Sonntag, 31. August 2008

Moin, moin!

Wollte man über Jürgen Kohlers Meriten aus seinen Zeiten als Vorzeigevorstopper der Nation schwadronieren, würde man gewiss den Rahmen dieses Eintrags sprengen. Jaja, Mannheimer Manndeckerschule, Held von Rom, statistischer 96er Europameister, Bayern, Juve, BVB, Fußballgott, Mitautor des Eisenfuß-Romans „An mir kommt keiner vorbei“ und und und. Nun gut. Als Trainer hat sich der Kokser bislang noch keinen derart großen Namen gemacht, als dass die Knie beim Einlaufen von Kohlers Teams zum Schlottern begannen. Wie dem auch sei, mittlerweile hat sich Drittligist VfR Aalen, der Verein für Rasenspiele Aalen 1921 e. V., Herrn Kohler als seinen neuen Cheftrainer geangelt.

Denn nach vier Spieltagen in der neuen 3. Liga lastete man beim Verein für Rasenspiele Aalen 1921 e. V. Kohlers Vorgänger, übrigens „Euro-Eddy“ Schmitt höchstpersönlich, den durchwachsenen Start an. Nicht verwunderlich, soll in der beschaulichen Scholz-Arena doch ganz nach dem Hoffenheimer Paradevorbild einmal der Bundesligafußball rollen. Zunächst hieß der Gegner dem ungeachtet heute Nachmittag Kickers Emden. Kaum hatte Jürgen Kohler allerdings in der ehrwürdigen Emdena-Stadion, zu dem laut der informativen Anreisebeschreibung der Kickers-Homepage sogar die Anreise per Paddelboot dank exzellenter Kanallage möglich sein soll, auf der Trainerbank Platz genommen. Da stand es nach 26 Minuten bereits Null zu Vier. Kurzum: Kohlers Debüt ging ganz schön in die Hose.

Bei dem bitteren Zwei zu Fünf bei den Ostfriesen, die einen gewissen Otto als ihren Edelfan bezeichnen dürfen, der vor allem in der Merchandising-Rubrik der Kickers-Homepage grinsend nebst seinen unschuldigen Ottifanten herumschwirrt, hätte sich Kohler also am besten selbst aufstellen sollen. Schlimmer hätte es für den neuen T(h)or der Woche selbst dann wahrscheinlich kaum kommen können, auch wenn Kohler in den Strafräumen des früheren Kickers-Stadions in besten Tagen wohl nie zu einer seiner gefürchteten Grätsche hat ansetzen dürfen. In der 3. Liga wurde Jürgen Kohler jedenfalls im friesisch-herben Idiom mit einem kühlen „Moin, moin!“ begrüßt.

Über den T(h)or der Woche

Schleichender Kanonier?

31. August, das Transferfenster schließt um 0.00 Uhr. Da pfiffen besonders gut informierte Spatzen von den Dächern des Londoner Emirates Stadions offenbar in die Redaktionsbüros des englischen Sonntagsklatschblättchens The People, dass Arsene Wenger Herrn Metzelder für einen Leihtransfer im Auge hat.

Ob Monsieur Wenger schon von dem Euro-Spitznamen <Herrn Schleich> des Herrn Metzelder gehört hat? Nicht, dass dieser nachher beim Üben des so gespriesenen Offensivspiels des Monsieur Wenger, das bisweilen recht temporeich ist, nicht hinterherkommt...

Freitag, 29. August 2008

Über AaB, Casino-Jimmy und den Co-Trainer des Assistenten

Wie erlaucht der Kreis jener Klubs ist, die Jahr ein Jahr aus Mitglied der Champions League sein dürfen, dürfte hinlänglich bekanntlich sein. Dennoch tauchen neben den Real Madrids, Chelseas oder Liverpool so manches Mal Exoten auf. So blinkte bei der diesjährigen Auslosung etwa der Name Aalborg BK vom Tableau und hinterließ sicher so manchen offenen Mund. THOR WATERSCHEI hat daher elf Anekdoten über den amtierenden dänischen Meister aus den Weiten des Netzes gekramt…


1. Der Aalborg Boldspilklub, kurz AaB, ist zwar in Dänemark beheimatet, besitzt jedoch englische Wurzeln. Denn die durch den Aufbau der jütländischen Eisenbahn in Aalborg tätigen englischen Ingenieure trugen 1906 maßgeblich dazu bei, dass der 1885 als Cricketklub gegründete Verein eine Fußballsparte erhielt. Sie hätten wohl ihre helle Freude daran, dass AaB sich kümftig in der Champions League mit Manchester Utd. und Celtic gleich mit zwei britischen Teams messen darf.

2. In der Europas Königsklasse selbst ist AaB nebenbei gesagt kein Neuling, profitierte AaB schon anno 1995 nach dem erstmaligen Gewinn des dänischen Meistertitels davon, dass die UEFA die Bestechungsversuche des damaligen Quali-Gegners Dynamo Kiew spitz bekam und für die Ukrainer trotz deren Qualisiegen gegen AaB wegen eines großzügigen Pelzmantel-Angebots an einen Schiedsrichter die Königsklassentür zuschlug.

3. Die Lebensweisheit, dass man sich zweimal im Leben treffe, bewahrheitete sich dann jedoch gut vier Jahre später. AaB war abermals zum Meister der dänischen Superliga avanciert und hatte es erneut mit Kiew zu tun. Die ließen nun aber sämtliche Kürschnererzeugnisse auf der Stange und erreichten später in der Königsklasse sogar das Halbfinale, in dem sie aber an einem gewissen FC Bayern scheitern sollten.

4. Den AaB-Kasten hütete bei jenen beiden Aufeinandertreffen der ebenso semmelblonde wie in dem nordjütländischen Landstrich legendäre Jimmy Nielsen, der in frühen Jahren gar als kommender Peter Schmeichel galt. In Zeiten als dänischer U 21- Nationaltorwart ließ sich Nielsen aber in einer Spielbank erwischen uns wurde daraufhin für mehrere Jahre vom gestrengen dänischen Fußballverband aus sämtlichen Nationalteams verbannt. Nielsen, immer noch länderspiellos, ward seither nur noch Casino-Jimmy gerufen.

5. Nachfolger von Casino-Jimmy, der kürzlich noch in Englands zweiter Liga wenig erfolgreich sein Glück versuchte, zwischen den AaB-Pfosten sollte schließlich ein gewisser Karim Zaza werden. Zaza, Inhaber eines dänischen und marokkanischen Passes, kam anders als Casino-Jimmy sogar zu einem Länderspiel. Bezüglich seines ehrenvollen Einsatzes für Marokko, dem Land seines Vaters, kann sich Zaza jedoch laut deutscher Wikipedia einfach nicht mehr an den Gegner erinnern.


