Samstag, 31. Mai 2008

Gute Kundschaft

In gut einer Woche erfolgt der Startschuss der Euro Null Acht und dann wird am kommenden Sonntag in Wiener Ernst-Happel-Stadion auch Gastgeber Österreich ins Geschehen eingreifen. Gegen überaus selbstbewusste Kroaten übrigens, die nun schon im Vorfeld ein wahres Feuerwerk an hämischen Attacken abschossen. Angeblich musste gar Österreichs kroatischstämmiger Kader-Oldie Ivica Vastic spielen, etwa für die Schlagzeilen der kroatischen Gazette Vecernji list, die überzeugt die Faust auf den Tisch haute: „Österreichs Mannschaft ist lächerlich. Kroatien kann sich nur selbst schlagen. Hickersberger hat es in zwei Jahren nicht geschafft, aus dieser Mannschaft eine Einheit zu machen.“

Hickersberger, seit einem denkwürdigen Abend im schwedischen Landskrona im Spätsommer 1990 auch mit dem Spitznamen Hickersberger „Faröer-Pepi“ bedachte, freute sich jedenfalls darüber: „Es gibt nichts Besseres, als völlig unterschätzt zu werden. Es würde mich nicht stören, wenn uns auch die kroatische Mannschaft unterschätzen würde.“ Ebenso wie am gestrigen Abend über die geglückte Euro-Generalprobe seiner potenziellen Helden in Graz, die zugegeben schwachen Malteser mit einem satten Fünf zu Eins in die Schranken wiesen. Dieser Kantersieg sorgte in der Alpenrepublik gleichwohl für ein geteiltes Presseecho. Denn während die Kronen-Zeitung immerhin noch einen „überzeugenden Sieg“ beobachtet hatte, notierte Die Presse nüchtern, dass lediglich das Ergebnis gepasst habe.

In Kroatien hingegen ließ man wiederum kein gutes Haar an dem Erfolg. Die Tageszeitung Jutarnji list höhnte etwa: „Österreich hat eine Sauerstoffflasche bekommen, nachdem es resultatsmäßig über ein bescheidenes Nationalteam Maltas drüberfuhr. Der hohe Sieg wird die Moral der Mannschaft, die jedes 15. Spiel gewinnt, verbessern.“ Sportske novosti konnte sich ebenso der Häme nicht erwehren: „Österreich hat es geschafft, eine gute Kundschaft zu finden, einen Gegner, den man überzeugend besiegen kann. Die Malteser haben sich als sehr bescheidener Gegner erwiesen, aber berücksichtigend, dass Österreich sehr selten gewinnt, ist jeder Sieg erfreulich - vor allem im letzten Test vor der EURO.“

Im THOR WATERSCHEI-Klubhaus bleibt die Häme derzeit erst einmal im Karton. Vielmehr wurde lebhaft spekuliert, ob Kroatiens Gazetten wohl für den schon fast cordobaesk anmutenden Fall sprachlos werden, in dem sich die Bilic-Ballartisten als gute Kundschaft für Hickes Helden erweisen.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Bergische Eiche

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die "Eisenfüße" aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Rekordspieler Dirk Hupe...

In einer Zeit als Vorstopper noch Vorstopper waren, grätschte Dirk Hupe versiert durch die Strafräume von Union Solingen, Arminia Bielefeld, Borussia Dortmund und Fortuna Köln, fiel aber nicht nur durch eisenharte Aktionen seine in Bundesliga und Liga Zwo zuweilen bemitleidenswerten Gegenspieler auf, die nicht nur teilweise von der „Bergischen Eiche“ ordentlich auf die Socken bekamen. Ebenso die schier unbezähmbare Lockenpracht und sein Rauschebart gehörten in Hupes besten Spielertagen in den Achtzigern zu ihm.

Im Juni 1994 sollte Hupe schließlich, der heute seinen 51. Geburtstag vollendet und laut Wikipedia inzwischen Geschäftsführer einer renommierten Versicherungsgesellschaft ist, bei einem schnöden Eins zu Eins bei der Berliner Hertha BSC im Fortuna-Dress ein letztes Mal den beinharten Abwehrrecken spielen. Insgesamt war es Hupes 399. Zweitligaspiel und damit inklusive seiner 214 Einsätze in der Bundesliga sein 613. Profieinsatz. Trotz der 602 Partien des alleinigen Bundesligarekordhalters Charly Körbel hat kein Kicker mehr Profispiele im deutschen Fußball absolviert als Herr Hupe, der daher feierlich von THOR WATERSCHEI in seine Galerie der Eisenfüße aufgenommen wird.

3 aus 26

Der Bannstrahl von Jogi Löw hat nach dem müden montäglichen Zwei zu Zwei seiner noch müderen Löwen, angeführt von „Opa“ Metzelder, gegen flinke Weißrussen das Trio um Jermaine Jones, Patrick Helmes und Marko „Icke“ Marin (→ Sechsundzwanzig) getroffen. Nur, hätte der gute Jogi sich das Casting der drei auf Mallorca nicht einfach sparen können? Wie amüsant übrigens, dass ausgerechnet Kevin Kuranyi ähnliche Töne durch die heutige Presselandschaft schickte und auch noch irgendwas von „ vielleicht Premier League oder Spanien“ lispelte...

Dienstag, 27. Mai 2008

Bergtour' 08 # 7: Wiener Wunder

Da werden wohl nicht nur Österreich und der gute Faröer-Pepi narrisch. Das ORF hat bereits vor der EM eine Rückschau auf die Euro Null Acht gedreht. Im Wunder von Wien wird der Weg des Gastgebers zum EM-Titel nachgezeichnet.

Sonntag, 25. Mai 2008

Bogenlampe

Am 25. Mai 1983 avancierte der HSV nach seinem 1:0-Triumph im Landesmeisterendspiel von Athen über das favorisierte Juventus Turin dank der Bogenlampe von Felix Magath aus der 8. Spielminute zum Europapokalsieger der Landesmeister.

For England

Die komplizierte Beziehung des Mutterlands des Fußballs zum Elfmeterschießen und seinen Torstehern sorgt in der der weiten Welt des Fußballs bekanntlich immer wieder für eine gewisse Heiterkeit. Dass diese beiden englischen Vakanzen etwa Ausflusses eines anhaltenden Fluches sind, mit dem der Fußball-Gott England nach Geoff Hursts Wembley-Tor `66 belegte, ist augenzwinkernd gesagt, ja mittlerweile nicht mehr auszuschließen. Dass die Angelegenheit vom Elfmeterpunkt keine besondere englische Neigung ist, bestätigte erst jüngst „Mister Chelsea“ John Terry mit seinem tragischen Ausrutscher im Elfmeterschießen des Champions League-Finales auf dem nassen Rasen des Moskauer Luschniki-Stadions.

Nicht viel besser ist es um die englische Torwartriege bestellt, deren Vertreter wegen ihrer regelmäßigen Fehlgriffe gerne mal auf die Schippe genommen werden. Denn die Tage der legendären englischen Goalies Gordon Banks, Ray Clemence oder Peter Shilton, die sich immerhin alle drei in der von den Experten der IFFHS aufgestellten Rangliste der 20 besten Torsteher des 20. Jahrhunderts wiederfinden, im Kasten der „Three Lions“ ja schon lange gezählt. Wie auch die wechselhafte Karriere von David Seaman, dem man einst des Öfteren bescheinigen musste, mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein. „Seamo“ scheinen aber die dunklen Flecken auf seiner Torwartvita nicht wirklich zu stören, präsentierte er vor ein paar Jahren auf der DVD-Compilation „Goalkeeping Nightmares“ nicht nur seine eigenen schönsten Patzer, sondern auch die seiner Kollegen.

Da gute Torhüter also auf der Insel offensichtlich nicht auf Bäumen wachsen, lässt Englands italienischer Nationaltrainer Fabio Capello derweil nichts unversucht, geeignete Kandidaten für den Platz zwischen den englischen Pfosten zu finden. Signore Capello, der zu eigenen Spielertagen in Italiens „Squadra Azzurra“ noch vor dem großen Dino Zoff verteidigen durfte, richtete, nachdem er sich die englischen Stammkeeper der Premier League etwa an einer Hand abzählen kann, nun sogar den Blick in die drei englischen Profiligen unterhalb der Premier League.

