Sonntag, 29. Juni 2008

Beim Barte des Metzelder

Über Kritik war Christoph Metzelder, die Numero 21 aus Jogis Löwenrudel, in den vergangenen Wochen nicht wirklich erhaben. Von „Schnarch und Schleich“ säuselte der deutsche Boulevard griffig über Merte und Metze, wobei sich Metze jüngst im SZ-Interview gleich selbst zum „Schleich“ ulkte. „Schmerzen, Ängste, Zweifel“ habe er bis zur Euro durchgestanden, verriet er und versuchte an der Seite von Mertesacker seinen Mann(decker) zu stehen.

Den „Schleich“ in sich wird der Abwehrrecke von Real Madrid (→ Von Münster nach Madrid) heute gegen die Spanier wahrscheinlich nicht ganz verbannen können. Aber vielleicht überzeugt er heute ausgerechnet gegen spritzige Spanier durch seine Erfahrung, aller„högschte“ Konzentration, Antizipation einhergehend mit optimalem Stellungsspiel und Zweikampfstärke.

Doch ganz zufällig wird der Vizeweltmeister von 2002 ja nicht im Kader von Real Madrid stehen, zumal so manche mediale Grätsche sicherlich zuletzt in Richtung des stolzen Westfalen am fairen Sliding Tackling etwas vorbei ging, wird doch gern Metzelders Verletzungsodyssee bis zum Beginn der DFB-Bergtour vergessen. In toto hat Metze sich sicher im Turnier sukzessive gesteigert, auch wenn die Merte-Metze-Reihe nicht immer nach Bollwerk ausschaute. So langsam bekommen die Diskussionen um Metzelders Sprintfähigkeiten einen Bart. Ähnlich wie jene um seinen so genannten (Turnier-)Bart.

Aber der Bart erlebt ja heute Gott sei Dank wie diese Euro ihren finalen Tag und ist nur noch einmal zu bewundern. Dass wird hoffentlich ab 20.45 Uhr auch Herrn Metzelder gelingen. Vielleicht präsentiert er sich ausgerechnet am Tag dieses Finales in der Form, die seinerzeit Begehrlichkeiten bei Real Madrid weckte. Heranschleichen, beißen, Ball wegspitzeln. Zur Aufmunterung wird jedenfalls im TW-Klubhaus nicht nur eine Finalkerze angezündet und er zum neuen T(h)or der Woche ernannt. Zugleich wird Metze in die Galerie der Eisenfüße aufgenommen. Dass aber im Übrigen auch ohne Bart.

Über den T(h)or der Woche

Bergtour' 08 # 32: Über den Blinddarm des Beines

Dass die Sun gestern Herrn Ballack ganz schön aufs Korn nahm, wurde von TW bereits erschöpfend durchgekaut (→ Shit happens). Doch mittlerweile zwickt Ballack bekanntlich nicht mehr so sehr die eigene Vita an der Ehre, sondern ihn vielmehr seine linke Wade. Der Einsatz von Ballack im heutigen „Wienale“ gegen Spaniens Seleccion ist (angeblich) mehr denn je ungewiss, so dass wie schon vor dem WM-Eröffnungsspiel Null Sechs ganz Fußball-Deutschland wieder einmal um die „Wade der Nation“ bangt.

Die Wade. Der unermüdliche Läuferliterat Achim Achilles beschrieb einst in seiner amüsanten Kolumne auf Spiegel Online seine beschauliche Affinität zu seinen Waden, für die die stets allwissende Wikipedia den lateinischen Begriff Musculus gastrocnemius bereithält.

„Meine Wade ist mir völlig egal. Ich habe kein näheres emotionales Verhältnis zu ihr. Höchstens, wenn ich sie rasiere. Sie soll funktionieren und nicht wehtun. Sie hat keinenAnspruch auf besondere Pflege. Sie ist nur Wade, allenfalls ein Statussymbol im Sommer, mit Muskelbrötchen und dicken Adern. Die Wade ist die Ursula von der Leyen in der Hierarchie der Körperteile - ganz fotogen, ansonsten unwichtig, völlig überschätzt.

Letztendlich besteht sie aus zwei Knochen mit Muskeln drumherum. Das Knie drüber oder der Fuß darunter, das sind hochkomplexe Apparate. Aber die Wade ist nur da, damit zwischen Knie und Knöchel keine Lücke klafft. Eine Art Blinddarm des Beines. Wurmfortsatz des stolzen Oberschenkels. Im Notfall leicht zu ersetzen. Ein plastischer Chirurg formt eine Wade aus zwei Alustelzen vom Dreibeingrill und vier Pfund Gehacktem locker nach.“
In diesem Notfall leicht zu ersetzen ist Ballack wohl kaum. Aus Alustelzen und Hack wird Jogi Löw wahrscheinlich in den noch verbleibenden vier Stunden keinen neuen Ballack formen können. Aber vielleicht ist das ganze Wadengeplänkel ja ohnehin nur ein taktischer Gedankenblitz, um die stolzen und siegessicheren Spanier schon vorzeitig von ihrer Siegesfiesta träumen zu lassen.

Samstag, 28. Juni 2008

Bergtour' 08 # 31: Shit happens

Das ist nicht gerade die feine englische Art. Munitionieren die Schreiberlinge der Sun doch die heutige Ausgabe ihres Revolverblättchens gerade damit auf, dass Michael Ballack schon a priori als „big loser“ ins morgendliche Euro-Finale gegen Spanien geht. Dabei wird dem Chelsea-Star versucht aufs Butterbrot zu schmieren, dass er sich in seiner Karriere insgesamt neun Mal, sowohl auf Klubebene in Meisterschaften und Pokalwettbewerben als auch in der Nationalmannschaft, nur mit dem Titel "Vize" begnügen durfte.

Beim englische Erbsenzählen wird zwar großzügig Ballacks Sperre im WM-Finale Null Zwei übersehen - aber, wie heißt doch gleich: Shit happens! Das gilt natürlich ebenso in Bezug auf den diesjährigen unfreiwilligen Euro-Urlaub des Fußball-Mutterlandes. Letztlich wird Herr Ballack gegen die Spanier wohl nur gewinnen können. Und wenn man gewinnt, ist man laut Rehhagels antiquierter Binsenweisheit ja auch modern...