6. Besser im Gedächtnis wird Zaza dagegen hoffentlich der Gewinn des diesjährigen Meistertitels mit AaB sein. Wer richtig mitgezählt hat, weiß nun, dass dieser der Dritte in der AaB-Historie ist. Dem dritten Titel ungeachtet weist doch einige Flecken auf, die sich AaB im Übrigen durch bittere Pleiten in stolzen sieben dänischen Pokalendspielen zugezogen hat und daher sich bei nur zwei eigenen Pokalsiegen einen ballackesken Namen als „Rekordpokalfinalverlierer“ des Königreiches gemacht hat.

7. Daher schnell zurück zum dritten AaB-Meistertitel, zu dem die deutsche Presse übrigens im Mai’08 mit 08/15-Schlagzeilen à la „Prica holt mit Aalborg Dänen-Titel“ nicht nur AaB selbst, sondern ebenso dem einstigen Rostocker Tornichtungeheuer Rade Prica, der noch 2007 im AaB-Dress zum dänischen Torschützenkönig avanciert war, gratulieren sollte. Dessen Geist war zu jener Zeit sicher bei seinen Ex-Kollegen - nur schlug dieser während der AaB-Meisterfeiern bereits seit einem guten halben Jahr auf der harten Ersatzbank des FC Sunderland Wurzeln.

8. Ähnlich altbekannt mit dem deutschen Fußball wie Prica sind im aktuellen AaB-Kader außerdem neben eben erwähntem Zaza (Rot-Weiß Essen) zusätzlich AaB-Rechtsverteidiger Kaspar Bögelund (Mönchengladbach), der Australier Beauchamp (Nürnberg) sowie der polnische Stürmer und Wandervogel Marek Saganowski, der als ehemalige HSV-Versuchung bezeichnet werden darf.

9. Solche Verbindungen besitzt ebenfalls der kleine Bruder des Dortmunders Dedé. Der hört zwar auf den wohlklingenden Spitznamen Caca, unterscheidet aber sich nicht nur hinsichtlich der Schreibweise seines Namens von seinem in der Berlusconi-Gang beim AC Milan kickenden Landsmann. Ansonsten würde der MSV Duisburg ihm wahrscheinlich inzwischen ein Tränchen hinterherweinen.

10. Dafür, dass der AaB-Caca jedenfalls im offensiven Mittelfeld regelmäßig kakaeske Dribblings abliefert, ist vor allem Aalborgs schottischer Trainer Bruce Rioch verantwortlich. Der dürfte in deutschen Fußballbreiten zwar dem Maßstab eines unbeschriebenen Blattes genügen, war in seiner schottischen Heimat jedoch ein wahrhaftiger Trendsetter, wurde Rioch doch Ende der wilden Siebzigern zum ersten Kapitän Schottlands ernannt, der in England geboren war.

11. Außerdem darf sich Trendsetter Rioch bei Arsenal als Arsene Wengers Vorvorvorgänger bezeichnen lassen. Rioch verkrachte sich jedoch Mitte der Neunziger mit Arsenals kniepigem Vorstand, weil er einen gewissen Dennis Bergkamp nach London gelotst hatte und nahm dann beleidigt seinen Hut. Nicht weiter ausgeschmückt werden soll deshalb, dass Mr. Rioch sich nicht viel später durch Eingang eines Engagements bei den Queens Park Rangers sogar selbst zum Co-Trainer seines vorherigen Assistenten bei Arsenal degradierte...

Mittwoch, 27. August 2008

Glück auf!

Sage und schreibe eine Woche ist es her, dass Jogis Löwen Belgiens Reserveelf mit Zwonull nach Hause schickten. Kevin Kurányi riss gegen die B-Belgier bekanntlich wie der Euro Null Acht keine allzu großen Bäume aus. Der skeptische Schalke 04-affine Zeitgenosse kratzt sich jetzt womöglich über die Ursache grübelnd fragend am Kinn. Doch die Antwort dafür liegt nahe - näher als der skeptische Schalke 04-affine Zeitgenosse beim andächtigen Kinnkratzen vielleicht glauben mag. Er muss sogar kaum in die Ferne schweifen. Denn genauer gesagt findet sich die Antwort im Gästebuch von Kurányis Homepage.

Es geht nicht etwa um den Eintrag, in dem der emsige Horst aus Ratingen anlässlich des Geburtstags seiner werten Schwester Hannelore dem guten Kevin eine E-Mail geschickt hat und für Hannelore um ein Foto nebst persönlicher Widmung des guten Kevin K. bittet. Nein, Stein des Anstoßes für dieses Posting war am Abend des Belgien-Länderspiels die Nachricht eines gewissen Marcel, seines Zeichens offenbar ein „Königsblauer“, der seinem Lieblingsspieler fürsorglich einen Friseur-Besuch nahelegte und die oben genannte Ursachenforschung somit auf recht einfache Weise abschloß:

„hallo kevin, habe mir gerade das länderspiel angesehen.dabei fiel mir auf, dass du viel zu oft deine haare richten mußtest. meine freundin und ich sind zu der bewertung gekommen, dass dich das vom spiel ablenkt und du so keine tore schießen kannst. damit du in dieser saison deinen torrekord brechen und uns zur meisterschaft schießen kannst. geh zum frisör! ;-) glück auf!“

Wimpel-Wednesday # 1: Sheffield Wednesday

Es ist Mittwoch! THOR WATERSCHEI führt nunmehr, wie bereits vollmundig angekündigt, ab heute den „Wimpel-Wednesday“ ein und präsentiert nun jeden Mittwoch in seiner neueingerichteten Wimpelecke Wimpel aus der weiten Welt des Fußballs.

Welch große Ehre daher, um einen einigermaßen phonetisch adäquaten Auftakt zu gewährleisten, ein ebenso fein gestreiftes wie gefranstes Wimpelexemplar von Sheffield Wednesday vorstellen zu dürfen.


Für potenzielle Unterstützer der Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI: Mail nebst entsprechender Anlage mit dem Betreff WIMPELECKE an thor-waterschei@web.de schreiben.

Durchs wilde Usbekistan

Was macht eigentlich...Rivaldo? Genau, wer die Meldungen der vergangenen Tage gut studiert hat, weiß, dass Herr Rivaldo Vítor Borba Ferreira anstatt seinen Fußballerherbst in Griechenland bei AEK Athen zu genießen, demnächst für keinen geringeren Klub als Cashpoint Altach, nein Verzeihung, Bunyodkor Taschkent durch die sagenumwobene Uzbek League dribbeln wird. Jenes Bunjodkor Taschkent, das noch unter dem Namen PFC Kuruwtschi firmierend, vor wenigen Wochen einen gewissen Herrn Eto'o umgarnt hatte.

