Freitag, 31. Oktober 2008

Mr. Sliding Tackling

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Glenn Hysén.

Die schwedische Verteidigerlegende Glenn Hysén und der dieser Tage allgegenwärtige Diego Maradona haben erstaunlicherweise gleich drei Dinge gemeinsam. Zum einen wurden beide am 30. Oktober geboren. Zum anderen waren sie in ihrer Hauptschaffenszeit in den Achtzigern jeder in seinem Ressort wunderbare Solisten. Über die Ballfertigkeiten des neuen argentinischen Nationaltrainers braucht man dabei kaum Worte zu verlieren. Hysén hingegen war ein wahrhaftiger Sliding Tackling-Solist.

Kaleidoskop der überragenden Fähigkeiten Hyséns ist ein Qualifikationsmatch für die WM 1990 im Herbst '88, welches Hysén mit seinen Schwedenhappen ins Londoner Wembley-Stadion führte. Dort berannten die von Gary Lineker angeführten Engländer fast pausenlos den Kasten des schwedischen Torwarts Ravelli, erreichten diesen jedoch fast gar nicht. Denn jener Glenn Hysén, mit der Kapitänsbinde um den linken Arm und der blauen Nummer drei auf dem gelben Trikot der Tre Kronors, avancierte zum so genannten schwedischen Turm in der Schlacht.

Hysén lief den Hausherren reihenweise die Bälle ab und ließ ein mindestens halbes Dutzend Mal seine Grätschqualitäten aufblitzen. Ohne dabei auch nur im Ansatz Foul zu spielen. Wie etwa im zweiten Abschnitt, als er dem einschussbereiten Lineker im schwedischen Sechzehner schon beinah virtuos grätschend das Leder abluchste und sogleich den Gegenangriff einleitete.



Alt sah Hysén, der damals für den AC Florenz in der Serie A spielte, eigentlich nur etwas wegen seines so genannten grau melierten Schopfes aus und empfahl sich bei seinem persönlichen Sliding Tackling-Festival an diesem milden Abend im Herbst '88 offenbar nachhaltig den Spähern des FC Liverpool, dessen roten Dress er ab dem darauffolgendem Sommer tragen sollte. Und das alles in einer Zeit, als das strenge Reglement erlaubte, lediglich zwei Ausländer in der ersten Elf aufzubieten.

Neben seinen Gastspielen in Florenz und Liverpool stand Hysén im Ausland zudem in Diensten des PSV Eindhoven, ungeachtet seines Karrierestarts Ende der Siebziger beim IFK Göteborg und einer zwischenzeitlichen Rückkehr Mitte der Achtzigern zu dem schwedischen Rekordmeister, in dessen Ahnengalerie Hysén natürlich noch heute eine große Nummer ist. Anderthalb Jahrzehnte nach seinem Karriereende beschränkt sich Hysén allerdings nicht auf den Legendenstatus allein. Wie auf YouTube zu beobachten ist, kriecht er bisweilen im Rosenborg Trondheim-Trikot durch Fußballstadien, wird weiter in schwedischen Liebesliedern besungen oder nimmt mitunter gerne selbst als Drittel von Gesangstrios das Mikrofon in die Hand.

Hauptsächlich gibt Hysén, den THOR WATERSCHEI in seine Galerie der Eisenfüße aufnimmt, dagegen als Fußball-Experte im schwedischen Fernsehen seinen Senf zu wichtigen und weniger wichtigen schwedischen Fußballspielen ab und kehrt damit irgendwie zu seinen Verteidigerwurzeln zurück. Denn diese Senfabgeberei hat bekanntlich in gewisser Form auch etwas mit knallhartem Dazwischengrätschen zu tun...

Donnerstag, 30. Oktober 2008

My Arsenal # 20: 4:4

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Die Islington Gazette sollte heute am Tag nach dem Vier zu Vier-Krimi im Londoner Emirates Stadium von einem der unzweifelhaft besten North London Derbys überhaupt schreiben. Nur fühle sich das Remis für Arsenal wie eine Niederlage an, nachdem man den Spurs doch noch erlaubt habe, einen Punkt zu entführen und verwies bezeichnend auf Arsene Wengers aschfahles Gesicht nach dem Last-Minute-Ausgleich durch Aaron Lennon.

Nach dem Startsieg gegen Bolton und diesem Paukenschlag hätte der Auftakt für Harry Redknapp (→ Audere est Facere) an der White Hart Lane durchaus schlechter laufen können. Auch wenn die Laterne, die Tottenham zurzeit in der Premier League mit sich herumtragen muss, so rot leuchtet wie Redknapps dicke Backen...

Arsenal London - Tottenham Hotspur 4:4 (1:1)
Emirates Stadium London: 60.043 Zuschauer

Tore 0:1 Bentley (13.), 1:1 Silvestre (37.), 2:1 Gallas (46.), 3:1 Adebayor (64.), 3:2 Bent (67.), 4:2 Van Persie (68.), 4:3 Jenas (89.), 4:4 Lennon (90.)

Arsenal: Almunia, Sagna, Silvestre, Gallas, Clichy, Walcott (ab 75. Eboue ), Fabregas, Denilson, Nasri (ab 88. Song Billong ), Van Persie (ab 81. Diaby ), Adebayor.

Tottenham: Gomes, Hutton (ab 79. Gunter ), Corluka, Woodgate, Assou-Ekotto, Bentley, Modric, Jenas, Huddlestone, Bale (ab 55. Lennon ), Pavlyuchenko (ab 65. Bent)

Fiesta mit Diego

Diego Armando Maradona, der Filou, wird heute 48 Jahre alt. Im Sinne eines offenbar vorgezogenen Geburtstagspräsents wurde DM von dem argentinischen Fußballverband AfA (Agentur für Arbeit?) nun tatsächlich zum neuen Nationaltrainer Argentiniens ernannt. Ja, man fragt sich, wem man jetzt aufrichtig hierzu gratulieren sollte, Senor Maradona oder Argentiniens Fußballfunktionären.

So oder so könnte für Argentinien eine gewaltige Fiesta mit DM bevorstehen. Denn THOR WATERSCHEI wurde nun ein noch völlig inoffizieller elf Punkte umfassender Masterplan zugespielt, mit Hilfe dessen DM Argentinien angeblich 2010 zum Weltmeister machen will. TW stellt diese elf Maßnahmen augenzwinkernd vor:

1. Diego beabsichtigt, selbstredend alle seine Spieler mit der Nummer zehn auflaufen zu lassen, damit die Gegner vor Ehrfurcht erstarren.

2. Diego beabsichtigt, alle seine Spieler zur Ergänzung der Maßnahme der Ziffer 1 selbstredend zudem mit seinem Namen auflaufen zu lassen. Selbstredend, damit die Gegner vor Ehrfurcht erstarren.

3. Diego beabsichtigt, seine Spieler anzuweisen, die Hand Gottes lediglich dann zum Einsatz zu bringen, wenn es unbedingt erforderlich ist. Beispielsweise bei Flanken in den Strafraum.

4. Diego beabsichtigt, Carlos Tevez den schwarzen Haarschopf blond färben zu lassen, um Argentinien einen zweiten Claudio Canniggia zu kreieren.

5. Diego beabsichtigt, für die kommende WM in Südafrika Mario Kempes und Jorge Burruchaga ungeachtet deren Alters zu reaktivieren, um erfahrene Schützen siegbringender argentinischer WM-Endspieltore in der Hinterhand zu haben.

6. Diego beabsichtigt, bei der FIFA zu beantragen, während seiner Amtszeit nicht gegen Brasilien spielen zu müssen, um als erster gegen Brasilien ungeschlagener Nationaltrainer Argentiniens in die Geschichte einzugehen.

7. Diego beabsichtigt, stets selbst die Seleccion aufzustellen und bei jedem Training eine Trillerpfeife in der Hand zu halten.

8. Diego beabsichtigt, vor jedem Spiel in der Kabine von seinen Spielern selbstredend die zehn Gebote, inklusive des Diego Unser, der
Iglesia Maradoniana aufsagen zu lassen.

9. Diego beabsichtigt,seinen angehenden Schwiegersohn Sergio Agüero selbstredend mit einer kleinen Stammplatzgarantie auszustatten.

10. Diego beabsichtigt, sich selbstredend vorzubehalten, sich in jedem Spiel einwechseln zu können.
[Schließlich wäre eine Rückkehr ins Trikot der Albiceleste ansonsten nicht möglich gewesen.]

11. Diego beabsichtigt, sich selbstredend vorzubehalten, im Falle des anzunehmenden WM-Sieges in Südafrika den WM-Pokal selbstredend als Erster aus den Händen von Sepp Blatter zu empfangen.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Wimpel-Wednesday # 10: 1. FC Magdeburg

Wimpel-Wednesday, zehnte Ausgabe. In Magdeburg herrscht dieser Tage Trauer. Die Magdeburger Trainerlegende Heinz Krügel verstarb am Montag nach langer Krankheit in der Magdeburger Universitätsklinik im Alter von 87 Jahren. THOR WATERSCHEI kondoliert daher mit einem FCM-Wimpel für die TW-Wimpelecke, der über den noch immer größten Erfolg der Magdeburger Vereinshistorie informiert.

Der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger anno 1974. Trainer war damals übrigens Heinz Krügel, der übrigens zwei Jahre nach diesem Triumph vom DDR-Verband auf Lebenszeit gesperrt wurde, nachdem er sich gegenüber den zuständigen SED-Schergen weigerte, bei einem Europapokal-Gastspiel des FC Bayern die Kabine von Beckenbauer & Co. zu verwanzen.

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Audere est Facere

White Hart Pain: Tottenham Hotspur verlebt derzeit den schlechtesten Saisonstart der 126-jährigen Vereinsgeschichte. Wollen die Spurs-Suppporter ihre Lieblinge als Tabellenführer sehen, müssen sie doch glatt die Tabelle umdrehen. Grund genug daher, den spanischen Startrainer Juande Ramos, dem der Klub nicht weniger als 75 Millionen Euro für Neuzugänge wie unter anderem den kroatischen Nachwuchs-Cruyff Modric spendierte, nach neun Spieltagen trotz des im Februar errungenen Ligapokalsieges vor die Tür zu setzen.

