Sonntag, 26. Oktober 2008

Audere est Facere

White Hart Pain: Tottenham Hotspur verlebt derzeit den schlechtesten Saisonstart der 126-jährigen Vereinsgeschichte. Wollen die Spurs-Suppporter ihre Lieblinge als Tabellenführer sehen, müssen sie doch glatt die Tabelle umdrehen. Grund genug daher, den spanischen Startrainer Juande Ramos, dem der Klub nicht weniger als 75 Millionen Euro für Neuzugänge wie unter anderem den kroatischen Nachwuchs-Cruyff Modric spendierte, nach neun Spieltagen trotz des im Februar errungenen Ligapokalsieges vor die Tür zu setzen.

Als Nachfolger für Senor Ramos verpflichteten die Spurs nun mit Trainer-Haudegen Harry Redknapp ein im englischen Fußball nicht gerade unbeschriebenes Blatt und zahlen für Redknapps Dienste, der übrigens im Falle des Abstiegs wieder seinen Hut nehmen will, gute 6,3 Millionen Euro. Der stets rotgesichtige Redknapp, im Übrigen Onkel eines gewissen Frank Lampard, besitzt etwa die Empfehlung, in den letzten Jahren die graue Maus FC Portsmouth in der Premier League etabliert und im Juni mit Pompey den FA Cup gewonnen zu haben. Seinen Dienst an der White Hart Lane, tritt Mr. Redknapp allerdings mit der Hypothek an, zumindest in jungen Jahren bekennender Arsenal-Anhänger gewesen zu sein.

Für Spurs-Supporter der fundamentalen Kategorie „Hardcore“ hat die Apokalypse sicher daher schon längst ihren Anfang genommen. Da sind Redknapps nachfolgende Tottenham-Beschönigungen im Rahmen seiner offiziellen Vorstellung für diese armen Teufel wahrscheinlich so bedeutsam wie ein umfallender Sack Reis in China: „Tottenham - It is a big, big, club. Ich konnte das Angebot, noch mal einen großen Traditionsverein zu trainieren bevor ich irgendwann in Rente gehe, einfach nicht widerstehen. Ich habe dort selbst als 11, 12-Jähriger gespielt, kenne die Klubgeschichte in und auswendig.“ Vielleicht gilt jetzt einmal mehr Tottenhams hehres Vereinsmotto Audere est Facere -es zu wagen, ist es zu tun.