„Ich bitte die AEK-Fans um Verzeihung. Es ging alles sehr schnell, aber ein solches Angebot konnte ich einfach nicht ausschlagen. Niemand an meiner Stelle hätte das tun können“, entschuldigte sich der einmalige Weltfußballer und Weltmeister vom Zuckerhut dafür, dass er dank des offenbar zu großzügigen Angebots des usbekischen Vizemeisters, der ihm angeblich zehn Millionen Euro für zwei Jahre zahlen will, für seine eigene kleine Fußballerrente sorgen möchte. Man darf gespannt sein, ob wohl der olle Ronaldo demnächst zum Probetraining nach Taschkent geladen wird.

Montag, 25. August 2008

Reif fürs Multitasking

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Die verbale Sternstunde von „Kommentatorenzeus“ Marcel Reif, während des samstäglichen Gastspiels von Schalke 04 bei Werder Bremen.

84. Spielminute im regenerischer Bremen. Die Anzeigetafel des Weserstadions zeigt den Stand von eins zu null für Werder. Und Marcel Reif? Na klar, kommentiert den Schlagabtausch, wie gewohnt aus spitzem Winkel und mit ebenso spitzer Zunge. Da Reif bekanntlich nicht auf den Mund gefallen ist, kann er natürlich auch schimpfen wie ein Rohrspatz und ließ sich verbal frei nach den Worten von 11 FREUNDE gegenüber einem Journalistenkollegen mit Konfirmandenblase, der ihm die Sicht versperrte, „etwas gehen“. Wer also von Herrn Reif ein zischendes „Wir arbeiten - schleich dich, lass mich gucken. - Arsch“ vernimmt, hört richtig.

Nicht vergessen sollte man bei allem kleinkariertem Echauffieren allerdings, dass Herr Reif den von ihm sorgsam zu kommentierenden Schalker Ausgleichstreffer von Herrn Westermann in Minute 85 offenbar, wie sacht man so schön, schon „im Urin hatte“ und ihm während des ganzen Lavierens für den Tagesspiegel bis circa Viertel nach Fünf zusätzlich noch seine informative LIVE AUS DEM STADION-Kolumne brühwarm aus der Feder fließen musste. Reif fürs Multitasking muss man da wohl anerkennend resümieren...




* Linktipp für Dreizwoeins Möchtegern-Kalle Rummenigges, die sich reif genug für Reif finden und nebenbei genügend Taler im Portemonnaie haben...

Sonntag, 24. August 2008

Hunderteinunddreißig

THOR WATERSCHEI musste an diesem Sonntag bei dem Ritual, den T(h)or der Woche zu ernennen, übrigens weder Haarproben nehmen noch über Scherben laufen. Ein Blick in die Sonntagsgazetten zur Entscheidung für Christoph Daum, den so genannten „Messias“ des kölschen Fußballklüngels, genügte. Indem Daum heute einfach beim einszueins seines EffZehs in Müngersdorf gegen Eintracht Frankfurt auf der kölschen Trainerbank saß beziehungsweise vor dieser in seinem schmucken Zwirn gestikulierte, überholte er Hennes Weisweiler als Rekordtrainer des ersten EffZeh Köln.

Daum wirbelte nun bereits 131 Mal in der Bundesliga an der Kölner Seitenlinie, während es Weisweiler, laut Herrn Overath „der größte Trainer, den der FC je hatte“, auf 130 Spiele als Kölner Coach brachte. Er bewundere ihn (Weisweiler) bis zum heutigen Tag, flüsterte Daum zuletzt der BILD zu. Nicht verwunderlich, sicherte Weisweiler doch dem EffZeh mit dem 78er den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Von dem Double ist Daum freilich dreißig Jahre noch weit entfernt. Aber grundsätzlich ist beim neuen kölschen Rekordtrainer ja alles möglich, auch solch weisweilereskes...

Von flotten und weniger flotten 45ern

Die werte Bundesliga ist ein gefühlter Evergreen wird aber heute erst 45 Jahre alt. Dabei wirkt sie so jung und frisch wie am ersten Spieltag, den es am 24. August 1963 zu bewundern gab. Das historische Tor markierte bekanntlich der damalige Dortmunder Timo Konietzka nach 50 Sekunden beim Gastspiel seines BVB im Bremer Weserstadion.

Den Schwarzgelben nutzte dieser Blitzstart bei den Hanseaten in der Nachbetrachtung zwar nicht allzu viel, drehten die Bremer den Spieß noch zu einem 3:2-Sieg um. Aber Konietzka sicherte sich nebenbei sein Plätzchen in den Geschichtsbüchern der Bundesliga , auch wenn es keine Filmaufnahmen von dem Treffer gibt. „Ich habe alles versucht, es gibt keine TV-Bilder. Nur ich und die Zuschauer im Stadion können sich daran erinnern“, meinte Konietzka jüngst, der am 1. August übrigens seinen 70. Geburtstag feierte.

Anhand von Konietzkas aufschlußreichem Kommentar zu seiner Sternstunde müssen sich die nachfolgenden Generationen das kommentiert es so:
„Anstoß, Franz Brungs wurde zuerst angespielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außenseite zu Emma (Lothar Emmerich), der gab flach rein. Ich wurde zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt angespielt und habe den Ball flach mit rechts rein geschossen.“
45 Jahre alt wird heute außerdem das aktuelle Sportstudio, das vergleichsweise mitunter etwas betagter wirkt als die gute Bundesliga - trotz des Drei unten, Drei oben an der Torwand* und einem alltime juvenilem Michael Steinbrecher.

*Fußnote für Erbsenzähler: Jaja, die Torwand wurde erst am 5. September '66 eingeführt.

Samstag, 23. August 2008

Eins zu eins verloren?

Die zweite Runde im boulevardesken Spielchen, den Klinsi bis zur Winterpause anständig durchs Bundesligadorf zu jagen, ist vorüber. Da werden sich die Baslers, Effenbergs und ein Lothar Matthäus nach dem schnöden einseins der Klinsmänner in den heutigen 90 Minuten von Dortmund im Sinne von„da hatt'er nach dem zweizwei gegen den HSV schon wieder nicht gewonnen, der Buddha-Buddy“ sicher gehörig auf die Schenkel klopfen, auch wenn ein Lothar Matthäus sich nicht gehörig auf die Schenkel klopft. Erst recht nicht heimlich in seinem israelischen Exil.

