Dienstag, 29. Juli 2008

Letzter Salut

Über das vergangene Wochenende wurden mittlerweile einige Nächte geschlafen. Doch, ist es etwa schon allen bewusst? Der UI-Cup ist mit dem Ausklang der dritten Runde endgültig beerdigt. Für den einstigen „Cup der guten Hoffnung“ gibt es keine mehr. Daher Trauer oder gar Oden in Moll? Eindeutig Fehlanzeige! Ganze Spielergenerationen werden aufatmen. Am letzten Spieltag einer Saison noch einmal bissig dem letzten Ball hinterherlaufen, damit der hochverdiente Sommerurlaub für eine Stippvisite auf einem Bolzplatz irgendwo auf Islands verkürzt wird? „Von wegen“, wird wohl mancher Balltreter schon trotzig vor sich hingedacht haben.

THOR WATERSCHEI will daher jenen unglückseligen elf Klubs gedenken, die in der finalen dritten UI-Cup-Runde dieser noch jungen Zweiachtzweineunersaison keinen Strohhalm zogen:
1. FK Riga: Die lettischen Fußballfreunde mit den beiden beängstigend züngelnden Löwen im Wappen verschluckten sich an den Schwedenhappen von Elfsborg Borås und können sich nun wieder ganz auf ihre heimische Virsliga konzentrieren.

2. Saturn Ramenskoje: Jaja, beinahe hätten die selbsternannten „Außerirdischen“ aus dem Greater Moskau den VfB Stuttgart rausgekegelt, zeigten sich aber vor allem im Rückspiel in Stuttgart schwäbisch-sparsam im Toreschießen.

3. Chernomorets Burgas: Burgas? Spanisch? Nicht ganz. Dafür an der schönen Schwarzmeerküste Bulgariens gelegen. Die interessierte die pflichtbewussten Grasshoppers aus Zürich nicht so wirklich und machten kurzen Prozess.

4. Neftchi Baku: Ob Berti Vogts etwa gemeinsam mit dem Vizemeister Aserbaidschans gegen Vaslui im Tofik-Bachramov-Stadion zu Baku Europapokalluft geschnuppert hat? Doch selbst der weitgereiste Terrier hätte den Neftçiler (Ölarbeitern) wohl keinen Schwank über die später siegreichen Rumänen erzählen können.

5. Honved Budapest: Honved Budapest, da war doch was. UI-Cup-Aus vor eigenem Publikum gegen Sturm Graz nebst randalierenden Ordnern? Auch. Achja, Puskas-Klub. Naja, lange her.

6. Hapoel Bnei Sachnin: An diesen Namen darf sich bald Lothar Matthäus gewöhnen. Heißt laut Wiki-Nachschlage etwa soviel wie „Vereinigte Söhne von Sachnin“, trotz vereinigter Kräfte war La Coruna doch ne Nummer zu groß für die Israelis.

7. Tafrija Simferopol: Hier geht's selbst im UI-Cup-Kosmos ans Eingemachte. Simferopol? Na, Atlas schon parat liegen? Krim-Halbinsel, autonome Republik in der Ukraine, richtig. Ausgeschieden im Elfer-KRIMi gegen die Franzosen von Stade Rennes? Ebenfalls korrekt.

8. NAC Breda: Die Niederländer mussten es mit dem offenbar 2007 verhinderten norwegischen Serienmeister Rosenborg Trondheim (→ Trondheim) aufnehmen und strichen gegen diese erwartungsgemäß die Segel. Mit dem rührigen Leitmotiv „Niemals aufhören; immer weitermachen“ Bredas nervte TW an anderer Stelle zwar schon mal, aber das macht ja nichts.

9. Odense BK: Dass Odenses altgedienter Abwehrrecke Thomas Helveg noch einmal im UI-Cup seine Knochen gegen Aston Villa hinhalten könnte, hätte der Oldie wohl selbst nicht gedacht. Nützte jedenfalls nicht viel. Helveg humpelte im Rückspiel zur Halbzeit vom Feld und Villa letztlich mit nem entscheidenden Zittersieg in die UEFA-Cup-Quali.

10. Panonios Athen: Auch Ewald Lienen (→ Legende vom heiligen Ewald) mit der kleinen Enklave seiner Lieblingsspieler gehört zu den elf Vereinen, denen kondolierten werden soll. Übrigens zu zwei Pleiten gegen den SSC Neapel, der zu Maradonas Tagen wohl nie zu diesem Strohhalm hätte greifen müssen.

11. Sivasspor: Wieso die Kicker des letztjährigen Vierten der türkischen Süper Lig auf der Homepage des Klubs dem geneigten Besucher beinah formvollendet entgegensalutieren, werden nur sie selbst wissen. Vielleicht bog es ihnen einst ein gewisser Werner Lorant mit kasernenhofartigen Intonierungen bei. Oder nach zwei deutlichen Pleiten gegen Braga ist dies tatsächlich ein letzter so genannter Salut für den UI-Cup.
Freilich werden einige dieser Unglückseligen in künftigen Jahren in der sicher im Vergleich zum UI-Cup nicht minder attraktiven wie nervenaufreibenden UEFA-Cup-Quali von der Mattscheibe in unsere Wohnzimmer grüßen. Zum Schluß gibt es übrigens noch einen kostenfreien Zusatz für Erbsenzähler:

Nein, die elf siegreichen „UI-Cup-Finalisten“ dürfen sich noch nicht in die Galerie der schier unendlich vielen UI-Cup-Gewinner einreihen. Schließlich darf sich erst jener Verein aufs Siegerschild erheben lassen, der später im UEFA-Cup am weitesten kommt. Und da fasel jetzt jemand noch etwas vom „Cup der Verlierer“...

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