spuren. Tasmania? Wir erinnern uns, schlimmer ging es nimmer. Saison 1965/66, 34 Partien, 8:60 Punkte, ein Torverhältnis von 15:108. Doch obacht, die Mannen der Hertha können seit heute aufatmen.

Tasmanias einstiger Torwächter Klaus Basikow durfte der WELT ein Interview geben und dort proklamieren, dass selbst die Hertha nicht so schlecht sei „wie wir“. Dieses Damoklesschwert dürfte zumindest sofort vom Berliner Himmel gefallen sein. Wenn das so ist, wird klammheimlich ein Tasmania-Wimpel in die Wimpelecke gehängt, bevor Tasmania bald wieder in Vergessenheit gerät. Schlimmer kann es dann vermutlich nicht mehr werden. Es sei denn, Hertha verliebt sich in Ailton und lockt diesen an die Spree.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Montag, 19. Oktober 2009

Was eine „Wildpinkelei“...

Der HSV hat derzeit nicht nur ein Stürmerproblem. Der Bundesligadino hat in seiner Arena, die nicht Uwe-Seeler-Kampfbahn heißen soll, offenbar ein Manko an Toiletten. Dies führt in der Arena dem Anschein nach regelmäßig zu sogenannten „Wildpinkel“-Attacken. Beispielsweise durch unerschrockene HSV-Fans aus Buxtehude, deren Attacken von gnadenlosen Ordnern vorzeitig abgewürgt werden.

Von alldem weiß jedenfalls Reporter-Urgestein Dieter Matz vom Hamburger Abendblatt in seinem HSV-Blog „Matz ab“ umfassend zu berichten. Von einem der 30 Kommentatoren seines kühnen Beitrags darf sich der HSV-Hofschreiber ob seiner erstaunlich detailgetreuen wie brutalen Darstellung gar als „Matz Bukowski “ feiern lassen. Eine bukowskieske Kostprobe gefällig?

Bitte: „Ich wurde getragen, aber ich pinkelte weiter. Mein Schniedel hing natürlich aus der Hose, als ich so in der Luft hing, aber das störte die zwei Ordner nicht....“

Ganz nach hanseatischer Kaufmannsmentalität werden sich die Rothosen doch nicht etwa durch Minderausgaben für die Anmietung von Dixie-Klos die Kosten für einen halbwegs renommierten Stürmer in der Winterpause ersparen wollen...

Sonntag, 18. Oktober 2009

Balloon Goal

Über die Kirche im Dorf

Wie schnell darf man in die Nationalelf berufen werden? Uli Hoeneß hat der Journaille nach dem gestrigen Bayern-Sieg in Freiburg auf diese Gretchenfrage angesprochen reichlich reinen Wein eingeschenkt:

„Da schießt einer mal drei Tore und soll dann gleich in die Nationalmannschaft. Wenn ich früher ein ganzes Jahr lang so gespielt hätte, hätte mich Bundestrainer Helmut Schön zur Seite genommen und gesagt: Wenn Sie so weiterspielen, kommen Sie demnächst wieder zu uns.“

Von Hoeneß gemeint war Bayerns Sturm-Novize Thomas Müller, der seit Saisonbeginn wie eine kleine Rakete in den Fußballhimmel geschossen ist und Bayerns renommierte Stürmergarde um Luca Toni, Miro Klose und Mario Gomez derzeit alt aussehen lässt. Jogi Löw hatte dem 20-jährigen Müller eine Nominierung für die Länderspiele im November gegen Chile und Ägypten in Aussicht gestellt.

Hoeneß, der neue T(h)or der Woche, sprach sich vehement gegen eine Nominierung aus und plädierte dafür im Falle Müller die Kirche im Dorf zu lassen. Der oftmals streitbare Bayern-Manager hat hiermit zweifellos den Nagel auf den Kopf getroffen. Es wäre sehr schade, wenn Müllers gerade aufgehender Stern schon vor dem nächsten Frühling ob potenzierter und überhöhter Erwartungen und damit verbundenen Enttäuschungen plötzlich verglühen würde. Toni Kroos lässt hier ein wenig grüßen.

Sofern es Ende April 2010 noch immer wie im Spätsommer und diesem Herbst weiter „müllern“ sollte, hätte sich das potenzielle „Bömberchen der Nation“ zumindest über eine gesamte Saison, womöglich als Shooting-Star der Saison und nicht des Septembers, bewährt. Hat Jogi Löw sich etwa von dem Müller-Hype ein wenig anstecken lassen? Wäre nicht auch zunächst einmal ein gewisser Herr Kießling aus Leverkusen in der Nationalelf an der Reihe?

Uli Hoeneß absolvierte im Übrigen am 29. März 1972 im Alter von 20 Jahren und 2 Monaten sein Länderspieldebüt bei einem deutschen 2:0-Sieg in Ungarn, zu dem er den zweiten Treffer beisteuern sollte. Das Ganze geschah seinerzeit mehr als eineinhalb Jahre nach Hoeneß' Bundesligapremiere für den FC Bayern im August 1970.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 17. Oktober 2009

Im Sumpf gegen die Schwäne

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der große Roy Keane steht mit Ipswich Town am Tabellenende der zweiten englischen Liga und empfängt heute die formstarken Waliser von Swansea City.

Das Fußball-Unterhaus Englands, die zweitklassige Football League Championship, birgt einige Juwelen. Schließlich tummeln sich unterhalb der Premier League namhafte Traditionsklubs wie Nottingham Forest, Middlesbrough oder Newcastle United. Dort zu finden ist ebenfalls Ex-Europapokalsieger Ipswich Town. Ipswich um den Abwehrhauklotz Terry Butcher gewann anno 1981 den UEFA-Pokal gegen AZ Alkmaar, ist von solchen Höhenflügen derzeit allerdings Lichtjahre entfernt.