Bildquelle: Bild.de

Donnerstag, 21. August 2008

Außerirdischer

Was macht eigentlich...Jürgen Röber in Ramenskoje? Hat ihn etwa die Abenteuerlust a la Ailton ereilt? Jedenfalls darf sich der Ex-Kicker der Calgary Boomers - jaja, bei Bayern, Bremen, Nottingham Forest usw. hat er auch gekickt - nun neuer Trainer des russischen Erstdivisionärs Saturn Ramenskoje nennen. Ramenskoje? Da war doch was?

Richtig, den Klub aus der Vorstadt Moskaus, mit dem klangvollen Spitznamen „Inoplanetjane(Außerirdische), nutzte VfB Stuttgart (schwäbelte Röber dort nicht auch schon einmal?) bekanntlich letztens als Strohhalm, um in die UEFA-Cup-Quali zu gelangen (→ Russischer Strohhalm).

Nun hat Röber die Aufgabe, die Außerirdischen, die als Viertletzter von Russlands Premier Liga zwischen den sagenumwobenen Kickern von Tom Tomsk und Luch-Energija Vladivostok gestrandet sind, wieder zurück in ihre anvisierte Umlaufbahn zu schicken. Die hieß übrigens mal, in den Top Four der Rossijskaja Futbolnaja Premjer-liga zu landen.

Mittwoch, 20. August 2008

Wimpel-Wednesday

Aufgepasst! Demnächst exklusiv im TW-Klubhaus: Faszinierende Wimpelromantik!“ - Diese kleine Vorankündigung gibt es schon länger bei THOR WATERSCHEI. Was wäre schließlich auch ein Fußball-Klubhaus ohne eine ordentliche Wimpelecke. THOR WATERSCHEI führt daher ab dem nächsten Mittwoch (27. August) den so genannten „Wimpel-Wednesday“ ein und präsentiert sodann stets mittwochs in seiner neuen Wimpelecke Wimpel aus der weiten Welt des Fußballs.

Ein kleiner Vorgeschmack gefällig? Dann kann der interessierte Betrachter nachstehend ein schönes Exemplar des FC Aberdeen (→ Mit der Fähre nach Göteborg und zurück) erblicken, jenem Klub, der Thor Waterschei anno 1983 im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger den Garaus machte und bei dem ein gewisser Sir Alex Ferguson in diesen Anfangsjahren der 80er Dekade seine ersten großen Erfolge als Trainer feierte .

Wer übrigens Interesse daran hat, die Wimpelromantik bei THOR WATERSCHEI aktiv mitzugestalten und z. B. möchte, dass ein Foto eines Wimpels seines Lieblingsklubs veröffentlicht wird, der möge mit dem Betreff WIMPELECKE eine Mail nebst entsprechender Anlage an thor-waterschei@web.de schreiben.

Wertarbeit mit Köpfchen

Heute Abend begegnen sich Deutschland und Belgien in Nürnberg mal wieder in einem Länderspiel . THOR WATERSCHEI erinnert aus diesem Anlass an das EM-Finale 1980, in dem Belgiens „Rote Teufel“ der Derwall-Elf wegen eines Doppelpacks von „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch unterlagen.

Die Legende, die dem inzwischen 57-jährigem Horst Hrubesch, an seinem noch immer blonden Schopf klebt, besagt bekanntlich, dass dieser in seinen besten Zeiten als wuchtiger HSV-Mittelstürmer seine vielen Treffern vornehmlich mit dem Kopf erzielte und dies vor allem den „Bananenflanken“ von Manni Kaltz zu verdanken hat. Hrubeschs einfache Erklärung für sein erfolgreiches Zusammenwirken mit Kaltz „Manni Bananenflanke, ich Kopf - Tor“ und sein daraus resultierender Spitzname „Kopfballungeheuer“ muten daher wie Relikte aus diesen besten Tagen des Hobbyanglers aus dem Westfälischen an.

An jenem 22. Juni 1980, dem Tag des Endspiels der EM in Italien, sollte Manni Kaltz zwar keine seiner Bananenflanken erfolgsversprechend auf das Hrubesch-Haupt zirkeln. Dennoch erlebte Hrubesch, der heutige DFB-Juniorennationaltrainer, mit seinen beiden Treffern seinen größten Tag im deutschen Nationaldress. Die Vorarbeit anstelle von Kaltz erledigten dabei unter anderem der damals 19-jährige Bernd Schuster, der schon in Minute zehn das belgische Abwehrbollwerk um die gefürchteten Eisenfüße Eric Gerets oder Walter Meeuws mit einem feinen Pass erfolgreich aus den Angeln hob, den Hrubesch zum verdienten Führungstor für die dominante Derwall-Elf hinter Torsteherikone Jean-Marie Pfaff in Belgiens Netz versenkte.

Die „Roten Teufel“ aus dem belgischen Königreich kamen freilich gut zwanzig Minuten vor dem Schlusspfiff dieses packenden Finales durch verwandelten Strafstoss, den der rumänische Referee Nicolae Rainea nach einem Foul von Ulli Stielike an van der Elst vor der Strafraumgrenze den Belgiern zusprach, zum zwischenzeitlichen Ausgleich. „So ein hartes Foul mach' ich doch nicht im Strafraum“, entschuldigte sich Stielike später. Doch ein gewisser René Vandereycken, heute im Übrigen belgischer Bondscoach, ließ sich hiervon nicht beirren und ließ Toni Schumacher nicht den Hauch einer Abwehrchance.

In der 88. Minute war die Aufregung um den Ausgleich jedoch Makalatur, da Hrubesch seinem Ruf als „Kopfballungeheuer“ erneut alle Ehre und mit seinem entscheidenden Kopfballtor nach einer Ecke von Kalle Rummenigge einen Strich durch sämtliche belgischen EM-Hoffnungen machte. Oder wie sollte der ehrwürdige Harry Valérien später in seinem Fußball-Jahrbuch '80 ohne nervigen Pathos blickwinkeln:

„Die entscheidende Sekunde - Horst Hrubesch befördert den Ball zum 2:1-Sieg ins belgische Tor - natürlich per Kopf, für dessen Wertarbeit der lange Hamburger ja bekannt ist. Karl-Heinz Rummenigge hatte per Eckstoß die Vorarbeit geleistet. Minuten später ertönte der erlösende Schlusspfiff. Geschafft: Deutschland ist zum zweitenmal Europameister.“
BR Deutschland – Belgien 2:1 (1:0)
22. Juni 1980 im Stadio Olimpico (Rom)
Zuschauer: 47.864

Tore: 1:0 Hrubesch (10.), 1:1 Vandereycken (FE/71.), 2:1 Hrubesch (88.)