Freitag, 27. Juni 2008

Olé?

Wenns nach den derzeitigen Wettquoten geht, haben Jogis Löwen gegen Luis Aragones' Seleccion wohl keine besonders großen Chancen im Wiener EM-Finale. Die Quote 2,30 notierten die Buchmacher für Spanien, die Quote 2,90 für Deutschland.

Die Gazette El Pais ergötzte sich geradezu an dem grandiosen spanischen Halbfinaltriumph über Guus Hiddinks Russen: „Ganz Europa fühlte sich geblendet, als es das Spiel der spanischen Mannschaft sah. Spanien zeigte beim 3:0-Sieg gegen Russland den besten Fußball der Europameisterschaft. Dieses Spiel ist unvergesslich.“ Die Zeitung Marca ließ sich auch nicht lange zu Jubelgesängen bitten, blieb im Hinblick auf das Finale jedoch auf dem Teppich: „Spanien bot eine triumphale Symphonie. Wir sind die Besten. Es steht außer Frage, dass die Seleccion den besten Fußball spielt. [...] Aber Obacht: Wir haben noch nichts gewonnen.“

Was der gute alte Raul Gonzalez, jene lebende Stürmerikone von Real Madrid und Sinnbild für den „ewigen stets schön scheiternden Geheimfavorit“(Zeit), wohl denkt, der von dem gestrengen Luis Aragones vor der Euro Null Acht aus dem jungen Kader der Seleccion gestrichen geworden war.

Bergtour' 08 # 18: Seelenlose Maschinen?

Die Ursache des Bildausfall während des deutschen Zittersieges im Euro-Halbfinale von Basel gegen Terims tapfere Türken ist mittlerweile aufgeklärt, Bela R. als mäßiger Radiokommentator enttarnt und der nervenaufreibende Krimi allmählich verdaut.

Gut, das wenig ästhetische Spiel von Jogis Löwen riss lange Zeit kaum jemanden vom Hocker oder im St. Jakob-Park aus der Sitzschale, bis schließlich die Herren Klose und Lahm mit ihren Last-Minute-Krachern der darbenden deutschen Fußball-Seele Erlösung brachten und die Tür ins Wiener Finale öffneten, in dem nun Spanien wartet. THOR WATERSCHEI mit einem internationalen Presseecho der beinah verbaselten deutschen Halbfinal"schlacht":
1. „Der letzte Atemzug der Deutschen wirft die Türkei um. Das Team von Trainer Löw kaschiert seinen ärmlichen Fußball mit einem Glückstreffer in der letzten Minute.“ (El País)

2. „Die Türkei bekam ihre eigene Medizin zu kosten. Die Deutschen machten mit der Türkei das, was diese während des gesamten Turniers mit anderen Mannschaften getan hatte. Sie gewannen das Spiel in der letzten Minute.“ (Marca)


3. „Das Glück ist das Eigentum der Deutschen. Der Fußball hat sich in 25 Jahren nicht verändert. Er ist so grausam wie eh und je. Es gilt noch immer der Satz von Gary Lineker, wonach im Fußball elf gegen elf spielen und am Ende die Deutschen gewinnen.“ (La Vanguardia)

4. „Nachdem die Deutschen gegen Österreich und Portugal geglänzt hatten, kehrten sie nun zu ihrer grauen Spielweise zurück. Das Team wirkte wie eine seelenlose Maschine. Und so wird es sicher auch im Finale auftreten.“ (As)

5. „Deutscher Sieg in letzter Minute. Spektakulärer Schlusspunkt für die Euro-Stadt Basel: Deutschland ringt die Türkei 3:2 nieder. In einem dramatischen Halbfinalspiel gewann die deutsche Nationalmannschaft in Basel gegen die Türkei, ohne zu überzeugen.“ (Basler Zeitung)

6. „Den Deutschen gelangen nur drei Schüsse direkt aufs Tor. Dass alle drei erfolgreich waren, spricht für die Effizienz. Dass sie diese schlechte erste Halbzeit letztendlich ungestraft überstanden, spricht auch für ihre Kampf- und Willenskraft. Und genau darum sind diese Deutschen so gefürchtet bei großen Turnieren. Und am Sonntag in Wien.“ (Tages-Anzeiger)

7. „Unglücklicherweise haben wir diesmal in der letzten Kriegsminute verloren. Das kann passieren. Unser Kopf ist erhoben. Danke Jungs. Danke Terim. Sie sind im Finale, wir sind die Champions.“ (Vatan)

8. „Deutschland stahl das türkische Wunder. Das Löw-Team wurde vom flinken Auftreten seines Gegners überrascht. Die Mannschaft machte nicht den Eindruck, besonders eingespielt zu sein.“ (Sowjetski Sport)

9. „Die Deutschen wissen besser als die anderen, wie man die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt tut. Das ist kein Glück, sondern Klasse.“ (Ekstra Bladet)

10. „Die Zeit der Wunder ist vorbei. Fast hätten die Türken noch eine Sensation geschafft. Sie spielten besser, waren aber vor dem Tor wirkungslos. Deutschland arbeitete hart und vor dem Tor höchst effektiv.“ (B.T.)

11. „Altintop war souverän, der beste Spieler auf dem Platz. Hier konnte nur eine Mannschaft dribbeln, Pässe schlagen, dominieren und einen ganzen Kontinent bezaubern. Aber die andere gewann. Das 3:2 zeigte die Urkraft in den deutschen Nationaltrikots.“ (Aftonbladet)

Mittwoch, 25. Juni 2008

Hup Holland!

Das Uhrwerk Orange läuft bei dieser Euro bekanntlich nicht mehr rund. Es soll allerdings im TW-Klubhaus nicht untergehen, was sich auf den Tag genau vor 20 Jahren im Münchner Olympiastadion abgespielt hat, als die Michels-Eleven souverän über die UDSSR triumphierte.