Als Nachfolger für Senor Ramos verpflichteten die Spurs nun mit Trainer-Haudegen Harry Redknapp ein im englischen Fußball nicht gerade unbeschriebenes Blatt und zahlen für Redknapps Dienste, der übrigens im Falle des Abstiegs wieder seinen Hut nehmen will, gute 6,3 Millionen Euro. Der stets rotgesichtige Redknapp, im Übrigen Onkel eines gewissen Frank Lampard, besitzt etwa die Empfehlung, in den letzten Jahren die graue Maus FC Portsmouth in der Premier League etabliert und im Juni mit Pompey den FA Cup gewonnen zu haben. Seinen Dienst an der White Hart Lane, tritt Mr. Redknapp allerdings mit der Hypothek an, zumindest in jungen Jahren bekennender Arsenal-Anhänger gewesen zu sein.

Für Spurs-Supporter der fundamentalen Kategorie „Hardcore“ hat die Apokalypse sicher daher schon längst ihren Anfang genommen. Da sind Redknapps nachfolgende Tottenham-Beschönigungen im Rahmen seiner offiziellen Vorstellung für diese armen Teufel wahrscheinlich so bedeutsam wie ein umfallender Sack Reis in China: „Tottenham - It is a big, big, club. Ich konnte das Angebot, noch mal einen großen Traditionsverein zu trainieren bevor ich irgendwann in Rente gehe, einfach nicht widerstehen. Ich habe dort selbst als 11, 12-Jähriger gespielt, kenne die Klubgeschichte in und auswendig.“ Vielleicht gilt jetzt einmal mehr Tottenhams hehres Vereinsmotto Audere est Facere -es zu wagen, ist es zu tun.

It’s me!

An Cristiano Ronaldo scheiden sich ja schon beinah traditionell die Geister. Nicht nur auf der Insel, sondern auch in der restlichen weiten Welt des Fußballs. Zweifellos ein genialer Kicker, dessen eitle Selbstverliebtheit so abschreckend wirkt wie Kerner'sche Kommentare nach Live-Spielen im Zwoten. Wie jüngst, als der Portugiese sich unverblümt über seine Chancen ausließ, Europas Fußballer des Jahres nebst Weltfußballer zu werden. Dass er sich selbst offenbar für die glorreichste Sieben hält, ließ er nebenbei auch die fleißigen Schreiberlinge der Gazzetta dello Sport wissen:

„Wenn man sich anschaut, was ich in diesem Jahr geschafft habe, dann habe ich glaube ich mehr als alle anderen erreicht. Was soll ich noch alles tun, um die Ehrungen zu gewinnen.“
Sicher, Champions League-Triumph und englischer Meistertitel, dass sind schon gewaltige Hausnummern, die sich der Superstar von Manchester United in seinen persönlichen Almanach Null Acht schreiben darf. Ebenso wie seine 42 Pflichtspieltore für die Ferguson-Eleven, mit denen George Bests 40 Jahre alten Ewigrekord überbot. Well done! Doch den Abend des 19. Juni, als CR sich im Viertelfinale der Euro der Schneid recht einfach durch den emsigen Arne Friedrich abgekauft ließ und somit ingesamt ziemlich wenig zustande außer nervigen Wechselwünschen zustande brachte, wurden wohl von ihm ausgeblendet.

Erinnerungslücken gibt es scheinbar auch das Champions League-Endspiel von Moskau betreffend. Die Statistik weist Ronaldo freilich als Führungstorschützen aus. Doch ansonsten ward Mr. Ronaldo in dem Endspielfight doch überaus wenig gesehen, eigentlich erst wieder, als ihm im Elfmeterschießen die Nerven bei seinem Pfostenschuss versagten. Inwieweit Ronaldo die UEFA und die FIFA CR als vermeintlichem Favoriten die beiden Titel nun hinterhertragen, wird man sehen.

Die Ernennung zum T(h)or der Woche soll dem 23-jährigen Kindskopf jedenfalls schon jetzt gewiss sein. Man kann sich allerdings nur wundern, dass Ronaldos Dress bei seiner außerordentlich stolz geschwellten Brust bislang noch nicht geplatzt ist. Obwohl, Ronaldo als eine Art Hulk-Verschnitt, das wäre des Guten indes wirklich etwas zuviel.

Samstag, 25. Oktober 2008

Heilsbringer i. R.

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Jannik Sorgatz lässt etwa auf seine Gladbacher Fohlen grundsätzlich nichts kommen, klopft seiner Borussia jedoch anlässlich der heutigen Rückkehr von Hans Meyer auf die Gladbacher Trainerbank im Heimspiel gegen den KSC kritisch auf den Busch.

Nach mehr als fünf Jahren ist Hans Meyer zurück in Gladbach. Weder ein Super-GAU noch die Ankunft eines innig erwarteten Heilsbringers.

Hans Meyer hat das Rentenalter inzwischen auch offiziell erreicht. Nicht nur gefühlt, wie seit fünf Jahren. Als er sich 2003 von der Trainerbank am Bökelberg zum Rosenzüchten zurückzog, schien die Laufbahn des heute 65-jährigen beendet. Fürs Erste.

Es folgte der Feuerwehreinsatz in Berlin, der nach getaner Arbeit – nach Erreichen des Klassenerhalts – schon schnell wieder vorüber war. Ein gutes Jahr später holte der 1. FC Nürnberg den Frührentner aus dem erneuten Ruhestand-Intermezzo. Vom letzten ging es innerhalb eines knappen Jahres auf den ersten Tabellenplatz. Meyer führte den Club zum Pokalsieg im Mai 2007 und auf Rang sechs in der Bundesliga. Im UEFA-Cup meisterten die Franken unter seiner Regie sogar die Gruppenphase.

Als die Franken wieder dort gelandet waren, wo Meyer sie übernommen hatte, zog die Vereinsführung im Februar dieses Jahres die Reißleine. Der Meister der Selbstironie wurde diesmal scheinbar endgültig in Pension geschickt. „Scheinbar endgültig“ – ein Ausdruck, der die letzten fünf Lebensjahre des Hans Meyer versinnbildlicht wie kein anderer. Kaum etwas kam so, wie man es erwarten durfte.

Jetzt ist er entgegen aller Erwartungen zurück auf der Bühne Bundesliga. Zum letzten Mal – möchte man auch diesmal meinen. Hans Meyer ist zwar kein Super-GAU für die Borussia. Er ist aber auch nicht die Messias-Lösung. Keiner für die Zukunft, sondern ein Feuerwehrmann auf Raten. Keiner, der von Emmerich bis Erkelenz den gesamten Niederrhein in Ekstase versetzt. Aber eben auch keiner, der Anhänger ihre Mitgliedschaft kündigen lässt. Im Zuge des demografischen Wandels ist ein 65-jähriger auf der Trainerbank zudem längst kein Methusalem mehr. Analog hat sich Kalli Feldkamp zurückgemeldet im Geschäft – der ist 74 und damit mehr als acht Jahre älter.

Dennoch braucht Gladbach nach den Greisen Köppel und Heynckes, dem stillen Strippenzieher Luhukay alles andere als einen in die Jahre gekommenen Selbstdarsteller wie Hans Meyer, dessen Interviews zwar zuverlässig ein Schmunzeln hervorrufen und die häufig allzu sterile Medienlandschaft aufhellen. Aber Ironie und Sarkasmus schießen eben selten Tore. Ein Vertreter der neuen Trainergeneration um Thomas Doll, Mirko Slomka und Dieter Eilts wäre diesmal an der Reihe gewesen. Entweder hat man das an der Hennes-Weisweiler-Allee nicht kapiert. Oder aber es hat sich niemand gefunden.

Besonders Präsident Königs hat sich in den vergangenen Tagen als Befürworter von Hans Meyer hervorgetan. Im kurzlebigen Fußballgeschäft hat es durchaus Seltenheitswert, wenn ein Vereinsoberhaupt innerhalb von vier Jahren fünf Trainer verschleißt, bereits den vierten Sportdirektor anstellt und noch immer im Amt ist. Königs' Tage sind der Dynamik des Geschäfts zufolge schon lange gezählt. Doch der Fußball-Laie klammert sich wacker an seinen Stuhl. Überhaupt wird seine Personalie überraschend wenig diskutiert. Der Mann trotzt bislang allen Gesetzen. Indirekt wird Meyer entscheiden, wie lange das so bleibt.

Angesichts des Weges, den die Borussia in den vergangenen zehn Jahren größtenteils selbstverschuldet zurückgelegt hat, muss man fast dankbar sein, dass Matthäus in Israel, Vogts in Aserbaidschan und Neururer auf der Wohnzimmercouch geblieben ist. Wie gesagt: Meyer ist kein GAU, sondern kommt als Heilsbringer i.R. an den Niederrhein.Die Dauerkarte wird jetzt nicht, wie vor zwei Wochen angedroht, auf den Gleisen landen. Der Erfolg gibt letztendlich jedem Recht, solange er sich zügig einstellt. Doch ein munteres, optimistisches Stück Plastik sieht anders aus.

Ansonsten parliert Jannik Sorgatz regelmäßig in seinem gelungenem Blog Entscheidend is auf'm Platz über seine Borussia.

Freitag, 24. Oktober 2008

Chav

Der Eindruck, dass Wayne Rooney und Paul Gascoigne irgendwie Brüder im Geiste sein könnten, ist ja nicht allzu weit hergeholt. Während Gazza zurzeit irgendwie jenseits von Gut und Böse weilt, freut sich die Sun mit Wazza, einem ihrer Lieblingssujets, schon einmal auf dessen heutigen 23. Geburtstag. Meine Güte, ist Wazza bereits alt geworden und kann morgen im samstäglichen Premier League-Kick von Manchester United bei seiner alten Liebe Everton sogar den 100. Treffer seiner Karriere markieren.

Da knirscht die gemeine englische Fußballseele, besonders natürlich jene von Mr. Rooney, schon vor lauter Melancholie und Wehmut. Ob Rooney natürlich ob der kleinsten Provokation an seiner alten Wirkungsstätte irgendwie die Sicherungen durchbrennen könnten, scheint derweil nicht völlig ausgeschlossen. Schließlich wird Rooney gemäß Wikipedia-Ferndiagnose „aufgrund seines Hitzkopfes trotz seines hohen Einkommens, als typischer Chav angesehen“.