Denn bislang lässt sich die bisherige Saison des Traditionsklubs von der altehrwürdigen Portman Road als eine Spielzeit in Moll bezeichnen. Dies begann mit dem Tod von Englands Trainer-Legende Sir Bobby Robson, der Ende Juli einem langjährigem Krebsleiden erlag und Ipswich in seiner 13-jährigen Amtszeit als Coach der Tractor Boys die erfolgreichste Periode der Vereinsgeschichte bescherte, inklusive vorgenannten UEFA-Pokal-Tiumph. Nachdem der Klub Robson bereits unlängst vor dem Stadion an der Portman Road ein Denkmal gesetzt hatte, wurde ihm zu Ehren im September zudem der North Stand in den Sir Bobby Robson Stand umbenannt.

Der traurige Saisonverlauf setzt sich unterdessen Woche für Woche fort. Daran ändert offenbar auch nicht, dass Ipswich sich mit Roy Keane eine der namhaftesten Figuren des Fußballs auf der Insel geangelt hat. Trotz Keane sitzen die Tractor Boys im Sumpf des Tabellenkellers als Schlusslicht der Football League regelrecht fest und sind neben dem FC Darlington, Tabellenletzter der viertklassigen League Two, das einzige Team im englischen Profifußball ohne Punktspielsieg. Dabei musste Keane etwa erleben, wie seine Elf bei den letzten Duellen bei einem 3:3-Remis bei Sheffield United und einer 1:2-Niederlage in Barnsley jeweils in der Nachspielzeit ein spätes Gegentor kassierte.

Ohne prophetische Anwandlungen besitzen zu müssen, lässt sich erahnen, dass das diese sumpfige Suppe dem ehrzeigen Keane nicht besonders gut schmeckt. Das spürte etwa ein BBC-Reporter, der Keane nach der Barnsley-Niederlage fragte, ob dieser Ipswich-Coach bleiben werde. Mit funkelnden Augen zischte der Ire, dass er auf eine solche Frage nicht antworten werde. Als sich der Reporter allerdings erlaubte, nachzuhaken, ob dies ein Yes oder No auf seine Eingangsfrage bedeute, schien der Ire sogleich zubeißen zu wollen und raunzte pikiert: „Take it which ever way you want.

Der BBC-Mann konnte offensichtlich froh sein, Keane in dieser pikanten Situation nicht auf dem Spielfeld gegenübergestanden zu haben. Die Anwesenheit der laufenden Kamera tat zum Schutz des Reporters mutmaßlich ihr Übriges. Vor einer Trainerdiskussion scheint also auch Roy Keane im beschaulichen Ipswich nicht gefeit. Mal sehen, welchen Gemütszustand die heutigen 90 Minuten seiner Tractor Boys gegen Swansea City hinterlassen. Dass die formstarken Swans aus der walisischen Hafenstadt, die seit fünf Punktspielen nicht mehr verloren haben, an der Portman Road tatsächlich untergehen, scheint fraglich.

Möglicherweise hilft Keane und seinem Team die Gewissheit, dass er sich mit Sunderland vor wenigen Jahren aus einer ähnlichen Situation befreien konnte und am Ende sogar mit dem Klub in die Premier League aufstieg. Möglicherweise aber auch nicht. Die Zeiten, in denen Keane mit Grätschen, Provokationen und sonstiger Attitüde auf den Rasenrechtecken Britanniens den „aggressive leader“ gab, sind schlichtweg vorbei.

Der von respektlosen Ebay-Verkäufern ob seines Pferdchens im Emblem zum „Pferdeclub“ verballhornte Traditionsverein aus East Anglia droht im englischen Zweitligasumpf zu versinken. Das könnte bedeuten, im nächsten Jahr eine Etage tiefer womöglich beim drittklassigen Erzrivalen Norwich City gastieren zu müssen.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Litmanen

Was macht eigentlich... Jari Litmanen? Er spielt und spielt und spielt. Morgen in Hamburg geht es für Jogis Löwen gegen Finnland um die Goldene Ananas. Wer hätte jedoch gedacht, dass im Herzen des finnischen Spiels noch immer Veteran Jari Litmanen den Ton angibt. Zur Einstimmung hat WELT-Kolomnist Udo Muras Litmanen bereits in eine Garde neben erlauchten Kickern wie etwa George Best, Ryan Giggs oder Alfredo di Stefano eingereiht, die allesamt gemein haben, niemals an einer WM teilgenommen zu haben.

Ajax, Barca, Liverpool: der mittlerweile 38-Jährige kann in seiner titelreichen Vita mit so einigen beeindruckenden Stationen aufwarten, mal abgesehen von einem Abstecher zu Hansa Rostock. In den letzten Jahren ist es um den filigranen Spielmacher etwas ruhiger geworden, der sich in seiner Heimat beim FC Lathi verdingt und dort seine Karriere ausklingen lässt.

Erstmals streifte Litmanen am 22. Oktober 1989 gegen Trinidad & Tobago den weiß-blauen Dress der Huuhkajats über. Angesichts der Hektik und Dynamik in der weiten Welt des Fußballs wirkt dies schier wie eine Ewigkeit. Gute 18 Tage vor seiner Premiere hatte sich jene finnische Auswahl übrigens in der Quali zur WM 1990 in Italien im Dortmunder Westfalenstadion eine deftige 1:6-Pleite abgeholt, seinerzeit wirbelten noch Herren im Sturm von Franz Beckenbauer, die auf die Namen Rudi Völler und Jürgen Klinsmann hörten.