Deutschland: Schumacher - Kaltz, Stielike, Förster, Dietz – Schuster, Briegel, Rummenigge, Hrubesch – Müller, Allofs – Trainer: Jupp Derwall

Belgien: Pfaff – Gerets, Millecamps, Meeuws, Renquin – Cools, Vandereycken, van Moer, van der Elst – Mommens, Ceulemans – Trainer: Guy Thys

Gelbe Karten: Förster – van der Elst, Vandereycken, Millecamps
Rote Karten: Keine
Schiedsrichter: Nicolae Rainea (Rumänien)

Dienstag, 19. August 2008

Be Quick

Was macht eigentlich...Marc Overmars? Kurzum: der mittlerweile 35-jährige Ex-Weltklasse-Flügelstürmer flitzt wieder. Trotz seiner Kniemaladitäten, die den teuersten niederländischen Kicker aller Zeiten vor gut vier Jahren zum vorläufigen Karriereende zwangen, hat Overmars für seinen in der zweiten niederländischen Division, der Jubiler League, ersten Profiklub Go Ahead Eagles Deventer die Treter erneut ausgepackt. Bislang stand Overmars dem Traditionsverein als technischer Direktor vor, bewies jedoch jüngst beim Abschiedsspiel der niederländischen Abwehrkante Jaap Stam, dass er kaum etwas von seiner Schnelligkeit eingebüßt hat und noch lange nicht zum alten Eisen zählt.

Nachdem die Go Ahead Eagles am Auftaktspieltag des niederländischen Unterhauses nach deftigen 0:5-Klatsche gleich auf den letzten Platz abgestürzt waren, lud Deventers Coach Andries Ulderink gleich mehrmals zum Comeback ein. Und da juckte es den einstigen Star von Ajax, Arsenal und Barca offenbar wieder in den Füßen und erklärte seinen Rücktritt vom Rücktritt. Am vergangenen Freitag, in der Deventers Heimpremiere am 2. Spieltag, feierte Overmars schließlich bei Deventers 1:1-Remis gegen Fortuna Sittard mit einem 30-Minuten-Einsatz in der zweiten Hälfte sein Comeback, bei dem er zeitweise wie in besten Tagen wirbelte.

Zu Overmars' avantgardistischer Ausrichtung auf dem Rasenrechteck hätte vom Namen her wohl beim ein anderer Klub als die Go Ahead Eagles gepasst. Das gilt gewiss auch, wenn der vierfache niederländische Meister noch unter seinem Gründungsnamen Be Quick firmieren würde und stets nur für eine gute halbe Stunde den gelb-roten Go Ahead-Dress überstreift.

Montag, 18. August 2008

Über Mister Cinderella

Die Frankfurter Rundschau nannte Lars Leese dereinst „Mister Cinderella“, der Autor Ronald Reng nannte das Buch über Lars Leese, jenen Torwart, der die Verwirklichung des geheimsten aller Fußballerträume erlebte und dem der Sprung über das „Trampolin“ Kreisliga in die englische Premier League glückte, der „Traumhüter - Die unglaubliche Geschichte eines Torhüters“.

Anlässlich des 39. Geburtstags von Lars Leese lässt es sich THOR WATERSCHEI nicht nehmen in Auszügen den Klappentext des „Traumhüters“ zu ziteren:
„Lars Leese hat das erlebt, wovon zehntausende Freizeitfußballer auf deutschen Aschenplätzen oder Schwimmbadwiesen heimlich träumen: Plötzlich kommt einer und macht Dich zum Profi. Mit 22 spielte für die Sportfreunde Neitersen in der Kreisliga Westerwald. Mit 28 sicherte er mit seinen Paraden dem englischen Erstligisten Barnsley vor 40.000 Zuschauern einen 1:0-Sieg über den sechsmaligen Europacupsieger FC Liverpool. Mit 32 ist er wieder da, wo er herkam - in der Anonymität.“
Anonymität? Mit nunmehr 39 Jahren trainiert Leese im vierten Jahr den SV Bergisch Gladbach 09, mit dem Leese als Cheftrainer jedoch zuletzt in Liga sechs, die Verbandsliga Mittelrhein, abstieg.

Sonntag, 17. August 2008

Kein Schnee von gestern

Sicher, sieht man Adrian Mutu mit dem rundem Leder umgehen, liegt die Feststellung, dass Rumäniens Zehner der legitime Nachfolger des so genannten "Karpaten-Maradonas" Gheorghe Hagi ist, zweifellos auf der Hand. Tagesspiegel-Autor Matthias Klappenbach plädierte schon im Vorfeld der Euro Null Acht dafür, die Eskapaden aus Mutus Vergangenheit ruhen zu lassen. Es sei halt nicht fair, immer die alte Geschichte des Adrian Mutu zu erzählen, sie überdecke die des Spielers. Der spiele nach der Entlassung bei Chelsea und zwei Saisons bei Juventus Turin inzwischen für den AC Florenz, für den er in der vergangenen Saison 17 Tore geschossen hat. Mit rechts und mit links, häufig von der linken Seite kommend, mit einem rasanten Antritt und vielen feinen Tricks.

Soweit so gut. Die alte Geschichte? Geigen würden jetzt in Moll ertönen. Der FC Chelsea hatte seinen rumänischen Offensivstar im Oktober 2004 entlassen, nachdem diesem Kokainkonsum nachgewiesen worden und für sieben Monate gesperrt worden. Gewiss, die Angelegenheit ist lange her. Doch eine Schiedskommission der FIFA brummte Mutu in der abgelaufenen Woche eine Rekordstrafe wegen Vertragsbruchs und bat Mutu kräftig zur Kasse, der umgerechnet satte 17,17 Millionen Euro an den Chelsea Football Club zahlen muss.

Die richtige Vokabel für diese durchgreifende Entscheidung dürfte im juristischen Fachjargon wohl Präzedenzfall lauten. Mutu legte vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwar Einspruch ein, wird die Summe aber sicher auch nicht derart lässig aus dem Ärmel schütteln wie eine Finte auf dem linken Flügel. Immerhin erhielt Mutu von seinem früheren rumänischen Klub Dinamo Bukarest Unterstützung zugesagt, der offenbar sozusagen mit der Sammelbüchse dem unglücklichen Sohn aus der Patsche helfen will. "Wir werden ein Konto einrichten, auf das die Menschen Beiträge einzahlen können", sagte Dinamo Bukarests Präsident Christian Borcea nach einem Bericht der Zeitung Prosport.