Und siehe da, bei Peterborough United, in der abgelaufenen Saison Vizemeister der viertklassigen Coca Cola League Two entdeckte Capello offenbar einen Rohdiamanten. Dieser heißt ebenso wie der einstige berühmte Boxer Joe Lewis, ist gerade einmal 20 Jahre alt und war mit seinen fulminanten Paraden maßgeblich am Aufstieg des Vereins aus der ostenglischen Grafschaft Cambridgeshire in die drittklassige Coca Cola League One beteiligt. In dieser dürfen sich „The Posh“ und ihr feiner Keeper künftig mit Klubs wie Leyton Orient oder den Tranmere Rovers messen. Sozusagen gecastet hat ihn Capello angeblich bei Lewis überzeugender Premiere im englischen U 21-Team gegen die Junioren aus Wales.

Und nachdem sich unterdessen mit Chris Kirkland von Wigan Athletic einer von zwei Ersatzkeepern hinter Capellos bald 40-jährigem Stammtorwart David James, wegen seiner gelegentlichen Aussetzer liebevoll „Calamity James“ genannt, verletzte, berief Capello überraschenderweise jenen Joe Lewis in seinen Kader für die beiden Länderspiele der „Three Lions“ gegen die USA und Trinidad und Tobago. Lewis ist damit seit Johnny Byrne, der anno 1962 nach einer Menge Toren für das damals drittklassige Crystal Palace nominiert worden war, der erste ins englische Nationalteam berufene Spieler, der bei seiner Nominierung nicht bei einem Verein aus den ersten beiden englischen Ligen unter Vertrag steht.

Am kommenden Mittwoch könnte es daher im Wembley-Stadion gegen die USA womöglich zu Lewis‘sensationellem Länderspieldebüt für England kommen. Vielleicht kann der nicht gerade beneidenswerte Capello dann ja feststellen, bei seiner Goalie-Casting-Tour unterhalb der Premier League fündig geworden zu sein. Denn wer sucht, findet gemäß der alten Weisheit ja schließlich irgendwann.

Zappel-Philipp

Borussia Dortmund ist wirklich nicht zu beneiden. Jetzt hat der BVB nach der Verpflichtung von Jürgen Klopp erst einmal sämtliche Trainerdiskussionen in Rauch aufgelöst. Nun muss der BVB sich zusätzlich noch nach einem neuen Rechtsverteidiger umsehen. Denn sozusagen vom Fleck weg lotste der FC Liverpool neulich Philipp Degen in seinen roten Dress. Wie die „Reds“ indes auf den Eidgenossen, den die schweizer Tageszeitung Blick wegen seiner Energie mal als „Zappel-Philipp“ bezeichnete, aufmerksam geworden sind, verursacht im THOR WATERSCHEI-Klubhaus jedenfalls noch immer etwas Schulterzucken.

Naja, so richtige Flankenläufe zum Zungeschnalzen, geschweige denn besondere Meriten, hat sich Degen in der abgelaufenen Saison , auch dank einiger Verletzungen, jedenfalls bei seinen mageren zehn Einsätzen für die Borussia nicht so wirklich erworben. Gut, möglicherweise eilt dem Schweizer Nationalkicker dank seiner rund 30 Länderspiele ja bis auf die Insel ein Ruf als offensivstarker Flügelflitzer voraus. Oder der FC Liverpool hat sich von Degens Steckbrief auf der mit seinem Zwillingsbruder David gemeinsamen betriebenen Homepage überzeugen lassen. Auf dieser preist sich der 25-Jährige selbst als „der Wirbelwind auf der rechten Seite“, der „mit seinen Dribblings die Gegner schwindlig spielt und den Ball dann vors Tor bringt oder auch mal gerne selbst abschliesst“.

Wie dem auch sei, THOR WATERSCHEI gratuliert dem „Zappel-Philipp“ zum Karrieresprung auf die Insel und ernennt ihn ebenso vom Fleck weg zum neuen T(h)or der Woche. Den Eintrag eines etwas kritischeren BVB-Fans in seinem Gästebuch wird er damit sicher verkraften, der fürwahr in seinem kurzen Eintrag kein Blatt vor den Mund nahm: „Ich möchte hier ehrlich sein, in Dortmund brauchen wir Spieler anderen Formats, Spieler, die nicht wie 12-jährige vorm Spiel ein bisschen mit dem Ball rumjonglieren und sich von Führungsspielern mitziehen lassen müssen.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 24. Mai 2008

Die Gallier sind wieder da

Was macht eigentlich...der SV Meppen? Jener emsländische Klub, der einst über eine Dekade zum Synonym des deutschen Zweitligisten avancierte, kämpft derzeit in der viertklassigen Oberliga Nord um das Erreichen der Relegationsrunde zur Qualifikation für die Regionalliga und liefert sich mit seinem Lokalrivalen VfB Oldenburg ein spannendes Fernduell um den zur Teilnahme an der Relegation berechtigenden 7. Rang, dessen Erreichen nach dem Lizenzentzug des Fünften Heeslingen bereits ausreicht.

Ein Sieg im letzten Heimspiel der Saison 2007/2008 im Lokalderby gegen Nachbar Eintracht Nordhorn, welches THOR WATERSCHEI aufmerksam unter die Lupe nahm, war daher für den im emsländischen Volksmund liebevoll SVM genannten Traditionsverein im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig, um die Hand weiter auf dem begehrten Relegationsticket zu halten.

Hierfür waren im Übrigen im Vorfeld der Partie beste Voraussetzungen geschaffen worden. SVM-Legende und Cheftrainer Hubert Hüring hatte mit einem leidenschaftlichen Appell in der Lokalzeitung in das zuweilen leidgeplagte blau-weiße Herz der SVM-Anhänger getroffen. Denn schließlich sollten über 7.000 Zuschauer in das ehemalige Hindenburg-Stadion, dem inzwischen der Name Vivaris Arena verpasst wurde, den später aufopferungsvoll kämpfenden SVM-Kickern den Rücken stärken.

Nach etwas mehr als neunzig Minuten durfte die Vielzahl der freudestrahlenden „Schlachtenbummler“ (→ Albert, du sollst nicht streiten) auch feststellen, dass sich ihr Besuch gelohnt hatte. Zunächst wurde vor dem Anpfiff des Derbys insbesondere auf den Sitzrängen der ehrwürdigen Alten Tribüne noch von den Helden der Meppener Zweitligaepoche geschwelgt.

Etwa von den Martin van der Püttens und Jupp Menkes, die zu ihren besten Zeiten genug für die Bundesliga gewesen wären, dem SVM aber die Treue gehalten hätten. Oder von den Marko Myyrys, der als Kicker des SVM mit dem großen Jari Litmanen in der finnischen Nationalmannschaft Doppelpass gespielt hätte, und den Andreas Helmers, der sich auch nicht zu schade gewesen wäre, im richtigen Moment den Ball einfach Mal auf die Tribüne zu „kloppen“.

Auf dem grünen Rasen zeigte der SVM dann jedenfalls gegen die engagiert auftretenden Nordhorner Gäste gleich, wer Herr im Hause ist, musste jedoch frühzeitig eine erste Hiobsbotschaft hinnehmen, nachdem Abwehrchef Dame Diouf, der ältere Brudes des sengalesischen WM-Stars von 2002 El-Hadji, früh vom Platz humpelte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff folgte dann Hiobsbotschaft Nummer zwei, als die Eintracht ihre überraschende Führung bejubelte. Dass ließ den SVM-Express, der dank seiner drei vorherigen Siege eine kleine Euphoriewelle im Emsland entfacht hatte, jedoch nicht entgleisen.

Vielmehr kam dieser trotz der Rückschlage nun erst richtig in Fahrt und drehte den Rückstand schnell dank zweier sehenswerter Treffer von Meppens elegantem Spielmacher Eray Bayraktar und des pfleilschnellen Niederländers Rene Wessels noch vor dem verdienten Pausentee in eine eigene Führung um. Eine gute Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff stellte dann Bayraktar mit seinem aus abseitsverdächtiger Situation erzielten zweiten Tor die Weichen für den in der Vivaris Arena herbeigesehnten Dreier, der auch durch Nordhorns Anschlusstreffer im weiteren Verlaufs des hochspannenden Duells nicht mehr gefährdet wurde.

Der bisweilen im Kampf um die Regionalligaqualifikation schon totgesagte SVM bewies somit, dass er vor dem finalen Oberligaspieltag am kommenden Wochenende, an dem die Meppener beim bereits feststehenden Holstein Kiel gastieren, weiter quicklebendig ist oder wie SVM-Coach Hüring nach dem Spiel von Stolz erfüllt kommentierte: „Die Gallier sind wieder da. Von den ersten Minuten an hat man gemerkt, dass wir alle zusammenstehen. Wir haben blau-weiße Farbe gezeigt.“

Donnerstag, 22. Mai 2008

Bergtour' 08 # 6: Timo-Tröster?