Bergtour' 08 # 17: Recke aus Recke

Mittwoch, 25. Juni, 17:45 Uhr. Im TW-Klubhaus rumort es gut drei Stunden vor dem Duell von Jogis Löwen mit den Terim-Comebackern bereits. Daher nun ein kurzer Appell an Jogi: Lass mit dem guten Simon Rolfes den Recken aus Recke ran und den ollen Torsten Frings auf der Ersatzbank seinen Rippenprotektor pflegen.

Herr Wieland hatte Herrn Frings ja schon unlängst notwendiges Individualtraining verordnet, welches dieser wohl besser später auf dem Trainingsplatz als heute auf dem Rasenrechteck des St. Jakob-Stadions durchführen sollte. Sogar Herr Netzer honorierte im Ersten die fabulöse Vorstellung von Herrn Rolfes gegen Portugal mit lobenden Worten, so dass THOR WATERSCHEI jetzt nicht viel Weiteres übrig bleibt als für den Recken aus Recke kurzerhand eine Lanze zu brechen.

P.S.: Herrn Hitzlsperger wird im TW-Klubhaus übrigens auch ein Einsatz von Beginn an gegönnt.

Sonntag, 22. Juni 2008

Arte et labore

Wenn der gute alte Paul Ince demnächst seinen Dienst als Coach der Blackburn Rovers antreten wird, ist der erste dunkelhäutiger Skipper der „Three Lions“ natürlich ebenso dem ehrwürdigen Vereinsmotto der Rovers „Arte et labore“ verpflichtet wie sein walisischer Vorgänger und Ex-Mitspieler Mark Hughes. Ince wird daher versuchen, sein Tun im Ewood Park zu Blackburn ganz der Kunst und der Arbeit zu widmen.

Hughes selbst hat zwar kein überschäumendes Erbe in den Midlands hinterlassen, welches Ince zu hegen und pflegen hat. Denn so richtig durchgestartet ist der Traditionsklub in den vergangenen Jahren nicht und konnte daher auch nicht die Phalanx der „Fab Four“ der Premier League durchbrechen. Vielmehr richteten sich die Rovers dort im gesicherten Mittelfeld ein. Aber vielleicht gelingt es ja gerade Ince, den einstigen Wasserträger von Paul Gascoigne sie wieder zurück in höhere Gefilde zu lotsen.

Weil als Meistermacher hat sich der mittlerweile 40-Jährige in der letzten Saison bei den viertklassigen Milton Keynes Dons immerhin schon bewährt und den Retortenklub in die englische Drittklassigkeit geführt. Doch selbst wenn dieses Experiment schief laufen sollte, wird man Ince, dem neuen T(h)or der Woche, allerdings eines nicht mehr nehmen können. Dass er nach dem Erhalt der Kapitänsehren in der englischen „Squad“ ebenso zum ersten dunkelhäutigen Engländer avanciert ist, der einen Klub aus der Premier League coacht.

Über den T(h)or der Woche

Bergtour' 08 # 16: Auf die Nerven

Marcel Reif ist einer jener Kommentatoren, denen im TW-Klubhaus nicht der Ton abgedreht wird. Auch wenn so manche Reif'sche Bemerkung aus dem spitzen Winkel mal ganz gerne überhört wird. Bei der Euro Null Acht ist Reif fürs Erste und Zweite bekanntlich nicht im Einsatz und hat nun offenbar genügend Zeit via seiner Kolumne im Tagesspiegel mitzuteilen, was ihm bei der Euro persönlich auf die Nerven geht. Das sind mit Verlaub die Türken, weil sie laut Reif „einfach nicht begreifen wollen, wenn sie tot sind“.

„Die waren einmal tot gegen die Schweiz, die waren mausetot gegen die Tschechen und gegen die Kroaten waren sie schon zwei Meter unter der Erde. Trainer sagen in solchen Situationen gerne, dass man nur daran glauben müsse, dann ginge schon noch etwas, die Türken aber glauben gar nichts, die wissen, das was geht. Und nun erobern sie Europa, obwohl sie dort gar nicht zugelassen sind. Dabei sind sie fußballerisch nicht wirklich gut, es fehlt ihnen die halbe Mannschaft – und was kann man gegen sie machen?

Man kann sie nur besiegen, einfach nur besiegen, nicht mit einem Tor in den letzten zehn Sekunden des Spiels, sondern besser mit zweien, noch besser mit dreien. Erst wenn das letzte Gegentor gefallen ist, erst wenn der Schiedsrichter wirklich abgepfiffen hat, erst wenn sie wirklich im Kabinengang verschwunden sind, werden sie akzeptieren, verloren zu haben. Das müssen die Deutschen am Mittwoch kapieren, denn nüchtern betrachtet haben die Türken keine Chance auf den Finaleinzug, weil Löws Männer sich gesteigert haben, wie ich es ihnen nicht mehr zugetraut hätte. Nüchtern betrachtet. Allein, die Türken sind selber nicht nüchtern und schon mal gar nicht nüchtern zu betrachten. Erst wenn abgepfiffen ist. Der Schiri sollte laut pfeifen.“

Ob Jogi seinen Löwen die Reif'schen Zeilen wohl vorlesen wird? Die Hinweis auf die olle Herberger-Weisheit mit den 90 Minuten kann er sich dann jedenfalls sparen.

Tot ziens!

Das war wohl nix mit der holländischen Neuauflage 88er Erfolgs. Holland eins, Russland drei. Guus Hiddinks Russen spielten dabei Fußball aus dem Bilderbuch. Spiegel Online notierte daher treffend, dass die Kopie das niederländische Original besiegt habe. Oder frei nach Andrej Sergejewitsch Arschawin, dem schmächtigen wie genialen russischen Superstar: „Wir hatten erwartet, dass die Holländer aggressiv spielen würden, aber ihnen ist die Puste ausgegangen. Der bessere Holländer, nämlich unser Trainer, hat heute gewonnen.“

Freitag, 20. Juni 2008

Bergtour' 08 # 15: Über konkrete deutsche Panzer...