Chav? Laut Wikipedia lassen sich unter die Personengruppe der Chavs junge Menschen aus der britischen Unterschicht subsummieren, die zu anti-social behaviour tendieren , „also zu Verhaltensformen und Aktivitäten, die das Zusammenleben in einer Nachbarschaft nachhaltig stören, wie etwa Lärmbelästigung, Vandalismus oder verbale/körperliche Angriffe“. In diesem Sinne also, happy birthday, Mr. Rooney. Auf dass, sich aus Wazza nicht doch einmal ein zweiter Gazza herausschält...

Ehrensenf

Wie es einem hochverehrten Ehrenspielführer wie Lothar Matthäus gebührt, hat THOR WATERSCHEI „LM“ in seinem Klubhaus eine gemütliche Loge eingerichtet und lässt den einstigen Weltmeister und Weltfußballer dort seine Bonmots zum Besten geben...

Bei dem Begriff unken kann es bekanntlich durchaus zu kleineren Mißverständnissen kommen. Amphibienfreunde geht sicher zunächst beim Klang dieses Wörtchen das Herz auf, werden sie zunächst an ihre heißgeliebten Feuerkröten denken. Doch entsubstantiviert man das Wörtchen unken, nähert man sich allmählich einem der Synonyme dieses Wörtchens: dem Schwarzsehen und hiermit ist nicht das Versteckspiel mit der GEZ gemeint.

Nationalmannschaftschefkritiker Michael Ballack etwa beherrschte die Klaviatur des Schwarzsehens bei seinem faz-Ausbruch betreffend der wegschwimmenden Felle gestandener Nationalkicker sowie gewisser Jogi-Ungerechtigkeiten und überhaupt doch recht vortrefflich.

Vornehmlich, als es darum ging, zu unken oder wie es in dem Thesaurus dieses Verbes heißt, zu beschreien oder anzukündigen, dass auch ein gewisser Lothar Matthäus sich demnächst zu diesem Frings-Ballack-Mimosen-Thema zu Wort melden würde. Er beobachte, dass versucht werde, einigen Spielern im (DFB-)Team ans Bein zu pinkeln, einige auf diesen Zug aufspringen wollten und warte fast stündlich auf den Beitrag von Lothar Matthäus und seinen Lohnschreibern.

Jaja, die Geister, die Herr Ballack, erschienen schneller als erwartet. Auf dem Onlineportal des Zwoten, gab LM sozusagen Gewehr bei Fuß seinen Ehrensenf ab und beschwörte in diesem Interview beinah sentimental alte glorreiche Zeiten mit dem Adler auf der Brust sowie der schwarz-rot-goldenden Binde am Arm.

Mal ehrlich. Doch nicht nur Herr Ballack hat doch auf den Zwischenruf aus Israel gewartet, oder? Auch wenn ein Lothar Matthäus natürlich niemandem ans Bein pinkeln, erst recht auf keine fahrenden Züge aufspringen würde und außerdem die ollen Tagebuch-Zeiten ja ohnehin schon Ewigkeiten her sind. Doch bei aller Litanei auf LM, es riecht nach einem Fünkchen Wahrheit in diesen Wochen der Mimosen und beleidigten Leberwürste...

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Gehts raus und spuilts Fußball!

Jogis Ober-Löwen brüllen zurzeit lauter als je zuvor. Mal mehr, mal weniger ballacktisch. Ist es etwa Angst, dass ihnen ihre Felle wegschwimmen oder Jogi ihnen sogar das Fell über die Ohren ziehen wird?

Dass der Kaiser dem ganzen Tun nun im Sound von gehts raus und spuilts Fußball die Krone aufsetzt, kommt daher nicht unerwartet. Was wohl erst wäre, wenn Herr Löw Olaf Thons kolumnisierte kicker-Visionen Leben einhauchen würde und Herr Schweinsteiger plötzlich die Ballack-Binde erhielte.

Das Brüllen würde mutmaßlich unerträgliche Ausmaße annehmen. Halten wir uns bei aller Kaffeesatzleserei also lieber an den Kaiser: gehts raus und spuilts Fußball!

Bild: Bild.de

Wimpel-Wednesday # 9: Dynamo Moskau/ManCity

Wimpel-Wednesday: Ausgabe neun geht doch glatt mit einem Novum in die kurze Geschichte des Wimpel-Wednesdays ein. Denn ausnahmsweise hängt sich THOR WATERSCHEI heute gleich zwei Wimpel in seine Wimpelecke. Warum? An diesem 22. Oktober haben sowohl Lew Jaschin als auch Bert Trautmann Geburtstag. Der 1990 gestorbene Jaschin wäre 79 Jahre alt geworden. Trautmann feiert seinen 85. Geburtstag. Das ist gewiss kurios. Speziell, weil Jaschin sich und Trautmann ehedem mit einem bemerkenswerten Prädikat versah:
„Es gab nur zwei Weltklasse-Torhüter. Einer war Lew Jaschin, der andere war der deutsche Junge, der in Manchester spielte – Trautmann.“
In Gedenken an Jaschin wartet die TW-Wimpelecke daher ab sofort mit einem Wimpel von Dynamo Moskau, jenem Klub, zwischen dessen Pfosten die schwarze Krake ab dem Ende der vierziger Jahre über zwei Jahrzehnte stand, und mit einem Exemplar von Manchester City auf. Citys Kasten hütete Trautmann nach seiner Kriegsgefangenschaft in England zwischen 1949 und 1964 bekanntlich mit Kopf und Kragen.

Für die Einschätzung der Zeitlosigkeit des Torwartspieles besaß Herr Jaschin im Übrigen ein ähnlich gutes Gespür wie für das Bälle fangen und philosophierte dereinst bereits über die moderne Pfostenhüterei der Zukunft:
„Für Tormänner hat sich nichts geändert. Sie dürfen immer noch kein Tor zulassen.“
Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Von Diego M. und Lothar M.

Was macht eigentlich... Diego Maradona? Kurzum, Diego M. ist etwas auf die Spur von keinem Geringeren als Lothar M. geraten, jenem fränkischen Weltenbummler, der Diego M. im 86er WM-Finale in die Waden biss sowie im 90er Endspiel den goldenen WM-Pokal stibitzte. Wie Diego M. auf den Spuren von Lothar M. wandelt?

Ein Trainerstuhl ist frei und Diego M. steht schlicht und einfach „zur Verfügung“. Sicher, es ist nicht nur ein x-beliebiger Trainerposten vakant, sondern DER Trainerposten im argentinischen Fußball. Maradona bewirbt sich um den vakanten Posten als argentinischer Nationalcoach, nachdem der bisherige Amtsinhaber Bielsa nach einer schmachvollen Pleite in der WM-Quali gegen Chile das Weite suchte.
„Es ist der beste Moment für mich gekommen, die Leitung der Seleccion zu übernehmen. Das ist ein Riesentraum von mir, und ich stehe zur Verfügung.“
Dass sich der Maradona selbst beste Anwartschaftschancen ausrechnet, ist dabei selbstredend.
„Vielleicht bin ich derzeit der Letzte in der Kandidaten-Liste. Aber ganz sicher bin ich die erste Wahl in den Herzen der Argentinier.“
Doch offenbar hat Diego M. sich verrechnet. Postulierte Clarin, Argentiniens auflagenstärkste Gazette, nun doch gar, dass stolze 69 Prozent der Gauchos gegen ihre Fußball-Legende als Trainer der ehrwürdigen Albiceleste seien. Sicher, für Diego M. ähnlich starker Tobak wie für die armen Engländer das unvergessene 86er Solo.

Zu Diego M. halten bzw. Glauben schenken Diego M. wahrscheinlich vor allem die ihm treu ergebenen Mitglieder der sagenumwobenen Maradona-Kirche Iglesia Maradoniana, die ihrem eigenen kleinen Gott mit dem zum Namen erkorenen, glaubenschenkenden Kofferwörtchen D10S huldigen und die ihm bei aller Bewunderung wohl auch noch die Trainerbank für seinen Traumjob schnitzen würden. Das alles wahrscheinlich, um Diego M.möglicherweise nur einmal im Leben die „Hand Gottes“ (→ Großer) schütteln zu können.

Wie dem auch sei, angeblich würde sich Diego M. unter gewissen Umständen, wie sich aus den Schlagzeilen des Netzes entnehmen lässt, allerdings auch mit der Position des Assistenztainers zufrieden geben. Womit Diego M. nebenbei gesagt, sich schließlich mal wieder durchaus in der Spur von Lothar M. befinden würde...

Montag, 20. Oktober 2008

„Wenn Du nicht artig bist, schicken wir Dich nach Kiruna“

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Jens Tielemann hat ein Faible für den schwedischen Fußball, drückt Kiruna FF die Daumen und weiß über den nördlichsten Fußballklub Schwedens einiges zu berichten.

1.200 km nördlich von Stockholm und 150 km nördlich des Polarkreises leben inmitten der endlosen lappländischen Weite 18.000 Menschen auf einer Gemeindefläche, die 1/3 der Schweiz entspricht. Kiruna – das ist Mitternachtssonne, Polarnacht, bis – 40 Grad, 7 Monate Schnee im Jahr, Eishotel, Erzberge und Tor zur phantastischen lappländischen Gebirgswelt. Eine Stadt der Extreme, die ihre Gründung im Jahr 1900 nur dem Eisenerz verdankt, das hier durch die Grubengesellschaft „LKAB“ gefördert wird.

Auf den örtlichen Fußballklub Kiruna FF – der Nördlichste in Schweden - wurde ich bereits 1991 aufmerksam, als man sich sensationell anschickte, in die 1. schwedische Fußball-Liga aufzusteigen (Allsvenskan).

4 Brüder in einer Mannschaft (Hans, Tommy, Anders und Stefan Stridsman), ein dänischer Torjäger namens Riffi Haddaoui (der seine spätere Frau aus Kiruna auf Gran Canaria kennenlernte und dann zu ihr zog), damals noch sehr ungewöhnlicher Kunstrasen (weil in Kiruna kein Rasen richtig wächst), jedes Auswärtsspiel 1.000 und mehr Kilometer entfernt und Siege gegen die späteren schwedischen Meister Halmstads BK und Hammarby IF sorgten landesweit für Aufsehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Kiruna in Schweden nur in einem Sprichwort leidgeplagter Eltern präsent gewesen: „Wenn Du nicht artig bist, schicken wir Dich nach Kiruna“.