Jaja. Der letzte Freitag hatte es in sich. Gegen Mittag gab unser Bundes-Jogi auf der Zugspitze die Stärke seines LÖWenrudels für die Euro Null Acht bekannt. Nachdem allerdings anstelle von Timo Hildebrand Rene Adler auf seinem 26er-Zettel landete, reagierte der Portero des FC Valencia auf die ihm vom Bundes-Jogi (→ Sechsundzwanzig) kredenzte unerwartete Nicht-Nominierung „überrascht, geschockt, auch irritiert“.

Damit der Schwabe sich nicht für die nächsten Wochen in seinem Schneckenhaus verkriecht, wurde mittlerweile die kleine Trostpage „Trost für Timo, der nicht nominiert wurde“ ins Leben gerufen. Sage und schreibe 24 sogenannte Trostpflaster wurden dort bislang hinterlassen, von denen übrigens noch nicht einmal einhundert Prozent Timo den Nacken streichelten. Beispiel gefällig? THOR WATERSCHEI präsentiert das Trio von Timos besten Tröstestilblüten:

„Schade für dich Timo, aber mal ehrlich, die Leistungen bei Valencia waren ja auch durchwachsen! ;)“

„Find ich richtig. Wärste mal beim VfB geblieben und hättest da gezeigt ob du es wert bist in der Nationalelf zu spielen. Bleib in Spanien und zähl dein Geld.“

„Ich hätte eh lieber Olli Kahn gesehen bei der EM!“

Manchester, Menschenfresser.

Wenn das mal kein feiner Fußballabend war. Da treffen sich zwei englische Mannschaften in Moskau. Es prasselt beinah wie auf der Insel herrlichster Regen auf den noch schnell aus der Slowakei eingeflogenen Naturrasen im Luschniki und nach spannendem 120-minütigen Hin und Her, stehen sich beide auch noch im Elfmeterschießen gegenüber. Ob Roman A. mit Absicht einen englischen Abend in seine russische Heimat importiert hatte? Naja, die beiden „Mister Chelsea“ Lampard und Terry heulten jedenfalls ebenso wie der Ballacksche Micha nach der 5:6-Penalty-Pleite Rotz und Wasser auf das nasse Luschniki-Grün.

Die „Roten Teufel“ aus Manchester um Rekordler Ryan Giggs (→ Giggs is God) bejubelten indessen einheitlich wie königlich , dass sie zum dritten Mal nach '68 und '99 Europas Silberpott in den verregneten Abendhimmel der russischen Kapitale stemmen durften. Sogar der große Sir Alex Ferguson gab sich ungewöhnlich juvenil, tanzte kindlich gelöst durch den Regen Moskaus und sah seine Schützlinge nicht nur in einer Erblinie mit Manchesters tragisch in München abgestürzter 58er Generation.

Vielmehr fühlte Fergie wohl offensichtlich, wie seine ManU-Kickern bei Terrys dramatischem Elfer-Fehlschuss vom Schicksal die Hand geküsst wurden:„Aufgrund der Geschichte des Klubs haben wir es verdient, diese Trophäe heute Nacht zu gewinne. Wir hatten einen guten Grund zum Siegen, und solche Menschen sind nur schwer zu schlagen. Ich glaube, das Schicksal hat uns die Hand gereicht.

Der Telegraph sollte heute hingegen recht pathetisch von einem „ der denkwürdigsten Fußball-Nächte in der Geschichte“ berichten. Der Himmel habe sich bei diesem epischen Finale zwischen zwei englischen Teams geöffnet, und er habe Tränen der Freude für Manchester United und Tränen der Sympathie für John Terry geweint.

Der Evening Standard richtete seinen Blick unterdessen auf Roman A.: „Was für ein außergewöhnlicher Höhepunkt. Zu sehen, wie Roman Abramowitsch in seinem Stuhl kauerte, fast unfähig, hinzuschauen, wie Terry an Grants regendurchnässter Schulter schluchzt, wie Ronaldo am Boden Tränen vergießt. Der Portugiese war überwältigt von den Gefühlen, denn er fürchtete, sein verschossener Elfmeter könnte den Titel gekostet haben.

Die Gazzetta dello Sport machte es sich da einfacher und brachte den gestrigen Abend simpel und treffsicher auf ihren rosa Seiten auf den Punkt: „Manchester, Menschenfresser. Nach der Premier League erobert ManU auch ganz Europa.“ Dann mal hierzu herzliche Glückwünsche aus dem THOR WATERSCHEI-Klubhaus!

Montag, 19. Mai 2008

Hopp! Hopp! Hopp!

Nach eigenem Bekunden ist die TSG 1899 Hoffenheim nach gestrigen Ende ihres einjährigen Intermezzos in Liga Zwo und ihrem Eintritt in den Fahrstuhl in die Bundesliga nun zu „1899 Prozent erstklassig“. Der Masterplan der Erfolfscombo Dietmar Hopp und Ralf Rangnick (→ Toröffner) ging früher auf als gedacht - nun will die TeEsGe also auch die Bundesliga gewaltig aufgemischen. Das nötige Kleingeld ist dafür ja bekanntlich vorhanden.

So genannte „(Fußball-)Kultur statt Kommerz“-Anhänger ließ TSG-Mäzen Hopp übrigens erst einmal ins Leere laufen: „Unsere Tradition ist die Zukunft. Es ist im Sport wie in der Wirtschaft: Es kommen neue Firmen hoch, und die müssen akzeptiert werden. Wir haben eine große Zukunft vor uns.“ Schaun mer mal, wie der Kaiser so schön sagen würde, wer wen also in der nächsten Bundesligasaison hopp nehmen wird oder wie lange im Kraichgau noch ein vergnügtes „Hopp, Hopp, hurra!“ intoniert wird...

Play up Pompey

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Der Triumph des FC Portsmouth im 127. englischen FA Cup-Endspiel gegen Cardiff City.

Dass der FA Cup eine besonders ruhmreiche Geschichte besitzt, ist wohl schon lange bis über die Grenzen Britanniens vorgedrungen (→ Oldie, but Goldie) . Daher wird es auch über den Ärmelkanal hinweg ein entsprechendes Echo erlangen, dass der FC Portsmouth, am vergangenen Samstag, dem 17. Mai 2008, im englischen FA Cup-Finale im neuen Wembley gegen Cardiff City (→ Walisische Wildcard) Geschichte schrieb und die Premier League-Fahne gegen den Zweitligisten unbefleckt hielt .

Allen voran dafür verantwortlich war dabei für den von der englischen Südküste stammenden Klub aus der Middle Class der Premier League, „Pompey“ war dort in der gerade abgelaufenen englischen Saisonschließlich respektabler Achter, Sturm-Veteran Nwankwo Kanu. Denn der baumlang anmutende Nigerianer, mittlerweile 32-jährig und so schlaksig wie eh und je, hielt gegen die tapferen Waliser in Minute 37 seinen rechten Fuß hin, nachdem Cardiffs finnischer Schlußmann Enckelmann zuvor einen Distanzschuss nur abklatschen konnte.

Kanus Abstauber sollte „Pompey“ letztlich vor knapp 90.000 Zuschauern in dem so genannten Duell der Underdogs gegen die „Bluebirds“ für den zweiten FA Cup-Sieg der Vereinsgeschichte nach 69 Jahren ausreichen. Kanu selbst ließ sich nach dem Schlusspfiff gar noch zum König krönen, indem er sich von seinen Mitspielern eine schwarze Mütze aufsetzen ließ, auf der in weißen Lettern das majestätische Wörtchen „King“ prangte. Dank seines Tores erhofft sich der altgediente zweimalige afrikanische Fußballer des Jahres nunmehr einen neuen Vertrag im Fratton Park, wo in der kommenden Saison im 101. Vereinsjahr von Portsmouth erstmals Europapokalspiele über die Bühne gehen werden.

Die können den „Pompey“-Kickern nun nicht mehr genommen werden. Anders als im Übrigen die nach dem Finale verteilten Siegermedaillen, die sich Portsmouth-Rechtsverteidiger Glen Johnson und Ersatzkeeper Jamie Ashdown, die sich offenbar leicht fahrlässig zu diebisch gefreut haben, aus ihrem Kulturbeutel bzw. Jackett stibitzen ließen, was die stets ehrenfeste Sun dazu veranlasste, die diebischen Elstern mit einem wütenden „Give them back!“ zur Rückgabe der unschuldigen Medaillen aufzufordern...