Das morgige Duell um die Goldene Ananas könnte also eine der letzten großen Bühnen für den Alleinunterhalter des finnischen Fußballs werden, den man vermutlich an dem leicht schleppenden Gang und der weißen Zehn auf dem blauen Trikot erkennen wird.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Bang Boom Boateng

Vor Überraschung schien gestern zunächst fast die nahe Moskwa über die Ufer zu treten, als sich abzeichnete, dass Jogi Löw mit Jérome Boateng im vielbeschworenen „Spiel des Jahres“ (wie oft wurde die Wendung eigentlich genutzt?) einen waschechten Debütanten gegen Arschawin und dessen Kollegen aus der Sbornaja aufbieten wird. Freilich war die Verblüffung allerorten nicht in dem Ausmaß zu vernehmen wie über die Nobelpreisvergabe an einen gewissen Obama tags zuvor.

Gleichwohl schien die Aufstellungsverkündung von Béla Réthy zumindest Oliver Kahn in seinem feinen Zwirn kurzzeitig die Sprache zu verschlagen. Schließlich hatte Kahn gegenüber ZDF-Lady Müller-Hohenstein noch wenige Momente zuvor darüber doziert, dass sich Jogi Löw gegen die Sbornaja keine Experimente leisten könne. Es machte zum ersten Mal an diesem Abend: Bang Boom Boateng. Der Sound von Oliver Kahn wechselte daher rapide die Windrichtung. Kahn lavierte, dass man die Startelfberufung von Boateng nun „individuell“ betrachten solle. Aha, wird mancher vor dem Bildschirm die Schultern gezuckt haben. Die Moskwa wird sicherlich ein wenig geschäumt haben.

Nachdem Bela Rethy jedoch später erläutert hatte, wie Boateng bei tollen Spielen in der U 21 und zuletzt im HSV-Dress herausragte, blieben vorläufig kaum noch Fragen zu dessen Nominierung offen. Vorläufig. Denn Boateng sollte freilich zunächst in Löws Hintermannschaft seinen Mann stehen, wie zuletzt gegen das Bravour-Duo des FC Bayern Robben und Ribery. Gegen die wendigen Russen musste der Debütant schnell erkennen, dass manches Mal lediglich ein Foul ein probates Mittel für die Unterbrechung der zumeist schnell vorgetragenen russischen Angriffe war.

Da sich derlei Senserei dem Grunde nach nur zweimal in einer Partie erlauben lässt, mündete die Premiere des talentierten Novizen nach zwei gelbwürdigen Fouls in der 41. und 68. Minute auf der Rechtsverteidigerposition in einem Platzverweis. Es machte erneut: bang, boom, Boateng. Hätte Löw seinen zuweilen unsicheren Novizen schon in der Halbzeit in der Kabine behalten sollen oder gar von Vornherein auf Arne Friedrich setzen sollen? Die Diskussion ist nach dem Sieg müßig, zumal Löw nach dem Schlusspfiff konstatierte, dass Boateng ab jetzt „zum festen Kader“ zählt.

Den Weg eines gewissen Zoltan Sebescen wird Boateng, der neue T(h)or der Woche, damit sicherlich nicht beschreiten. Ob der ganzen Turbulenzen um Boateng vergaß uns Béla Réthy übrigens sogar mitzuteilen, dass mit Boateng der Großneffe von Helmut Rahn den Adler auf der Brust trug. Das hätte an dem Abend eigentlich noch gefehlt. Deswegen wäre die Moskwa vermutlich auch nicht über die Ufer geschwappt…

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 10. Oktober 2009

Miro machts möglich

Jogis Löwen haben ihre Mission Moskau gemeistert, Miro Klose machte es mit seinem goldenem Tor möglich. Gott sei Dank! Die ZDF-Lady Müller-Hohenstein hat uns zwar gefühlte fünfundvierzig Mal auf das Etikett Spiel des Jahres hingewiesen. Doch dieses Gezeter und das Kunstrasen-Geplänkel sind nun ja definitiv vorbei. Gott sei Dank!

Russisches Tor

Live ins Spiel des Jahres reingeschaut. Kicker.de sah Miro Klose vor dem wärmenden Halbzeittee nach toller Kombination über Podolski und Özil ein russisches Tor erzielen. Seit Minute 50 erhebt der holde Béla Réthy schier minütlich die Stimme ob der Russen, die laut Réthy aus allen Lagen schießen. Der Kunstrasen hält jedenfalls, wie bislang der deutsche Abwehrriegel...

Freitag, 9. Oktober 2009

Kunstrasenkunde

Kunstrasen - eine Art russisches Roulette für Jogis Löwen? Oder doch eine Ausrede? Ja, warum hat der Jogi denn dann nicht den ollen „Zico“ Zickler nominiert. Schließlich nimmt der doch mit dieser mit seinen roten Salzburger Bullen beinah jeden Gegner in der Salzburger Kunstrasenkampfbahn auf die Hörner.

Hat „Zico“ Zickler, der gebürtige Sachse, ehedem nicht auch noch russisch in der Schule gehabt? Das wären bereits eine Handvoll Argumente gewesen, Herrn Kießling nicht zu nominieren. Oder wie doziert „Zico“ Zickler im 11-Freunde-Sachgespräch über Kunstrasen: „Es gibt keine Ausreden.

Dienstag, 6. Oktober 2009

On the Hunt

Was macht eigentlich…Aaron Hunt? Kurzum, es wird von keinem geringeren Klub als dem FC Liverpool offenbar Jagd auf den Bremer Stürmer gemacht, doch dazu später mehr. Abgesehen davon, dass Hunt bei Werder Bremen endlich vor dem lange herbeigesehnten Durchbruch steht, gibt er derzeit toreschießend und sicher allen kritischen Werder-Fans gefallend in den gegnerischen Abwehrriegeln mit seiner Nummer 14 auf dem Rücken den steten Brandherd.