Fußball war Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre „in“ in Kiruna, wo bisher Eishockey die klare Nr. 1 war und der Ex-NHL-Profi Börje Salming der berühmteste Sohn der Stadt ist. 2.000 Zuschauer bei Kiruna FF-Heimspielen, also quasi jeder 9. der zweitgrößten Flächengemeinde der Welt, waren keine Seltenheit. Für (nord-)schwedische Verhältnisse eine gigantisch gute Resonanz.

Mit dem Aufstieg in die Allsvenskan wurde es leider nichts und auch bedingt durch das reduzierte Sponsoring seitens der „LKAB“ war die 2. Liga bald Geschichte. Aber selbst in der 3. Liga war Kiruna FF immer wieder für landesweite Schlagzeilen gut – so holte man bspw. in der Saison 2006 Nigel Henry, immerhin Nationalspieler von Trinidad & Tobago.

Der weitere sportliche Substanzverlust konnte letztendlich aber nicht abgebremst werden, auch wenn mit Hans und Tommy Stridsman zwei erfolgreiche ehemalige Spieler weiterhin die Fäden im Verein ziehen. Leider haben sie nicht immer ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Kaders. Hinzu kommt der regelmäßige Abgang der besten Spieler – so spielen derzeit mit Jonas Lantoo (Gefle) und Pär Asp (BP) zwei Eigengewächse in der Allsvenskan und der Superettan.

Heute ist Kiruna FF weit von ambitioniertem und hochklassigem Fußball entfernt und spielt 2009 nur noch in der 5. Liga, der Tiefpunkt seit der Vereinsgründung 1970. Das letzte Heimspiel in dieser Div. II-Saison, die bei nur 2 Siegen mit dem Abstieg endete, wollten gerade noch 51 Zuschauer sehen. Ergebnis: 0-11.

Die Nachwuchsarbeit des Vereins mit unzähligen Jugendteams, einer Vielzahl an engagierten Trainern und Betreuern und eine gesunde finanzielle Basis sollen die Basis für einen neuen Aufschwung der 1. Herrenmannschaft darstellen. In der kommenden Saison ist die Verpflichtung von 2 brasilianischen Profis geplant, die zusammen mit einem neuen auswärtigen Trainer das junge Team auf einen sicheren Mittelfeldplatz in der 5. Liga (Div. III Norra Norrland) führen sollen. Mit Pär-Jon Huuva spielt ein Spieler in der (inoffiziellen) samischen Nationalmannschaft, die an einigen Turnieren teilnimmt.

In 2-3 Jahren ist die Rückkehr in die 4. Liga (Div. II Norrland) geplant - damit hätte man dann sicherlich auch das (derzeit) maximal Machbare erreicht...

Neben seiner Leidenschaft für Kiruna FF beschäftigt sich Jens Tielemann auch ansonsten umfassend mit dem Kick im schwedischen Königreich und berichtet über diesen sehr informativ auf SVENSKFOTBOLL.de, der deutschen Internetseite über den schwedischen Fußball.

Tag der ollen Büchse



Wenn an diesem 20. Oktober 1971 der Wurf der ollen Büchse auf Signore Boninsegna bloß nicht gewesen ware.

Mönchengladbach – Inter Mailand 7:1 (5:1)
Bökelbergstadion, Mönchengladbach: 27.500 Zuschauer
Schiedsrichter: Jef Dorpmans (Niederlande)

Tore: 1:0 Heynckes (7.), 1:1 Boninsegna (19.), 2:1 Le Fevre (21.), 3:1 Le Fevre (34.), 4:1 Netzer (42.),5:1 Heynckes (44.), 6:1 Netzer (52.), 7:1 Sieloff (83./Foulelfmeter)

Bor. Mönchengladbach: Kleff - Vogts, Müller, Sieloff, Bleidick – Bonhof, Netzer (ab 83, Wittkamp), Kulik, Wimmer – Heynckes, Le Fevre

Inter Mailand: Vieri (ab 46. Bordon) – Oriali, Giubertoni, Burgnich, Facchetti - Fabbian, Bedin, Corso, Mazzola – da Costa, Boninsegna (ab. 28. Ghio)

Sonntag, 19. Oktober 2008

Alle Neune!

Die Hansa-Kogge versenkt die TuS Koblenz und Herrn Rapolders Systemfußball. Ansonsten ist den wohlformulierten Worten aus der kicker-Feder nichts mehr hinzuzufügen.

Bild: kicker.de

Aus dem Effeff

1.200 km nördlich von Stockholm, 150 km nördlich des Polarkreises rollt bei Kiruna FF der Ball. Jens Tielemann, Experte für den schwedischen Fußball kennt den nördlichsten Fußballklub Schwedens aus dem Effeff und wird morgen ausführlich über diesen im TW-Gästeblock berichten.

Foto: www.kirunaff.nu

Ausgelutscht?

Die Metapher von der beleidigten Leberwurst ist im deutschen Fußball offenbar ziemlich en Vogue. Tim Wiese, eine Art Gralshüter dieser Kategorie, wurde zwar von Jogi Löw unlängst begnadigt. Dann zog sich jedoch Tribünenadler Herr Kuranyi in die peinliche Schmollecke zurück. Und nun? Gewährte Herr Löw dem verletzungsanfälligen Torsten Frings in den jüngsten WM-Qualifikationsspielen einzig gegen Rußland einen kurzen Kurzeinsatz und ließ Herrn Frings gegen die Waliser noch nicht einmal warm laufen. Dessen bockige Reaktion bei der ihm händchenhaltenden BILD:

„Klar, ich denke an einen Rücktritt. Nicht, weil ich beleidigt bin, sondern weil mir die letzten Tage die Augen geöffnet haben. Doch so eine Entscheidung braucht Zeit. Das kann ein paar Tage oder Wochen dauern. Da bitte ich alle Beteiligten um Verständnis.“

„Ich habe nichts gegen Simon Rolfes oder Thomas Hitzlsperger. Im Gegenteil. Ich weiß aber auch: Sie sind nicht besser! In der Nationalelf sollte doch immer noch die Leistung aus der Bundesliga entscheidend sein. Und selbst, wenn wir drei gleich stark sein sollten, erwarte ich vom Trainer mehr Rückendeckung, Vertrauen und Respekt.“

Derart viel Dampf hätte Herrn Frings in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls auf dem Rasenrechteck ganz gut getan, avancierte er dort er eher zu einem so genannten Schaffner für die Abteilung Schlafwagenfußball. Daher erwies es sich für seine werten Rivalen Hitzlsperger und Rolfes als nicht besonders beschwerlich mit dem Bremer im Balgen um den ersehnten Stammplatz zumindest gleichzuziehen. 78 Länderspiele hin, 78 Länderspiele her. Nicht verwunderlich daher, dass Herr Löw die Frings'sche Selbstbemitleiderei damit konterte, künftig keine Stammplatzgarantien (mehr) auszusprechen.

Als Empfehlung sollte es sich der neue T(h)or der Woche, unbestrittener langjährigen Leistungsträger der DFB-Eleven, gefallen lassen, einen Blick in das Gästebuch seiner eigenen Homepage zu werfen, die laut opulenter Selbstbeschreibung Einblicke ins Leben des deutschen Nationalspielers Torsten Frings mit Neuigkeiten, Portrait, Kolumne und Bildern geben soll. Bezeichnenderweise landete der User Hitzhammer dort einen Treffer:
„oooh der arme torsten muss 2 spiele auf der bank sitzen, leute kommt mal klar - der ist nicht zur ewigen nummer 2 degradiert wie ein kahn, sondern war nun einmal zwei spiele ersatz liegt - doch nur an ihm mal seinen großen sprüchen taten folgen zu lassen und sich wieder in die mannschaft zu kämpfen!“

Samstag, 18. Oktober 2008

Meyer, die Zwote

Mensch, Meyer ist wieder da. Hach wie schön. Nach seiner vierjährigen Amtszeit von 1999 bis 2003 wird die Hans Meyer erneut bei Borussia Mönchengladbach die Zügel übernehmen. „Es ist alles geklärt, ich fange sofort an,” bestätigte der Trainer-Kauz seinen Dienstantritt im Fohlenstall. Ob die Fohlen nun wieder schneller laufen und in der Tabelle höhere Sprünge machen werden? Mal sehen, die Notizblöcke der Journaille dürften künftig wohl Ergiebigeres als die üblichen Trainerfloskeln enthalten.

Die Mannschaft jedenfalls soll sich bereits freuen - wie Verteidiger-Koloss Alexander Voigt: „Soweit ich gehört habe, muss er ein richtiger Heißmacher sein. Das wird mit Sicherheit ein Erlebnis." THOR WATERSCHEI freut sich ebenfalls. Auch wenn der augenzwinkernde TW-Kandidat Allan Simonson (→ Allan Simonsen calling) natürlich nicht die erste Wahl der Borussia war, präsentiert TW zur angemessenen Einstimmung auf den 65-jährigen gebürtigen Thüringer elf Schlaglichter aus dem Meyer'schen Konversationsfundus:

1. „Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können.“

2. „Im Fußball baut man Dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt man es an.“

3. „Ich kann die Taktik noch so geschickt wählen, die Spieler noch so gut motivieren, noch so perfekt trainieren: Wenn wir vier Mal nacheinander verloren haben, wenn Dich der Vorstand nicht mehr grüßt, wenn die Mannschaft in Grüppchen zerfällt, wenn im Umfeld das Hauen und Stechen beginnt, wenn alle sich gegenseitig nur noch Schuld zuweisen, dann hilft dem Trainer keine seiner Fähigkeiten, sondern nur noch ein Sieg.“

4. „Wir gehen nachts mit Fackeln in den Wald, damit die Jungs die Angst verlieren.“

5. „Wollten Sie mir einen Heiligenschein aufsetzen, ich würde ihn sofort herunterreißen.“

6. „Als ich mit knapp 28 Jahren Trainer in Jena geworden bin, hat das eingeschlagen wie eine Bombe. Das war, als ob ein 18-jähriger Schiedsrichter wird und dann noch aus der Leichtathletik kommt.“

7. „Bis 1990 habe ich nicht für Geld, sondern für den Sozialismus gearbeitet.“

8. „Hören Sie, ich bin von Haus aus Kommunist, das heißt, ich bin von Haus aus arm.“

9. „Wenn Du Fußball machst, dann lässt Dich der Beruf nicht mehr frei. Man entwurzelt sozial ein bisschen. Geh’ mal abends ins Theater, wenn Du drei Mal verloren hast. Da bist Du ein Laune-Schreck.“

10. (über alte Jenaer Zeiten) „Das Trainingsgelände war hier mein Heiligtum. Platzwart Erich Hage hat mit der Gartenschere das Unkraut gerupft. Wenn sich ein Rabe auf dem Rasen niedergelassen hatte, wurde der erschossen.“

11. „In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde.”

