Sonntag, 17. August 2008

Kein Schnee von gestern

Sicher, sieht man Adrian Mutu mit dem rundem Leder umgehen, liegt die Feststellung, dass Rumäniens Zehner der legitime Nachfolger des so genannten "Karpaten-Maradonas" Gheorghe Hagi ist, zweifellos auf der Hand. Tagesspiegel-Autor Matthias Klappenbach plädierte schon im Vorfeld der Euro Null Acht dafür, die Eskapaden aus Mutus Vergangenheit ruhen zu lassen. Es sei halt nicht fair, immer die alte Geschichte des Adrian Mutu zu erzählen, sie überdecke die des Spielers. Der spiele nach der Entlassung bei Chelsea und zwei Saisons bei Juventus Turin inzwischen für den AC Florenz, für den er in der vergangenen Saison 17 Tore geschossen hat. Mit rechts und mit links, häufig von der linken Seite kommend, mit einem rasanten Antritt und vielen feinen Tricks.

Soweit so gut. Die alte Geschichte? Geigen würden jetzt in Moll ertönen. Der FC Chelsea hatte seinen rumänischen Offensivstar im Oktober 2004 entlassen, nachdem diesem Kokainkonsum nachgewiesen worden und für sieben Monate gesperrt worden. Gewiss, die Angelegenheit ist lange her. Doch eine Schiedskommission der FIFA brummte Mutu in der abgelaufenen Woche eine Rekordstrafe wegen Vertragsbruchs und bat Mutu kräftig zur Kasse, der umgerechnet satte 17,17 Millionen Euro an den Chelsea Football Club zahlen muss.

Die richtige Vokabel für diese durchgreifende Entscheidung dürfte im juristischen Fachjargon wohl Präzedenzfall lauten. Mutu legte vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwar Einspruch ein, wird die Summe aber sicher auch nicht derart lässig aus dem Ärmel schütteln wie eine Finte auf dem linken Flügel. Immerhin erhielt Mutu von seinem früheren rumänischen Klub Dinamo Bukarest Unterstützung zugesagt, der offenbar sozusagen mit der Sammelbüchse dem unglücklichen Sohn aus der Patsche helfen will. "Wir werden ein Konto einrichten, auf das die Menschen Beiträge einzahlen können", sagte Dinamo Bukarests Präsident Christian Borcea nach einem Bericht der Zeitung Prosport.

Da jedoch nicht davon auszugehen ist, dass beim gemeinen rumänischen Dinamo-Daumendrücker der Rubel deraert gut rollt, wie bei Mutu beispielsweise seinerzeit bei Chelsea, dürfte diese symbolische Sammelbüchsenaktion eher der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein werden. Wie dem auch sei, die alte Vergangenheit ist für den neuen T(h)or der Woche noch kein Schnee von gestern...

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