Sonntag, 18. Mai 2008

50 Schalker Jahre

Nur gucken und nicht anfassen? Auf den Tag genau ist es nun 50 Jahre her, dass Schalke 04 letztmals die deutsche Meisterschale in Händen halten durfte, nachdem damals von den „ Knappen“ der HSV vor 80.000 Zuschauern im Niedersachsenstadion zu Hannover klar mit 3:0 geschlagen wurde. Frei nach Herrn Wieland vom Schalke-Blog Drei Ecken, ein Elfer:„ Wer will darf nun ein Häme-Leibchen überstreifen und darüber sinnieren, oder auch einfach nur saufen. Viel Spaß dabei.“

Bei allem blabla über dieses sogenannte „Jubiläum“ sollen daher die seither erreichten drei DFB-Pokalsiege und der UEFA-Cup-Triumph von 1997 an dieser Stelle nicht ganz unerwähnt bleiben.

Tränen lügen nicht

Die Ära von Ottmar Hitzfeld beim FC Bayern München ist seit dem gestrigen Nachmittag beendet. Zugleich war es auch Hitzfelds letztes Spiel als Vereinstrainer. Denn in der Klubtrainerbranche will der „General“, der nach der Euro Null Acht das Ruder in der Schweiz übernehmen, bekanntlich nicht mehr tätig werden. „ 25 Jahre Vereinstrainer, 25 Titel, davon 14 in siebeneinhalb Jahren beim FC Bayern - mehr muss man zu Ottmar Hitzfeld eigentlich nicht sagen“, ist auf der Bayern-Homepage zu lesen.

THOR WATERSCHEI hat dem nach Hitzfelds tränenreichen Abschied nicht mehr viel hinzufügen, ernennt Hitzfeld anerkennend zum neuen T(h)or der Woche und schließt mit den Worten von Uli Hoeneß, für den offenbar die Tränen des ansonsten so disziplinierten Gentlemans von der Trainerbank keine Überraschung waren: „ Das ist schon etwas, was ich erwartet hatte, denn ich kenne ihn ja schon viele Jahre. Ottmar ist nah am Wasser gebaut. Jetzt ist es eine ganz besondere Situation gewesen, weil das Ende als Vereinstrainer naht. Er weiß nicht, ob er das je wieder erleben wird, was er hier erlebt hat. Denn es ist kaum zu erwarten, dass er mit der Schweiz den Weltmeistertitel gewinnt.“

Über den T(h)or der Woche

Freitag, 16. Mai 2008

Meistermacher

Was macht eigentlich....Rade Prica? Wenn man den vom ehrwürdigen Sportinformationsdienst an FOCUS Online und den Onlinedienst 1aSport.de gelieferten Meldungen Glauben schenkt, dann wird man feststellen, dass der Schwede, der ehedem in Diensten von Hansa Rostock wegen seiner Torungefährlichkeit für lange Gesichter sorgte, offenbar wieder sein fußballerische Glück bei Aalborg BK in der dänischen Superliga gefunden hat. Frei nach vorgenannten Quellen durfte er also mit AaB (kurz für Aalborg Boldklub) nach einem 2:0-Sieg über Bröndby IF die dritte Meisterschaft in der langen Geschichte des schon 1885 gegründeten Aalborg Boldklubs feiern.

Wäre ja auch eigentlich eine beglückwünschenswerte Sache gewesen, die man in der Heimatstadt eines gewissen Ebbe Sand gemäß eines der schönsten dänischen Klischees mit einer zünftigen Flasche Tuborg sicher gern mit Prica gefeiert hätte. Nur, der vermeintliche Meisterkicker von AaB kam nicht nur gegen Bröndby nicht zum Einsatz. Prica schnürt gar nicht mehr im dänischen Königreich seine Stürmerstiefel. Kein Geringerer als Roy Keane hatte den für Aalborg 2007 ziemlich treffsicheren Schweden bereits im Januar nach England zum FC Sunderland gelotst, wo Prica nach kümmerlichen sechs Einsätzen und noch weniger Törchen für Keanos Black Cats in der Premier League-Rückrunde einen Platz im schwedischen EM-Kader verspielte.

Wenn man so will war Prica der Leidtragende, dass Schwedens Nationalcoach Lars Lagerbäck zuletzt noch im letzten Moment Oldie Henrik Larsson (→ Alter Schwede Reloaded) aus seinem Nominierungshut zauberte. In dieser für den armen Rade Prica sicher schwierigen Situation wird ihm der geschenkte dänische Meistertitel bestimmt runtergehen wie Öl, wie man so schön sagt...

Bergtour'08 # 5: Sechsundzwanzig

Jogi und seine Löwen wollen ja bekanntlich bei dem anstehenden Bergfest Null Acht hoch hinaus. Die Verkündung des vorläufigen deutschen 26er Kaders vom Bundes-Jogi hatte daher heute Mittag auf der Zugspitze feinsinnigste symbolische Bedeutung. Schließlich soll ja zum vierten Mal in der EM-Historie der Coupe Henri Delaunay in die Höhe gestemmt werden. Der Gelackmeierte des Tages war natürlich Timo Hildebrand, in den das Vertrauen von Jogi und Andi K. nach zu vielen Fliegenfangaktionen in spanischen Arenen mehr als erschöpft war. Jaja, schade um die vielen unnötig gedruckten Panini- und Hanuta-Sticker des blonden Timos. Und BILD wusste es offenbar als Erster...

Die sechsundzwanzig ausgewählten Kicker, unter denen neben den üblichen Verdächtigen auch Überraschungen wie Rene Adler, Marko Marin, Patrick Helmes oder auch David Odonkor (→ Luftschloss?) befinden, hat der DFB in einer schmucken Bildergalerie schön zusammengefasst. Bis spätestens Mittwoch, 28. Mai, 12 Uhr, muss der Kandidatenkreis dann auf 23 Akteure zusammengestrichen werden.

Foto: Bild.de

Mittwoch, 14. Mai 2008

Alter Schwede Reloaded

Was macht eigentlich Henrik Larsson? Richtig, er kickt noch und das in seiner schwedischen Heimat auf seine mittlerweile nicht mehr ganz so jugendlichen 36 Jahren in der Kalenderjahrsaison bei Helsingborg IF natürlich nicht schlecht (→ Alter schützt vor Toren nicht). Schwedens Nationalcoach Lagerbäck berief „Henke“ daher nun überraschend in seinen Kader für die bevorstehende Euro Null Acht, nachdem er den Altmeister, der früher seine Tore wie am Fließband für Celtic Glasgow, Barca, Manchester United und auch Feyenoord Rotterdam erzielte, zu seinem inzwischen zweiten Rücktritt vom Rücktritt aus der schwedischen Nationalelf überreden konnte.

36 Treffer in 93 Länderspielen hat der „König der schwedischen Fußballgeschichte“ bislang für die Tre Kronors markiert, gab sich nach seiner bekannt gewordenen Nominierung jedoch betont bescheiden: „Ich fange nur als Reservespieler an und habe keine Sonderrechte.“ Weniger zurückhaltend reagierte indessen die Zeitung Svenska Dagbladet und feierte Larsson, der als Alternative für Schwedens angeschlagener Sturmdiva Zlatan gilt, wie einen Heilsbringer: „Sein Name wird wie der eines Erlösers bejubelt.“ Eigentlich hatte Larsson den gelben schwedischen Nationaldress nach der WM Null Sechs in Deutschland „endgültig“ an den Nagel gehängt. Larssons Paninibildchen für diese Euro wird man nach dieser Überraschungsberufung aber wohl lange suchen müssen.

Dienstag, 13. Mai 2008

Daum drauf!

Daum drauf. Der Kölner Aufstiegsmaestro hat von seinem Effzeh noch lange nicht die Nase voll, wie der 54-Jährige nun in einer Kolumne im Express bestätigte: „An dieser Stelle muss ich alle irren Spekulationen beenden: Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben.“ Dank Daums bestehender halbjährlicher Kündigungsoption war die unermüdliche Effzeh-Gerüchteküche zuletzt wieder ganz schön unter Dampf gesetzt worden. Jetzt muss wohl nur noch Hennes VII. seine unsägliche Hufentzündung, die seine Teilnahme an der Aufstiegsfeier am Sonntag verhinderte, auskurieren...

Kein Spalier

In seiner finalen Partie dieser Primera Division-Spielzeit wird Spaniens Meister Real Madrid im heimischen Santiago-Bernabéu wahrscheinlich darauf verzichten müssen, dass die Kicker des bereits abgestiegenen spanischen Schlusslichts UD Levante sich für die königlichen Schuster-Jungs im Spalier aufstellen. Denn anstelle einer zünftigen Meistersause sieht es momentan eher nach einem realen Streik Levantes am kommenden Sonntag im Bernabéu aus. Den hat der Spielerrat Levantes jedenfalls wegen ausstehender Gehaltszahlungen des hochverschuldeten Klubs aus Valencia von angeblich etwa 18 Millionen Euro beschlossen.