Dass die DFB-Bergtour dank Jogis Taktik-Tricks auch gegen Portugal weiterging wurde nicht nur auf diversen Fan-Meilen oder in verschiedensten deutschen Wohnzimmer vergnügt gefeiert. Plötzlich hupten, schrien und hissten auch jene kritischen Zeitgeister wieder ihr Fähnchen für Deutschland, die sich am Sonntag noch von österreichischen Cordobareien schier haben einlullen lassen. Was so ein überzeugendes drei zu zwei halt so alles bewirken kann. THOR WATERSCHEI mit einem internationalen Presseecho:
1. „Ein schönes Deutschland schickt Ronaldos Portugal nach Hause. Vier Schüsse ins Tor, drei Treffer, die Deutschen sind zurück: Genau und pünktlich. Wenn man präsent sein muss, sind sie immer da.“ (Gazzetta dello Sport)

2. „Die deutschen Panzer sind konkret wie immer und schießen zwei Tore in knapp vier Minuten. Die berühmte portugiesische Abwehr wird von den deutschen Stürmern lächerlich gemacht.“ (Tuttosport)

3. „Cristiano sagt Adios! Deutschland läuft weiter wie eine geölte Maschine.“ (As)

4. „Deutschland zwang Ronaldo in die Knie. Ballack ragte heraus, und sein Team steht im
Semifinale, nach dem es die ängstlichen Portugiesen überrollt hatte.“ (El Pais)

5. „Echte deutsche Wertarbeit. Portugal ist zu leicht und zu klein gewesen und von Deutschland im Viertelfinale unsanft aus dem Weg geräumt worden.“ (Berner Zeitung)

6. „Sommer und wieder das Märchen. Die Deutschen lebten von ihrer Effizienz im Abschluss, von ihrer straffen Organisation, der Führungskraft Ballacks, der Lebendigkeit von Podolski und Schweinsteiger.“ (Tagesanzeiger)


7. „König Ballack und Prinz Podolski gaben den Ton an. Ein taktisches Meisterwerk des deutschen Trainers Löw hat Ronaldo & Co. vorzeitig in die Sommerferien geschickt.“ (Ekstra Bladet)

8. „In diesem portugiesischen Alptraum tauchten zwei Dinge immer und immer wieder auf. Deutsche Freistöße und Bastian Schweinsteiger.“ (Svenska Dagbladet)

9. „Nach zwei Jahren ist die Party nun neu in Gang gekommen. Deutschland swingt wieder. Bastian Schweinsteiger macht die Musik, und die ganze Welt ist eingeladen, wenn ein neues Sommermärchen aufblüht.“ (Aftonbladet)

10. „SCHWEINIGEIL!!!!!!!!!! Jetzt geht die Schweini-Party richtig ab in ganz Deutschland. Jetzt ist alles möglich: Jungs, jetzt holt ihr euch auch den Pott!“ (Bild)


11. „Nach dem Abpfiff zeigte Cristiano Ronaldo einmal mehr seine bockige Charakterseite, indem er sofort den Platz verließ. Wenn man aber über den Besten der Welt und 60-Millionen-Pfund-Preisschilder reden möchte, dann war der einzige Mann, der in diese Kategorie passte, der brillante Michael Ballack.“ (The Independent)

Bergtour' 08 # 14: 4-2-3-1

Die Revolution im Mittelfeld von Jogis Löwen bei ihrem 3:2-Triumph über Ronaldo & Co. hat die taz wahrlich gut erkannt. Das Problem mit der schmerzenden Rippe im defensiven deutschen Mittelfeld, einem gewissen Herrn Frings, löste sich sozusagen von selbst. Und speziell Simon Rolfes, der Recke aus Recke, sorgte nicht nur bei Herrn Netzer im Plausch mit Herrn Delling für Wohlgefallen.

Dienstag, 17. Juni 2008

Bergtour' 08 # 13: Abgesagt

Montag, 16. Juni 2008. Beim ersten Kaffee des Tages dröhnt bereits unerbittlich Falcos Vienna calling aus dem Telefunken-Radio, was keinen besonders erquicklichen Aufgalopp in den Tag verspricht. Das leidliche Cordoba-Revival, bereits stilisiert zu einem Wunder von Wien, bleibt am Abend aus. Nicht jedoch, weil Jogis Löwen im Happel-Stadion vor den Augen ihres Tribünen-Jogi besonders Glanzvolles boten.

Nein, es reichte ein Ballacktischer Moment, der Hickes vermeintliche Helden mitten ins Herz traf. Infolge dessen ließen es sich unverbesserliche Fahnenschwenker nicht nehmen, die Finger von der Hupe ihres Autos bei teilweise wohl unvermeidlichen Autokorsos zu lassen. Schier ebenso wie Herr Frings sich zuvor seine Fehlpässe nicht hat nehmen lassen. THOR WATERSCHEI mit einem Presseecho über das abgesagte Wiener Wunder:

1. „Die Auferstehung des Bosses“ (Stern)

2. „Ballack beendet Österreichs Träume“ (The Times)

3. „Der Schuss ins Glück. Ballack erlöst uns“ (Bild)

4. „Ballack zeigt den Weg“ (France Football)

5. „Wenig Fussball, viel Ballack“ (Gazzetta dello Sport)

6. „Ein Zittersieg des Rumpel-Fussballs“ (Süddeutsche Zeitung)

7. „Deutschland erreicht sein Ziel“ (The Telegraph)

8. „Ballack erfüllt das Minimalziel“ (kicker)

9. „Das abgesagte Wunder“ (Kurier)

10. „Deutschland qualifiziert sich mit Minimalaufwand“ (El mundo)

11. „Ballack schiesst Ösis ab“ (Blick)

Sonntag, 15. Juni 2008

Messerscharf

Der morgige 16. Juni könnte bei der Euro Null Acht ein durchaus historischer Tag werden. Vor allem für die Österreicher, die für ein Weiterkommen ins Viertelfinale einen Sieg gegen Jogis Löwen benötigen.