The Steel City Clash

Old Firm, New Firm, die Clasicos und Superclasicos. Die Namen der Derbys der weiten Welt des Fußballs klingen verheißungsvoll. Etwas in deren Schatten bewegt sich derzeit das so genannte Steel City Derby, welches seit dem 16. Oktober 1893 in der nordenglische Industriemetropole Sheffield ausgespielt wird.

Nicht verwunderlich, wird der Kick im Mutterland bisweilen gerne auf die Fabolous Four der Premier League und deren Spirenzien auf dem Transfermarkt reduziert. Die 122. Auflage des Steel City Derbys wird Sheffield, immerhin Wiege des ältesten Klubs der Welt, elektrisieren.

Wie notierte die BBC auf ihrem Webportal: man sehe in den Straßen Sheffields wenige Fußball-Anhänger, die Manchester United-Trikots tragen und erst recht keine mit Shirts von Arsenal, Chelsea oder Liverpool. In Sheffield gebe es nur Wednesday und United. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Steel City Derbys. So heizte United-Coach Kevin Blackwell seine Schützlinge an:
„Es ist kein Spiel wie jedes andere. Es geht schlichtweg darum, die Elite Sheffields zu krönen.“
Zwei Derbys als Sahnehäubchen einer langen Saison. Da macht es für 90 Minuten wahrscheinlich auf beiden Seiten nicht so viel aus, dass Sheffield zurzeit nur im englischen Fußball-Unterhaus und nicht in der Premier League vertreten ist.

Ganz besonders, wenn morgen der Schopf des ungeliebten Rivalen aus dem Hillsborough Stadium getragen wird. Es darf also eine hitzige Atmosphäre erwartet werden. Unlängst dazu beigetragen den Hexenkessel Hillsborough zum Kochen zu bringen hat außerdem Wednesday-Manager Brian Laws mit seiner Ankündigung, nach langen 90 Jahren United endlich wieder in sämtlichen Pflichtspielen einer Saison schlagen wollen.

In der vergangenen Spielzeit wäre das mit einem 2:0-Heimsieg und einem 2:2-Remis an der Bramall Lane sogar beinah geglückt. Doch frei nach dem durch diverse Ruhrpott- und London-Derbys gestählten Jens Lehmann findet Fußball bekanntlich nicht im Konjunktiv statt. Fakt ist und da wird sich Herr der Ringe-Boromir und United-Edelfan Sean Bean sicher vergnügt die Hände reiben, haben seine Blades, wie United anlässlich zweier sich im United-Emblem kreuzender Klingen genannt wird, 44 Derbys gewonnen. Wednesday entschied dagegen lediglich 39 für sich und muss auf ehedem am 8. September 1951 eingefahrene 3:7-Klatsche zurückblicken.

Gelingt es Wednesday, zurzeit Zehnter der Football League, indes gegen die viertplatzierten Nachbarn den 90-jährigen Bann zu brechen, lässt sich die schmerzliche Erinnerung an die schlechtere Bilanz und das 51er September-Massaker sicher etwas besser verdrängen. Der erste Schritt hierzu kann morgen schon getan werden, auch wenn die Klingen der Blades traditionell ziemlich scharf sein werden.

Freitag, 17. Oktober 2008

„Dann soll er den Uwe Rahn eben holen“

Was macht eigentlich...Uwe Rahn? Die Qualitäten von Gladbachs Mittelfeld-Ikone mit dem annus mirablis 1987, in dem Rahn am Bökelberg zum Bundesligatorschützenkönig und deutschen Fußballer des Jahres avancierte, sprachen sich seinerzeit bis zum PSV Eindhoven herum, der Rahn als Nachfolger von Ruud Gullit verpflichten wollte.

Wie FC Bayern-Legende Klaus Augenthaler einst in einem Tagesspiegel-Interview beiläufig verriet, führte Rahns Superjahr im Übrigen auch dazu, dass Jupp Heynckes nach seinem 87er Wechsel vom Bökelberg zum Rekordmeister den Bayern-Stars regelmäßig mit seinen Rahn'schen Schwelgereien gehörig auf den Keks ging:

„Jupp Heynckes hat als Trainer bei den Bayern immer von Uwe Rahn gesprochen, der unter ihm in Mönchengladbach Fußballer des Jahres geworden ist: Uwe hat dies gemacht, Uwe hat jenes gemacht. Ich weiß doch, was die Jungs gedacht haben: Dann soll er den Uwe Rahn eben holen.“
Nach seinem 87er Traumjahr ging es für Rahn indes allmählich bergab auf der Karriereleiter. Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger führte Rahn seine Karrierereise via Köln, wo er noch unter Christoph Daum zweimaliger Vizemeister wurde, über unglückliche Stationen bei Hertha BSC, Fortuna Düsseldorf (inklusive inbegriffenen Abstiegen) und Eintracht Frankfurt ins damalige Fußballrentnerparadies Japan, wo Rahn seine Treter letztendlich an den Nagel hängte.
Besonderer Grund für die ganze Fragerei nach Uwe Rahn, der immerhin als Vertreter der Rahn'schen Namensvetterdynastie in der deutschen Nationalelf nennen darf, ist allerdings ein anderer Umstand als der einzig Rahns Karriereverlauf Revue passieren zu lassen.

Denn heute vor 24 Jahren begann Rahn seinen 14 Länderspiele andauernden Dienst in der Nationalelf mit einem wahrhaftigen Paukenschlag. Köln, 17. Oktober 1984, ausverkauftes Müngersdorfer Stadion: Der Kick in der Quali für die 86er WM in Mexiko verlief gegen biedere Schweden jedoch wenig verheißungsvoll.
Teamchef Franz Beckenbauer wechselte daher in Minute 75 beim Stand von 0:0 Uwe Rahn als verkappte Bernd-Schuster-Neuauflage des "Blonden Engels" für Felix Magath ein. Der Dank folgte Gewehr bei Fuß mit seiner ersten Ballberührung. Denn Rahn erzielte nur 19 Sekunden später den deutschen Führungstreffer, der für die Beckenbauer-Eleven der Meilenstein für den späteren 2:0-Sieg werden sollte. Gleichwohl sollten nicht viele weitere folgen, so dass jener Moment der größte in Rahns Laufbahn mit dem Adler auf der Brust blieb.

Zur Ausgangsfrage lässt sich im Übrigen wenig verorten. Mal taucht Uwe Rahn als Handball-Trainer eines schwäbischen Zweitligisten auf, mal als tüchtiger Handwerker, speziell als Bäcker oder Monteur. Dann wiederum als so genannter Distanzreiter, der sich mit sämtlichen Hufproblemen seiner Rösser auskennt. Last but not least, als ehrwürdiger musizierender Pfarrer, der bisweilen im Duett mit Gitarrenuntermalung leise zweistimmige Lieder zum Besten gibt, „die von Backfischen und Träumern, Engeln und Bohnensamlern handeln - und was es sonst so zwischen Himmel und Erde gibt“.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Erschlagen

Mit einer massierten massierten Verteidigung, wie es Oliver Kahn im feinsinnigsten Kommentatoren-Sprech im Zweiten neben Duzkumpel JBK formulierte, rührten die Waliser gestern in Mönchengladbach nicht unerwartet Beton an. Die Times huldigte nach dem knappen deutschen Eins zu Null dennoch den jungen walisischen Kickern um ihren flinken Skipper Craig Bellamy*:
„Tapfere Waliser Drachen von Deutschland erschlagen. Die jüngsten tollen Leistungen gegen Deutschland haben einen sicheren Platz in den Geschichtsbüchern von Wales, leider aber auch die unglücklichen Märchen. Eine weitere qualvolle Niederlage, besiegelt durch ein einziges Tor, lässt die WM-Qualifikation zu einer fast unüberwindbaren Herausforderung werden.“

Ergo: dank Piotr Trochowskis gestrigem goldenen Goal und der Wahrung der Oktoberserie gegen Wales (→ Goldene Oktober für Yr Almaen) können Jogis Löwen nun mit Fug und Recht behaupten, sich gegen das walisische Bollwerk, allen voran mit dem offenbar auf jedem einzelnen Gladbacher Grashalm umhersensenden Rotschopf namens James Collins, keine Kalamitäten erlaubt zu haben.

Der nächste wichtige Schritt in Richtung Südafrika ist also getan, allmählich scheinen Jogis Löwen reif für Berti Vogts und die von ihm dressierten Terrier aus Baku und Umgebung zu sein...

*Craig Bellamy ist übrigens kein Mitglied der Bellamy Brothers, dafür allerdings gemäß des wohlbekannten Kalauers des großen Sir Bobby Robson in der Lage in einer leeren Telefonzelle einen Streit anzufangen sowie dem eigentlich nicht lahmen Philipp aus München wegzulaufen.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Wimpel-Wednesday # 8: Twente Enschede

Wimpel-Wednesday, achte Ausgabe. In stillem Gedenken an Englands ehemaligen Nationalcoach Steve McClaren, der im bisweilen unerbittlichen Sound der Stehtraversen nur noch als Trottel mit dem Regenschirm in Erinnerung ist, wird anlässlich der WM-Quali-Partien des heutigen Mittwochs ein Wimpel von McClarens aktuellem Klub Twente Enschede in die Wimpelecke des TW-Klubhauses gehängt.

