Dienstag, 9. September 2008

Walsallian

Was macht eigentlich...Marco Reich? Gewisse Volksmusikbarden würden jetzt sicher in Ansätzen recht morbide trällern, „er lebt noch“. Und? Sie hätten Recht. Marco Reich, der Colt Sievers des Fußballs, hat bislang jeden seiner zahlreichen Crashs in seiner langen Karriere überlebt. Und?

Man mag es kaum glauben, turnt er mit seiner Zwoundzwanzig auf dem Rücken nach früheren Stippvisiten bei Derby County und Crystal Palace doch erneut im Mutterland des Fußballs herum, das den Gestrandeten wieder an ihren mächtigen Busen drückte. Das heißt: vor den Toren von Birmingham hechelt Reich mit seinen 30 Lenzen beim FC Walsall über dessen linken Flügel und darf sich nun mit Fug und Recht als richtiger Walsallian bezeichnen lassen.

Sein neues fußballerische Wohnzimmer heißt übrigens Bank's Stadium, bietet 11.300 Interessierten Unterschlupf, wenn sie mal fußballerische Feinkost der League One, der dritten englischen Profiliga, geniessen wollen und trägt nebenbei gesagt trotz phonetischer Ähnlichkeiten rein gar keine Würdigung für Englands Torwartikone Gordon Banks (→ Siebziger) in sich. Marco Reich fühlt sich jedenfalls offensichtlich pudelwohl, hat als Stammspieler alle bisherigen fünf Punktspiele bestritten und bei Walsall sogar ganz gute Gesellschaft.

Denn zum einen pflügt mit Anthony Gerrard, der irische Cousin von Steven Gerrard, in der Defensive den Rasen nebst gegnerischen Angreifern wie weiland der bissige Terry Butcher um. Zum anderen traf Reich in Walsall auf so etwas wie sein englisches Pendant. Die Rede ist von Walsalls Zehner Michael Ricketts. Der zählt ebenso wie Reich zum Genre der Länderspiel-One-Hit-Wonder und kann sich außerdem seine bisherigen Profistationen nicht mehr an zwei Händen abzählen.

Derart viele Kerben besitzt der gebürtige Pfälzer, der sich einst unvergesslich über die Einführung des Euros freute, um nur noch als 3 Millionen Euro-Fehleinkauf zu gelten, zwar noch nicht in seinem Karrieregürtel. Nur, hat Mr. Ricketts Mr. Reich voraus, inzwischen in Walsall, wohin Mr. Ricketts zum zweiten Mal in seiner Laufbahn zurückkehrte, offenbar sein Fußballerglück gefunden. Mal sehen, ob Reich, der zuletzt bei den Offenbacher Kickers aussortiert worden war, das auch mal von sich sagen kann.

Ablöse hat er ja nicht mehr gekostet und kann sich mit bislang zwei Törchen gegen Scunthorpe und Southend, die beide als United firmieren, inzwischen auch sehen lassen. Auch wenn Michael Ballack, mit dem Reich vor geraumer Zeit, in der Erich Ribbeck sein Unwesen als deutscher Bundestrainer trieb, der Ruf der größten deutschen Talente vereinigte, sich mit seinem FC Chelsea anschickt, Uniteds ganz anderer englischer Ligen nass zu machen.