Donnerstag, 25. September 2008

„They don’ t play in blue, they don’t play in green”

Im sagenumwobenen Co-operative Insurance Cup, dem schottischen Ligapokal, kam es last night zum Glasgower Derby. Nein, nicht zum Old Firm. Vielmehr zwang beinah Glasgows dritte Geige, Partick Thistle, die ollen Glasgow Rangers in die Knie. In der extra time, britische Vokabel für Verlängerung, zogen die Rangers dank eines Treffers vier Minuten vor dem Abpfiff gerade so eben den Kopf aus der Blamagenschlinge. Nach diesem großen Pokalfight will THOR WATERSCHEI dem dritten Rad des Glasgower Fußballwagens nun mit einem eigenen Beitrag kondolieren.

Partick Thistle, nie gehört? Dabei stellen die „Jags“ (die Dornen) die Namensfolklore im britischen Fußball doch ziemlich auf den Kopf. Denn der 1876 gegründete Klub ist nach einer Distel benannt hat, was daher stammt, dass diese in Schottland eine besondere Bedeutung besitzt. Ist die so genannte „Eselsdistel“, mit Hilfe deren Stacheln der Sage nach die Schotten einen nächtlichen Invasionsversuch barfüßiger Wikinger entdeckt und abgewehrt haben sollen, doch bereits seit dem 13. Jahrhundert schottische Wappenpflanze. Was liegt da schließlich näher als dem Klub als Hommage an die Dornen der Distel den entsprechenden Spitznamen zu verpassen.

Dornen, ja freilich gar dornenreich ist Partick Thistles Geschichte. Nach Jahren im Fahrstuhl zwischen Schottlands Premier League und der dritten Division sowie einem Beinahe-Konkurs anno 1998, als die eigenen Fans die Kampagne „Save the Jags“ ins Leben riefen und ihre Lieblinge in den gelb-rot gestreiften Hemd dank dieser sozusagen am Leben hielten. Mittlerweile kicken die „Jags“ im schottischen Fußballunterhaus, stehen mit einem bescheiden gefüllten Trophäenschrank und jeweils einem Pokal- und Ligapokalsieg aber ziemlich unter dem Scheffel der beiden untereinander verfeindeten und titelhamsternden Old Firm-Klubs.

Mit deren so genanntem Religions- und Klassenkampf hat man im Firhill Park freilich wenig am Hut. Fast ein bißchen like nicht Fisch, nicht Fleisch. Sprich: man konzentriert sich auf sich selbst. „They don’ t play in blue, they don’t play in green”, spricht dabei Partick Thistles Vereinsjargon Bände über die Eigenschaft als Neutrum zwischen den beiden gegensätzlichen Polen in Glasgows Fußballmikrokosmos. Diese recht neutrale Positionierung soll gleichwohl nicht bedeuten, dass es bei Partick Thistle nicht auch hitzig zugehen kann.

Existiert doch die Anekdote , dass Partick-Trainerlegende und Taubenliebhaber John Lambie dereinst eine Schachtel voller toter Vögel in sein Büro brachte, um ihnen eine würdige Beerdigung zu bescheren. Doch anstatt eine angemessene Trauerzeremonie zu erhalten, wurde eine der toten Taube vielmehr zu einem unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen in einem handfest von Lambie ausgetragenen Zwist mit einem seiner Spieler instrumentalisiert. Hitzig streitend nahm Lambie nämlich, wie er später reuig gestand, ein totes Täubchen aus besagter Schachtel, um seinen damalig widerspenstigen Schützling Declan Roche mit dieser schottisch-deftig „rechts und links“ zu ohrfeigen.

Vielleicht war es dieses handfeste Trauerspiel, was Jahre später Ur-Bond Sean Connery abschrecken sollte, den Vorschlag seines Kumpels Bill Connolly ablehnend Partick zu erwerben. Vielmehr ließ Mister Connery, ganz Schotte, verlauten, dass „ihm dafür das nötige Kleingeld“ fehle. Aber wie hieß es Connerys letztem Bond-Streifen: „Sag niemals nie“. Was nicht ist, kann daher ja noch werden. Auch wenn Celtic und die Rangers bis dahin die schottischen Trophäen wohl weiter unter sich aufteilen werden...