Schier berauscht von ihrem eins zu eins gegen Polen klammern sich die Krankl-Nachfahren sowie offenbar sämtliche rot-weiß-rote Fußballanhänger an ihren „Cordoba“-Strohhalm versuchen Poldi & Co. mit dem Heraufbeschwören eines cordobaesken Wunders von Wien einzulullen.

HSV-Ikone Manni Kaltz, anno 1980 selbst Europameister, war 1978 bei der Schmach von Cordoba ebenfalls auf dem Rasenrechteck der zweitgrößten Stadt Argentiniens zugegen und hat seine Kickerkarriere bekanntlich schon lange beendet. Beinahe ebenso messerscharf wie er in seinen besten Tagen maßgenaue Flanken nach Kaltzscher Bananenart trat, gab Kaltz nun im Vorfeld des österreichisch-deutschen Aufeinandertreffens in einem Interview mit der WELT Jogis Löwen Flankenschutz:
„Die Österreicher sind stehen geblieben. So sieht’s doch 30 Jahre später aus. Die träumen doch heute noch davon. Sie haben ein Spiel gewonnen. Und was hat es ihnen gebracht? Gar nichts! Ich glaube, sie haben das Spiel nie verkraftet.“
Da könnte der einstige Flankengott durchaus Recht mit haben und wird für seine maßgenaue Analyse über das Dilemma der kranklnden österreichischen Fußballseele zum neuen T(h)or der Woche ernannt. Im THOR WATERSCHEI-Klubhaus wird jedenfalls zurzeit inständig gehofft, dass die überspannten Cordobareien bald wieder eingemottet werden. Wie sagte schon Jogi Löw im Vorfeld der DFB-Bergtour: „Ich kann Cordoba nicht mehr hören.“

Über den T(h)or der Woche

Ende der Ottokratie?

Bild: Bild.de

Freitag, 13. Juni 2008

Wunder von Bern?

Das Uhrwerk Oranje tickt und tickt. Dass Les Bleus heute gegen erneut wie entfesselt aufspielende Cruyff-Erben ebenso wie Italien (→ Rinus van Basten) ihr blaues Wunder erleben würden, hätte man nach der Auslosung dieser Todesgruppe C wohl kaum gedacht. Da kam selbst ein gewisser Günter Netzer im Ersten vor lauter Bewunderung mächtig ins Stottern, als er über "seine Holländer" und deren Spielkunst schwärmte. Die Van Basten-Schützlinge kleideten das Berner Wankdorf jedenfalls zum zweiten Mal in orange. Allmählich wird einem im Angesicht des zuweilen brillanten Spiels der Elftal doch etwas Bange.

Bergtour' 08 # 12: Verabcici?

Da bekleckerten sich Jogis Löwen gestern Abend in Klagenfurt ja wirklich nicht mit Ruhm. Kroatiens kariertbedresste Kicker zeigten Ballack & Co. bekanntlich was eine Harke ist, so dassder beste Deutsche noch Kommentator Bela Rethy blieb. Kaiser Franz gab sich via BILD fassungslos, die Gazetten unterdessen hämisch und orakelten bereits ein zweites Cordoba.THOR WATERSCHEI mit einer Presseschau:

1. „Kroaten vernichten die Deutschen mit 2:1. Der große Favorit muss jetzt gegen uns zittern.Kroaten schießen Piefke ab. Danke, Kroatien! Jetzt bitte ein 2. Cordoba.“ (Österreich)

2. „Kroatischer Strich durch deutsche Rechnung.“ (Standard)

3. „Magisch! Die Deutschen kapitulieren. Auf Wiedersehen, Deutschland! Ein fantastisches Kroatien besiegt die mächtige Elf. Nun bleiben wir bis zum Schluss. Das war wieder das gute, alte Kroatien.“ (Sportski Novosti)

4. „Sensation - deutsche Badegäste am Wörthersee. Die Titelaspiranten wurden von entfesselten Kroaten auf den Boden der Realität geholt. “ (Kurier)

5. „Abgekocht! Das riecht nach Verabcici.“ (Berliner Kurier)

6. „Kroatastrophe!“ (BILD)

7. „Kroatien weckt deutsche Zweifel.“ (As)

8. „Bruchlandung der deutschen Himmelstürmer.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

9. „Der deutsche Absturz ins Basislager.“ (Süddeutsche Zeitung)

10. „Rückschlag auf dem Weg zum Gipfel.“ (Berner Zeitung)

11. „Jetzt wird gejammert. Hoppla – Riesentöter Kroatien hat wieder zugeschlagen! Und jetzt muss Deutschland gegen Österreich zittern.“ (Blick)

Mittwoch, 11. Juni 2008

Kein Sommermärli

Die Eidgenossen sind gegen Last-Minute-Türken ins Nichts der Euro Null Acht abgetaucht. Das riecht nach dem verlorenen Schweizer Regenspiel von Basel ganz stark nach türkischen Autokorsos. In der letzten Partie der Gruppe A gegen die bereits als Gruppensieger feststehenden Portugiesen geht es für Köbi Kuhns Kicker nur noch um die Goldene Ananas.

Bild: Blick.ch

Dienstag, 10. Juni 2008

Waterloo

Die Weise „Modern ist, wenn man gewinnt“ hat im Zitatenschatz von Otto Rehhagel bekanntermaßen seinen festen Platz. Bereits während des unansehnlichen Euro Null Acht-Auftaktkicks der griechischen Europameister gegen biedere Schweden fragte sich ARD-Kommentator Steffen Simon, zurzeit vom Kritikanteil her ja quasi der Berti Vogts der Reportergilde, was denn sei, wenn Charisteas & Co. nicht gewännen. Tja, mit modernem Spiel hatte das Betonanrühren der reaktionären Rehakles-Riege bei ihrer 0:2-Pleite, in der Schwedens nimmermüder Henke Larsson (→ Alter Schwede Reloaded) entscheidend die Strippen zog und Super-Zlatan ja brav den Führungstreffer auflegte, wenig zu tun.