Denn vor gut einem Jahr verspielten die Three Lions unter McClaren bekanntermaßen recht fahrlässig die Qualifikation für die Euro 08. In der niederländischen Ehrendivision hat der Rotschopf im beschaulichen Enschede mittlerweile eine neue Heimat gefunden. Nahe der deutschen Grenze kann er sich sogar damit rühmen, gut vier Jahre älter als die 1965 gegründeten Tukkers zu sein. Mal sehen, wie alt McClaren auf der Trainerbank von Twente Enschede trotz des zumeist von ihm verordneten Kick & Rush britischster Prägung tatsächlich wird.

Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Goldene Oktober für Yr Almaen

Spielchen deutscher Nationalteams jeglicher Generationen gegen Wales waren doch stets zähe Kisten (→ Wales bleibt Wales). Sei es, weil walisische Abwehrnacken hammerharte Sensen gegen deutsche Offensivgeister ausgefahren haben, die walische Stürmer-Legende Ian Rush etwa den richtigen Kick beim Toreschießen fand, Ryan Giggs (→ Kick it like Giggs) seinen teutonischen Gegenspielern Knoten in die Beine gespielt hat oder Jogis Löwen sich wie im letzten November bei der Frankfurter Nullnummer einfach etwas zu behäbig angestellt haben.

Damit aber trotz aller Vorfreude auf den morgendlichen WM-Quali-Kick in Mönchengladbach keine Ungeduld aufkommt, wartet THOR WATERSCHEI nun mit einem statistischen Muntermacher auf. Denn, sofern im Rahmen der bisherigen 15 deutsch-walisischen Länderspiele Deutschland im Oktober eines Jahres auf die traditionell unbequemen Waliser traf, sprang jeweils ein Sieg heraus. Beweise für Goldene Oktober von Yr Almaen gegen Wales gefällig? Bitte:

06.10.1976 Wales - D 0:2 (0:1) [Cardiff]
Tore: 0:1 Beckenbauer (34.), Heynckes (73.)

17.10.1979: D - Wales 5:1 (4:0) [Köln, EM-Qualifikation]
Tore: 1:0 K. Fischer (22.), 2:0 Kaltz (33.), 3:0 K. Fischer (39.), 4:0 Kalle Rummenigge (42.), 5:0 Karl-Heinz Förster (83.), 5:1 Curtis (84.)

16.10.1991: D - Wales 4:1 (3:0) [Nürnberg, EM-Qualifikation]
Tore: 1:0 Möller (34.), 2:0 Völler (39.), 3:0 Riedle (45.), 4:0 Doll (73.), 4:1 Bodin (84./FE)

11.10.1995: Wales - D 1:2 (0:0) [Cardiff, EM-Qualifikation]
Tore: 0:1 Melville (75./Eigentor), 1:1 Helmer (79./Eigentor), 1:2 Klinsmann (81.)

15.10.2008: D - Wales [Mönchengladbach, WM-Qualifikation]
Tore: ?

Foto: Deutsche Fußballcollection.com

Arminia Bielefeld, wo sollte man auch sonst hin?

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Stefan Hübner etwa hat ein waschechtes Arminen-Herz. Heute blickt er im Gästeblock auf stolze 28 Jahre als leidenschaftlicher Anhänger von Arminia Bielefeld zurück und sehnt sich trotz mittlerweile mehr als vierjähriger ununterbrochener Bundesligazugehörigkeit seiner Arminia bisweilen nach Bocholter Dauerregen oder verkohlten Bratwürsten aus Osnabrück.

Mein Leben mit Arminia fing eigentlich optimal an. Aufgestiegen als bester Zweitligameister aller Zeiten, durfte ich im zarten Alter von sieben Jahren erstmals mit auf die Alm und gleich auf Block 3. Gegner am 1. Spieltag der Bundesligasaison 80/81 war der 1. FC Köln, die mit Schuster, Schumacher & Littbarski antraten. 30.000 Zuschauer sorgten für eine fantastische Stimmung auf den Stahlrohr-Stehplatztribünen, wie sie heute nicht mehr möglich ist. Nur das Ergebnis passte am Ende nicht. Mit 2:5 musste sich Arminia den Jungs vom Dom geschlagen geben. Ich wurde gleich entsprechend eingenordet ....

Die Zeiten Anfang der 80er Jahre waren rückblickend eigentlich mit die besten von Arminia, 5 Jahre blieb man am Stück erstklassig. 15., 12., 8.,8., lauteten die Platzierungen bis 1984, unter Trainern wie Horst Franz, Kalli Feldkamp und Horst Köppel. Wir sind als Kids oft unterm Zaun durch oder durften nach der Halbzeit rein, heute undenkbar. Als Tabellen-16. qualifizierte sich der DSC 84/85 für die Relegation, und damit für den langsamen Tod. Man scheiterte unerwartet an Saarbrücken. Letztmalig kamen 35.000 Besucher auf die Alm, eine bis heute nicht mehr erreichte Anzahl. Was auch daran lag, dass fortan aus sicherheitstechnischen Gründen die Tribünen teils gesperrt wurden. 18.500 hätten nun noch Platz bekommen können, aber soviele kamen nicht mehr.

Scheiterte man 85/86 als 4. nur knapp am Wiederaufstieg, konnte man 86/87 nur so gerade noch den Kopf aus der Schlinge ziehen. 87/88 war der Fahrstuhl nach unten nicht mehr aufzuhalten. Auch der 6. (!) Trainer in der Saison, der erst 29jährige Ernst Middendorp, konnte Arminia nicht mehr retten. Zu groß war der Abstand, zu schlecht waren die Spieler. Arminia stieg abgeschlagen als 20. in die Oberliga Westfalen ab. Das letzte Heimspiel wollten nur noch 500 Zuschauer über sich ergehen lassen. Ich war noch dort, wo sollte man auch sonst hin? Ein Trikot wechselt man nicht, Charakterfrage. Der Verein stand nun kurz vor dem Konkurs, viele Spieler gingen, ein Durchreichen in die Verbandsliga schien nicht unwahrscheinlich. Arminia am Ende?

Mitnichten. Ernst Middendorp hauchte dem Klub 88/89 eine neue Seele ein. Es sollten meine beiden besten Jahre werden, auch wenn ich zu einem Auswärtsspiel beim VfR Wellensiek im Kreispokal gar zu Fuß gehen konnte,auch wenn statt Bayern München nun Buer-Hassel zu Gast war. Middendorp rekrutierte aus unteren Ligen 20 völlig unbekannte Jungs aus der Region und formte um Torwart-Oldie Kneib eine verschworene, identitätsstiftende Einheit, welche unerwartet die Oberliga aufmischte. Doch letztendlich scheiterte diese junge Truppe an ihren Nerven. Bis zum Saisonende gab es ein Kopf an Kopf Rennen mit Münster. Am letzten Spieltag hätte dem DSC ein Punkt in Rheine gereicht. 10.000 mitgereiste Fans wurden Zeuge einer der bittersten Niederlagen in der Klubgeschichte. Abgefangen auf der Zielgeraden, die Preußen stiegen auf.

In der nächsten Saison startete man einen neuen Anlauf Richtung 2. Liga.Wieder bot das Team begeisternden Power-Fußball. 7:0 gegen Gütersloh und der Tabellen-Zweite Paderborn wurde mit 6:1 nach Hause geschickt, meine alltime-favorits. Arminia sicherte sich souverän die Westfalen-Meisterschaft, um in der anschliessenden Aufstiegsrunde an Havelse und Oldenburg zu scheitern. Das dritte Oberliga-Jahr war perfekt. Es waren dennoch zwei wahnsinninge Spielzeiten, wenn man nicht dabei war, kann man es kaum glauben, nur das Ende passte leider jeweils nicht.

Der Trainer musste dann gehen, bis 1994 kickte man weiter mit bestenfalls latenten Aufstiegshoffnungen in der Oberliga Westfalen. Die Preußen gesellten sich wieder hinzu und vermöbelten die Arminia regelmäßig, gerne mit 3:0, was bis heute tief in den Seelen unserer Fans sitzt. Man hatte sich schon mit Gegnern der Marke Dülmen, Holzwickede oder Brakel abgefunden. Dochim April 1994 präsentierte der umtriebige Manager Rüdiger Lamm mit Thomas von Heesen, Fritz Walter, Armin Eck und Jörg Bode vier Bundesliga-Spieler für die kommende Regionalliga Spielzeit 94/95. Ein Erdbeben....

Und da war sie wieder, die Euphorie. Lamm putzte Klinken und verplante schon mal die Champions-League Einnahmen aus der Saison 2023. Das war uns egal. Alles oder nichts! Nach vier Spieltagen sprang Ernst Middendorp als Trainer ein. Er formte aus "Oberliga-Versagern" und "Bundesliga-Stars" eine fantastische Truppe, welche nicht nur nach sieben Jahren Drittklassigkeit in die 2. Liga aufstieg, sondern gleich zum Durchmarsch in die 1. Liga ansetzte! Wir waren wieder da. Hallo Bayern, hallo Dortmund! Das halbe Stadion wurde neu gebaut, mit Stefan Kuntz ein waschechter Europameister verpflichtet und Arminia sicherte sich 96/97 die Klasse. Man hatte hier noch ganz andere Visionen, doch soweit sollte es nicht kommen.

Ab 1998 ging es mehrfach rauf und runter. Ich kann die Auf- & Abstiege kaum noch zählen. Leute kamen und gingen. Maßgeblichen Anteil daran, dass Arminia sich bis heute in der Bundesliga hält, hatte Thomas von Heesen, als Spieler, Trainer & Manager. Und selbst Ernst Middendorp, 2005 von den Fans zum Trainer des Jahrhunderts gewählt, kam 2007 noch einmal zurück um Arminia zu retten. Es wird nicht seine letzte Amtszeit gewesen sein. Zweimal stand der DSC zwischendurch sogar im Halbfinale des DFB-Pokals und damit dicht an den internationalen Töpfen. Natürlich verlor man beide Spiele. Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich niemals eine Auswärtstour ins Ausland machen kann. Vielleicht passt das auch nicht zu uns.