Wenn Werder an gewissen Tagen dann zudem seine Affinität zu Jerseys in Orange Ausdruck verleiht und Hunt mit seiner 14 über das Feld tigert, wird sich so mancher doch nicht etwa blenden lassen. Blenden lassen in dem Sinne, an die wilden Siebziger zurückzudenken als in oranje Trikots der König aller Vierzehner, ein gewisser Johan Cruyff, den Holzhackern der weiten Welt des Fußballs dribbelnd weggewirbelt ist.

Derlei Vergleiche sind selbstredend nicht nur ein wenig hanebüchen. Aber vielleicht nicht ganz für einen namentlich unbekannten englischen Reporter, der offenbar dem Kosmos des löblichen Guardian zugehörig ist, und scheinbar eine Prise Cruyff in Hunt gesehen habe muss. Denn jener englische Reporter hat die zuweilen headlinearme Phase vor Länderspielwochenenden dazu genutzt, in den Football transfer rumours des Guardian ein angebliches Transfertauschmanöver des FC Liverpool anzudeuten.

Dies betrifft tatsächlich Aaron Hunt, der wie kolportiert wird, im Winter gegen den niederländischen Flügelstürmer Ryan Babel getauscht werden soll. Man fühlt sich schon ein wenig schwindelig gespielt, zumal das Transfergerücht schnell über den Ärmelkanal schwappte und Hunt, der einen englischen Vater hat, darüber hinaus am Saisonende ablösefrei zu haben ist. Das wäre doch mal ein Knaller.

Man stelle sich vor, der gute Aaron weiß zwar nicht so recht, wie ihm geschieht. Nichtsdestotrotz lässt er im kommenden Januar an einem nasskalten FA Cup-Sonntag im feinen roten Liverpool-Dress urbritische Wadenbeißer von Drittliga-Klubs wie Huddersfield Town toreschießend im nachmittäglichen Regen stehen. Zum Abschluss dudelt dann aus den Stadionboxen an der Anfield Road der leicht angestaubte Lynyrd Skynyrd -Klassiker „On the Hunt“, great stuff wäre das!


Sonntag, 4. Oktober 2009

Mit weicher Klinge

Chapeau, seit nunmehr 13 Jahren kultiviert Arsène Wenger, der neue T(h)or der Woche, den Trainerstuhl des Arsenal Football Clubs und ist damit wie fast jede britische Gazette schreiben wird the longest-serving Arsenal boss. Der Kosmopolit hauchte Arsenals ehedem eckigen, kantigen und zuweilen langweiligen Spiel den gewissen raffinierten Verve ein. Damit führte der Elsässer den Verein aus dem Norden Londons allmählich auf Augenhöhe mit Manchester United. Das führte nicht nur zu überaus elektrisierenden Duellen der Gunners auf dem Rasenrechteck mit ManUtd.

Solche Duelle elektrisieren auch grundsätzlich Sir Alex Ferguson, der traditionell bei jedwedem Kratzen an der Vormachtstellung Manchesters zum schottischen Kampfhahn mutiert. In Arsène Wenger schien Ferguson den kongenialen Antagonisten gefunden zu haben. Denn wenn Wenger sozusagen als gallischer Hahn zum medialen Gegenschlag nach einer Ferguson-Attacke ausholte, brauchten sich die Tabloids auf der Insel keine Sorgen um ihre Schlagzeilen zu machen. Scharfe verbale Klingen wetzend stellte halt der schottische Kampfhahn den französischen als „schlechten Verlierer“ an den medialen Pranger oder man beschimpfte sich einander als „Schande“.

Im Herbst 2004 erreichte die Feindschaft der beiden Rivalen ihren Höhepunkt. Manchester beendete im Old Trafford Arsenals legendäre Serie von 49 Partien ohne Niederlage mit einem 2:0-Triumph jäh und Wenger soll Ferguson nach Tumulten im Spielertunnel mit Pizza und Suppe beworfen haben. Was in den Wochen und Monaten nach dem vielbeschriebenen „Pizzagate“ folgte, skizzierten Englands Gazetten als „Krieg der Worte“, in den unter anderem der damalige britische Sportminister beschwichtigend einschaltete. Selbst der Polizeichef Islingtons meldete sich seinerzeit besorgt zu den Scharmützeln zu Wort und wies darauf hin, dass jede Feindseligkeit auch die Aggressivität bei den Zuschauern der beiden Klubs erhöhe.

Mittlerweile scheint sich das Verhältnis der beiden Kampfhähne derart entspannt zu haben, dass zuweilen lediglich mit weicher Klinge hantiert wird und die „FAZ“ die Feindschaft schon zu einer „Kuschelrivalität“ verwässert sah. Ob es an der Altersmilde der Konkurrenten liegt oder Ferguson Arsenal nach einigen titelosen Jahren nicht mehr ganz auf Augenhöhe mit seinen Red Devils wähnt, sei dahingestellt. Dieser Tage ließ Ferguson sogar über seinen einstigen Lieblingsfeind Bemerkenswertes verlauten und salutierte neulich wohl ob Wengers Dienstjubiläum bei einer Pressekonferenz vor dem Elsässer:

„Ich denke er hat aus Arsenal das Beste herausgeholt. Seitdem er dort ist, hat der Klub wunderbare Erfolge gefeiert. Das beweist, dass die Langlebigkeit, in meinem oder seinem Fall, belohnt wird. Sein Team spielt mit der richtigen Einstellung. Das Stadion ist jede Woche voll. Er ist ein unglaublich erfolgreicher Trainer für Arsenal, daran gibt es nichts zu zweifeln.“

Zudem lobte der Schotte Wengers Prinzipientreue und hat vielleicht ein wenig Wenger in sich wiedererkannt. Schließlich eint beiden Trainerikonen neben der Leidenschaft für Erfolge, Titel und schönes Spiel, dass das Dinner for One der beiden in Old Trafford und im Emirates Stadium dem Sonnenuntergang entgegengeht. Es darf daher mit Spannung erwartet werden, ob der Fehdehandschuh bei den nächsten Duellen nochmals geworfen wird. Denn auf eine gewisse Weise gehört diese Fehde zur Fußballfolklore auf der Insel einfach dazu, selbst wenn sie mit regelrecht weichen Klingen ausgetragen wird…

Der Beitrag ist ebenfalls auf dem Goonerportal und auf Footbo.com zu finden.