„Wir haben einstimmig beschlossen, nicht anzutreten. Wir haben die Nase voll von den leeren Versprechungen des Vorstandes. Ich habe mit mehreren Profis von Real gesprochen - und sie zeigen Verständnis für unsere Entscheidung,“ erklärte Levantes Kapitän Luis Manuel Rubiales am Montag auf einer einberufenen Pressekonferenz. Dass Levantes Akteure allerdings getreu dem Motto „laut bellende Hunde beißen nicht“ kalte Füße bekommen könnten, dürfte nicht unbedingt zu erwarten sein.

Erst jüngst sorgten die Spieler des früher schon einmal Bernd Schuster trainierten Klubs (→ Frösche gegen Franco) mit einer ungewöhnlichen Protestaktion für Aufruhr, als die gesamte Elf nach dem Anpfiff ihrer Partie bei Deportivo La Coruña regungslos am Mittelkreis stehen blieb. La Coruñas Sergio stürmte daraufhin ungehindert auf Levantes Gehäuse zu, schoss den Ball aber absichtlich neben das leere Tor.

Montag, 12. Mai 2008

Ich und Ich

Mit dem Zweiten geht es besser. Der künftige Kommentare-Klopper und Kerner-Knappe des Torwandsenders hat sich in seinem zweiten Buch, das Erstlingswerk hieß ja netterweise „Nummer eins“, über sich und sein ICH ausgelassen. Erscheinungsdatum des Werkes ist übrigens ausgerechnet der 17. Mai - jener Tag, an dem Olli Kahn letztmals für seinen FC Bayern die Bundesligapfosten hüten wird. THOR WATERSCHEI wünscht deshalb schon jetzt nicht nur Freunden Freuds „kahnsinniges“ Lesevergnügen und würde sich über eine Titan-Uhr als großzügige Verlagsbeilage durchaus freuen.

Aufmischer?

Der gestrige Pfingstsonntag hatte es für den ersten Effzeh Köln in sich. Der Effzeh wurde verständlicherweise schlichtweg ganz jeck, nachdem die Truppe von Christoph Daum nach ihrem 2:0 über Jürgen Klopps Mainzer den herbeigesehnten Auftstieg in die Bundesliga perfekt machten. Kein Wunder, dass sich die Herren Overath, Meier und Daum vor lauter Freudentränen ein Taschentuch teilen mussten. Mit im Fahrstuhl aus Liga Zwo befindet sich ja bekanntlich auch Borussia Mönchengladbach. Jener Klub, mit dem sich die stolzen Kölner noch vor 30 Jahren ein packendes Duell um die silberne Meisterschale geliefert haben (→ Torhagel). Das ist aber ja alles ziemlich lange her.

Wenn man aber Gladbachs Edelfan Bundesfinanzminister Peer Steinbrück glauben möchte, der für die WELT erst einmal für ein Bekennerschreiben über seine Liebe zur Borussia zur Feder griff und sich in diesem ziemlich sicher war, dass die Borussia demnächst auch die Bundesliga aufmischen wird. Dann müssen sich Klinsis Bayern jedenfalls im kommenden Jahr warm anziehen. Denn Steinbrück hofft im kollektiven Borussen-Jargon, dass „wir den einen oder anderen Verein, der meint, ein Abo auf alle Titel zu haben, schwindelig spielen“. Wie gut daher, dass der legendäre Gladbacher Flügelflitzer Calle del'Haye seine Stiefel schon längst an den Nagel gehängt hat. Die armen Lells und Lahms auf den Münchner Außenbahnen wären mit Justieren ihrer Grätschen wohl kaum nachgekommen...

Giggs is God!

Every day is like Sunday“, hauchte dereinst der große Morrissey, Ex-Frontmann der ebenso großartigen Smiths, bedeutungsschwer in sein Mikro. Der gestrige Sunday sollte jedenfalls für Mr. Morrisseys Lieblingsklub Manchester United ein ganz besonderer werden. Denn quasi vor Manchesters Haustür in Wigan, rund 30 Kilometer vom ehrwürdigen Old Traffords entfernt, holten Fergies „Red Devils“ bei den im JJB Stadium ansässigen „Latics“ dank eines schwer erkämpften 2:0-Sieges ihren 17. Meistertitel. Kein Wunder natürlich, dass nach diesem erfolgreichen Wimpernschlagfinale im spannungsgeladenen Fernduell gegen den FC Chelsea am letzten Spieltag dieser langen Premier League-Saison bei den mitgereisten ManU-Fans Jubel, Trubel und vor allem Heiterkeit herrschte.

Mit dafür verantwortlich war übrigens Manchesters, man mag es kaum so formulieren, altehrwürdige walisische Legende Ryan Giggs (→ Kick it like Giggs). Giggsy stellte heute zum einen vor den Augen von Sir Bobby Charlton dessen Pflichtspielrekord von unglaublichen 758 Einsätzen im roten United-Dress ein und trieb zum anderen mit seinem entscheidenden Treffer zum 2:0, der die letzten Zweifel an Manchesters Meisterschaft endgültig ausräumen sollte, wenige Minuten vor dem Schlusspfiff dafür, die eigene Legendenbildung noch ein gewaltiges Stückchen weiter.

„Giggs is God“, wollte man dem unermüdlichen Waliser mit dem filigranen linken Fuß und seiner weißen Eleven auf dem Rücken, der bereits zum zehnten Mal mit ManU die englische Meisterschaft feiern durfte, ebenso wie hartgesottenen ManU-Fans in dem schmucken JJB-Stadium von Wigan daher nur zurufen. Im THOR WATERSCHEI-Klubhaus wurde Mr. Giggs daher nur ehrfürchtig applaudiert und sogleich einstimmig beschlossen, den 34-jährigen Waliser zum neuen T(h)or der Woche zu ernennen. Wenn bloß jeder Tag, frei nach Morrissey, wie dieser Sonntag wäre. Auf den Fußball-Gott aus Wales wird sicher in den Pubs in und um Manchester das eine oder andere Pint geleert worden sein.

Über den T(h)or der Woche

Samstag, 10. Mai 2008

Stoppt Rosa

Die Fans von Eintracht Frankfurt haben wirklich ein nicht ganz so einfaches Leben. Eintracht-Ikone Ioannis Amanatidis hat seinen Vertrag am Riederwald zwar verlängert. Erst jüngst hatte sich die Eintracht-Führung bekanntlich über eine Trikot-Abstimmung der Fans hinweggesetzt und das von der Anhängerschar per Internetvotum zum Favoriten quasi ignoriert und das zweitbeliebteste Dress zum neuen Auswärtstrikot für die kommende Saison bestimmt.

Die vermeintlich lobenswerte Dress-Demokratie war damit ad absurdum geführt. Entsprechend groß war daher in Frankfurter Fankreisen die Empörung (→ Kreuzunglücklich). Nicht viel weniger begeistert waren auch einige Eintracht-Fans von einem im Frankfurter Devotionalien-Sortiment befindlichen Fanschal, der die wenig eintrachtesken Farbe rosa trägt.

Die Farben der Eintracht seien „SCHWARZ-WEISS-ROT“ wetterten die Traditionalisten. Aus diesem Grund initiierten sie nun die Protestaktion: „STOPPT ROSA!“. Mit dieser Initiative wollen sie getreu dem Motto „Wehret den Anfängen!“ versuchen, frei nach ihren eigenen wenig jovialen Worten „dem drohenden Verfall der guten Sitten Einhalt zu bieten“ und sprechen sich „entschieden gegen den Verkauf unserer Tradition und gegen das Verwenden von falschen Farben für unseren Vereinsadler aus“.

Mit der Aktion soll dabei die Öffentlichkeit für die Sichtweise der Initiatoren von „STOPPT ROSA!“ und damit für den Ausverkauf der Traditionen der Eintracht sensibilisiert werden. Der Aufruf richte allerdings lediglich gegen den verpönten rosa Schal, nicht gegen schwule oder sonstige Eintracht Fans. Um für ihr Ansinnen Unterstützung zu erhalten, wurde auf http://www.stoppt-rosa.de/ eine Unterschriftenliste hinterlegt, in die sich Gleichgesinnte eintragen können.

