Donnerstag, 24. Juli 2008

Hungriger Kannibale

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die „Eisenfüße“ aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Khalid Boulahrouz, den „Kannibalen“.

Zähneklappern in der Bundesliga. Der „Kannibale“ ist zurück. Khalid Boulahrouz hat beim VfB Stuttgart angeheuert und trägt bekanntlich beim VauEffBeh demnächst die legendäre Karl-Heinz Förster-Nummer 4 . Auch wenn Boulahrouz in den letzten Jahren nach seinem HSV-Abschied eine kleine Europaodyssee über die Ersatzbänke von Chelsea und dem FC Sevilla hinter sich hat. Für den stets bissigen Niederländer mit den marokkanischen Wurzeln hat die alte Vorstopperweise „halb Mensch, halb Tier - die Nummer vier“ nach seinen beachtlichen EM-Auftritten kaum etwas an ihrem Glanz verloren.

Fast wäre der 26-Jährige ja sogar erneut beim HSV gelandet. Denn Boulahrouz' Lieblingstrainer Martin Jol gibt an der Elbe mittlerweile den Ton an und hatte offenbar die Fangnetze nach dem „Kannibalen“ schon ausgeworfen. Doch der HSV verfügte anscheinend nicht über das nötige Kleingeld, um seinem alten Bekannten die monatliche Heuer in der gewünschten Höhe überweisen zu können. Wie nannte es Boulahrouz im Interview mit der Hamburger Morgenpost, der VfB habe ihm „ein sehr gutes Gefühl“ gegeben. Blabla undsoweiter, bei aller Chuzpe wurde Boulahrouz allerdings gegenüber der MOPO richtig heimelig und hauchte noch wehmütig wie ein alter Seebär:

„Der HSV bleibt mein Zuhause!“

Fürwahr ne clevere Dialektik von Boula zu Lottos „Hamburg, meine Perle“, was vielleicht einige entrückte HSV-Anhänger dazu verleiten haben könnte, heute Morgen vor lauter Euphorie ihre handliche MOPO verträumt in der U-Bahn derart stolz zu schwenken wie ansonsten ihren blau-schwarzen Balkenschal mit der Raute in der Uwe-Seeler-Kampfbahn. Der einstige Publikumsliebling des Bundesliga-Dinos soll hier trotz seiner rührenden „Zuhausedudelei“ angesichts seiner geheimnisvollen Wechselspiele aus den Sommertagen 2006 nicht ganz ungeschoren davonkommen.

Geheimnisvolle Wechselspiele? Immerhin ließ sich die Frage nie restlos aufklären, warum Boulahrouz vor einem Champions League-Qualifikationsspiel seiner ach so heißgeliebten Rothosen gegen Osasuna sich wie vom Blitz getroffen mit einer vermeintlichen Bänderverletzung vom Feld hat führen lassen müssen. Die Teilnahme an der Königsklasse mit Chelsea sowie eine fürstliche Gage winkten damals bekanntlich. Das ganze Geplänkel schlug somit seinerzeit an der Elbe jedenfalls hohe Wellen, soll dem HSV aber angeblich rund 13 Millionen Euro in die Kassen gespült haben.

Eine ähnliche finanzielle Entschädigung blieb den Hanseaten nach Boulahrouz' Transfer zum VfB Stuttgart zwar verwehrt, aber irgendwann wird der „Kannibale“, dem vornehmlich für seine grandiosen Grätschen ein Platz in THOR WATERSCHEIS Galerie der Eisenfüße reserviert wird, sicher wieder hungrig auf sein „Zuhause“ an der Elbe werden.

Keine Kommentare: