Montag, 20. Oktober 2008

„Wenn Du nicht artig bist, schicken wir Dich nach Kiruna“

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Jens Tielemann hat ein Faible für den schwedischen Fußball, drückt Kiruna FF die Daumen und weiß über den nördlichsten Fußballklub Schwedens einiges zu berichten.

1.200 km nördlich von Stockholm und 150 km nördlich des Polarkreises leben inmitten der endlosen lappländischen Weite 18.000 Menschen auf einer Gemeindefläche, die 1/3 der Schweiz entspricht. Kiruna – das ist Mitternachtssonne, Polarnacht, bis – 40 Grad, 7 Monate Schnee im Jahr, Eishotel, Erzberge und Tor zur phantastischen lappländischen Gebirgswelt. Eine Stadt der Extreme, die ihre Gründung im Jahr 1900 nur dem Eisenerz verdankt, das hier durch die Grubengesellschaft „LKAB“ gefördert wird.

Auf den örtlichen Fußballklub Kiruna FF – der Nördlichste in Schweden - wurde ich bereits 1991 aufmerksam, als man sich sensationell anschickte, in die 1. schwedische Fußball-Liga aufzusteigen (Allsvenskan).

4 Brüder in einer Mannschaft (Hans, Tommy, Anders und Stefan Stridsman), ein dänischer Torjäger namens Riffi Haddaoui (der seine spätere Frau aus Kiruna auf Gran Canaria kennenlernte und dann zu ihr zog), damals noch sehr ungewöhnlicher Kunstrasen (weil in Kiruna kein Rasen richtig wächst), jedes Auswärtsspiel 1.000 und mehr Kilometer entfernt und Siege gegen die späteren schwedischen Meister Halmstads BK und Hammarby IF sorgten landesweit für Aufsehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Kiruna in Schweden nur in einem Sprichwort leidgeplagter Eltern präsent gewesen: „Wenn Du nicht artig bist, schicken wir Dich nach Kiruna“.

Fußball war Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre „in“ in Kiruna, wo bisher Eishockey die klare Nr. 1 war und der Ex-NHL-Profi Börje Salming der berühmteste Sohn der Stadt ist. 2.000 Zuschauer bei Kiruna FF-Heimspielen, also quasi jeder 9. der zweitgrößten Flächengemeinde der Welt, waren keine Seltenheit. Für (nord-)schwedische Verhältnisse eine gigantisch gute Resonanz.

Mit dem Aufstieg in die Allsvenskan wurde es leider nichts und auch bedingt durch das reduzierte Sponsoring seitens der „LKAB“ war die 2. Liga bald Geschichte. Aber selbst in der 3. Liga war Kiruna FF immer wieder für landesweite Schlagzeilen gut – so holte man bspw. in der Saison 2006 Nigel Henry, immerhin Nationalspieler von Trinidad & Tobago.

Der weitere sportliche Substanzverlust konnte letztendlich aber nicht abgebremst werden, auch wenn mit Hans und Tommy Stridsman zwei erfolgreiche ehemalige Spieler weiterhin die Fäden im Verein ziehen. Leider haben sie nicht immer ein glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Kaders. Hinzu kommt der regelmäßige Abgang der besten Spieler – so spielen derzeit mit Jonas Lantoo (Gefle) und Pär Asp (BP) zwei Eigengewächse in der Allsvenskan und der Superettan.

Heute ist Kiruna FF weit von ambitioniertem und hochklassigem Fußball entfernt und spielt 2009 nur noch in der 5. Liga, der Tiefpunkt seit der Vereinsgründung 1970. Das letzte Heimspiel in dieser Div. II-Saison, die bei nur 2 Siegen mit dem Abstieg endete, wollten gerade noch 51 Zuschauer sehen. Ergebnis: 0-11.

Die Nachwuchsarbeit des Vereins mit unzähligen Jugendteams, einer Vielzahl an engagierten Trainern und Betreuern und eine gesunde finanzielle Basis sollen die Basis für einen neuen Aufschwung der 1. Herrenmannschaft darstellen. In der kommenden Saison ist die Verpflichtung von 2 brasilianischen Profis geplant, die zusammen mit einem neuen auswärtigen Trainer das junge Team auf einen sicheren Mittelfeldplatz in der 5. Liga (Div. III Norra Norrland) führen sollen. Mit Pär-Jon Huuva spielt ein Spieler in der (inoffiziellen) samischen Nationalmannschaft, die an einigen Turnieren teilnimmt.

In 2-3 Jahren ist die Rückkehr in die 4. Liga (Div. II Norrland) geplant - damit hätte man dann sicherlich auch das (derzeit) maximal Machbare erreicht...

Neben seiner Leidenschaft für Kiruna FF beschäftigt sich Jens Tielemann auch ansonsten umfassend mit dem Kick im schwedischen Königreich und berichtet über diesen sehr informativ auf SVENSKFOTBOLL.de, der deutschen Internetseite über den schwedischen Fußball.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

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Anonym hat gesagt…

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