Samstag, 3. Oktober 2009

Von lahmen Eulen

Gestern in Meppen, bei dem einstigen David der zweiten Bundesliga, war für einen gemütlichen Fußballabend alles angerichtet. Das Flutlicht flackerte, das schmucke Stadion glänzte wie zu besten Zeiten und die Stadionwurst mundete.

Nachbar Eintracht Nordhorn hatte sich am 9. Spieltag der Oberliga Niedersachsen-West zum Derby angesagt und beim Blick auf die Meppener Aufstellung fiel einem sogar der Name Robben ins Auge. Gerade das in Liga Fünf auf dem rechten Angriffsflügel ein Namensvetter des niederländischen Premiumkickers erwartet werden darf, sollte eigentlich schon was heißen.

Ein einträchtiges Schlottern der Knie der Gäste aus Nordhorn ließ sich von der ehrwürdigen Alten Tribüne allerdings deshalb während der unterhaltsamen 90 Minuten nicht vernehmen. Denn die rotgekleideten Nordhorner standen in der Abwehr stabil und konterten in ihrer roten Kluft, die irgendwie an den Retrostil von Nottingham Forest Anfang der Achtziger erinnerte, clever, flott und effizient.

Die Meppener Elf schien sich dagegen am Habitus seines Stadionsprechers zu orientieren. Der ließ nicht nur das Gefühl eines emsländischen Cousins von Harry Wijnvoord aufkommen, sondern entlockte so manchem ungeduldigen Besucher auf der Alten Tribüne das gnadenlose Urteil, dass die „lahme Eule“ endlich mit den Startaufstellungen fertig werden solle.

Dem SV Meppen um seine Robben-Ausgabe fehlte gegen den nachbarschaftlichen Rivalen der Schwung und biss folglich in der Offensive stets auf Granit. Jener Robben, der mit Vornamen Jens  und nicht Arjen heißt und sich einige Jahre unauffällig in der zweiten Liga verdingte, gefiel allein wegen seiner roten Schuhe. Denn dank derer wurde sein minimaler Bewegungsradius leider auffällig markiert.

Ganz anders die Nordhorner Gäste. Die besaßen zwar keinen Robben in ihren Reihen, dafür mit ihrem Mittelstürmer Dennis Brode einen waschechten Torjäger. Dem gelangen kurz vor der Pause qua lupenreinem Hattrick sämtliche drei Tore des nasskalten Herbstabends, womit Brode schon vor dem Halbzeitpfiff eine leidige Trainerdiskussion über Meppens umstrittenen Coach Frank Claaßen, der seit dem Sommer Meppens Trainertaktstock schwingt, in Gang setzte. Denn das stakkatohafte „Claaßen raus“ war weder im Stadionrund zu überhören noch endeten die Diskussionen beim halbzeitlichen Stelldichein am Pinkelbusch hinter der Tribüne.

Zu den Highlights der zweiten Hälfte avancierten die „Aufhören“-Rufe nach einer knappen Stunde. Hiernach verließen nicht wenige Zuschauer kopfschüttelnd und vorzeitig das Stadion. So mancher Besucher wird aber trotz der Negativserie von fünf sieglosen Punktspielen zum nächsten Heimspiel des SV Meppen in zwei Wochen wieder auf der Alten Tribüne sitzen.

Oder wie ist folgender Schlusspfiffdialog zweier SV Meppen-Schalträger ansonsten zu verstehen? „Moin Werner, tuste Dir den VfB Oldenburg auch wieder an? – Muss ich, ich hab ja ne Jahreskarte!“ Wie schön, dass die weiteren rund 1.300 Zuschauer vor dem aufkommenden Pfeifkonzert mit wohligen „You’ll never walk alone“-Klängen in die Nacht entlassen wurden. Das nächste Heimspiel in der früheren Zweitliga-Trutzburg kann also kommen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Olé

Olé ! Mario Kempes, eines der vielen Fußball-Idole Argentiniens, schenkt Diego Maradona (→ Maradonanitis) in einem faz-Interview reinen Wein ein. Ehrlich und amüsant kommentiert Kempes Maradonas Fähigkeiten als Nationaltrainer:

„Auf dem Platz wird deutlich, dass die Spieler nicht verstehen, was er von ihnen verlangt. Vielleicht weiß er aber auch selbst noch nicht genau, welchen Stil er verfolgt. “

Ergo, Maradona weiß als Trainer noch nicht, wo links und rechts sind. Das alles als Trainer jenen Landes, aus dem jener Mann kam, der einst darüber parlierte, dass linker Fußball schön sei und rechter Fußball Titel gewinne. Darauf zum Abschluss ein menottieskes „Olé“.

Mittwoch, 30. September 2009

Wimpel-Wednesday # 22: Hertha BSC

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 22. Was ist denn beim Hauptstadtklub los? Während der VfL Wolfsburg heute Abend im Old Trafford, dem Wohnzimmer von Manchester United, gastiert und dem gemeinen United-Supporter beibiegt, dass der deutsche Meister nicht zwangsläufig Bayern München heißen muss, gönnt sich die alte Dame Hertha BSC nach dem „au revoir“ für Lucien Favre eine ausgewachsene Trainerdiskussion.

