Dienstag, 1. Juli 2008

Reif für die Insel?

Welch ein Phänomen. „Ich habe gehofft, dass sie sich einmal gemeldet hätten“, sinnierte Ronaldo jüngst mit herabgesenktem Haupt über den bösen AC Milan, der den einstigen Star vom Zuckerhut einfach ohne Rückmeldung in die Arbeitslosigkeit hat abgleiten lassen. Ronaldos Beine waren zwar meistens irgendwie malade und und „Il Fenomeno“ persönlich sorgte eher durch seine letzten nächtlichen Eskapaden für Aufschreie denn durch seine Tore im San Siro.

Aber eigentlich besaß der zweimalige Weltmeister schon immer einen gewaltigen Torriecher. Der gute Ruf früherer glanzvoller brachte Ronaldo nach seinem Vertragsablauf Ende Juni dennoch bislang keine nennenswerte Angebote ein. Vielleicht ist der inzwischen 31-Jährige daher inzwischen reif für die Insel. Bereits vor zwei Jahren, kurz nach der WM in Deutschland, bei der Ronaldo einmal mehr das Sturm-Schwergewicht gab und zum WM-Rekordtorschützen avancierte hatten sich die Fans des englischen Drittligisten Leyton Orient überlegt, dass ihren „O’s“ der echte Ronaldo ganz gut zu Gesicht stehen würde.

Ronaldo sollte dabei allerdings weder der tägliche Gang an die Fish & Chips-Bude nahe der Brisbane Road, wo die „O’s“ ihre Heimspiele austragen, gesponsert werden noch sollte er regelmäßig mit irgendwelchen ausladenenen Page 3-Girls bekannt gemacht werden. Vielmehr zeigten sich die innovativen Fans des zweitältesten Londoner Fußball-Klubs überaus findig, um den von ihnen seit langer Zeit erträumten Gang in die englische Premier League zu realisieren. Zunächst rechneten sie zusammen, dass der damals noch für Real Madrid stürmende Ronaldo rund 20 Millionen englische Pfund kosten würde.

Infolge der realistischen Annahme, dass diese erhebliche Summe von ihrem Lieblingsklub nur schwerlich hätte gestemmt werden können, wollten Orients Fans dank einer glorreichen Idee den Transfer ausschließlich durch Spenden aus dem eigenen Lager finanzieren. Letztendlich war gleichwohl auf dem seinerzeit eigens auf der Internetseite leytonorient.co.uk eingerichteten „Ron-O-Meter“ abzulesen, dass die Opferbereitsschaft nicht vorhanden war, mehr als die stolzen 500.000 Pfund an Kollekte für den dreimaligen Weltfußballer zu sammeln.

Inzwischen ist freilich schon wieder eine Menge Gras auf dem Rasen von Orients Matchroom-Stadiums über die Sache gewachsen. Doch möglicherweise könnte für die Orient-Fans wegen der für Orient günstigen Ablösefreiheit Ronaldos dieser erneut ein Thema werden. Der letztjährige Tabellenvierzehnte aus der drittklassigen League One könnte, sofern Orient-Coach Martin Ling dem Transfer zustimmen sollte, Ronaldo Luís Nazário de Lima sogar mit einem zwinkernden Auge gesagt in zweifacher Hinsicht Unterschlupf bieten.

Zum einen könnte Ronaldo sogar in dem mitten im Londoner East End gelegenen Matchroom-Stadium wohnen, da man offensichtlich aufgrund des mißlichen Londoner Wohnungsdefizits in den Stadionecken einfach Mietwohnungen gebaut hat. Weiter wären dann Tore wie am Fließband für Ronaldo sozusagen unter seinem Wohnzimmer gegen Klubs wie die Tranmere Rovers oder Colchester United eine verheißungsvolle Empfehlung für die großen Vereine aus der Londoner Nachbarschaft, durch die er Orient nebenbei etwas näher an Arsenal & Co. heranschießen würde.

Der Eintritt letzterer Konstellation wäre dann eindeutig sowohl für Ronaldo als auch für Leyton Orient eine regelrechte Win-Win-Situation. Der letzte Haken? Jetzt müssten die Orient-Anhänger im Hinblick auf die Finanzierung von Ronaldos Gage lediglich ihre finanzielle Opferbereitschaft erhöhen...

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