Sonntag, 30. November 2008

Black Babbel

Blickt man auf Markus Babbels Tage als Spieler zurück, erinnert man sich zwar einen durchaus erfolgreichen wie zuverlässigen Kicker. Doch so ein bißchen bieder kam der zuverlässige Herr Babbel doch immer etwas rüber, auch wenn er dereinst zu seinen allerbesten Tagen im deutschen Nationalteam sogar die Cruyffsche Numero 14 über die rechte Außenbahn trug. Dachte sich offenbar auch die BILD-Zeitung und verpasste dem einstigen Rechtsverteidiger nach seiner Inthronisierung beim VfB Stuttgart vom Assistenten von Ex-Coach Armin Veh zum VfB-Teamchef angesichts seiner Affinität zu schwarzer Kleidung den Spitznamen Black Babbel.

Meine Güte, auf eine gewisse kitschige Art und Weise lässt sich das sogar hören. Sehen lässt sich übrigens die Bilanz von Black Babbels Brustring-Boys nach dessen Debüt-Woche. Zunächst rangen die Schwabenam Donnerstag im UEFA-Pokal Sampdoria Genua ein unerwartetes 1:1-Remis ab. Dann bekam am heutigen Sonntag zusätzlich das schlingernde Schalke 04 mit Zwo zu Null eins auf die blau-weiße Mütze.

In der anschließenden Pressekonferenz überzeugte Babbel, der 96er Europameister und neue T(h)or der Woche, gleich im schönsten Teamchef-Sound und relativierte wider der im Ländle womöglich aufkommenden Black Babbel-Euphorie: „Trotz allem liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Riecht im übertragenen Sinne etwas nach „schaffe, schaffe, Häusle baue“. Jaja, Black Babbel beeindruckt...

Über den T(h)or der Woche

Don't look back in anger

Dieser Super-Sunday, wie es im gemeinsten DSF-Jargon heißt, war für die Gebrüder Gallagher, seines Zeichens unverwüstliche Edelsupporter von Manchester City, ja wohl richtig zum Abgewöhnen.

Da hieß es doch heute Mittag in Manchester Derby-Time und ausgerechnet Citys rastloser Robinho himself sprudelte im Vorfeld des Duells von United und City einem findigen Journalisten in den Notizblock, dass United ein Klub sei, den man auf der ganzen Welt kenne und dass Manchester United sein Lieblingsklub sei. Musste für die Gebrüder Gallagher und sämtliche City-Daumendrücker ja schon fast den Anschein haben, als hätte Robinho im Sommer nur deshalb mit ihren Citizens angebandelt, um an die hübschere Nachbarin United heranzukommen.

Gleichwohl, es kam noch schlimmer für die Gallaghers. Wayne Rooney drückte drei Minuten vor der Halbzeit des Derbys den Ball über die City-Torlinie, sorgte für den Treffer des Tages und damit für Citys Heimniederlage, die City selbst trotz 20-minütiger Überzahl in der zwoten Hälfte nicht verhindern konnte. Für die ollen Gebrüder Gallagher mag es da bei der schmerzlichen Rückschau auf diesen vermeintlichen Super Sunday nur heißen: Don't look back in anger...

Kein Klassiker

HOPPla! Empörte Gemüter im THOR WATERSCHEI-Klubhaus: die verehrten Damen und Herren von SPOX schaffen schon Klassiker aus der (Tastatur-)Retorte...

Sonntag, 23. November 2008

Richtiger Super Eagle

Die weite Welt des Fußballs kann bisweilen doch recht klein sein. Vor wenigen Wochen hätte beispielsweise der gute Ngemba Evans Obi, seines Zeichens Torsteher des zehntklassigen Kreisligisten SV Heimstetten II aus dem Speckgürtel Münchens, nicht vermutet, wie schnell ihn doch eine Nominierung für ein Länderspiel seines Heimatlandes Nigeria erreichen könnte.

Denn nach Absagen der drei etatmäigen Ersatzleute von Nigerias Stammkeeper Austin Ejide wegen Visa-Problemen schlug Ejide Glückspilz Obi für eine Nominierung für Nigerias anstehendes Gastspiel am letzten Mittwoch im kolumbianischen Cali vor. Da Nigerias Fußballverband es aussichtslos erschien , ein Visum für einen nicht in Europa beschäftigten Torwart zu beschaffen, folgte diesem Vorschlag sodann überraschend Nigerias Coach Shaibu Amodu und machte Obi damit zur nigerianischen Lars-Leese-Ausgabe.

Zu einem Einsatz kam Obi bei der 0:1-Niederlage zwar nicht, durfte sich gleichwohl als richtiger Super Eagle führen. Dass der kurze Ruhm dieser bewegenden Tage für Obi recht schnell vergeht, lässt sich übrigens auf der entsprechenden Wikipedia-Seite von Ngemba Evans Obi feststellen. Ziemlich erbsenzählerisch schrieb sich ein überkorrekter Wiki-Schreiber dort einen Löschantrag auf die Agenda, in dessen Begründung es wenig fußballromantisch heißt: Erfüllt momentan kein Relevanzmerkmal. Kein Profieinsatz, kein Länderspieleinsatz.

Im TW-Klubhaus gab es hierfür nur kollektives Kopfschütteln und für Ngemba Evans Obi, diesen nigerianischen Lars Leese, die Ernennung zum neuen T(h)or der Woche.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 22. November 2008

Wenn der Hahn kräht, kacken die Hennen

Morgen findet im hochmodernen Rund der Hamburger Uwe-Seeler-Kampfbahn das 167. Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen statt. Selbstredend, dass dies die Anhänger beider Klubs ziemlich elektrisiert. Im HSV-Mikrokosmos schart so mancher erfolgsverwöhnter HSV-Fan nicht nur wegen der Begegnung mit den ungeliebten Bremern ordentlich mit den Hufen.