Fan von Arminia zu sein kann man ungefähr mit einer Achterbahnfahrt vergleichen. Dieser Klub ist nicht perfekt, das macht ihn sympathisch. Ich habe 10 Niederlagen am Stück gesehen, 10 Gegentore in einer Halbzeit kassiert und in einem Spiel lief Arminia gar mit nur 10 Mann auf. Dennoch sind wir nun seit 5 Jahren in der 1. Bundesliga. Unser Stadion ist inzwischen fertig gebaut, ganz ohne Steuergelder, es hat 12 Jahre gedauert, man gab ihm zwar einen neuen Namen, doch für uns bleibt es natürlich die Alm.

Bundesliga ist zwar schön, aber ich denke immer öfter mit Wehmut an vergangene Tage, wo man in Bocholt im Dauerregen stand, in Osnabrück verkohlte Bratwürste serviert bekam, in Salmrohr kaum den Ort finden konnte, in Essen schon 10 km vor der Stadt von der Polizei kontrolliert wurde, in Münster erst zur 2. Halbzeit ins Stadion kam, weil 5.000 Bielefelder für einen 30 km Stau auf der B 64 sorgten, in Verl eine Dreistufen-Tribüne vorfand, in Duisburg den Zebra-Twist nicht mehr aus dem Ohr kriegte, usw. usw. Das alles wird uns in der Hochglanzarena zu Wolfsburg nächste Woche sicher nicht passieren.

Stefan Hübner ist Betreiber der bemerkenswerten wie Ernst Middendorp-affinen Internetseite Jahrhunderttrainer.de.

Montag, 13. Oktober 2008

Blonder Engel

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Rolf Rüssmann.

Es gab Zeiten. Ja, da hätte Rolf Rüssmann sogar dem „blonden Engel“ Bernd Schuster zumindest hinsichtlich des blonden Haarschopfes ernsthafte Konkurrenz machen können. Gut, dass beide in verschiedenen fußballerischen Universen gekickt haben, dafür konnte man Rüssmann, dem kantigen Vorstopper, selbstredend nicht per se einen Vorwurf machen. Schließlich räumte der spätere Gladbacher und Stuttgarter Manager auf (und leider auch neben) dem Rasenrechteck so einiges ab. Nicht ganz auf der Höhe war Rüssmann zwar bei der 78er WM, als er sich von einem gewissen Hans Krankl zweimal düpieren ließ.

Aber letztlich musste im argentinischen Cordoba ebenfalls Rüssmanns legendäres Credo gelten, was offenbar stets bei Rüssmann'schen Pleiten galt und womit er einst krachend einen Klassiker des bunten Zitatenschatzes der weiten Welt des Fußballs landete: „Wenn wir nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.

Anlässlich seines 58. Geburtstags ist daher Zeit, Rolf Rüssmann, den heute in Gelsenkirchen ansässigen Kaufmann, der sich laut seiner etwas schalen Webseite mit der Projektentwicklung von Fußballstadien und Sportstätten beschäftigt, in die Galerie der Eisenfüße von THOR WATERSCHEI aufzunehmen.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Es war einmal

...Kuranyi, Kuranyi, Kuranyi. Der machte sich nach seiner Nichtberücksichtigung im Russland-Spiel von der Dortmunder Tribüne aus dem Staub, ließ die werten Nationalmannschaftskollegen allein im Bus nach Haus fahren und erklärte nach 52 Länderspielen seinen (überfälligen) Rücktritt aus der DFB-Elf.

Gepfiffen soll bei THOR WATERSCHEI daher gerade nicht, sondern die Entscheidung des „Menschen Kevin Kuranyi“, wie es im Jargon seiner Beraterfirma heißt, mit der Ernennung zum neuen T(h)or der Woche gewürdigt werden. Mehr Worte sollen zu diesem Thema hier nicht verloren werden und zur angemessenen Abrundung der beantworteten KK-Frage die Einleitung der heutigen scharf aufmunitionierten Glosse von Goal.com ausreichen:

„Seinen Fans wird heute morgen gewiss das Nutella-Brötchen im Hals stecken bleiben. Seine Kritiker werden nach der Lektüre der Sonntagszeitung jubelnd-johlend um den Küchentisch springen und von Kind und Kegel ungläubige Blicke ernten. Der Protagonist selber würde es kurz und knapp mit Lispelstimme wohl so formulieren: „Schnaufe foll!“ Denn wenn der DFB-Tross das nächste Mal auf Länderspiel-Reise geht, gilt das Motto: Kevin allein zu Haus.“

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 11. Oktober 2008

18 Jahre später

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Das heutige österreichische Gastspiel in der WM-Quali auf den Faröer-Inseln. Jaja, da war mal was...

Die Österreicher sind wahrlich ein vorsichtiges Völkchen. Da hob Austria-Idol Andreas Herzog jüngst aufgrund des anstehenden WM-Quali-Spielchens auf den Faröer-Inseln in Gedenken an die unvergessene 0:1-Schlappe gegen die Färinger vor 18 Jahren warnend den Zeigefinger. Und nun? Berichtet der Kurier auf seinem Webportal, dass der ORF keine Bilder von diesem neuerlichen Duell zeigen kann.

Im offiziellen Ton heißt es dort, dass der ORF-Partner versagt habe. Um nun etwas verschwörerisch zu werden. Wollte der altehrwürdige ORF nicht vielmehr die österreichischen Landsleute davor bewahren, sind eine weitere Blamage gegen den Fußball-Zwerg anzuschauen. Nicht verwunderlich, stellt man doch beim Blick in diverse Live-Ticker fest, dass Austria sich offenbar (Stand: Minute 76) zu einem 1:1-Remis bei dem Angstgegner zittert.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Für Litti I.

Pierre Littbarski, der unvergessene säbelbeinige Fummelkönig der Achtziger, hat es in der Trainergilde wahrlich nicht einfach. Nach gerade einmal zehn Wochen endete für Litti der Abstecher auf der Trainerbank von Saipa Teheran, dem amtierenden iranischen Meister, aufgrund einer Niederlagenserie in der Iranian Pro League sowie der jüngsten Klatsche in der asiatischen Ausgabe der Champions League gegen den usbekischen Emprokömmling Bunjodkor Taschkent, der seit Kurzem einen gewissen Rivaldo beherbergt.

Um den armen Litti etwas zu trösten, hat TW ein ganz besonderes Tor des Effzeh-Idols herausgekramt, welches anno 1985 in der Sportschau immerhin zum Tor des Jahres avancierte, auch wenn zeitgenössige kostverachtende YouTube-Kommentatoren mutmaßen, dass ein jeder so ein Tor schießen könne und es bisweilen sogar als Stochertor herabwürdigen. Das ist freilich für Fummelkönig Litti I. eine Art unflätige Majestätsbeleidigung ...



Wimpel-Wednesday #7: Rot-Weiss Essen

Wimpel-Wednesday, der siebte Streich. Was wäre eine ordentliche Wimpelecke ohne ein entsprechendes Exemplar von Rot-Weiss Essen. Selbst wenn es im ehrwürdigen Georg-Melches-Stadion an der Essener Hafenstraße nach jüngster emsiger Fahrstuhlfahrt von RWE bis in die Regionalliga zurzeit nur viertklassiges Gekicke zu bewundern gibt.

Die Zeiten, in denen Boss Helmut Rahn noch den Ton um die Pille angab, Ente Lippens ballverliebt und wortstark über den Platz watschelte sowie etwas später Hotte Hrubesch und Franky Mill Mitte der Siebziger ihre persönlichen Schützenfeste in Liga Zwo veranstalteten, sind zwar längst vorbei. Doch der Mythos lebt unter anderem Im Schatten der Tribüne weiter, bei RWE-Blogger und Wimpeleinsender Uwe Strootmann.

Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Milan macht mit

Der tapfere VfL Wolfsburg spielt in einer Liga mit Milan? Nach der heutigen Auslosung der UEFA-Pokal-Gruppenphase nicht verwunderlich, wenn plötzlich vor voller Inbrunst GTIs und Wölfe beginnen zu jaulen. Oder spielt nicht doch Milan schlagartig in einer Liga mit Wolfsburg, Heerenveen, Portsmouth und Braga?

Der grau-melierte UEFA-Pokal, künftig verballhornt als Europa League, machts möglich. Auch wenn jetzt Ronaldinho und Kaka ihre Jaulerei längst nicht mehr zurückhalten können und Signore Maldini ihnen zum Trost großväterlich den Kopf tätscheln muss.

Allan Simonsen calling

Was macht eigentlich...Allan Simonsen? Angeblich lässt es sich der Dänen-Floh, der einst in den wilden Siebzigern bei Borussia Mönchengladbach zum Superstar avancierte und sich durch glorreiche Bökelberg-Jahre für noch höhere Weihen beim FC Barcelona empfahl, zurzeit in Spanien gut gehen.

Simonsen, dem Relikt jener Glanzzeiten und Mitglied von Borussias Jahrhundertelf, wird wohl nicht gerade warm ums Herz werden, wenn er sich den Zustand seiner guten alten Borussia anschaut oder diesen von der Bundesligatabelle ablesen sollte.

Jos Luhukay ist nach sieben Spieltagen andauernder Personal- und Systemkarussellfahrt längst entlassen, weshalb dem Bundesligaaufsteiger zurzeit ganz schön die Felle wegschwimmen. Wer weiß, ob ein Ziege mit seiner Unerfahrenheit alleingelassen im Fohlenstall diesen nicht endgültig zum Bersten bringt. Mit einem Augenzwinkern gesagt ist da wohl Entwicklungshilfe gefragt. Die könnte halt jener Allan Simonsen gewährleisten. So genannte Entwicklungshilfeerfahrung hat der Däne freilich schon zu Genüge in über zehnjähriger Tätigkeit als Nationaltrainer auf den Faröer-Inseln und in Luxemburg gesammelt.

Wenn diese Erfahrung selbst im unwahrscheinlichsten Fall nicht ausreichen sollte, bietet sich darüberhinaus an, Simonsen als Assistenten einen weiteren Entwicklungshelfer an die Seite zu stellen. Ein besonders geeigneter Kandidat belebt z. B. mit Terrier-Gebell im Stakkato zurzeit den Fußball Aserbaidschans. Sofern man dieser Entwicklungshelfer-Variante (aus Borussias Jahrhundertelf) im Gladbacher Fohlenstall allerdings die Türe verschließen würde, stünde man im Fohlenstall wohl nur noch vor der Option „Entwicklungshilfe Extrem“.