THOR WATERSCHEI kann die Aufregung allein schon aus historischen Gründen durchaus verstehen, traute der gemeine Eintracht-Anhänger schon Anfang der 90er seinen Augen nicht, als der damalige Frankfurter Vorstand die Eintracht in gelb-blauen Tetra Pack-Fummeln durch die Bundesligastadien jagte...

Freitag, 9. Mai 2008

Mit Schein etwas Sein

Wie es einem hochverehrten Ehrenspielführer wie Lothar Matthäus gebührt, hat THOR WATERSCHEI „LM“ in seinem Klubhaus eine gemütliche Loge eingerichtet und lässt den einstigen Weltmeister und Weltfußballer dort seine Bonmots zum Besten geben...

THOR WATERSCHEI wacht bekanntlich mit Argusaugen über der Entwicklung von „LM“. Seinen individuell für ihn gestalteten Trainerlehrgang beim DFB (→ Irrläufer)bestand der deutsche Ehrenspielführer übrigens „mit gutem Erfolg“ und darf sich nun offizielles Mitglied der Trainergilde nennen. So, die ollen Teamchef-Zeiten sind also für „LM“ vorbei. Im Sommer kann Matthäus daher mit ruhigem Gewissen mit dem ominösem Schein in der Tasche seine Planstelle bei Maccabi Matthäus, ähh Netanya, in Israel (→ Maccabi Matthäus) antreten.

„Ich bin natürlich überglücklich, dass ich diese Prüfung mit gutem Erfolg bestanden habe. Es war schon eine außergewöhnliche Situation, fast drei Monate lang im Einzelunterricht geschult zu werden. Aber insgesamt hat es sehr, sehr viel Spaß gemacht und es wird mir in meiner weiteren Trainer-Karriere unheimlich helfen“, so Matthäus über die zweite Gesellenprüfung seines Lebens, nachdem einst von ihm mit Bravour die Prüfung zum Raumausstatter abgelegt wurde.

THOR WATERSCHEI spricht aufgrund dessen natürlich seine Glückwünsche aus und freut sich jedenfalls schon darauf, wenn Matthäus an grauen Novemberabenden im UEFA-Pokal mit seinem Trainerschein in der Hand wedelnd in deutsche Stadien marschiert.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Klinsmannesk

Die Leidenschaft von Campino, dem Sänger der Toten Hosen, für den FC Liverpool dürfte landläufig wohl spätestens bekannt sein, seitdem Herr Frege im feinem roten Pool-Dress nach dem glorreichen Champions League-Finaltriumph der Reds von Istanbul anno 2005 freudetrunken in SAT 1-Kameras lächelte. Das Lachen verging dem Hosen-Frontmann allerdings, nachdem Gerrard und Konsorten jüngst im Halbfinalrückspiel in der Königsklasse bei Michael Ballacks FC Chelsea im Londoner Regen den Kürzeren zogen. Ganz klinsmannesk trat Campino nach dem Zwei zu Drei seiner Reds daher wutschnaubend in eine unschuldige Mülltonne und brach sich dabei den Fuß.

Oder frei nach einer Meldung der Pressestelle der Hosen: „Ein gezielter harter Kick mit dem Vollspann gegen eine öffentliche Mülltonne sollte der Enttäuschung über das Scheitern seines Teams Ausdruck verleihen.“ Die österreichische Zeitung Kurier kommentierte gar schelmisch, dass der einbetonierte Stahlrahmen des Abfallbehälters sich von der Geste Campinos relativ unbeeindruckt gezeigt habe und auch Campino im Nachhinein einsehen müsse, dass er sich diesen Tritt besser erspart hätte. Denn nun muss der arme Campino erst einmal den gebrochenen Fuß in Gips tragen.

Das obligatorische „You'll never walk alone“ will THOR WATERSCHEI sich an dieser Stelle zur simplen Aufmunterung Campinos zwar einfach mal sparen, hat nach kurzweiliger kausaler Ursachenforschung den mittelbar Schuldigen für Liverpools Pleite und somit Campinos unvermeidbaren Fehltritt aber gefunden. Jaja, natürlich ganz im Konkunktiv: säße noch Mr. Mourinho auf Chelseas Trainerbank... So wie dereinst bei Chelseas Pleiten in den Königsklassenhalbfinals Null Fünf und Null Sieben, hätte Campino wohl eher nach nem gepflegten Schluck aus der Altbierpulle die Basler-Säge ausgepackt anstatt sich an der Mülltonne abzureagieren...

Fast ein Mordversuch...

Im 88. Nord-Derby zwischen dem HSV und Werder Bremen war allen voran Bremens einstiger pinker Riese Tim Wiese (→ Auf die Wiese) außer Rand und Band. HSV-Sportdirektor Didi Beiersdorfer schnaufte nach der Attacke gegen seinen Ivica Olic: „Wenn ich sehe, dass der Stollen von Wiese bei 1,80 Meter Höhe ist, habe ich nichts anderes als Rot gesehen.“

Kaiser Franz (→ Kaiserschmarrn) brachte es danach im muckeligen Premiere-Studio sogar noch drastischer noch auf den Punkt und befand schmunzelnd:„Das war fast schon ein Mordversuch!“

Dienstag, 6. Mai 2008

Die Glorreichste Sieben

Auf der Insel hat gelang mit Stoke City erstmals dem zweitältesten englischen Klub der Aufstieg in die Premier League. THOR WATERSCHEI würdigt aus diesem Anlass dem legendären Stan Matthews, dem wohl größten Kicker in der langen Historie der „Potters“, den die „Times“ einst zum strahlenden Ritter in Fußballstiefeln adelte….

Der große Sir Stanley Matthews gehört auf den ersten Blick wohl gemeinsam mit dem Linksverkehr zu den bekanntesten Errungenschaften Großbritanniens.

Legendär: die Matthews-Finte

Auf dem Rasenrechteck handhabte es Matthews, stets mit der Sieben auf dem Rücken, in seiner Zeit zwischen 1932 bis 1965 dabei wie im Straßenverkehr des Vereinten Königreichs. Links antäuschen und rechts überholen. Die typische Matthews-Finte, meist goutiert mit einem seiner schnellen Antritte - den gnadenlosen britischen Verteidiger blieb meist nichts weiteres übrig als dem davongeeilten Matthews nur noch entnervt hinterherzublicken.

Der Sohn eines Boxers aus Hanley, einem Vorort des mittelenglischen Städtchens Stoke-on-Trent, versprühte als mannschaftsdienlicher Rechtsaußen auf dem rechten Flügel seinen Genius. Matthews war kein wilder Haudrauf, auch kein reiner Torjäger. Matthews glänzte mit filigraner Ballbehandlung und galt in Anbetracht seines kunstvollen Tuns auf den Spielfeldern Britanniens gemeinhin als „Magician“. Matthews verzauberte die Massen genauso, wie heutzutage ein gewisser Robbie Williams, der zweite berühmte Sohn Stokes, die Damenwelt.

„Er war derjenige, der uns lehrte, wie man Fußball spielen sollte.“

Mit den Worten – ein Dribbelkünstler vor dem Herrn – würde man es wohl in den Fankurven dieser Fußball-Welt beschreiben. Die Attribute brillant und bescheiden zeichnen jedoch ein noch weitaus feineres Gemälde von Matthews. Dessen hoher Stellenwert wird unterstrich dereinst der große Pelé , der sagte einmal: „Er war derjenige, der uns lehrte, wie man Fußball spielen sollte.“ Heißt das etwa: Pelé war der brasilianische Matthews und nicht Matthews der englische Pelé ?

Anders als der tragische George Best oder der zuweilen überhitzte Cristiano Ronaldo, Matthews‘ wahrhaftige Erben auf dem rechten Flügel, wahrte „Gentleman“ Matthews sowohl auf und fernab des grünen Rasens stets die Contenance. An verlockenden Pints und Cigarettes machte der übezeugenden Vegetarier jedenfalls einen Schlenker vorbei. Matthews verdribbelte sich auch nicht, nachdem er als erster Fußballer überhaupt in den Ritterstand erhoben wurde, und maß offensichtlich ebenfalls dem ehrwürdigen Schlag von der Queen zum „Commander of the British Empire“ keine übermäßige Bedeutung zu.

Seine Selbsteinschätzung war jedenfalls weiterhin frei von Narzissmus. Sein einfaches Credo: „Hey, it’s Stan.“ Der ritterliche Gentleman in Fußballstiefeln wurde zudem im Laufe seiner langen Karriere weder verwarnt noch vom Platz gestellt. Matthews war also derjenige, von dem sich Gary Lineker die berühmte Scheibe abschnitt.