Im HSV-Forum wird schon vor diesem 14. Spieltag von einigen ungeduldigen Skeptikern der erst seit dem Sommer diensthabende HSV-Coach Martin Jol durch Eröffnung des bezeichnenden Threads Jol Raus Oder Was? wie eine Sau durchs Dorf gejagt. Trotz Rang sechs in der Bundesliga mit direktem Kontakt zur Spitzengruppe, Auftaktsieg in der UEFA-Pokal-Gruppenphase, Erreichen des Pokalachtelfinales sowie offenbar schneller Überwindung des Van-der-Vaart-Syndroms.

So mancher Meinungsträger sah daher schon wieder eine neue Futterkrippe für die Presse entstehen. Manch anderer verging sich resignierend sogar Seite Jols stehend in apokalyptischen Anflügen nach zuletzt drei Auswärtspleiten: „Kein Trainer dieser Welt kann diesen Sauhaufen trainieren! Seit Jahren merkt man, dass diese jämmerliche Truppe kein Charakter hat, kein Arsch in der Hose und der einfach alles egal ist, außer der eigene Gewinn! Jol ist die ärmste Sau der Welt!

Andere wiederum sehen ihre Rothosen auf dem Boden der Tatsachen angekommen, während weitere Protagonisten „das Panikorchester mit dem allseits bekannten titel “ spielen hören. Diese orchestrale Panikschieberei könnte allerdings schnell ein Ende nehmen, sollte die Prophezeiung von User EwigHSV stimmen: „Es ist völliger quatsch zum jetzigen zeitpunkt mit einer trainerdiskussion anzufangen.am sonntag wird bremen weggehauen und alles ist wieder gut“.

Freitag, 21. November 2008

„Deutscher als Deutschland“

Deutschland - England, Eins zu Zwei. Soweit so gut. Doch über die rumpelige Vorstellung von Jogis vermeintlichen Löwen musste man erst einmal gut zwei Nächte überschlafen, bevor man sich nochmals mit nachfolgenden elf Impressionen aus dem Blätterwald martern kann.
1. „Terry leistet Wiedergutmachung und England strahlt. Capello hat England deutscher als Deutschland gemacht: Nur ein Team war effizient, stark und bissig in der Verteidigung - und das war nicht die Heimmannschaft.“ (INDEPENDENT)

2.
„Fabio feiert ein Traumjahr. Terry macht Durcheinander mit Carson wieder gut. Gut dass wir nicht unser A-Team geschickt haben, sonst wäre der 'alte Fritz' erniedrigt worden.“ (SUN)

3.
„Fabios Löwen-Welpen zeigen, dass sie es ernst meinen. Jetzt kann Capello die Welt angreifen, nachdem Terry den Sieg sicherte.“ (DAILY MAIL)

4.
„Terry macht seinen Schnitzer wieder gut und stürmt die Festung Berlin. Es unmöglich zu sagen, wohin Englands Reise unter Fabio Capello hinführen wird, aber ein Blick über die Schulter verrät, dass bereits eine große Strecke absolviert wurde.“ (GUARDIAN)

5. „Terry zeigt den fehlenden Stars, wie es gemacht wird. Was ein Jahr für einen Unterschied machen kann, was ein neuer Trainer für einen Wechsel herbeiführen kann. Unter Fabio Capello wächst etwas, das die Zukunft erhellt.“ (DAILY MIRROR)

6. „Ohne Ballack, ohne Ordnung.“ (FOCUS)

7. „Diesmal hatte der Klassiker keine Klasse.“ (WELT)

8. „Ohne Ballack und Lahm löwt's nicht rund“ (BILD)

9. „Zwei Sieger auf dem Sofa. Die deutsche Nationalmannschaft wurde im ewigen Klassiker gegen England phasenweise vorgeführt. Löws Experiment "Jugend forsch" ging bei der 1:2-Blamage gründlich daneben. Der aus deutscher Sicht so unangenehme Abend brachte vor allem eine Erkenntnis: Ballack und Frings sind für dieses Team unersetzlich.“ (STERN)

10. „Deutschland verabschiedete sich mit einer peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen eine englische Not-Elf in die Winterpause. Oh, no Jogi! Das war gar nichts.“ (EXPRESS)

11. „Überwältigt von Englands zweiter Garde. Was für eine Enttäuschung: Das deutsche Team spielte die schlimmste Halbzeit, die es unter Joachim Löw gab, und die Engländer ganz großartigen Fußball - mit ihrer B-Auswahl. Die Mannschaft von der Insel hat eine Revolution geschafft.“ (SPIEGEL)

Mittwoch, 19. November 2008

Wimpel-Wednesday # 13: FC Santos

Wimpel-Wednesday, 13. Folge. Heute wirds historisch an diesem 19. November. Denn anno 1969 schoss ein gewisser Pelé für seinen FC Santos den 1.000 Treffer (→ 1000-Tore-Trainer)seiner Karriere. Im Übrigen per verwandeltem Elfer gegen Vasco da Gama vor 120.000 Zuschauern im Maracanã-Stadion, nach dem in ganz Brasilien die Kirchenglocken läuten sollten.

Bei THOR WATERSCHEI läuten jetzt zwar keine Glocken. Dafür wird aber ein stilechter Santos-Wimpel mit watteartigem Fransengedöns in die TW-Wimpelecke gehängt.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Ohrenlangzieher?

Jogis Löwen wollen heute Abend im Berliner Olympiastadion den Three Lions die Ohren lang ziehen. Ganz im Gegensatz z. B. zu 1966...

Montag, 17. November 2008

Ende der Sendepause

Die zweitklassigen Duisburger Zebras können sich jetzt wahrscheinlich ab sofort auf etwas gefasst machen. MSV-Big Boss Walter Hellmich hat Peter Neururer von dessen Sofa geholt und dem schnauzbärtigen Trainerurgestein mit dem Lautsprecherhabitus nach dunkler Bommer-Ära die Zebra-Peitsche in die Hand gedrückt. Dass alles, nachdem Herr Neururer wohl geschätzte zwei Millionen Fliegen an seiner Wohnzimmerwand gezählt hat.