Ausgewachsen, da nicht nur unvermeidliche Verdächtige wie Matthäus, Funkel, Hecking, Slomka und Hans Meyer im Rennen um den Berliner Trainerthron sind. Die alte Dame soll sogar drauf und dran sein, dem deutschen Rekordnationalspieler überraschend abzusagen und den Nationaltrainer Aserbaidschans an die Spree zu lotsen. Schließlich soll Berti Vogts, von den Reizen der alten Dame durchaus angetan, dieser über den Äther geschickt haben, welch „schlafender Riese“ die Hertha doch sei.

Die Berliner Zeitung bewertet ein Amusement mit dem Terrier im Wartestand sogar wohlwollend: „Vogts wäre für Berlin mehr als ein Feuerwehrmann, könnte neben der Trainerarbeit auch als Sportdirektor tätig sein.“ Thor Waterschei hängt daher schnell einen Hertha-Wimpel in den Wind bzw. in die Wimpelecke und ist auf eine Rückkehr Bertis in die Bundesliga mehr als gespannt.


Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Sonntag, 27. September 2009

Maradonanitis?

Die Qualifikation Argentiniens für die WM in Südafrika hängt derzeit am seidenen Faden, aktuell müssten die Gauchos in die Relegation, um im kommenden Sommer die Vuvuzelas tröten hören zu können. Das alles trotz der Inthronisierung von Diego Maradona als Verantwortlicher der Albiceleste. Oder etwa doch, weil Maradona den Taktstock an der argentinischen Seitenlinie schwingt?

Wenn man jüngst veröffentlichten Umfragen glaubt, wollen 67 Prozent der Argentinier Maradona nicht mehr im Amt sehen. Das ist natürlich kein Wunder, nachdem es für Maradonas Mannen gegen Ecuador, Brasilien und Paraguay zuletzt drei Niederlagen in Folge setzte und selbst auf den hochgelobten Lionel Messi nicht mehr Verlass war. Von sich reden machte Diego eher durch einen Wellness-Kurztrip nach Italien, wo ihm die italienischen Steuerbehörden ob seiner horrenden Steuerschulden mal eben seine Diamantohrringe abgeknöpft haben. Eine Krisensitzung mit seinem Verband soll er deshalb gar verschwitzt haben.

Argentiniens Fußball scheint also einer ausgewachsenen Maradonanitis ausgesetzt zu sein. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass der neue T(h)or der Woche zu seiner Ehrenrettung in den womöglich entscheidenden Qualipartien Anfang Oktober gegen Peru und Uruguay selbst noch einmal die Stiefel herausholt.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 26. September 2009

Uns Uwe sacht mal: 2:1 für den HSV

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der schwächelnde HSV hat den FC Bayern zu Gast.

Uwe Seeler hat lang nichts von sich hören lassen. Habe ihn jüngst beim Zappen im Großstadtrevier erblickt. Weiter wäre da noch der fast identische Gleichklang seines Namens mit der nervigen südafrikanischen Tröte, Vuvuzela. Aber das war es schon. Wie gut, dass daher gleich das hochgelobte Nord-Süd-Derby zwischen dem HSV und den Bayern in der Hamburger Arena steigt. Wie diese Arena mit aktuellem Namen heißt, kann ich mir schon lange nicht mehr merken. Nur weiss ich, dass sie an der Autobahnausfahrt Stellingen liegt und bin dafür, dass die Hanseaten sich aufraffen, sie doch endlich nach Uns Uwe zu benennen.

Wie dem auch sei, in einem Interview mit der Münchner Tageszeitung tz hat das HSV-Idol natürlich für seinen HSV getippt: „Ich sach mal: 2:1 für den HSV“. Nen Schnack über die Spitzenpartie des 8. Bundesligaspieltages hat auch Franz Beckenbauer in der BILD gehalten. Einen Sieg traut der Kaiser seinen Bayern an seiner alten Wirkungsstätte an der Elbe aber offenkundig nicht zu und tippte 1:1. Ganz im Gegenteil zum FC Bayern-Edelblogger Zechbauer vom Fernglas-Blog, der seine Roten bei den Rothosen erneut auf dem Weg zu einem opulenten 5:1-Auswärtssieg wähnt.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen den Weissagungen von Herrn Seeler und Zechbauer. Ich halte mich da ganz an den Kaiser, laut meines Oddset-Tipps wäre das wohl ein Remis. Der FC Bayern ist halt nicht der VfL Osnabrück. Oder, doch...?

Mittwoch, 23. September 2009

Eintracht Basler

Was macht eigentlich...Mario Basler? Etwa im Unterhemd mit der Fluppe im Mundwinkel, nem Pott Kaffee in der Hand auf seinem Sofas flätzend dem Ghostwriter seines Vetrauens tacheleseske Kommentare für seine BILD-Kolumne ins Handy flöten? Ja bitte, mitnichten! Super Mario macht Karriere als Cheftrainer. Schließlich ist doch Pokal und der, ja der Pokal, hat doch spätestens seit Heribert Faßbenders Ansagezeiten seine eigenen Gesetze.

Oder schwingt Super Mario etwa nicht bei dem Traditionsklub Eintracht Trier mächtig das Zepter und hat mit seiner Trierer Truppe einträchtig in Runde eins Hannover 96 aus dem Pokal geworfen? Doch, doch. Wer hier an zufällige Ereignisse glauben mag, der darf sich getrost kneifen. Gestern sollten nämlich die guten alten Arminen aus Bielefeld zu den viertklassigen Trierern in deren Trutzburg Moselstadion reisen und durften heute auf kicker.de nachlesen, wie dort nach der grämlichen 2:4-Pleite des Bundesligaabsteigers getitelt wurde: „Pokalmärchen, Teil II - Basler und Trier machens nochmal“.