Zum Trost* für Rehhagels Recken nach ihrem Salzburger Waterloo kann sich THOR WATERSCHEI nun ein bißchen ABBA nicht verkneifen. Ebenso wie Herr Netzer war TW übrigens heilfroh, dass das zähe Geplänkel auf dem Rasenrechteck in der Mozartstadt nich länger als 90 Minuten gedauert hat.



*Der Tröstetusch wird natürlich auch ein bißchen dem armen Steffen Simon gewidmet.

Montag, 9. Juni 2008

Rinus van Basten?

Wandelt Bondscoach Marco van Basten allmählich auf den Spuren des großen Rinus Michels? Den italienischen Abwehrriegel, löchrig wie ein Schweizer Käse, hat die Elftal jedenfalls im Berner Stade de Suisse in ihrem Euro-Auftaktmatch mit flottem wie sehenswerten Offensivfußball und einem hochverdienten 3:0-Triumph, der zugleich zu einer der größten Pleiten in der italienischen EM-Geschichte mutierte, geknackt. War es etwa Hollands erster Anstieg auf den Euro-Gipfel?

Bergtour' 08 # 11: „Wir haben 2:0 gegen Podolski verloren“

Der Kaiser war von dem Sieg von Jogis Löwen über Polen begeistert und attestierte der DFB-Eleven via BILD einen „perfekten Start“. Der polnische Verschnitt der Bild-Zeitung namens FAKT fokussierte den deutschen Sieg unterdessen auf einen gewissen Lukas Podolski und kommentierte treffsicher: „Wir haben 2:0 gegen Podolski verloren.

Sonntag, 8. Juni 2008

Marek Heinz lässt grüßen

Nach jener 56. Spielminute des Euro-Eröffnungskicks zwischen den Schweizern und Tschechen führte der gute alte Jan Koller einen ausgewachsenen Affentanz in Richtung Karel Brückner auf. Hatte es der Monseigneur des tschechischen Fußballs mit dem silber schimmernden Haar doch gewagt, Koller nach wenig Erquicklichem aus dem Spiel zu nehmen. Dass Brückner richtig lag, bewahrheitete sich, als sein Joker Vaclav Sverkos später das tschechische Siegtor und zugleich den Premierentreffer der Euro markierte (→ Chancenlos gegen das Schicksal) .

Sverkos sprach im Nachhinein von dem wichtigsten Treffer seines Lebens. Nicht verwunderlich. Denn so selbstverständlich, dass Brückner ausgerechnet ihn überhaupt in seinen EM-Kader berufen sowie dann als Trumpfkarte auch noch England-Profi Milan Baros vorzog, war es nach der Sverkos-Odyssee der vergangenen Jahre nicht. Sverkos war vor rund fünf Jahren von Borussia Mönchengladbach an den Bökelberg gelotst worden, hatte dort indes ebenso wie bei seinen nachfolgenden Abstechern zu Hertha BSC Berlin und Austria Wien mehr die Ersatzbänke gewärmt denn schöne Treffer bejubelt. Der Tenor von SMS, die nach seinem goldenen Tor ins THOR WATERSCHEI-Klubhaus eintrudelten, sprach daher Bände: „War das DER SVERKOS? Unglaublich!“

So ein bißchen erinnert der mittlerweile 24-Jährige an seinen Landsmann Marek Heinz. Der hatte bei der Euro vor vier Jahren in Portugal mit zwei Treffern und feinen Dribblings seine wohl schönsten Tänze als Fußballer aufgefüht, gab bei seinen drei Stationen in der Bundesliga, einem Intermezzo bei Galatasaray und auch zurzeit in Frankreich beim zweitklassigen FC Nantes gestrandet eher den Ritter von der traurigen Gestalt . Seine beste Saison spielte Heinz übrigens vor jener Euro Null Vier beim tschechischen Klub Banik Ostrau, für den auch Sverkos inzwischen seine Stiefel schnürt und dort zum Torschützenkönig der tschechischen Liga avancierte.

Wie dem auch sei, der Guardian notierte jedenfalls treffend, dass Sverkos die Schweizer Party beendete. Sverlos darf sich aber nunmehr nicht nur über das wichtigste Tor seines Lebens, sondern ebenso über die Ernennung zum neuen T(h)or der Woche freuen. Der kleine Titel ist ihm, augenzwinkernd gesagt, nicht mehr zu nehmen. Selbst wenn er tatsächlich die Neuauflage des traurigen Marek Heinz sein sollte.

„Chancenlos gegen das Schicksal“

Der holde Fußball-Gott bewies am gestrigen Samstag, jenem historischen Tag des Eröffnungsspiels der Euro Null Acht, dass er offenbar kein Schweizer ist. Erst nahm er Köbis Kuhn Kickern mit Alex ihren besten Mann, dann schenkte er ausgerechnet Vaclav Sverkos, dem einstigen Bundesligadauerreservisten, das Siegtor, welches Tschechien recht unverdient in Basel zum Sieger machte. Dass der Fußball-Gott den italienischen Referee mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen Rosetti zwei Handspiele von Tschechiens Kapitän Tomas Ujfalusi übersehen ließ, soll dabei nicht in toto ausgeschlachtet werden.

Das will THOR WATERSCHEI vielmehr der internationalen Presse überlassen und hat elf Schlagzeilen aus dem rauschenden Blätterwald zum verbaselten eidgenössischen Eröffnungsspiel aufgeschnappt:

1. „Chancenlos gegen das Schicksal“ (Sonntags Zeitung)

2. „Sverkos beendet Schweizer Party“ (Guardian)

3. „Bitterer Auftakt für die Schweiz“ (Gazzetta dello Sport)

4. „Tapfer gekämpft, eher zufällig verloren“ (NZZ am Sonntag)

5. „Schwarzer Tag für die Schweiz“ (Spiegel Online)

6. „Sverkos versenkt die Schweiz“ (Sky Sports)

7. „Wir wurden betrogen!“ (Sonntags Blick)

8. „Die riesige Frustration“ (Le Matin)

9. „Die Schweiz schlecht belohnt“ (L'Equipe)

10. „Die ganze Schweiz weint mit Frei“ (Sonntags Zeitung)

11. „Doppelter Alptraum“ (Blick Online)

Samstag, 7. Juni 2008

Bergtour' 08 # 10: MEIN GOTT!