Nun soll der frühere Bochumer Eintänzer mit dem Feuerwehrmann-Etikett den Zebras ordentlich Beine machen und doch noch zum erhofften Bundesligaaufstieg treiben. Die vorläufige Sendepause des Lautsprechers ist damit mal wieder vorbei. Aus diesem Anlass ist THOR WATERSCHEI sich nicht zu schade, elf Neururerische Dampfplaudereien hervorzuwühlen.:

1. „Wir fahren hin, hauen die weg und fahren wieder zurück.“

2. „Ich bin ein Idealist. Wenn das Leben nicht so teuer wäre, würde ich alles umsonst machen.“

3. „Ich werfe 11 Trikots hoch - Wer eins fängt, darf spielen.“


4.
„Wir fahren ins Trainingslager - Ihr könnt schon mal Eimer zum Kotzen mitnehmen!“


5.
„Ich beherrsche die Verbalerotik.“


6. „Die Droge Fußball fasziniert und finanziert mich.“


7. „Ich bin ne Weichbirne!“


8. „Wir waren alle überzeugt, dieses Spiel zu gewinnen. So haben wir auch gespielt - In der ersten zweieinhalb Minuten.“


9. „In Offenbach brauchst Du eher einen Wohnwagen als eine Wohnung, so schnell bist Du wieder weg.“

10. „Warm gemacht hab ich mich wie Maradona, aber gespielt hab ich wie Katsche Schwarzenbeck.“ [HERR NEURURER ÜBER SEINE EIGENEN KICKER-QUALITÄTEN]

11. „Dass es im Trainerberuf leider nicht mehr um Qualitäten geht, ist richtig. Bei der Jobvergabe entscheidet die Reputation und nicht das Wissen. Trainingsprogramme, Analyse, Mannschaftsführung... Dieses ganze Know-How wird doch nirgends abgeprüft. Und da habe ich mal gesagt: Wenn es nach diesen Kriterien gehen würde, und wir dann ein Quiz machen würden, dann könnte ich mir Vereine aussuchen wie Real Madrid oder Bayern München.“

Sonntag, 16. November 2008

Outstanding

Goodbye! Der olle Andy Cole, mit 181 Treffern hinter Alan Shearer zweitbester Torschütze der englischen Premier League, hat in der vergangenen Woche ja beinah derart klammheimlich seinen Rücktritt erklärt, dass sein Stiefel-an-den-Nagel-hängen fast im alltäglichen Stakkato der Schlagzeilen untergegangen wäre.

Ironischerweise tat Cole dies bei Nottingham Forest, dem einstigen Europapokalsieger der Landesmeister. Wie Forest war Cole früher im Fußballmutterland eine richtig große Nummer und feierte während seiner 19-jährigen Profilaufbahn u. a. fünf englische Meisterschaften, zwei Pokalsiege und einen Champions League-Sieg.

Sowohl für Cole als auch für Forest änderten sich allerdings die Zeiten. Forest rangiert nach seinem Aufstieg aus der dritten englischen Liga in der zweiten englischen Division derzeit auf dem vorletzten Platz und hatte mit Goal King Cole eigentlich im Sommer einen Einjahresvertrag vereinbart. Nach elf torlosen Partien im roten Forest-Dress wurde der Kontrakt jedoch aufgelöst. Der inzwischen 37-Jährige erkannte offenbar die Zeichen der Zeit und erklärte sodann seinen Rücktritt.

Coles 12 Klubs lesen sich dabei wie das Who is Who des englischen Fußballs. Arsenal, Fulham, Bristol City, Newcastle, Manchester United, Blackburn Rovers, Manchester City, Portsmouth, Birmingham, Sunderland, Burnley und schließlich Nottingham Forest. Es fehlen in dieser tor- und titelreichen Vita eigentlich nur noch Stippvisiten bei Liverpool, Chelsea und Tottenham. Mit einer Stippvisite vergleichen lässt sich wohl ebenfalls Coles Laufbahn im englischen Nationalteam, die mit mickrigen 15 Einsätzen und einem Tor freilich wenig spektakulär verlief .

Statt als hochprofilierter Nationalkicker in die Ehrengalerie der Three Lions fügte sich Cole im Übrigen in eine ganz andere Ehrengalerie ein. In die Reihe jener englischer Profis um den unverwüstlichen Ober-Barden Chris Waddle ein, die es sich nicht haben nehmen lassen neben dem Rasenrechteck zusätzlich zum Mikro zu greifen und ohne Rücksicht auf fremde Ohren und sonstige Verluste verzichtbare Songs zu schmettern, zu rappen oder zu schnattern.

Andy Cole, den THOR WATERSCHEI zum neuen T(h)or der Woche ernennt, tat dies anno 1999. Offenbar euphorisch angeheizt von den drei Titeln, die er mit Manchester United in jenem Jahr gewann, veröffentlichte Cole die Single Outstanding, die zwar zum Ladenhüter avancierte. Das wird Mr. Cole sicher verkraftet haben, wenn man sich anschaut, wie viele Treffer Goal King Cole auf dem Rasenrechteck bekanntlich gelandet hat. Wie resümierte etwa ein kritischer YouTube-Kommentator mit der Treffsicherheit von Andy Cole in dessen besten Tagen: „Terrible song, brillant player.“



Über den T(h)or der Woche

Reale Krise

Hat es sich bei Real Madrid bald ausgeschustert? Die Spatzen pfeifen es ja quasi vom Dach des Bernabeus, dass sich Bernd Schuster nach dem Abrutschen auf Rang vier in der Meisterschaft und der gestrigen 0:1-Pleite bei Valladolid und der jüngsten Pokalblamage gegen einen Drittligisten offensichtlich seine künftigen Tage als Trainer von Real Madrid an einer Hand abzählen kann. Da ist bei den Königlichen wohl ein waschechter Feuerwehrmann notwendig. Bitter für Peter Neururer, dass er sich offenbar schon entschieden hat, ab sofort die wildgewordene Duisburger Zebra-Herde anzuführen.

