Freitag, 29. August 2008

Über AaB, Casino-Jimmy und den Co-Trainer des Assistenten

Wie erlaucht der Kreis jener Klubs ist, die Jahr ein Jahr aus Mitglied der Champions League sein dürfen, dürfte hinlänglich bekanntlich sein. Dennoch tauchen neben den Real Madrids, Chelseas oder Liverpool so manches Mal Exoten auf. So blinkte bei der diesjährigen Auslosung etwa der Name Aalborg BK vom Tableau und hinterließ sicher so manchen offenen Mund. THOR WATERSCHEI hat daher elf Anekdoten über den amtierenden dänischen Meister aus den Weiten des Netzes gekramt…


1. Der Aalborg Boldspilklub, kurz AaB, ist zwar in Dänemark beheimatet, besitzt jedoch englische Wurzeln. Denn die durch den Aufbau der jütländischen Eisenbahn in Aalborg tätigen englischen Ingenieure trugen 1906 maßgeblich dazu bei, dass der 1885 als Cricketklub gegründete Verein eine Fußballsparte erhielt. Sie hätten wohl ihre helle Freude daran, dass AaB sich kümftig in der Champions League mit Manchester Utd. und Celtic gleich mit zwei britischen Teams messen darf.

2. In der Europas Königsklasse selbst ist AaB nebenbei gesagt kein Neuling, profitierte AaB schon anno 1995 nach dem erstmaligen Gewinn des dänischen Meistertitels davon, dass die UEFA die Bestechungsversuche des damaligen Quali-Gegners Dynamo Kiew spitz bekam und für die Ukrainer trotz deren Qualisiegen gegen AaB wegen eines großzügigen Pelzmantel-Angebots an einen Schiedsrichter die Königsklassentür zuschlug.

3. Die Lebensweisheit, dass man sich zweimal im Leben treffe, bewahrheitete sich dann jedoch gut vier Jahre später. AaB war abermals zum Meister der dänischen Superliga avanciert und hatte es erneut mit Kiew zu tun. Die ließen nun aber sämtliche Kürschnererzeugnisse auf der Stange und erreichten später in der Königsklasse sogar das Halbfinale, in dem sie aber an einem gewissen FC Bayern scheitern sollten.

4. Den AaB-Kasten hütete bei jenen beiden Aufeinandertreffen der ebenso semmelblonde wie in dem nordjütländischen Landstrich legendäre Jimmy Nielsen, der in frühen Jahren gar als kommender Peter Schmeichel galt. In Zeiten als dänischer U 21- Nationaltorwart ließ sich Nielsen aber in einer Spielbank erwischen uns wurde daraufhin für mehrere Jahre vom gestrengen dänischen Fußballverband aus sämtlichen Nationalteams verbannt. Nielsen, immer noch länderspiellos, ward seither nur noch Casino-Jimmy gerufen.

5. Nachfolger von Casino-Jimmy, der kürzlich noch in Englands zweiter Liga wenig erfolgreich sein Glück versuchte, zwischen den AaB-Pfosten sollte schließlich ein gewisser Karim Zaza werden. Zaza, Inhaber eines dänischen und marokkanischen Passes, kam anders als Casino-Jimmy sogar zu einem Länderspiel. Bezüglich seines ehrenvollen Einsatzes für Marokko, dem Land seines Vaters, kann sich Zaza jedoch laut deutscher Wikipedia einfach nicht mehr an den Gegner erinnern.


6. Besser im Gedächtnis wird Zaza dagegen hoffentlich der Gewinn des diesjährigen Meistertitels mit AaB sein. Wer richtig mitgezählt hat, weiß nun, dass dieser der Dritte in der AaB-Historie ist. Dem dritten Titel ungeachtet weist doch einige Flecken auf, die sich AaB im Übrigen durch bittere Pleiten in stolzen sieben dänischen Pokalendspielen zugezogen hat und daher sich bei nur zwei eigenen Pokalsiegen einen ballackesken Namen als „Rekordpokalfinalverlierer“ des Königreiches gemacht hat.

7. Daher schnell zurück zum dritten AaB-Meistertitel, zu dem die deutsche Presse übrigens im Mai’08 mit 08/15-Schlagzeilen à la „Prica holt mit Aalborg Dänen-Titel“ nicht nur AaB selbst, sondern ebenso dem einstigen Rostocker Tornichtungeheuer Rade Prica, der noch 2007 im AaB-Dress zum dänischen Torschützenkönig avanciert war, gratulieren sollte. Dessen Geist war zu jener Zeit sicher bei seinen Ex-Kollegen - nur schlug dieser während der AaB-Meisterfeiern bereits seit einem guten halben Jahr auf der harten Ersatzbank des FC Sunderland Wurzeln.

8. Ähnlich altbekannt mit dem deutschen Fußball wie Prica sind im aktuellen AaB-Kader außerdem neben eben erwähntem Zaza (Rot-Weiß Essen) zusätzlich AaB-Rechtsverteidiger Kaspar Bögelund (Mönchengladbach), der Australier Beauchamp (Nürnberg) sowie der polnische Stürmer und Wandervogel Marek Saganowski, der als ehemalige HSV-Versuchung bezeichnet werden darf.

9. Solche Verbindungen besitzt ebenfalls der kleine Bruder des Dortmunders Dedé. Der hört zwar auf den wohlklingenden Spitznamen Caca, unterscheidet aber sich nicht nur hinsichtlich der Schreibweise seines Namens von seinem in der Berlusconi-Gang beim AC Milan kickenden Landsmann. Ansonsten würde der MSV Duisburg ihm wahrscheinlich inzwischen ein Tränchen hinterherweinen.

10. Dafür, dass der AaB-Caca jedenfalls im offensiven Mittelfeld regelmäßig kakaeske Dribblings abliefert, ist vor allem Aalborgs schottischer Trainer Bruce Rioch verantwortlich. Der dürfte in deutschen Fußballbreiten zwar dem Maßstab eines unbeschriebenen Blattes genügen, war in seiner schottischen Heimat jedoch ein wahrhaftiger Trendsetter, wurde Rioch doch Ende der wilden Siebzigern zum ersten Kapitän Schottlands ernannt, der in England geboren war.

11. Außerdem darf sich Trendsetter Rioch bei Arsenal als Arsene Wengers Vorvorvorgänger bezeichnen lassen. Rioch verkrachte sich jedoch Mitte der Neunziger mit Arsenals kniepigem Vorstand, weil er einen gewissen Dennis Bergkamp nach London gelotst hatte und nahm dann beleidigt seinen Hut. Nicht weiter ausgeschmückt werden soll deshalb, dass Mr. Rioch sich nicht viel später durch Eingang eines Engagements bei den Queens Park Rangers sogar selbst zum Co-Trainer seines vorherigen Assistenten bei Arsenal degradierte...

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