Doch bei angeordneter Aufnahme der Verhandlungen mit Maccabi Netanya betreffend des Wechsels des dort beschäftigten deutschen Trainers würde im Gladbacher Fohlenstall vermutlich nicht nur die Ziege meckern. Daher kann es nur heißen: Allan Simonsen calling...

Sonntag, 5. Oktober 2008

Robinho Unlimited

Obacht! Robinho erhebt sich bei Manchester City selbst auf's sakrosankte Schild und schwebt dabei offenbar in höchsten himmelblauen Sphären. Was wird denn nun bloß aus Citys anderem Fußballgott Didi Hamann? Ist er etwa frei nach Roxy Music „Out of the Blue“?

Foto: Sun

El Gallo

Dank der hehren Proklamation des Spaniers Joseba Etxeberria in der kommenden Saison für seinen Verein Athletic Bilbao (→ Baskisches Déjà-Vu) ohne Gage spielen zu wollen, blieb jeglichen Fußball-Romantikern kaum eine andere Alternative, als erst einmal gehörig mit der Zunge zu schnalzen.

Also bitte, so etwas in diesen Zeiten, in denen OASIS-Boss und Manchester City-Edelfan Noel Gallagher (→ Roll with it) fast bereit ist, jenen Scheichs in deren Allerwertesten zu kriechen, die seinen Lieblinksklub mit ihren Scheinchen gewaltig auftunen wollen. Es scheint zu schön, um wahr zu sein.

„Ich habe Bilbao viel zu verdanken. Auch in schweren Zeiten, in denen ich verletzt war, hat man immer an mich geglaubt. Dieses Vertrauen will ich damit zurückzahlen“, seufzte der 31-jährige spanische Ex-Nationalkicker in loyalem Süßholzraspelton. Verzichtet soll an dieser lediglich auf eine unangemessen ausufernde Erörterung, dass der baskische Hahn sich zurzeit noch unter den drei bestbezahltesten Verdienern Bilbaos befinden soll und sich mit der Gratis-Garantie ohnehin keinen finanziellen Kalamitäten aussetzen wird.

Etxeberria, dem stolzen und etwas in die Jahre gekommenen Rechtsaußen, der in Bilbaos Kathedrale San Mamés nur „El Gallo“ (der Hahn) gerufen wird, soll daher die dieswöchige Ernennung zum T(h)or der Woche gewiss sein - und ein angemessener Tusch, beispielsweise ABBA's schmissiges „Money, Money, Money“, gerne obendrauf.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 4. Oktober 2008

Honoris causa

In der weiten Welt des Fußballs sind so genannte Koexistenzen beileibe kein Einzelfall. Wird in Südamerika doch zum Beispiel am Zuckerhut beinah jeder filigrane Jüngling zum neuen Pele stilisiert oder führt in Argentinien ein gelungenes Dribbling eines Spielmachernovizen schnell zum unumgänglichen Maradona-Vergleich. Für Kolumbiens unvergessenen Spielmacher Carlos Valderrama ergab sich beizeiten ein etwas anderes Gleichnis. Wurde dem Zehner mit der senffarbenen Rastamähne doch mit einem schmeichelhaften Vergleich zu Ruud Gullit gehuldigt, so dass Senor Valderrama letztlich in den Achtzigern als „weißer Gullit“ in die Fußballhistorie einging.

Sicher ist dies alles schon ein Weilchen her. Schließlich hat Gullit unlängst seine Mähne gekappt und sah ohnehin stets Kolumbiens Torwartikone Rene Higuita ähnlicher. Dem so genannten „weißen Gullit“ kann es eh recht gleichgültig sein, rief man ihm in der südamerikanischen Hemnisphäre ohnehin den lausbübischen Kosenamen „El Pibe“ (der Junge) hinterher. Außerdem erhielt er in seiner kolumbianischen Heimatstadt Santa Marta gerade sein zweites Denkmal, nachdem man ihm nach seinem Abschied vom Rasenrechteck anno 2004 schon eine Statue vor das Stadion seines Heimatklubs gestellt hatte, belegte ihn die Universität Magdalena aus Santa Marta nun mit der Ehrendoktorwürde.

Freilich ob seiner Verdienste für den südamerikanischen Fußball, oder wie es der Sprecher der Universität formulierte:

„Wir wollen das Leben Valderramas abseits des grünen Rasens würdigen. Er war und ist ein Vorbild für unsere Studenten.“

Zum Leben Valderramas abseits des grünen Rasens lässt sich bei dieser Gelegenheit gewiss dessen schier unglaubliche Fähigkeit der Metamorphose vom sterbenden zum wild flatternden Schwan an der Seitenlinie des Mailänder Meazza-Stadions an jenem 19. Juni '90 im Vorrundenkick der WM in Italien gegen Deutschland subsumieren, oder? Dennoch wird die Charakterisierung „mit allen Abwässern gewaschen“ aus der entsprechenden Laudatio der Universität sicher zu streichen sein.

Drei zu Drei verloren

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die 3:3-Niederlage des FC Bayern gegen den VfL Bochum.

Der FC Bayern scheint sich derzeit tatsächlich in dem unseligen Fahrwasser einer Sören Lerby-Gedächtnissaison zu bewegen. Das Geleier des historisch schlechtesten Saisonstart ist wohlbekannt. Nur, es ist wahrlich ungewöhnlich, dass ein FC Bayern gegen in seinem Wohnzimmer traditionell heißgeliebte Bochumer nicht mal einen Zwei-Tore-Vorsprung über die Runden bringen kann. Spielen Schweinsteiger und Konsorten nicht viel mehr Verstecken hinter dem Klinsi-Alibi a la eins, zwei, drei, vier, Eckstein - alles muss versteckt sein?

Foto: Bild.de

Freitag, 3. Oktober 2008

Spargeltarzantag

Der Einheitstag ist der Ehrentag des guten Hannes Bongartz, des Spargeltarzans, des Trabrennfreundes, der Lohrheide-Legende...nur erfand der ab heute 57-Jährige tatsächlich den Übersteiger? Sicher ist, dass der Spargeltarzan im EM-Finale '76 gegen die CSSR seinen Elfmeter verwandelte und diesen nicht Hoeneßesk in den Belgrader Nachthimmel donnerte...

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Mythos Midtjylland?

BVBkloppt? Oder warum wollen die Borussen ihre eigene kleine Zidan-Ausgabe offenbar schon nach wenigen Bundesligapartien fast vom Hof jagen, wie man heute so liest? Die Beziehung BVB - Zidan scheint gleichwohl bereits nach wenigen Wochen die Fragilität eines Kartenhauses auf der Theke einer Eckkneipe zu besitzen.

BVB-Wirtschaftsrat Wirsing ätzte jedenfalls in der Sport-Bild über die mit dem HSV eingegangene Tauschaktion von Mladen Petric und jenem Mohamed Zidan:

„Unser Stürmer Mladen Petric, der 13 Tore in 29 Spielen geschossen hat, wurde gegen Zidan getauscht. Jemand, der in Hamburg und Bremen kein Stammspieler war. Warum sollte Zidan dann bei uns groß rauskommen?“
Sicher, dem Ägypter fehlt nicht nur im Nachnamen im hanebüchenen Vergleich zum großen Zinedine etwas. Aber das dürfte doch auch in Westfalen bekannt gewesen sein. Ebenso, dass Zidan das Toreschießen schwerer fällt, wenn Jürgen Klopp gemäß der schönsten Schublade seinen Zögling nicht vor dem Anpfiff liebevoll am Spielfeldrand geherzt hat.

Doch die Zidan-Affinität könnte für den ehemaligen Vorzeigefernsehonkel des Zweiten durchaus zu einer Hypothek werden. Und die fängt halt gerade dann an zu drücken, wenn Zidan wider Klopp'scher Kuschelei nicht das Runde ins Eckige bringt. Nach noch einmal einer Handvoll Einsätzen hinkt der Vergleich zu Petric, der seinem HSV momentan Tor um Tor schenkt zwar noch ein wenig. Doch die schlaue FAZ erkannte unlängst, dass es Zidan etwas schwerer hat und stufte den streitbaren Stürmer jüngst als sportlich vorbelastet ein:

„In Bremen und Hamburg, bei zwei Klubs, die dort sind, wo Dortmund hinwill, hat der dribbelstarke Stürmer sich nicht durchzusetzen vermocht, dafür aber zuweilen Unverständnis unter etablierten Kollegen hervorgerufen, nicht nur weil er zum Training mit einer englischen Edelkarosse aus dem Hause Bentley vorfuhr.“

Allem Futter- und Karossenneid zum Trotze klingt das ganz nach dem strengen Sound, den Frank Rost ehedem während Zidans Hamburg-Abstecher in laufende Kameras trötete:

„In Bremen hast du es nicht geschafft, in Mainz bist du abgestiegen, und hier läufst du nicht, erzählst aber allen, wie es geht.“
Zidan bleibt jetzt wohl nicht viel anderes übrig, als sich den Mund abzuwischen und für den BVB Tore zu schießen. Es muss ja für ihn nicht gleich derart enden, wie weiland beim dänischen Klübchen FC Midtjylland, der Zidans damalige Nummer 14 seit dessen überaus torreicher Stippvisite nicht mehr vergibt.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Wimpel-Wednesday # 6: Uefa-Pokal

Wimpel-Wednesday, Ausgabe 6. In stillem Gedenken an den UEFA-Pokal, dem die ach so einfallsreichen Herren der UEFA mit dem doch sehr zuversichtlichen Namen Europa League einen etwas feineren Anstrich verpassen wollen, hängt sich TW einen stilecht goldgefransten Wimpel des 2001er UEFA-Pokal-Endspiels in seine Wimpelecke.

Damals jubilierte der FC Liverpool im torreichen Dortmunder Finale gegen die Basken von Deportivo Alavés dank eines Golden Goals mit Fünf zu Vier. Doch auch die olle Europa League wird uns vor den Grottenkicks der Donnerstagabende, die für manche Klubs die Welt bedeuten, nicht bewahren.

Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.