Samstag, 15. November 2008

My Arsenal # 23: Arsène, ärgere dich nicht!

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Arsenal London besitzt in dieser Saison wahrlich die Qualitäten einer Wundertüte. Wurde am vergangenen Samstag beim bravourösen 2:1-Heimsieg gegen Manchester United (→ Nas(s)ri gemacht) noch gemeinhin mit Zunge geschnalzt und schossen die von Arsene Wenger unter der Woche im englischen Ligapokal losgelassenen Young Guns gegen Wigan noch ein Kanonade feinsten Fußballs ab, gab es heute nach den 90 Minuten gegen Aston Villa im Emirates Stadium lange Gesichter.

Dieses Emirates Stadium, als Bollwerk bekannt, eroberte Villa locker und leicht mit Zwo zu Null. Und all das gegen Arsène Wengers erste Garde, die noch Rooney, Ronaldo und Konsorten das Fürchten gelehrt hatte. Für Arsenal ist die Pole Position in der Premier League mit mittlerweile neun Zählern Rückstand schon fast Lichtjahre entfernt.

Dabei hatte Arsenals legendärer Eisenfuß Nigel Winterburn unlängst in seiner Mittwochs-Kolumne in der Islington Gazette davon geschwafelt, dass Arsene Wenger momentan fast nichts falsch machen könne. Doch Konstanz lässt sich schließlich nicht herbeireden. Auch nicht von Monsieur Wenger. Daher: Arsène, ärgere dich nicht.

Arsenal London - Aston Villa 0:2 (0:0))
Emirates Stadium London: 60.046 Zuschauer

Tore 0:1 Clichy (70.), 0:2 Agbonlahor (80.)

Arsenal: Almunia, Sagna (ab 71. Toure), Gallas, Silvestre, Clichy, Walcott, Fabregas, Denilson, Nasri, Diaby (ab 61. Adebayour), Bendtner (ab 68. Vela)

Aston Villa: Friedel, Cuellar, Laursen, Davies, Luke Young, Ashley Young, Sidwell, Petrov, Barry, Milner, Agbonlahor

Abschiedsspiel

Heute vor 30 Jahren feierte der Mann mit der Mütze, Helmut Schön, Abschied. Schön wurde im Vorfeld des Länderspiels gegen Ungarn im Berliner Olympiastadion offiziell vom DFB nach 14-jähriger Amtszeit und 139 Länderspielen (87 Siege, 30 Remis, 22 Niederlagen) als Bundestrainer verabschiedet. In Erinnerung geblieben sind selbstredend nicht nur die tollen Triumphe wie etwa der EM-Titel '72 oder der Gewinn der WM '74 und denkwürdige Niederlagen wie gegen die DDR, im Wembley-Finale, im Jahrhundertspiel gegen Italien oder das Cordoba-Fiasko. In Erinnerung bleiben sollte ebenfalls Schöns Philosphie des Spiels, denn die war wirklich schön:

„Fußball ist, auf seine Weise, ein spielerisches Modell unserer gesellschaftlichen Verhältnisse: so einfach, dass jeder es verstehen kann, so variationsreich, dass – wie im Leben – immer neue Konstellationen entstehen können.“

Donnerstag, 13. November 2008

WEISse Weste

Chapeau, Jogi Löw hat wahrlich ein Talent dafür, Überraschungen aus dem Hut zu zaubern. Am nächsten Mittwoch geht bekanntlich in Berlin gegen England und heute gab Herr Löw sein Aufgebot für das Prestigeduell im Olympiastadion bekannt, in dem sich drei Neulinge tummeln. „Wir wollen das letzte Spiel des Jahres noch einmal dazu nutzen, um das eine oder andere auszuprobieren." Einer von ihnen ist übrigens ein gewisser Tobias Weis, seines Zeichens Mittelfeldspieler von den 1899ern aus Hoffenheim. Klingelts?

Arbeitsnachweis dieser Saison? 12 Bundesligaspiele, in der Aufstiegssaison der 1899er in der zwoten Liga satte 15 Partien. Der kicker nannte Weis in Anlehnung an den ollen Gennaro Gattuso liebevoll Kampfzwerg und benotete ihn nach einem tollen Derbykick gegen den KSC vor wenigen Wochen mit 1,5. Am letzten Sonntag bei der 0:1-Pleite wurde Weis übrigens in der 68. Minute eingewechselt. Ist es jetzt reaktionär zu fragen, ob Herr Borowski aus terminlichen Gründen am Abend des England-Länderspiels verhindert war?

Mittwoch, 12. November 2008

Wimpel-Wednesday # 12: FC Metz

Wimpel-Wednesday, 12. Folge. Dass sich Franck Ribery vor gut vier Jahren noch beim FC Metz verdingte, ist kaum zu glauben. Der fußballerische Leuchtturm Lothringens hat zwar einst den großen Robert Pires in die weite Welt des Fußballs geschickt, war jedoch zumeist Stammgast im Fahrstuhl zwischen der ersten und zweiten französischen Liga. Wie zum Beispiel im vergangenen Sommer, als die Granatroten mal wieder aus der Ligue Un abstiegen.

Gestern gab es gleichwohl im französischen Ligapokal endlich mal wieder bei dem Klub, für den der KSC-Edelholzfäller der Neunziger, Gunter Magic Metz, leider nie die Stiefel geschnürt hat, ein echtes Highlight zu bejubeln. Bei Olympique Lyon, Frankreichs Serienmeister, siegte Metz glatt mit 3:1 und durfte sich nach den erfolgreichen 90 Minuten im gefürchteten Stade Gerland ziemlich stolz auf die Schenkel klopfen.

