Samstag, 4. Oktober 2008

Honoris causa

In der weiten Welt des Fußballs sind so genannte Koexistenzen beileibe kein Einzelfall. Wird in Südamerika doch zum Beispiel am Zuckerhut beinah jeder filigrane Jüngling zum neuen Pele stilisiert oder führt in Argentinien ein gelungenes Dribbling eines Spielmachernovizen schnell zum unumgänglichen Maradona-Vergleich. Für Kolumbiens unvergessenen Spielmacher Carlos Valderrama ergab sich beizeiten ein etwas anderes Gleichnis. Wurde dem Zehner mit der senffarbenen Rastamähne doch mit einem schmeichelhaften Vergleich zu Ruud Gullit gehuldigt, so dass Senor Valderrama letztlich in den Achtzigern als „weißer Gullit“ in die Fußballhistorie einging.

Sicher ist dies alles schon ein Weilchen her. Schließlich hat Gullit unlängst seine Mähne gekappt und sah ohnehin stets Kolumbiens Torwartikone Rene Higuita ähnlicher. Dem so genannten „weißen Gullit“ kann es eh recht gleichgültig sein, rief man ihm in der südamerikanischen Hemnisphäre ohnehin den lausbübischen Kosenamen „El Pibe“ (der Junge) hinterher. Außerdem erhielt er in seiner kolumbianischen Heimatstadt Santa Marta gerade sein zweites Denkmal, nachdem man ihm nach seinem Abschied vom Rasenrechteck anno 2004 schon eine Statue vor das Stadion seines Heimatklubs gestellt hatte, belegte ihn die Universität Magdalena aus Santa Marta nun mit der Ehrendoktorwürde.

Freilich ob seiner Verdienste für den südamerikanischen Fußball, oder wie es der Sprecher der Universität formulierte:

„Wir wollen das Leben Valderramas abseits des grünen Rasens würdigen. Er war und ist ein Vorbild für unsere Studenten.“

Zum Leben Valderramas abseits des grünen Rasens lässt sich bei dieser Gelegenheit gewiss dessen schier unglaubliche Fähigkeit der Metamorphose vom sterbenden zum wild flatternden Schwan an der Seitenlinie des Mailänder Meazza-Stadions an jenem 19. Juni '90 im Vorrundenkick der WM in Italien gegen Deutschland subsumieren, oder? Dennoch wird die Charakterisierung „mit allen Abwässern gewaschen“ aus der entsprechenden Laudatio der Universität sicher zu streichen sein.