Da jedoch nicht davon auszugehen ist, dass beim gemeinen rumänischen Dinamo-Daumendrücker der Rubel deraert gut rollt, wie bei Mutu beispielsweise seinerzeit bei Chelsea, dürfte diese symbolische Sammelbüchsenaktion eher der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein werden. Wie dem auch sei, die alte Vergangenheit ist für den neuen T(h)or der Woche noch kein Schnee von gestern...

Über den T(h)or der Woche

One-Hit Wonder?

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der gestrige historische 3:0-Triumph von Bundesligaaufsteiger TSG 1899 Hoffenheim bei Energie Cottbus.

Die Tabelle des 1. Spieltags der Saison 2008/2009 wird sich die TSG Hoffenheim, pardon die TSG 1899 Hoffenheim (man spielte freilich nicht leichtsinnig mit der Tradition), sicher einrahmen. Obacht, es wurden nicht nur im Stadion der Freundschaft zu Cottbus die ersten drei Treffer in der noch so juvenilen Bundesligageschichte der 1899er erzielt. Sozusagen auf Augenhöhe mit Schalke 04, die militaritisch angehauchte Floskel des Gleichschritts soll geflissentlich in der Metaphernschublade gelassen werden, grüßen die 1899er als erster Tabellenführer der 46. Bundesligaspielzeit.

Das Emblem der 1899er prägt sich somit im Angesicht der guten alten kicker-Stecktabelle getreu dem einfachen Motto „Hopp, Hopp, Hopp - gleich innen Kopp.“ sofort gut ein. Wieso der Hoffenheimer Premierentriumph sich in der Lausitz so fulminant bewerkstelligen ließ, sezierte 11 FREUNDE-Boss Philipp Köster in seinem Kommentar für Spiegel Online und stellte recht zielsicher fest: „Temporeich und zugleich taktisch diszipliniert traten die Hoffenheimer auf, zu sehen war weniger der Hurra-Fußball eines überschwänglichen Aufsteigers, als vielmehr das abgeklärte Ausnutzen Cottbuser Überheblichkeiten und Unzulänglichkeiten.“

In die Wunde Cottbusser Überheblichkeiten streute übrigens auch kein Geringerer als Energie-Torsteher Gerry Tremmel, nachdem er sich den ernüchternden Dreierpack eingefangen hatte die notwendige Prise Salz und resümierte tachelesartig: „Das war arrogant und überheblich. Wir wollten gegen den Aufsteiger mal so locker spielen. Das war noch nie die Cottbuser Stärke“. Arrogant und überheblich, gegen die tapferen 1899er locker aufspielen? Da klebte bei den Fußballgöttern aus der Lausitz wohl der Titel der leicht angestaubten Sportfreunde Stiller-Scheibe „So wie einst Real Madrid“ in den Köpfen.

Die 1899er sind halt doch kein Wald- und Wiesenklübchen. Inwiefern sie ein One-Hit Wonder an der Tabellenspitze sind, bleibt gleichwohl abzuwarten. Das sieht im Übrigen offensichtlich Ralf Rangnick so, der gebetsmühlenartig in die Journalistenblöcke predigte: „Wir stehen dort nur, weil H wie Hoffenheim vor S wie Schalke kommt.
Bild: Welt.de

Freitag, 15. August 2008

Klassiker

Guten Abend allerseits! Die Bundesliga geht in gut zwanzig Minuten mit dem Saisonauftaktspiel zwischen dem FC Bayern und dem HSV in ihre 46. Runde und bleibt der Evergreen, beinahe so wie die Sportschau, die immerhin den ersten Fehlpass der noch nicht geborenen Saison spielte, indem sie den ollen unlustigen Pocher zum neuen Sportschau-Narren ernannte. Was kommt?

Klinsmann'sche Californication des FCB nebst attraktivem und erfolgreichem arsenalesken Hochgeschwindigkeitsfußball? Oder wird der Klinsmann schon bald zurück in den Flieger nach Huntingon Beach gejagt? Und was macht Auftaktgegner HSV, geht der Bundesligadino nach dem Abschied von Herrn van der Vaart etwa am Stock und trottet in den Tabellenkeller? Schaun mer mal, sagt der Kaiser ja so gerne...

Karnickel

Der gute Jogi Löw ist wahrlich stets für eine Überraschung gut. Munitionierte Fußball-Deutschland nach dem Rücktritt von Jens Lehmann zu einem kontroversen Diskurs über die Beantwortung der von Löw aufgeworfenen T-Frage auf und sinnierte schon mal über die Qualitäten der Herren Enke und Adler als Einser, da bekam Adler, wie so schön neudeutsch heißt, Schulter. Nicht, dass Löw etwa den traurigen Timo Hildebrand nach dessen Euro-Ausbootung mit einer Nominierung für den Testkick der DFB-Eleven gegen Belgien versuchte zu trösten.

Nein, wie die Jungfrau zum Kinde, kam plötzlich der Bremer Tim Wiese zu seiner ersten Berufung in Jogis erlauchten Kreis. Kaum zu glauben, aber wahr -Wiese. Sein unglückseliger Abroller in der Champions League bei Juventus Turin ist zwar beinah verjährt, aber ebenso wie seine beiden Fliegenfängereien aus dem März im UEFA-Pokal bei den Glasgow Rangers nicht vergessen. Das gilt natürlich desgleichen für Wieses ständiges aufs Brot schmieren, wie sehr er doch eine Nominierung verdient habe.

Wie ein hungriger Wolf jaulte Wiese noch im September '07 in der BILD einer erneuten Nichtberücksichtigung hinterher und vergaß ebenso nicht gegen seine Torsteherkonkurrenten zu stänkern:
„Ich bin nicht enttäuscht. Aber das Kapitel Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw ist damit für mich kein Thema mehr. Es ist abgehakt. [...] Ich bringe national und international Top-Leistungen. Ich verstehe nicht, was das soll. Stattdessen wird ein Hildebrand nominiert, der im Klub nur auf der Bank sitzt. Oder ein Enke, der mit Hannover im Mittelfeld spielt.“
Doch nun machte Löw den Bremer zu seinem Karnickel aus dem Zauberhut, was hoffentlich zur Folge hat, dass Wieses Wolfsgeheule endlich aufhört. Schließlich tut es Wiese mit seiner Berufung seinem Kindheitsvorbild Eike Immel nach, dem Jupp Derwall und Kaiser Franz in den Achtzigern immerhin 19 Länderspiele gönnten. Mal sehen, ob irgendwann auch noch einmal der Dschungel ruft...