Diesen Triumph will auch THOR WATERSCHEI würdigen. Mit einem kurzen Dank an Wimpeleinsender Carsten Pilger wird daher ein recht schlicht gehaltenes Wimpelexemplar des FC Metz , auf dem offenbar der Fokus vollkommen auf die Ausstellung der kompletten Pokalvitrine des Traditionsklubs gelegt wird, in die TW-Wimpelecke gehängt.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

I prefer bowling

Prince Charles, der ewige britische Thronfolger, feiert Freitag seinen 60. Geburtstag. Mit dem runden Leder hatte der Jubilar in seinen sechs Jahrzehnten seines bisherigen Lebens ja nicht allzu viel am Hut. Und dass im Fußball-Mutterland mag sich so mancher kritische Geist nun denken. Ganz im Gegensatz im Übrigen zu seiner Mum, die ihre königlichen Daumen angeblich Arsenal halten soll.


„I prefer bowling“, soll Charles einmal auf seine Beziehung zum Fußball angesprochen lakonisch geantwortet haben. Das hielt dereinst jedoch nicht ab, seinen Kaffee aus einer stilechten Liverpool-Tasse zu trinken. Ob da jemand etwa eine kleine Leidenschaft (→ Von den Kötern gebissen) geheim halten wollte? Für den Prince of Wales heißt es daher wohl liverpoolesk: You'll never drink alone...

Sonntag, 9. November 2008

My Arsenal # 22: Nass(ri) gemacht

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Regen und London gehören bekanntlich zusammen. So an die 200 Regentage sollen es laut kühnster Regenstatistiken in der englischen Kapitale pro Jahr geben. Ein typischer Regentag war im Übrigen auch am gestrigen Samstag. An diesem empfing Arsenal London, das schließlich ebenso wie der Regen oder Big Ben zu London gehört, Manchester United. Sowohl die Gunners als auch ManU waren vor dieser Spitzenpartie der 12. Premier League-Runde auf einen Dreier angewiesen, sollte der Rückstand zum Führungsduo Chelsea und Liverpool nicht weiter anwachsen.

In dem temporeichen Kick standen jedoch letztlich die Gäste aus Manchester in Londoner Regen. Verantwortlich hierfür war ein Doppelschlag von Arsenals Samir Nasri, dank dessen die Mannen von Sir Alex Ferguson nass gemacht werden konnten. Dem knorrigen Schotten wird sich wahrscheinlich nicht damit trösten lassen, dass angeblich in Schottland rund 300 (!) Begriffe existieren sollen, die dazu dienen, sämtliche vorherrschende Regenarten zu beschreiben.

Arsenal nahm jedenfalls dank des wichtigen Sieges ManU den dritten Rang ab und hat laut Monsieur Wenger die Kritiker, die sogar angesichts der Launen der Gunners-Eleven vereinzelt ein Ende der Ära Wenger heraufbeschworen, zum Schweigen gebracht. Was mitunter wohl ebenso ein sogenanntes nass machen, bedeuten kann.

Arsenal London - Manchester United 2:1 (1:0)
Emirates Stadium London: 60.106 Zuschauer

Tore 1:0 Nasri (22.), 2:0 Nasri (48.), 2:1 Da Silva (90.)

Arsenal: Almunia (ab 78. Fabianski), Sagna, Gallas, Silvestre, Clichy, Walcott (ab 77. Song Billong), Fabregas, Denilson, Nasri, Diaby (ab 86. Toure), Bendtner.

Man Utd: Van der Sar, Neville (ab 63, Rafael Da Silva), Ferdinand, Vidic, Evra, Ronaldo, Anderson (Gab 72. Giggs), Carrick, Park, Rooney (ab 77. Tevez), Berbatov

Vaduz

Littbarski in Liechtenstein! Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt. Littis Entscheidung, das Angebot des FC Vaduz , Liechtensteins Vorzeigeklub, anzunehmen, ist jedoch gewissermaßen folgerichtig für die Tingeltour Littbarskis über die Trainerbänke der weiten Welt des Fußballs, die ihn via Japan, Australien, Leverkusen, Duisburg-Meiderich, zuletzt Iran nun ins Alpen-Fürstentum geführt haben.

Beim FC Vaduz, der seit seinem sommerlichen Aufstieg in der erste Schweizer Division, in die sagenumwobene Axpo Super League, kickt, wurde Littbarski als Nachfolger des erfolglosen Schweizer Rekordinternationalen Heinz Hermann zum Teamchef ernannt, der laut der entsprechenden Pressemitteilung des Klubs „die Funktionen des Sportdirektors und Cheftrainers gleichzeitig übernimmt“. Lässt sich ja wohl auf eine gewisse Weise hören, oder? Zumal der kleine Litti von Vaduz' Präsidenten Schädler nach seiner Schilderhebung zusätzlich als „große Lösung“ gepriesen wurde.

Fremdschämen war dagegen bei der Lektüre der stiefmütterlichen Abarbeitung des Klubs von Littbarskis Trainervitain in jener Presseinfo angesagt. So vergaß der gute FC Vaduz freilich nicht jede von Littis Stippvisiten als Trainer kurz und knackig zu erwähnen. Als kleine Kompensation für die offensichtlich nicht recherchierten Meistertitel Littbarskis in Japan und Australien ließ es sich der FC Vaduz allerdings nicht nehmen, die promentesten Trainer aufzuzählen, die Littbarski in seinen aktiven Tagen begleitet haben. Insofern kann sich der FC Vaduz ab sofort damit rühmen, einen Teamchef engagiert zu haben, der dereinst Franz Beckenbauer als Teamchef hatte.