Die Sun konnte es heute Morgen kaum glauben, schlug sozusagen für den gemeinen Engländer die Hände vor dem Kopf zusammen und formulierte entsetzt auf Deutsch: „ MEIN GOTT! Unser WM-Held hält zu Deutschland.“ Englands Fußball-Ikone Geoff Hurst, Schütze des legendären Wembley-Tores anno '66, hält bei der Euro Null Acht mit Deutschland dem Erzrivalen seines nicht qualifizierten Heimatlandes die Daumen.

„Wahnsinn! Hurst schlägt sich auf die Seite unserer Jungs,“ klopfte sich daher BILD vergnügt auf die Schenkel. Hurst selbst ist das Getöse offenbar ziemlich egal: „Seit klar ist, dass wir nicht bei der EM dabei sind, halte ich zu den Deutschen! Ein paar Leute werden ihre Augenbrauen verwundert hochziehen, aber es ist doch so: Ihre Bilanz bei Welt- und Europameisterschaften ist fantastisch. Ok, Brasilien hat die beste Gesamtbilanz, aber hier ist Europa. Und da sind die Deutschen die Schwergewichte!“

Freitag, 6. Juni 2008

„Der Pokal gehört uns“

Ist Signore Andrea Pirlo vom großen AC Milan etwa ein Aufschneider? Auf einer der unzähligen Pressenkonferenzen im Vorfeld der Euro Null Acht hauchte der filigrane Spielmacher der Squadra Azzurra auf einen möglichen Vereinswechsel nach Spanien beinah verliebt ins Mikro: „Ich werde bei Milan bleiben. Milan ist mein Verein und wird es auch bleiben.“ Surft man nun völlig unschuldig zu Pirlos Wikipedia-Eintrag, machte dieser einem irritierend weiss, dass Pirlo eigentlich eingefleischter Anhänger von Milans Erzrivalen Inter ist.

Nachdem gleichwohl dieses Paradoxon verdaut wurde, steht Pirlos beinah im gleichem Atemzug ausgesprochene eindeutige Anzeige des italienischen Besitzanspruches auf den Coupe Henri Delaunay gleich in einem anderen Licht, rief Pirlo doch den anwesenden Journalisten mit funkelnden gollumesken Augen zu: „Der Pokal gehört uns. Ich bin hier, um zu gewinnen. Das ist das einzige Ziel. Wir werden wieder den Pokal holen, wie schon 2006 in Deutschland.“ Meinte der mit dem Gesicht, welches dem von John Malkovich so verdächtig ähnlich sieht, nicht vielleicht doch: Der Pokal gehört den anderen?

Gibbs, nich!

Der FC St. Pauli hat ja schon so einiges seit seiner Gründung anno 1910 mitgemacht. Spieler mit mehr und auch weniger klangvollen Namen kamen und gingen. Aktuell ist es dem Traditionsverein vom Millerntor ja bekanntlich gelungen, seinen langjährigen Stammplatz im Fahrstuhl zwischen den drei obersten deutschen Ligen abzugeben. Rang neun in Liga Zwo im Jahr eins nach dem erneuten Aufstieg aus der Drittklassigkeit verhieß für die einstigen Weltpokalbesieger daher beinah jene Bodenständigkeit, die man gelegentlich beim Genuß einer deftigen Bulette verspürt.

Da die Kiezkicker aber nicht Jahr ein Jahr aus auf Rang neun in Liga Zwo Wurzeln schlagen wollen, werkeln die verantwortlichen Pauli-Legenden Helmut Schulte, Holger Stanislawski und Andre Trulsen derweil an einem schlagkräftigen Kader für die kommende Zweitligasaison, um dann mal wieder öfter mit den rothosentragenden Seeler-Erben messen zu können. Mögliches Mitglied der neuen Pauli-Truppe soll nun übrigens mit US-Boy Cory Gibbs ein alter Bekannter werden, dessen Verpflichtung das Trio offenbar ins Auge gefasst hat. Der ehemalige US-Nationalverteidiger trat bereits von 2001 bis Ende 2003 in St. Paulis Abwehr in die Fußstapfen von Eisenfuß Dieter Schlindwein. Ist ja auch soweit so gut, wenn man bedenkt, dass es Gibbs nach seinem Millerntor-Intermezzo unter anderem mit Feyenoord Rotterdam und Charlton Athletic auf der Insel zu durchaus namhaften Klubs verschlagen hat.

Doch die Sache mit Gibbs hat leider zwei Haken. Zum einen hat der Rückkehrerkandidat seit 2005 gerade einmal 20 Pflichtspiele bestritten. Zum anderen ist der Kiezklub trotz der anmutenden und unermüdlichen Rasenumpflügeaktionen von Gibbs nacheinander aus der Bundesliga und der Liga Zwo abgestiegen. Lässt man sich jedenfalls als gemeiner Pauli-Sympathisant im Falle eines Gibbs-Transfer von seinem irrlichternden Aberglauben geleitet den Verlauf der kommenden Saison orakeln, riecht das für den FC St. Pauli doch erheblich nach Büchse der Pandora und damit womöglich nach einer Fahrstuhlfreikarte für Liga Drei. Mithin die falsche Richtung. Also mit zwinkerndem Auge gesagt: Gibbs, nich!

Donnerstag, 5. Juni 2008

Bergtour' 08 # 9: Nich mit Leo

Sofern am Sonntagabend die polnische Auswahl gegen Jogis Löwen ebenso zur Sache gehen sollte, wie es die polnischen Gazetten Fakt und Super Express dieser Tage martiarlisch einforderten, würden wohl im beschaulichen Klagenfurt nicht nur die Fetzen fliegen, sondern gleichfalls Köpfe rollen - allen voran die Häupter der Herren Ballack und Löw.