Donnerstag, 14. August 2008

„Rahn schießt, Tooooor, Tooor, Tooor, Toooor!!!“

Die Bedeutung des sogenannten Wunders von Bern wurde bereits zu Genüge aufbereitet, durchgekaut, hochstilisiert oder schlichtweg seziert. Dass Rahn im Berner Wankdorf schoß, traf und der „Boss“ mit seinem Doppelpack gegen Ungarn entscheidenden Anteil am ersten deutschen WM-Sieg anno '54 besaß, weiß nunmehr spätestens dank Herrn Wortmanns cineastischem Gassenhauer fast jedes Kind.

Sinnbildlich für Rahns damalige überdurchschnittliche Fähigkeiten steht da wohl der Titel der literarischen Stippvisite des einstigen Rechtsaußens aus Essen anno '59 „Mein Hobby: Tore schießen“. Der 14. August ist der fünfte Todestag von Helmut Rahn.

„Gib mich die Kirsche!“

Anlässlich des fünften Todestages von Borussia Dortmunds Stürmerlegende Lothar Emmerich soll an dieser Stelle Emmerichs spektakulärster Treffer von seinen schier unzähligen Toren in Erinnerung gerufen werden. „Emmas“ Sternstunde ereignete sich am 20. Juli 1966 bei der WM in England, als Emmerich unnachahmlich im Villa Park zu Birmingham in der Vorrundenpartie gegen Spanien beim Stand von 1:0 für die stolzen Iberer, die sich seinerzeit selbst als „stärkste spanische Elf aller Zeiten“ sahen, aus einem nahezu unmöglichen Winkel den Ball von der linken Seite mit seiner linken Klebe zum 1:1 in den Kasten der Spanier hämmerte.

Emmerichs Kommentar nach dem 2:1-Sieg, der der Schön-Elf den Gruppensieg bescherte: „Ich habe nicht einfach draufgeknallt, sondern instinktiv die Lage gepeilt und den richtigen Winkel gewählt.“ Es sollte sein zweiter und letzter Treffer in insgesamt fünf Länderspielen, wovon er vier allein bei der WM-Endrunde auf der Insel absolvierte, bleiben. Trotz des später verlorenen Wembley-Finales stellte 1966 „Emmas“ Annus mirabilis dar, da er weiter mit 31 Treffern zum alleinigen Bundesligatorschützenkönig sowie außerdem mit seinem BVB dank des 2:1-Triumphes im Glasgower Park Hampden Park über den FC Liverpool zum Europapokalsieger der Pokalsieger avancierte.

Mittwoch, 13. August 2008

Fehlpass Kompany?

Dabeisein ist alles, klingt es dieser Tage allerorten aus den Gassen. Es sind halt olympische Spiele in Peking und so mancher Fußballer frönt derweil dem ehrwürdigen olympischen Gedanken. Die Posse um die Brasilianer Diego und Rafinha braucht wohl nicht weiter an dieser Stelle aufgewärmt werden. Etwas würdevoller lief bislang eigentlich die olympische Stippvisite von Vincent Kompany, dem geschmeidigen belgischen Abwehrturm des HSV ab, hatte dieser sich doch im Vorhinein mit den HSV-Bossen geeinigt, zwei Spiele in Peking für sein Heimatland zu absolvieren und dann fein und brav an die Alster zurückzukehren.

Doch die Angelegenheit mit dem Kofferpacken nahm der 22-Jährige nicht ganz so ernst, flackerte bei diesem doch plötzlich der Nationalstolz auf und ließ öffentlich verlauten weiter in Peking um Medaillen kicken zu wollen. Ganz "Kurzzeit-Rebell" (WELT) kam Monsieur Kompany jedoch nach diversen Telefonaten wieder zur Vernunft und sollte am gestrigen Montag wieder beim HSV vorstellig werden. Irrtümlicherweise spielte Kompany offenbar seine Vergesslichkeit einen Streich und vergass seinen Reisepass, so dass er seinen Flieger verpasste. Tja, wer den Schaden hat, braucht halt für den Spott nicht zu sorgen. Denn obendrein handelte sich Kompany noch einen Schlag in den Nacken von der Hamburger Morgenpost ein, die sich heute Morgen altväterlich echauffierte : "Jetzt treibt es Vince auf die Spitze. "

Ihren Lesern schmierte MOPO jedenfalls sodann streng aufs Butterbrot "Pass vergessen, Flugzeug verpasst, Kompany nicht beim HSV erschienen" und strich den Verteidiger schon mal vor ab eigenhändig aus der ersten Elf der Rothosen für den freitäglichen Bundesligauftaktbei den Klinsmanns Bayern und unkte allwissend, dass er sich mit der Rolle des Ergänzungsspielers begnügen werden müsse. Ob eine solche Maßnahme das Tischtuch zwischen dem HSV und Kompany nicht weiter zerschneiden wird, bleibt wohl offen. Zunächst heißt es für Kompany, dabeisein ist alles - auch auf der Ersatzbank der schmucken Allianz-Arena.

Montag, 11. August 2008

Acta est fabula, plaudite!

Acta est fabula, plaudite! - Das Spiel ist aus, Applaus! Jens Lehmann wird seine Torwartschuhe künftig nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft anziehen und gab jüngst zu verstehen derweil nicht zu wissen, ob er überhaupt noch im WM-Sommer Null Zehn durch die Strafräume der weiten Welt des Fußballs hechten wird. Die unverbesserlichen Kritiker von Herrn Lehmann werden sich nach seinem Rücktritt nun betulich auf ihre Schenkel geklopft und durchgeatmet haben sowie vom richtigen Zeitpunkt schwafeln . Ging ja auch nicht an, dass ein besserer Reservetorsteher aus der ersten Liga des Fußballsmutterlands Jogis Numero eins sein durfte.

Wie vom Strahl des Hypokrit getroffen, gab sich nach Bekanntwerden der Rücktrittsnachricht die gute alte BILD überraschenderweise ganz verbunden mit Herrn Lehmann und verkündete bedeutungsschwanger, dass ein „ganz Großer“ abgedankt habe. Derlei auf die Schultern klopfende Hymnen hätte man gar nicht für möglich gehalten, knarrte das BILD-Feilbeil dereinst doch schon bei jeder halbhohen Flanke, die vor Herrn Lehmann im Adler-Dress durch dessen Strafraum flatterte. Wie dem auch sei, die von Jogi Löw aufgeworfene T-Frage (→ Generationswechsel) liegt nun jedenfalls wie eine glitschige Makrele, die darauf wartet, ausgenommen zu werden, auf dem Tisch.