Der 90er Weltmeister verlor sein heutiges Premierenspiel zwar im heimischen Rheinpark-Stadion mit Null zu Zwo gegen den FC Basel, kann sich gleichwohl mit der Ernennung zum neuen T(h)or der Woche etwas trösten. Denn so viele Protagonisten aus der weiten Welt des Fußballs, die dereinst Franz Beckenbauer als Teamchef hatten und zum T(h)or der Woche ernannt worden sind, existieren beileibe noch nicht.

Über den T(h)or der Woche

Freitag, 7. November 2008

Yes, we can

Yes, we can“, dachte man sich offensichtlich recht wagemutig bei West Ham United. Denn wie sich auf dem gut informierten Webportal der BBC nachlesen lässt, beabsichtigt der Traditionsklub aus dem Londoner East End Barack Obama, wenn dieser das nächste Mal im Fußballmutterland zu Gast ist, zu einem West Ham-Heimspiel einzuladen.

Anlass für die Hammers auf den fahrenden Obama-Zug zu springen, ist eine Stadionvisite Obamas im Upton Park, die er während eines Urlaubs bei seiner in London lebenden Halbschwester anno 2003 durchführte. Die Sun hatte die Geschichte schon im Januar aufgewärmt und orakelt, ob vielleicht irgendwann die West Ham-Hymne I’m Forever Blowing Bubbles von Obama inbrünstig geschmettert aus dem Westflügel des Weißen Hauses ertönen könnte. Doch vielleicht ist Obamas West Ham-Platte schon ausgespielt, bevor sie richtig aufgelegt wird.

Denn der englische West Ham-Blogger Iain Dale, der in seinem Hammers Diary angeblich das Gras des Upton Parks wachsen hört, wusste in diesem jüngst über „Bad news on Obama“ zu berichten. Angesprochen auf seine vermeintliche West Ham-Daumendrückerei, soll der designierte US-Präsident diese nämlich einfach dementiert haben. Von wegen also I’m Forever Blowing Bubbles oder gar West Ham till I die...

Teuflischer Plan


Mittwoch, 5. November 2008

Wimpel-Wednesday # 11: FC Basel

Wimpel-Wednesday, elfte Ausgabe. Der Eidgenosse Hans Gamper gründete 1899 den FC Barcelona. Der Legende zufolge stand der FC Basel mit seinen rot-blauen Farben als Vorbild für die Vereinsfarben der Katalanen sozusagen Modell. Ganz belegbar scheint dieser Mythos jedoch nicht, verweisen Kritiker dieser Theorie doch glatt auch auf Gampers so genannten Heimatverein FC Zürich als vermeintliche farbliche Inspirationsquelle für die Barca-Kluft. Belegbar ist gleichwohl, dass der FC Basel gestern Abend in der Champions League einen Paukenschlag landete.

Es gab ein Eins zu Eins, ausgerechnet im Camp Nou beim FC Barcelona. Farbenlehre hin, Farbenlehre her. Trotz jeweils rot-blauer Kluft strahlen beide Klubs natürlich dennoch nicht die gleiche Couleur aus, wenns um den allgemeinen internationalen Knieschlotterfaktor geht. Durch das ehrwürdige Remis im Camp Nou, hat es sich der FC Basel aber redlich verdient, dass ein schnörkelloses Wimpelexemplar des FCB in die THOR WATERSCHEI-Wimpelecke gehängt wird.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Rasenallergie!

Am 5. November, dem Tag, an dem unter anderem der große César Luis Menotti (→ 69er) sein 70. Lebensjahr vollendet, wird Mike Hanke tatsächlich ein Vierteljahrhundert alt. Schalke, Wolfsburg, Hannover und dereinst zu 06er Sommermärchenzeiten sich im Dunstkreis der Nationalelf bewegend. Das sind wohl die größten Karrierebrocken, die bei Mike Hanke sofort aufblinken. Aber, dass Herr Hanke über eine Rasenallergie (!) verfügt, wie die gnadenlose WELT mal aufdeckte, ist doch schon recht bemerkenswert. Von einer kurzen Stippvisite in der Reklamebranche als LIDL-Werbeikone mal ganz abgesehen.

Dienstag, 4. November 2008

Bonhofs Abschiedsblues

Der FC Chelsea hat Rainer Bonhof den Job als Talentscout gekündigt. THOR WATERSCHEI mit einer augenzwinkernden Hommage an den inzwischen 56-Jährigen, der eine schier unbeachtete Karriere als Titelsammler hinter sich hat.

Was macht eigentlich...Rainer Bonhof? Ganz ehrlich? Rainer Bonhof wurde vorgestern Opfer von einem der größeren Treppenwitze der jüngeren Fußball-Geschichte. Wer es noch nicht mitgebekommen hatte: vor gut zwei Jahren engagierte der finanziell so potente Chelsea Football Club den 74er Weltmeister mit den niederländischen Wurzeln als Talentspäher und versah ihn mit der Zuständigkeit für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Diese Nachricht wanderte eher gemächlich durch die Gazette, veranlasste seinerzeit dennoch in einem Fanforum von Red Bull Salzburg (!) skeptische Geister zu einem gepflegten Bad in Selbstironie: „Wo? Bei uns? Hoffentlich nimmt er sich viele interessante Bücher ins Stadion mit.“ Mittlerweile ist nun recht viel Wasser durch die Themse geflossen und Bonhofs letzte Messe als Chelsea-Scout definitiv gelesen.

Denn der Abramowitsch-Klub, der sich in den letzten Jahren nicht ganz billige Transferbratwürste wie die Herren Schewtschenko oder Boulahrouz gönnte, dreht das englische Pfund anlässlich der globalen Finanzkrise plötzlich zweimal um und hat gleich 15 seiner 25 Scouts, inklusive Rainer Bonhof, vor die Tür gesetzt. Nur, wussten Romans Vasallen eigentlich, wem sie da den Kick durch die Vordertür gaben? Frei nach Dittsche, einem wahren Titel-Titan.