Entgegen dieses übermütigen martialischen Imperativs (Spiegel Online) der beiden polnischen Postillen hat sich Leo Beenhakker, der niederländische Trainer der Polen, inzwischen aufs Büßerschild erhoben und im schnellen Stakkato die "schreckliche Sache" entschuldigend als "Verrückt, schmutzig, krank" abgetan. Solch Kleingeistereien sind für den weltgewandten Globetrotter anscheinend nichts. Entscheidend is halt, wie schon Adi Preißler sagte, auf'm Platz...

Dienstag, 3. Juni 2008

Sechziger

Der "Kaiser" brachte es nach dem gewonnenen WM-Finale von 1974 auf den Punkt. Eigentlich hätte dem Jürgen Sparwasser auch noch eine Medaille gehört. Der habe die BRD mit seinem Tor rechtzeitig wachgerüttelt, säuselte Beckenbauer und spielte auf die historische Pleite der DFB-Eleven am 22. Juni im Hamburger Volksparkstadion gegen die DDR an.

Ein gewisser Jürgen Sparwasser mit der Cruyffschen Nummer 14 auf dem Rücken, kurz zuvor mit seinem 1. FC Magdeburg zum Europapokalsieger der Pokalsieger avanciert, hatte die von Beckenbauer, Müller & Co. offenbar unterschätze Buschner-Elf dank seinen Treffers in der 78. Minute auf die Siegerstraße geschossen. Es war wohl trotz einer Vielzahl von Sparwasser-Volltreffern in dessen Karriere wohl sein wichtigste Tor. Heute feiert Jürgen Sparwasser übrigens Jubiläum, seinen 60. Geburtstag und lebt mittlerweile in der Nähe von Frankfurt am Main.

Bergtour' 08 # 8: Unruheherd

Polens einstige Stürmerperle Zbigniew Boniek ist noch heute mit seinen inzwischen 52 Jahren so wie einst in den wilden Siebzigern und Achtziger, in denen er mit seiner wallenden rotbrauen Mähne und seinem feinen Oberlippenbart auf dem Rasenrechteck den gefährlichen Filou gab, ein ständiger Unruheherd. Dass der niederländische Trainerfuchs Leo Beenhakker zurzeit akribisch mit seinen Polen daran werkelt, im polnischen Auftaktspiel am Sonntag den Jogis Löwen, wie 30 Jahre zuvor bei der WM in Argentinien, quasi die Suppe zu versalzen, konnte man sich ja schon beinah denken.

Leider ließ der offenbar ungeduldige Boniek nun die Katze aus dem Sack, wie Beenhakker den deutschen Nachbarn übertrumpfen will. Nicht mit Spielwitz, Kondition oder ähnlichem. Nein - schlicht und einfach mit Intelligenz. „Die polnischen Spieler sind 16 Mal intelligenter als die deutschen. Hoffentlich werden sie das auf dem Platz auch beweisen“, tönte Boniek kernig ins Eu(ro)phoriehorn. Eine erste Reaktion von Jogi Löw ist bislang noch nicht bis ins THOR WATERSCHEI-Klubhaus vorgedrungen. Der Schwabe soll jedoch Ballack, Poldi & Co. damit beruhigt haben, dass sie lediglich ein Tor mehr schießen müssten als Bonieks Nachfahren.

Montag, 2. Juni 2008

P-Plan

Quelle: Köln.de


Geisterspiel

Dass Berti Vogts als eine Art Globetrotter durch die weite Welt des Fußballs tourt, ist ja mittlerweile kein großes Geheimnis mehr. Wobei man sich ja eigentlich vorstellt, dass wenn die Vogtsschen Kaukasuskicker ins Stadion einlaufen, sich die anwesenden Zuschauer, ob des (wahrscheinlich) bevorstehenden Kantersieges gegen das Kanonenfutter aus Aserbaidschan (→ Auf nach Aserbaidschan) die Hände reiben. Im bosnischen Zenica war gestern Abend allerdings fast kein Publikum zugegen, so dass Bertis Premiere zu einem Geisterspiel verkam.

Doch das lag einzig am Boykott zu Gunsten des geschassten bosnischen Ex-Nationaltrainers Meho Kodro, für den Publikum, Presse und 19 Spieler in den Streik getreten waren und vielmehr in Sarajevo vor ausverkauftem Haus ein Benefizspiel steigen ließen. Bertis Premiere glückte, wenn man so will, sogar teilweise. Er holte nur eine achtbare 0:1-Niederlage gegen bosnische U 21-Junioren, mit denen das bosnische Team aufgefüllt wurde...

Sonntag, 1. Juni 2008

Tierische Überraschung

Der gute Edmundo, brasilianischer Ex-Nationalspieler, war schon immer für eine Überraschung gut. Das „Tier“, auf portugiesisch „O Animal“, fabrizierte im Laufe seiner langen Karriere dank seiner diversen zuweilen schlagkräftigen Aussetzer beinah ebenso viele Schlagzeilen wie für seine genialen Momente und etlichen Treffer auf dem Rasenrechteck. Wie Edmundo einst auf dem Geburtstag seines Sohnes einen Schimpansen mit Bier und Hochprozentigem abgefüllt hat, soll daher nicht weiter ausgeschlachtet werden. Für geniale Momente wird der inzwischen 37-Jährige aber demnächst nicht mehr sorgen. Nach einem verschossenen Elfmeter im brasilianischen Pokalhalbfinale fasste der Vizeweltmeister von 1998, der es auf stolze 18 Profistationen bringt, den Entschluss seinen Stiefel ab sofort an den Nagel zu hängen.

Er könne mit den ganzen Emotionen nicht mehr umgehen, ließ Edmundo Alves de Souza Neto verlauten, der es in der Selecao auf 42 Länderspiele gebracht hat. Immerhin hat das „Tier“ bei Vasco da Gama zumindest bei seinem selbsterklärten „Klub seines Herzens“ Lebewohl gesagt. THOR WATERSCHEI lässt es sich daher nicht nehmen, Edmundo noch einmal zum Abschluß der Laufbahn zum T(h)or der Woche zu ernennen und hat für eine kurzfristige Rückkehr des einstigen Starstürmers vom Zuckerhut stets ein paar Baldrianpillen in seinem Klubhaus parat liegen.

Über den T(h)or der Woche