Mittwoch, 20. August 2008

Wertarbeit mit Köpfchen

Heute Abend begegnen sich Deutschland und Belgien in Nürnberg mal wieder in einem Länderspiel . THOR WATERSCHEI erinnert aus diesem Anlass an das EM-Finale 1980, in dem Belgiens „Rote Teufel“ der Derwall-Elf wegen eines Doppelpacks von „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch unterlagen.

Die Legende, die dem inzwischen 57-jährigem Horst Hrubesch, an seinem noch immer blonden Schopf klebt, besagt bekanntlich, dass dieser in seinen besten Zeiten als wuchtiger HSV-Mittelstürmer seine vielen Treffern vornehmlich mit dem Kopf erzielte und dies vor allem den „Bananenflanken“ von Manni Kaltz zu verdanken hat. Hrubeschs einfache Erklärung für sein erfolgreiches Zusammenwirken mit Kaltz „Manni Bananenflanke, ich Kopf - Tor“ und sein daraus resultierender Spitzname „Kopfballungeheuer“ muten daher wie Relikte aus diesen besten Tagen des Hobbyanglers aus dem Westfälischen an.

An jenem 22. Juni 1980, dem Tag des Endspiels der EM in Italien, sollte Manni Kaltz zwar keine seiner Bananenflanken erfolgsversprechend auf das Hrubesch-Haupt zirkeln. Dennoch erlebte Hrubesch, der heutige DFB-Juniorennationaltrainer, mit seinen beiden Treffern seinen größten Tag im deutschen Nationaldress. Die Vorarbeit anstelle von Kaltz erledigten dabei unter anderem der damals 19-jährige Bernd Schuster, der schon in Minute zehn das belgische Abwehrbollwerk um die gefürchteten Eisenfüße Eric Gerets oder Walter Meeuws mit einem feinen Pass erfolgreich aus den Angeln hob, den Hrubesch zum verdienten Führungstor für die dominante Derwall-Elf hinter Torsteherikone Jean-Marie Pfaff in Belgiens Netz versenkte.

Die „Roten Teufel“ aus dem belgischen Königreich kamen freilich gut zwanzig Minuten vor dem Schlusspfiff dieses packenden Finales durch verwandelten Strafstoss, den der rumänische Referee Nicolae Rainea nach einem Foul von Ulli Stielike an van der Elst vor der Strafraumgrenze den Belgiern zusprach, zum zwischenzeitlichen Ausgleich. „So ein hartes Foul mach' ich doch nicht im Strafraum“, entschuldigte sich Stielike später. Doch ein gewisser René Vandereycken, heute im Übrigen belgischer Bondscoach, ließ sich hiervon nicht beirren und ließ Toni Schumacher nicht den Hauch einer Abwehrchance.

In der 88. Minute war die Aufregung um den Ausgleich jedoch Makalatur, da Hrubesch seinem Ruf als „Kopfballungeheuer“ erneut alle Ehre und mit seinem entscheidenden Kopfballtor nach einer Ecke von Kalle Rummenigge einen Strich durch sämtliche belgischen EM-Hoffnungen machte. Oder wie sollte der ehrwürdige Harry Valérien später in seinem Fußball-Jahrbuch '80 ohne nervigen Pathos blickwinkeln:

„Die entscheidende Sekunde - Horst Hrubesch befördert den Ball zum 2:1-Sieg ins belgische Tor - natürlich per Kopf, für dessen Wertarbeit der lange Hamburger ja bekannt ist. Karl-Heinz Rummenigge hatte per Eckstoß die Vorarbeit geleistet. Minuten später ertönte der erlösende Schlusspfiff. Geschafft: Deutschland ist zum zweitenmal Europameister.“
BR Deutschland – Belgien 2:1 (1:0)
22. Juni 1980 im Stadio Olimpico (Rom)
Zuschauer: 47.864

Tore: 1:0 Hrubesch (10.), 1:1 Vandereycken (FE/71.), 2:1 Hrubesch (88.)

Deutschland: Schumacher - Kaltz, Stielike, Förster, Dietz – Schuster, Briegel, Rummenigge, Hrubesch – Müller, Allofs – Trainer: Jupp Derwall

Belgien: Pfaff – Gerets, Millecamps, Meeuws, Renquin – Cools, Vandereycken, van Moer, van der Elst – Mommens, Ceulemans – Trainer: Guy Thys

Gelbe Karten: Förster – van der Elst, Vandereycken, Millecamps
Rote Karten: Keine
Schiedsrichter: Nicolae Rainea (Rumänien)

1 Kommentar:

Thomas Schulte hat gesagt…

Danke Thor Waterschei für die temporeiche Darstellung des dramtischen Spiels. Es ist immer wieder lustvoll diese Kurzberichte zu lesen.