Immerhin jemanden, der zu aktiven Zeiten, nicht nur Gerd Müller im 74er WM-Finale die Vorlage für dessen Siegtor gegen Cruyff & Co. gegeben hat. Zuzüglich zu diesem WM-Sieg und dem Gewinn zweier Europameisterschaften (als einsatzloser Reservist) sammelte Bonhof mit Borussia Mönchengladbach und dem FC Valencia vier deutsche Meisterschaften, jeweils einen deutschen und spanischen Pokalsieg sowie zwei Europapokalsiege. Oberflächlich erbsengezählt sind das elf stolze Titel, inklusive des 96er EM-Triumphes als Bertis Adlatus gar ein Dutzend.

Gut, in der Pokalvitrine Chelseas wacker nachgezählt, kommt man auf die zunächst durchaus nicht zu verachtende Zahl von 19 Preisen und Trophäen. Doch, mal ehrlich. Reduziert um die zehn nicht so bedeutungsschwangeren Triumphe im englischen und europäischen Supercup, in der anglo-Version des Ligapokals oder weiteren kruden Pokalauflagen aus dem Fußballmutterland, bleiben nur noch zwei Europapokalsiege, vier FA Cup-Triumphe und drei mickrige Meisterschaften, mithin neun Titelchen übrig.

Wenn man mit naiven wie augenzwinkerndem Blick so will, hat Chelsea also mit Bonhof gerade demjenigen den Abschiedsblues gespielt, der Chelsea dank toller Talentempfehlungen unter die Arme hätte greifen können, hyperteuren Transferflops goodbye zu sagen und damit das Pfund nicht doppelt umdrehen zu müssen. Vor allem hätte eines jener Bonhof-Talente dazu beitragen können, dass der Chelsea Football Club sich der obigen Titelmarke seines deutschen Ex-Spähers wieder etwas näher heranpirscht.

Angeblich will Bonhof nun wieder auf die Trainerbank zurückkehren. Im fernen Baku (→ Auf nach Aserbaidschan) soll sich daher ein alter Gladbacher Kumpel Bonhofs laut unbestätigten Gerüchten schon längst die Hände reiben. Für diesen Kumpel gilt im Übrigen aus aufmunternder Perspektive ebenso wie für Bonhof selbst der Titel von Bonhofs 119-seitiger Biographie in Taschenbuchform wohl derzeit mehr denn je. So ließ Bonhof doch bereits anno 1982 mit unverhohlener terrierhafter Anspielung auf diesen im fernen Baku weilenden alten Gladbacher Kumpel titeln: So habe ich mich durchgebissen. Also, do it again!

Montag, 3. November 2008

Linksliegenlasser?

Löw lässt Lehmann links liegen:
„Wir müssen unsere Länderspiele dazu nutzen, damit unsere jüngeren Torhüter möglichst viel Spielpraxis in der DFB-Auswahl auf internationaler Ebene sammeln können. Sicher wäre es für Jens schön gewesen, nochmals im Nationaltrikot aufzulaufen. Gerade gegen England, wo er fünf Jahre für Arsenal gespielt, und auch im Berliner Olympiastadion, wo wir ihm im WM-Viertelfinale gegen Argentinien das Weiterkommen im Elfmeterschießen zu verdanken hatten. Die sportlichen Planungen für die bevorstehenden Aufgaben haben jedoch Priorität.“

Dann macht es bumm



Dann macht es bumm, ja dann kracht's und alles schreit, der Müller macht's, dann macht es bumm, dann gibt's ein Tor und alles schreit dann Müller vor!“

Das war wohl Gerd Müllers einziger Treffer, den er nicht versenkt hat. Sei es drum, der Bomber der Nation wird heute 63, THOR WATERSCHEI gratuliert aufrichtig wie gerührt.

Sonntag, 2. November 2008

Kein Quantum Trost

Sieht Timo Hildebrand trotz blue eyes und blondem Haarschopf aus wie James Bond? Nein! Kann Timo Hildebrand Wunderdinge in seinem Torwartkasten vollbringen wie der britischen Superagent in seinen Streifen? Nein! Gut, verlassen wir die Bühne der hanebüchenen wie peinlichen Vergleichsversuche von Timo H. mit James B., wobei eine Vokabel aus dem Bond-Universum auf Herrn Hildebrand passt: geschüttelt! Hildebrand ist geradezu durchgeschüttelt worden von seiner waghalsigen Karriereplanung, einst seinen betonsicheren Stammplatz bei seinem Stuttgarter VfB fahrlässig aufzugeben.

War es Selbstüberschätzung, das große Geld beim FC Valencia? Was suchte Herr Hildebrand? Eine Spur Glamour, die in der schwäbischen Bedächtigkeit nicht existierte? Etwa der Gedanke bei dem spanischen Spitzenklub zu einem internationalen Topstar zu erwachsen, an dem Jogi Löw nicht mehr vorbei kann? Pustekuchen. Es wird wahrscheinlich von allem etwas gewesen sein. Mittlerweile scheinen die Tage Hildebrands als Portero des FC Valencia jedenfalls gezählt. Wie schrieb er jüngst einsichtig vor einem „Treff mit den Chefs“ auf seiner Homepage:
„Ich bin Profi genug um nachvollziehen zu können, dass unser Trainer keine Notwendigkeit zum Torwartwechsel sieht. Schließlich sind wir mit Valencia ungeschlagen an der Tabellenspitze. Es läuft prima für den Klub. Was aber nichts daran ändert, dass ich unzufrieden bin mit meiner eigenen aktuellen sportlichen Situation. Denn die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass der Klub mittlerweile keine Verwendung mehr für mich hat, ich keinerlei Feedback seit dem ersten Ligaspiel bekommen habe und im Kader keine Rolle spiele. Ich habe versucht die letzten zwei Monate gut zu trainieren,mich anzubieten, mich nicht hängenzulassen, aber es ist nur logisch, dass ich manchmal schlecht drauf war, alles andere als gut gelaunt.“
Spaniens Presse, vor allem die Gazette Marca, spekuliert bereits, dass Hildebrand im Januar im Falle einer Rückkehr in die Bundesliga ablösefrei gehen dürfe. Von THOR WATERSCHEI gibt es jetzt kein Mitleid, erst Recht kein Quantum Trost, lediglich die Ernennung Hildebrands zum neuen T(h)or der Woche. Im Übrigen inklusive des Tipps, dass sich Hildebrand nach fünf tollen Partien zwischen den Pfosten der TSG Hoffenheim dank aufkommender Frühlingsgefühle 1899-prozentig für Jogis ideale Nummer eins halten könnte.