Die Schlagzeile wird auch Basler gefallen haben. Der schoss im Übrigen gleich einen potenziellen attraktiven Gegner ins Visier nehmend „Die Bayern wären ein richtiger Kracher und wir hätten nichts dagegen, wenn der FC kommt“ wie in besten Zeiten scharf und teilte mit, dass er im Fall der Fälle sogar einen Spielerpass beantragen wolle. Reichlich schulterlopfend kann sich TW die gewünschte nächste Headline der Menschen vom kicker schon ausmalen: „Pokalmärchen, Teil III - Eintracht Basler kanns nicht lassen“.

Hoffentlich lässt Basler dann zumindest in dem Sinne den Titel seiner eigenen Biografie Super Mario in Frieden. Denn ein wenig schnödes „Super Super Mario“ würde auf dem Cover sein Konterfei doch völlig überdecken.

Sonntag, 20. September 2009

Gerd Müller reloaded?

Der neue T(h)or der Woche heißt Gerd Müller. Ganz genau, der große Gerd Müller, der am weiten Horizont endlich so etwas wie einen Nachfolger in der noch unbesetzten müllerschen Ahnenreihe erblicken darf.

Er heißt Thomas Müller, galt im Kader von Louis van Gaal eigentlich als so etwas wie ein Sturmnovize, schießt aber derzeit wie eine Rakete in den bajuwarischen Stürmerhimmel. Selbst Spiegel Online schreibt schon von einem „Bömberchen der Nation“. Ja mei, und das alles pünktlich zur Wiesn-Zeit.

Selbst Paul Breitner schmeckt da die Maß offensichtlich gleich viel besser:

„Er lässt sich für die Medien wunderbar verkaufen. Besser Müller als Huber. Dieser Name hat doch beim FC Bayern eine wunderbare Geschichte. Wenn der Thomas diesen Bogen zum Gerd irgendwann als zu große Bürde verspürt hätte, hätte er sehr früh schon Probleme bekommen. Aber das hat er nicht! Thomas hat alles, um ein großer Müller zu werden.“

Der Bogen zum Gerd ließe sich für den jungen Thomas sicher auch verbal schlagen. Mal sehen, wann er stilsicher und prägnant allerorten vor Anpfiffen „gleich macht es Bumm“ in Mikrofone zischt. Der Gerd kann sich also zurücklehnen und entspannt Müller schauen. Vielleicht schon am Dienstag im Pokal gegen Rot-Weiß Oberhausen.

Über den neuen T(h)or der Woche

Samstag, 19. September 2009

Tottenham Crazy

Englands Ex-Nationalcoach Terry Venables ist nach wie vor eine schillernde Persönlichkeit, mit einem Hang zu breit gestreuten Interessenfeldern. Dereinst schwang er etwa als Co-Autor gemeinsam mit dem Journalisten Gordon Williams die Feder für vier Detektiv-Romane. Zudem ließ es El Tel sich unter anderem nicht nehmen, einen Ausflug in musikalische Klangwelten zu unternehmen. Mit der ansonsten nicht wesentlich in Erscheinung getretenen Pop-Combo Rider trällerte er England mit dem Liedchen „England Crazy“ zur WM 2002 nach Japan und Südkorea. Der Swinggehalt des Stückes lässt sich vorzüglich auf Youtube überprüfen. Venables schlittert auf einem für London typischen Doppeldeckerbus mit allerhand Bass in der Stimme zwischen Big Ben und Trafalgar Square herumfahrend in den viel zu großen Spuren Frank Sinatras.

Hauptsächlich bleibt Venables dem britischen Fußball verbunden, auch wenn der mittlerweile 66-Jährige sich den nervenzehrenden Job auf einer der Trainerbänke der 92 englischen Profiklubs freilich nicht mehr antut. Schließlich hat El Tel hier in den achtziger und neunziger Jahren bei den Queens Park Rangers, dem FC Barcelona, bei Tottenham und als Coach der Three Lions genügend Meriten gesammelt. Die überdecken gar unglückliche Stationen in späteren Trainerjahren, wie in Middlesbrough, Leeds oder als Assistent des unglückseligen Steve McClaren auf der Bank der Three Lions.

Anstelle am Seitenrand im Anzug Kommandos abzufeuern, hört Venables indessen als Kolumnist der Sun unweigerlich jeden Samstag das Gras wachsen. So prophezeite er etwa am Tag des Premier League-Starts Tottenham einen fünften Rang. Getreu dem Motto „Alte Liebe rostet nicht“ sah er bei seinen oft mittelmäßigen „Spurs“ beste Chancen, der Top Four um Chelsea, Manchester United, Liverpool und Arsenal ordentlich einheizen könnten. Vielleicht hatte ihn beeindruckts, dass Tottenhams Trainerfuchs Harry Redknapp schon in der Wintertransferperiode üppig eingekauft hatte und mit Robbie Keane und Jermain Defoe namhafte Ex-Spurs zurück an die White Hart Lane gelotst hat, zu den sich im Sommer Englands Sturmlulatsch Peter Crouch hinzugesellen durfte.

Eine Woche und zwei Saisonsiege später, inklusive eines überzeugenden Heimsiegs gegen Liverpool und einem 5:1-Kantersieg bei Hull City, sollte Venables dann nicht zögern, seine Prophezeiung über den Haufen zu werfen und ließ seine Sun-Kollegen vielsagend titeln: „Harry can crash into top four.“

Vollendet wurde dieser glänzende Auftakt durch den dritten Triumph in Folge im stets schwierigen Nachbarschaftsduell bei West Ham. Der rief selbst bei der sachlichen Online-Redaktion der BBC weitreichende Erinnerungen hervor. Die folgerte, dass Tottenham letztmals vor 49 Jahren einen vergleichbaren Traumstart hinlegte und nach diesem im Frühjahr 1961 seinen letzten Meistertitel, damals noch in der First Division, feierte.