Doch bevor Enke, Adler und die übrigen sich in Position bringenden Kandidaten, denen unter anderem schon an Europapokalabenden ein Ball durch die Finger geflutscht ist, wie arme Säue für gut zwei Jahre durchs Dorf gejagt werden, darf Herr Lehmann zum Abschied wahrscheinlich nochmals mit dem Adler auf der Brust bewundert werden. Am 19. November in Berlin gegen England. Applaus, das Lehmann'sche Spiel ist damit doch wohl noch nicht ganz aus...

Sonntag, 10. August 2008

Schlusslicht-Sforza

Was Ciriaco Sforza, den nicht immer lauteren Ex-Teufel vom Betzenberg zuletzt eigentlich so trieb, war dem ehrwürdigen kicker kaum eine Zeile wert. Der mit dem Etikett behaftete Eidgenosse, mit allen Abwässern gewaschen zu sein, hatte in seiner Schweizer Heimat beim beschaulichen Erstdivisionär FC Luzern die Trainerlaufbahn eingeschlagen, wurde zwischenzeitlich sogar mal als Traineranwärter beim guten alten 1. FCK gehandelt. Nun hat Sforza, wohl eher freiwillig, einen Initiationsritus zur endgültigen Aufnahme in die Trainergilde in Anführungsstrichen erfolgreich bestanden.

Das heißt: Sforza wurde entlassen, nachdem er mit Luzern nach einem recht kläglichen Saisonauftakt, inklusive eines mageren Punktes aus fünf Partien, nur das Ende der Tabelle der ersten eidgenössischen Liga ziert. Das war da selbst den Herrschaften vom kicker auf ihrem Onlineportal eine recht scharfe Schlagzeile wert, die wenig entrüstet feststellten, dass "Schlusslicht-Sforza" gehen müsse. Für diese Schlagzeile nebst kleiner dramatischer Alliteration kann sich Sforza freilich wenig kaufen. Doch vielleicht wird die Ernennung zum neuen T(h)or der Woche ihn etwas aufmuntern. Vielleicht aber auch nicht.

Über den T(h)or der Woche

„Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“

Die einen finden Otto gut. Die anderen halten Otto Rehhagels Nibelungentreue zum Libero, zur kontrollierten Offensive und anderen typischen Merkmalen der Ottokratie eher für antiquiert. Mal garnierte man den Nachnamen des „Kindes der Bundesliga“ und des Ruhrgebiets mit dem Zusatz Titelhagel, in früheren Tagen seiner eindrucksvollen Trainerbankkarriere ward Otto auch schon mal Torhagel gerufen.

Jaja, ein verschmitztes Lächeln wird sich jetzt auf die Lippen jener Zeitgenossen setzen, die an die denkwürdige 0:12-Pleite von Borussia Dortmund gegen äußerst torhungrige Gladbacher Fohlen an jenem 29. April '78 zurückdenken. Denn der damalige BVB-Trainer Rehhagel durfte nach diesem unglückseligen Nachmittag (→ Torhagel) seinen Hut nehmen. Nach einer guten Woche Urlaub im TW-Klubhaus verbietet es die Chronistenpflicht nunmehr einfach so über den gestrigen 70. Geburstag von „Rehhakles“ hinwegzugehen. THOR WATERSCHEI hat aus diesem Anlass ein paar Rehhagel-Stilblüten aus der Vitrine geholt und etwas abgestaubt:
1. „Jeder kann sagen, was ich will.“

2. „Wichtig ist auf’m Platz, alles andere ist Kokolores.“

3. „Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.“

4. „Modern ist, wenn man gewinnt.“

5. „Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.“

6. „Wer Erster ist, hat immer recht. Ich habe also recht. Und wenn ich Fünfter bin, können Sie wieder mit mir reden.“

7. „Geld schießt keine Tore.“

8. „Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“

9. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

10. „Ich schätze es, wenn Fußballer verheiratet sind; denn die eigene Frau ist das beste Trainingslager.“

11. „Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.“

Freitag, 1. August 2008

Kein Lordsiegelbewahrer

Seitdem Bernie Ecclestone und Flavio Briatore die ehrwürdigen Queens Park Rangers samt ihren nicht unerheblichen Schulden im Herbst 2007 erworben haben, wird im Mikrokosmos des Traditionsvereins aus dem Westen Londons offenbar verzweifelt nach einer Erfolgsformel (→ Formel QPR) gesucht. An Geldgebern mit dickem Portemonnaie mangelt es an der zwar Loftus Road nicht mehr. Die erste Saison der R's insbesondere mit Briatore als Geldesel in der Tasche verlief indes wenig vielversprechend, um irgendwelche Hoffnungen für eine baldige Rückkehr in die englische Königsklasse Premier League zu wecken.

Zwar wurde dem großen Chelsea Anfang dieses Jahres im FA Cup ganz beachtlich die Stirn geboten. Aus dem tiefen Mittelfeldsumpf der zweiten englischen Division stapften die R's dagegen noch nicht . Doch, diese mäßige Platzierung sollte die QPR-Supporter nicht übermäßig beunruhigen, soll die erfolgreichste Periode der Vereinsgeschichte für den englischen Vizemeister von 1976 laut Mr. Briatore erst noch folgen und die derzeitige Phase für die Rangers lediglich eine Phase des Umbruchs darstellen. Eine genaue Prognose, wann die Rangers zu den Königen des Mutterlands des Fußballs avancieren, gab Mr. Briatore freilich noch nicht ab.

Dafür wurde dem bisherigen Wappen des 1882 gegründeten Klubs, den Briatore nach eigenem Bekunden der Metarmorphose zu einer global bekannten Marke unterziehen will, bereits Anfang Mai mit beträchtlichem heraldischen Fleiß ein neuer opulenterer Look verpasst. Dieser wartet im Vergleich zum bescheideneren Vorgänger, der Anfang der Achtziger letztmals überarbeitet wurde, neben voluminösen Schwingen zudem mit einer kleinen Krone auf, die den biederen Zweitligakickern aus dem Westen Londons offenbar ihre künftige Bestimmung, zu den Königen des englischen Fußballs zu avancieren, symbolisieren soll.

Im einheitlichen QPR-Sprech wurde übrigens in beinahe schon geselliger Eintracht bei der Präsentation proklamiert, dass das neue Emblem die traditionsreiche Vergangenheit mit modernen Elementen verbinde. Was sollte man da auch großartig anderes mitteilen. Naja, eine Ernennung zum Lordsiegelbewahrer hat Mr. Briatore trotz aller stets zur Schau gestellter Erhabenheit ja ohnehin nie auf der Rechnung gehabt.