Über den T(h)or der Woche

My Arsenal # 21: Irischer Katemann

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Man konnte sich bis gestern Abend die Nase reiben, wie man wollte. Man kam beim spontanen Brainstorming darüber, ob der kontinentale Fußball gegenüber dem Kick im Mutterland des Fußballs auf den ersten Blick noch eine unbesetzte Nische in der Hinterhand hat, einfach zu keinem wirklichen Ergebnis. Nach Arsenals gestriger 1:2-Niederlage am 11. Spieltag der Premier League bei den so genannten Erben von Stan Matthews, den Kickern des Aufsteigers Stoke City, brachte der 32-jährige Ire namens Rory Delap jedoch Licht ins Brainstorming-Dunkel.

Dem Inselkick fehlte bisher offenbar eine Art Harald Katemann. Also jemanden with an outstanding long throw-in ability, wie es im schönsten englischen Fachsound heißt. Eine Spezies wie der einstige Düsseldorfer Einwurfkönig, der in den Neunzigern Jahre aus schnöden Einwürfen messerscharfe Flanken zaubern konnte. Rory Delap verkörpert also diese Ausgabe von Harald Katemann und bereitete gestern etwa bei Stokes Überraschungssieg gegen das hochfavorisierte Arsenal beide Treffer seine Klubs vor - selbstredend per Einwurf, weshalb ihn die Sun sogleich huldvoll als ROR THE MAN feierte.

Stoke-Coach Tony Pulis ist dabei der Hype auf der Insel um seinen long throw-specialist, dem Chelsea-Coach Scolari schon mal ins Stammbuch schrieb, dass dessen Einwürfe stärker als seine Schüsse seien, ganz Recht. Denn der Hype um Delaps bombs, mit denen er in dieser Saison für Stoke schon so manches Tor vorbereitet hat, trügen laut Pulis dazu bei, dass sich Stokes Gegner bevor Delaps tatsächlich einwerfe schon zu Tode ängstigten...

Arsene Wenger werden Delaps Fertigkeiten indessen weniger gefallen haben. Nach der bereits dritten Saisonniederlage gegen einen Underdog haben die Gunners als Vierter schon fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Chelsea und müssen selbst allmählich zum großen Wurf auf die Spitze der Premier League ansetzen.

Stoke City - Arsenal London 2:1 (1:0)
Britannia Stadium Stoke: 26.704 Zuschauer

Tore: 1:0 Fuller (11.), 2:0 Olofinjana (73.), 2:1 Clichy (90+4)

Stoke: Sörensen, Griffin, Abdoulaye Faye, Shawcross, Higginbotham, Amdy Faye, Olofinjana, Diao (ab 78. Whelan), Delap, Fuller (ab 86. Cresswell), Sidibe (ab 90. Kitson).

Arsenal: Almunia, Sagna (ab 57. Walcott), Toure, Silvestre, Clichy, Denilson (ab 65. Van Persie), Fabregas, Song Billong, Diaby, Adebayor (ab 72. Vela), Bendtner.

Samstag, 1. November 2008

111

Die mittlerweile 111-jährige Geschichte von Juventus Turin ist wahrlich wechselhaft. Der Rekordmeisternimbus, Dino Zoff, die Magath-Bogenlampe, Heysel, Manipulationsskandal et cetera. Doch seit diesem Manipulationsskandal will die „Alte Dame“ einfach nicht mehr so ansehnlich wirken wie ehedem -frei nach: Mit allen Abwassern gewaschen oder it tastes like Pippo Inzaghi, auch wenn dieser seit 2001 den Juve-Dress gar nicht mehr trägt.

Anlässlich des heutigen Grüdungstages hat TW aus den Weiten des Netzes eine kleine Anekdote aus der langen Juve-Geschichte herausgekramt, die die vecchia signora wieder in ein ehrwürdigeres Licht stellen soll.

Sie handelt von dem Waliser John Charles. Charles schnürte von 1957 bis 1962 die Stiefel für Juve und erwarb sich dort ob seiner fußballerischen Qualitäten und seines gentlemanliken Sportsgeistes einen derart guten Ruf, dass er als erster Nichtitaliener in die italienische Hall of Fame aufgenommen wurde und man ihn Mitte der Neunziger sogar zum besten Ausländer kürte, der jemals in der Serie A gespielt hat.

Von jenem John Charles ist jedenfalls überliefert, dass er in seiner ersten Saison im Juve-Dress im Turiner Lokalderby zwischen Juve und den ungeliebten Nachbarn vom AC Torino, ganz Gentleman, nach einem Foul auf ein sicheres Tor verzichtet hat. Der betreffende Kommentar* von Charles zu seiner „Tat“:
„Ich wollte sie ja in meinem ersten Turiner Derby nicht fertigmachen, aber leider traf ich unglücklicherweise den centre-half (Libero) mit meinem Ellbogen und knockte ihn aus. Jetzt hatte ich nur noch den goalie (Torwart) vor mir, aber es erschien mir nicht fair, also trat ich den Ball ins Seitenaus, sodass der fella (Kumpel) behandelt werden konnte.“

Vielleicht würde eine so genannte Neuauflage im Juve-Dress des 2004 verstorbenen John Charles dem Ansehen der vecchia signora tatsächlich gut tun.

*Quelle: Wikipedia