Nach einem mageren Jahr lehrt Tottenham der Englands Fußball-Oberhaus also wieder das Fürchten. Sieg Numero four gegen Aufsteiger Birmingham gelang beinah mit links. Die jüngste 1:3-Heimniederlage der „Spurs“ an der White Hart Lane gegen Manchester United brachte Tottenhams leicht verschobene Plattentektonik allerdings wieder ein wenig ins Lot. Der Boden der Tatsachen wird im Londoner Norden vermutlich erst wieder erreicht werden, nachdem Tottenham morgen an Chelseas Stamford Bridge bei Ballacks heimstarken Blues gastiert haben wird.

Dieses Gastspiel soll anlassgebend sein, auf den kauzigen Harry Redknapp hinzuweisen. Denn der mit allen Abwässern gewaschene Trainerfuchs palaverte doch neulich, mit seiner Vorliebe kokettierend ehemalige Tottenham-Kicker zurück an die White Hart Lane zu eisen, selbst Tottenhams Legendenduo Pat Jennings und Glenn Hoddle reaktivieren zu wollen. Wohlgemerkt, beiden Herren haben die Fünzig weit überschritten.

Chelsea-Coach Ancelotti wird rasch durchgeatmet haben, als Redknapp schnell väterlich einschränkte, dass Jennings und Hoddle dafür natürlich zwanzig Jahre jünger sein müssten. Einem anzunehmenden Heimsieg Chelseas steht nun vermutlich nichts mehr im Wege, womit Tottenhams Höhenflug wohl verpufft wäre. Hoddle im Mittelfeld und Jennings im Kasten, da hätte für Mr. Venables der Platz in seiner Sun-Kolumnenspalte vermutlich nicht mehr ausgereicht. Wenn er nicht gar seinen WM-Song für die alte Liebe von der White Hart Lane mit abgewandeltem Titel erneut auflegt hätte: „Tottenham Crazy“…

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Verfolgt von Lothar Matthäus

Jetzt muss ich mich erst einmal strecken und darf verkünden, dass die Sommerpause bei Thor Waterschei beendet ist. Hat doch recht lang gedauert. Und die Saison hat einfach ohne TW angefangen. Welch Pein, doch sei es drum!

Allerdings wurde es mit der Rückkehr allmählich Zeit. Denn Thor Waterschei wird, so kokettierend es auch klingen mag, verfolgt. Im Übrigen, von keinem Geringerem als Lothar Matthäus, nachdem sich bei Twitter unsere Wege, natürlich des Zufalls geschuldet, gekreuzt haben. Gewiss, es gibt spannendere Mitteilungen. Doch Lothar sei hiermit gesagt, dass der Klub Thor Waterschei seit 1988 nicht mehr existiert.

Lothars eingeschlagene Verfolgung führt somit ins Leere. Zumindest nicht zu einem vermeintlich attraktiven Trainerjob im belgischen Königreich, allenfalls in die Wände dieses kleinen Fußball-Blogs.

Der Vorhang für die neue Saison sei damit gelüftet...

Dienstag, 14. Juli 2009

Donnerstag, 25. Juni 2009

Dukaten-Didi darf Däumchendrehen

Machtmensch gewinnt gegen Fußballfachmann“ kommentierte ZEIT.de messerscharf zum Abschied von Didi Beiersdorfer. Die HSV-Granden um Zampano Hoffmann beabsichtigen doch nicht wirklich, den ollen Sergej Barbarez zum neuen HSV-Manager zu machen. Der soll Hoffmann laut der WELT eifrig bei Transfers beraten. Die Frage ist hier, bei welchen?

Bis auf einen eleganten neuen Dress ward im Volkspark dieser Tage recht wenig Neues präsentiert.

HSV-Ikone Manni Kaltz befürchtete etwa in der Hamburger Morgenpost eine Abnickerentscheidung:

„Eine solche Situation hat es beim HSV noch nie gegeben. Früher waren die Kompetenzen klar abgesteckt - und wir hatten Erfolg. Ich weiß nicht, was man beim HSV heute will. Man muss befürchten, dass der neue Manager ein Abnicker wird. Denn wenn er Rückgrat hat, dürfte es neue Probleme geben. Er sollte sich seine Kompetenzen in den Vertrag schreiben lassen.“

Beim HSV scheint dieser Tage jedenfalls alles möglich zu sein. Womöglich wiegt das Ende der Beiersdorfer-Ära schwerer als die ganzen Pleiten im Frühling gegen Werder Bremen. Allmählich bekommt man Angst um Uwe Seeler.

Sonntag, 21. Juni 2009

Tonangeber

Um den neuen T(h)or der Woche wird derweil beim Confed-Cup in Südafrika viel Lärm gemacht. Die Vuvuzelas seien ein Ärgernis und trügen nichts zur Atmosphäre bei, echauffierte sich etwa Spaniens Star Xabi Alonso, der von der Liverpooler Anfield derlei Folklorehörner nicht gewohnt ist. Selbst FIFA-Boss Sepp Blatter hat das Getröte um die Tröte bereits mitbekommen und trompetete gegen die Tonangeber: „Sie machen ziemlich viel Lärm. Die Fifa ist durchaus besorgt über den Lärm, der auch im Fernsehen dauernd zu hören ist.“

Ob die beiden Herren das nachfolgende alte afrikanische Sprichwort kennen, nach dessen Interpretation die WM-Organisatoren bereits für das nächste Jahr die lauteste aller Weltmeisterschaften angekündigt haben. Dies klingt nämlich so: „Der Affe wird durch viel Krach erlegt.“ Wen es im Übrigen interessiert, Neuseeland vollbrachte gestern Abend eine historische Tat, trotzte bei einem wenig historischen 0:0 dem Irak und dem Getröte von den Rängen und heimste erstmals in der Geschichte des Konföderationenpokals einen Punkt ein. Nicht mehr als ein Gerücht ist allerdings , dass die Kiwis mit Ohrstöpseln angetreten sein sollen.

Über den neuen T(h)or der Woche