Denkmal für „Sir Stan“

Es war daher nicht verwunderlich, dass über 100 000 Menschen nach seinem Tod anno 2000 die Straßen von Stoke säumten und „Sir Stan“, der im Alter von 85 Jahren gestorben war, insofern die letzte Ehre erwiesen. Der Fußball verliere seinen strahlenden Ritter, kondolierte seinerzeit die ehrwürdige Times.

Eine letzte Ehre erwies Matthews auch sein Stammverein Stoke City. Denn der Klub setzte seinem Aushängeschild vor dem erst 1997 bezogenen Britannica Stadium, das nach 119 Jahren den altehrwürdigen Victoria Ground ersetzt hatte, ein Denkmal. Eine solche Wertschätzung wurde „Sir Stan“ von den „Potters“ – die Töpferindustrie in Stoke schlug sich auch in dem Namen des Klubs nieder - aber nicht immer erbracht.

Denn im Alter von 32 Jahren hatte Matthews bei Stoke City vorerst ausgedribbelt, da man den vermeintliche in die Jahre gekommenen Rechtsaußen beim zweitältesten Fußballklub der Welt in den Tagen des Jahres 1947 nach 51 Toren in 262 Spielen eher als Relikt aus alten Zeiten ansah. Stoke musterte ihr „Auslaufmodell“ aus und ließen es für schnöde 11.500 Pfund nach Blackpool ziehen. Blackpool, dort hatte „Sir Stan“ im 2. Weltkrieg der Royal Air Force bereits dem Vereinten Königreich bereits als Soldat gedient.

„Auslaufmodell“ wird 1956 Europas erster Fußballer des Jahres

„Du bist nun 32 Jahre alt. Traust Du Dir zu, noch ein paar Jahre zu spielen?“ soll Matthews vor seinem Wechsel in die Küstenstadt an der Irischen See von Blackpools legendärem Manager Joe Smith argwöhnisch gefragt worden sein. Und Smith sollte an der Bloomfield Road an seinem Neuzugang noch seine helle Freude haben. Denn der Wechsel nach Blackpool barg für Matthews eine Ironie seiner Spielergeschichte. Ausgerechnet mit Blackpool 1953 sollte das „Auslaufmodell“ mit dem FA Cup den einzigen Titel in seiner Laufbahn gewinnen .

Es war der bis heute unvergessene 2. Mai 1953, an dem englische Pokalfinale im alten Londoner Wembley-Stadion stieg. Und dieses Endspiel ging schließlich, nachdem das von einem überragenden Matthews angetriebene Blackpool gegen die Bolton Wanderers einen 1:3-Rückstand noch in einen nicht mehr für möglich gehaltenen 4:3-Triumph wandeln sollte, als das „Matthews-Finale“ in die Annalen der englischen Fußballgeschichte ein.

Matthews war zu diesem Zeitpunkt bereits 38 Jahre alt. Drei weitere Jahre später sollte er jedoch neben der Erhebung in den Ritterstand seine persönlich größte Ehrung als Fußballer erfahren, als „Sir Stan“ 1956 von der französischen Zeitschrift France Football zu Europas ersten Fußballer des Jahres gekürt wurde und damit als erster Kicker überhaput den Goldenen Ball erhielt .

Abschied mit ehrwürdigen 50 Jahren

Zum alten Eisen zählte Matthews somit auch im Alter von 41 noch nicht. Erst mit erhabenen 50 Jahren sollte er schließlich nach einer zwischenzeitlichen Rückkehr zu Stoke City und seinem Abschiedsspiel am Victoria Ground im April 1965 gegen eine Equipe um Lew Jaschin, Ferenc Puskas und Alfredo di Stefano seine Stiefel sowie seinen Dress mit der Sieben an den berühmten Nagel hängen. Er sei zu früh zurückgetreten, bedauerte er noch nach seinem „Testimonial“ seinen Abschied. Matthews Bedauern hatte insofern prophetische Züge.

Denn er trat ein Jahr, bevor England im Sommer '66 in dem denkwürdigen Wembley-Finale gegen Deutschland zum ersten und bisher einzigen Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen sollte, ab. Die „Rüstung“ der englischen Nationalmannschaft hatte der ritterliche Matthews bis dahin nach 54 Länderspielen aber schon lange abgelegt.

Gleichwohl ist er mit 42 Jahren, neun Jahre vor dem englischen Gewinn des World Cups abgetreten, der älteste Spieler, der je die drei englischen Löwen auf seiner Brust trug. Dennoch hat Sir Stan“, diese wohl glorreichste Sieben der Welt des Fußballs, diese viel zu früh verlassen. Am 1. Februar wäre Sir Stanley Matthews 93 Jahre alt geworden und sicher stolz auf seine tapferen Nachfahren gewesen.

Der Artikel ist ebenfalls auf Goal.com veröffentlicht.

Montag, 5. Mai 2008

My Arsenal # 17: Last twenty minutes

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Goodbye Arsenal. Jens Lehmann absolvierte gestern für Arsenal London sein letztes Heimspiel im Emirates Stadium. Arsene Wenger wechselte „Mad Jens“ für die letzten 20 Minuten im Premier League-Spiel Arsenals gegen Everton ein, damit Arsenals Fans sich gebührend von Lehmann verabschieden konnten und huldigte nach dem Match noch einmal seinem langjährigen deutschen Keeper:

„Er hat sich die Ovationen verdient. Wir haben großen Respekt vor ihm, weil er in den fünf Jahren bei Arsenal immer zu hundert Prozent Profi war.“

Lehmann war mit Arsenal nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund anno 2004 jeweils einmal englischer Meister und Pokalsieger und erreichte zudem mit den Gunners 2006 das Champions League-Finale, das Arsenal gegen den FC Barcelona mit 1:2 und welches für Lehmann persönlich nach seinem frühen Platzverweis wegen einer Notbremse tragisch endete.

Der Spanier Manuel Almunia, an dem sich viele Geister schieden, hatte Lehmann zu Anfang dieser sich dem Ende zuneigenden englischen Saison den Rang abgelaufen und sich bis zuletzt davor gefürchtet, dass Lehmann ihn dafür hassen könnte. Doch dieser Spuk, werter Senor Almunia, ist nun wohl endgültig vorbei.

Fernglasromantik

Die ganze Fernglasmetaphorik ist beim FC Bayern, der sich mit seinem gestrigen blassen Null Null in der Autostadt seine 21. deutsche Meisterschaft gesichert, oder bei seinen Ikonen offenbar fest im eigenen „Mir san Mir“-Idiom fest verankert. Gut, Uli Hoeneß' entsprechende nervige Einlassungen vor dieser Bundesligasaison sind hinlänglich bekannt. Nach dem derben UEFA-Pokal-Aus in Sankt Petersburg packte aber nun ebenfalls kein Geringerer als Stefan Effenberg in seiner BAMS-Kolumne den Feldstecher aus.

Der „Tiger“ schenkte den bajuwarischen Meisterkickern dabei noch einmal richtig reinen Wein ein: „Man muss es doch mal ganz deutlich sagen: Ein 0:4 in Petersburg (→ Über dem Zenit) ist für die Ansprüche der Bayern absolut inakzeptabel. Unwürdig!“ Mit St. Petersburg und Glasgow stünden laut Effe zwei Klubs im UEFA-Pokal-Finale, „die Probleme hätten, überhaupt die Vorrunde in der Champions League zu überstehen. Es zeigt sich: Die Bayern brauchen zur internationalen Spitze inzwischen das Fernglas, das Manager Uli Hoeneß mit Recht der Bundesliga-Konkurrenz im Titelkampf verordnet hat“. Ob diese Ferngladromantik auch wohl demnächst im Klinsmannschen Kosmos seinen Platz haben wird?

Sonntag, 4. Mai 2008

Verbockt

So eine Fußballsaison ist manchmal so wie früher in der Schule eine Klausur oder Klassenarbeit. Zunächst ist man froh, dass sie vorbei ist. Dann stellt man, dass man sie völlig verbockt hat. Dass trifft übrigens auch auf den englischen Traditionsklub Derby County und seinen unglücklichen Trainer Paul Jewell zu. Derby war vor einem Jahr als Zweitligameister nach mehrjähriger Abstinenz wieder in die Premier League aufgestiegen, hatte jedoch dort nach einigen deftigen Niederlagen schnell die Rote Laterne in der Hand. Daher verpflichteten die Rams (Schafböcke) Ende November letzten Jahres den robusten gebürtigen Liverpudlian Paul Jewell, der in den letzten Jahren die Nobodys von Wigan Athletic im englischen Fußball-Oberhaus etablierte, anstelle von Aufstiegstrainer Billy Davies.

Jewell gelangen mit den Rams letztlich aber nur zwei Dinge. Zum einen lotste er eine Entourage von zuletzt wenig erfolgreichen Kickern wie dem walisischen enfant terrible Robbie Savage in den Pride Park. Zum anderen geriet der zweifache Familienvater jüngst durch ein außereheliches Amusement mit einer Blondine dank eines entsprechenden Videotapes, auf dem Jewells launigen Stellungswechsel verewigt sind, in die Schlagzeilen der gnadenlosen Yellow Press.

Treffer positiver Art oder gar Siege mit Derby County durfte der wenig lammfromme Jewell dagegen in der Premier League trotz des unermüdlichen Engagements seines mittlerweile zum Kapitän ernannten Ober-Rams Savage oder seines eigenen vorbildlich zur Schau gestellten Körpereinsatzes nicht bejubeln. Nach 37 Spieltagen steht bereits nicht nur die unmittelbare Rückkehr Derby Countys in die zweitklassige Football League fest.

Von der Sun darf sich Jewell seit gestern zusätzlich vorrechnen lassen, dass Derby den FC Sunderland mit seinem zwei Jahre alten Negativ-Rekord von 15 Zählern aus 38 Spielen nicht mehr an Punkten übertrumpfen kann und nun mit seinen elf Zählern das schlechteste Team in der Premier League-Historie ist. THOR WATERSCHEI möchte Paul Jewell hierzu zwar nicht gratulieren, ernennt ihn dafür aber aufmunternd zum neuen T(h)or der Woche.

Über den T(h)or der Woche

Niemals aufhören, immer weitermachen

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Schalkes neuer Trainer Fred Rutten gewinnt mit Noch-Klub Twente Enschede mit 5:1 in Breda und tukkert mit Twente durch die Wirren des niederländischen Play Off-Systems in Richtung UEFA-Pokal...

Freilich, die reguläre Saison in den Niederlanden dauert ebenso wie beispielsweise in Deutschland 34 Spieltage an. Während in der BRD nach vollendetem Spieltag Numero 34 die Saisontür einvernehmlich zugeschlagen wird, geht es bei den Untertanen von Königin Beatrix weiter überaus hoch her. Es ist Play Off-Time angesagt, deren Ausmaße uns der nette Herr Wieland in seinem ebenso netten Blog Drei Ecken, ein Elfer erst kürzlich überaus kenntnisreich erläuterte.

Besagte Play Off-Phase ist nun dafür verantwortlich, dass Schalkes neuer Coach Fred Rutten sich mit seiner alten Liebe Twente Enschede als Vierter der regulären Saison der Eredivisie nochmals zwei Duelle mit dem Dritten NAC Breda liefern durfte, um das Finale um den noch zu vergebenden Startplatz für die Champions League-Quali zu erreichen, in dem der Sieger des Duells des Zweiten (Ajax) und des Fünften (Heerenveen) wartet. Nachdem Twente schon das Hinspiel mit 3:0 klar für sich entschieden hatte, gastierten die Tukkers gestern Abend im Rückspiel in der Heimatstadt einer gewissen Frau van der Vaart.

Getreu seinem Vereinscredo „Niemals aufhören, immer weitermachen“ hoffte Breda in seinem schmucken Rat Verlegh Stadion zwar noch auf ein kleines Wunder. Doch selbst die Anwesenheit besagter Sylvie van der Vaart hätte Ruttens disziplinierte Twente-Truppe wohl von nicht ihrem Weg abbringen können. Mit schönem Kombinationsfußball und einem satten 5:1-Kantersieg ließ Enschede Breda nicht den Hauch einer Chance. Der Lohn vor dem Play Off-Finale um den Platz in Europas Königsklasse: das Ticket für den UEFA-Cup haben Rutten und Twente schon jetzt sicher in der Tasche.

Zufrieden geben mit dem UEFA-Cup wird sich Fred Rutten, nach Kenntnisnahme der zuletzt über ihn wie Pilze aus dem Boden des Webs geschossenen Porträts, damit als gestrenger Disziplinfanatiker wohl eher nicht. Dazu wird Bredas Vereinsmotto wahrscheinlich zu sehr Bestandteil von Ruttens Kabinenwortschatz sein: „Niemals aufhören, immer weitermachen!“ Das niederländische Finale um das zweite Champions League-Ticket kann also kommen...

Samstag, 3. Mai 2008

Out of the Blue

Für Michael Ballack und seinen FC Chelsea läuft es derzeit wie am Schnürchen. Auf der Insel besiegte der Abramowitsch-Klub zuletzt bekanntlich im Topspiel Spitzenreiter Manchester United dank einer „ballacktischen“ Leistung (→ Ballacktisch) und ist zwei Spieltage vor dem englischen Saisonende mit ManU punktgleich. Auch in Europas Königsklasse machten die Blues ihren Big Boss Roman ziemlich glücklich, als der FC Liverpool in einem Halbfinale-Thriller am vergangenen Mittwoch im Londoner Regen bezwungen wurde.

Chelsea steht damit im Champions League-Finale am 21. Mai in Moskau, für da Roman schon reichlich Tickets geordert haben soll und wo nun ausgerechnet wieder ManU auf die Mannen des zuletzt so stark unter Druck stehenden Chelsea-Coachs Avram Grant wartet. Grant war übrigens nach dem Triumph über Liverpool in die Knie gegangen und betete, weshalb der Independent scharf spekulierte, dass die erleichterte Danksagung seinem Freund und Gönner Roman Abramowitsch galt, der seinen israelischen Adlatus zuvor angeblich gewaltig „under pressure“ gehalten haben soll.

Wenn sich Ballack & Co. also Ende Mai mit Alex Fergusons Red Devils um den silbernen Landesmeisterpott balgen, werden sie dies im Übrigen nicht mehr in ihrem noch aktuellen royalblauen Trikot tun. Vielmehr werden die Chelsea-Stars im Luschniki-Stadion schon das neue Chelsea Home Kit der Saison 2008/2009 tragen. Aus diversen Chelsea-Foren schäumt nach der ersten Ingesichtnahme daher schon der wenig charmante Tenor „It looks shit“ in die Weiten des Webs. Denn der neue Chelsea-Dress wurde im Gegensatz zum Vorgänger um einige Nuancen aufgehellt, so dass Chelseas stolze Hähne nun nicht mehr im besagten kräftigen royalblau, sondern in einem weicheren „reflex-blue“ daherkommen.

So manchem Chelsea-Supporter schwoll deshalb der Kamm und ist mittlerweile so mancher skeptischer Supporter bange, dass der neue Dress seiner Lieblinge bei Flutlichtspielen an dunklen Novemberabenden gar wenig männlich pink funkeln könnte. Sozusagen frei nach dem Motto: Chelsea - Out of the Blue. Wenn dies Befürchtung sich tatsächlich bewahrheiten sollte, ist der bemitleidenswerten Supporterschar des Chelsea Football Clubs zum Trost wohl nur noch der gleichnamige Klassiker von Roxy Music ans Herz zu legen...

Freitag, 2. Mai 2008

Über dem Zenit

Das 0:4-Debakel des FC Bayern im Halbfinalrückspiel des UEFA-Pokals bei Zenit St. Petersburg hatte Waldi Hartmann bereits kürzlich in seiner Video-Kolumne bei WELT Online quasi vorausgesehen. In Deutschland seien die Bayern übermächtig, aber halt nur in Deutschland, hatte Waldi kühn orakelt. A da schau her. Waldi muss also bereits geahnt haben, dass das UEFA-Cup-Boot der Bayern mit Kapitän Kahn in der Kleinen Newa untergehen würde. Die konterstarken und oft unterschätzten Russen zeigten dem designierten deutschen Meister die Zähne und nahmen die bajuwarische Abwehrreihe gestern ganz schön in die Mangel.

Statt Triple ist an der Isar nunmehr Trauer angesagt. Ex-Titan Kahn schnaufte zwar nach seinem letzten Europapokalspiel, dass er lieber chancenlos als im Elfmeterschießen ausscheide. Doch sich an seinem letzten Europapokaltag derart abschlachten lassen zu müssen, müsste eigentlich aufs Gemüt gehen. Vielleicht blickt er ja mal in die offizielle im Web kursierende Bayern-Trauer-Liste, die nun für Kahn, Hitzfeld & Co. im Sportgate-Blog eröffnet wurde, der der "92-minütigen Fußball-Titanik" der Bayern in Sankt Petersburg kondoliert. Wie dem auch sei, Kahn, Hitzfeld und der FC Bayern haben bei Zenit ihren Zenit überschritten...