Sonntag, 27. Juli 2008

Brav wie ein Balljunge

Bisweilen kann man sich wahrlich wundern. Da schenkte die UEFA uns Fußballfreunden die allerletzte Runde im zuvor nicht endenwollenden UI-Cup-Desaster und zwei kritische Zeitgenossen aus der kleinen fußballlastigen Ecke der Blogosphäre sinnieren vereinfacht gesagt über die Arne Friedrich'risierung der Sommerpause. Stein des Anstoßes? Der gute Arne, Herthaner, einer von vier Nutella-Boys und seines Zeichens nun Vize-Europameister, hatte offenbar jüngst in irgendeinen Notizblock diktiert, eine „starke EM“ gespielt zu haben.

Dieses kühne Resümee brachte jedoch Herrn Steudel von der Sport-Bild , mitunter Diskutant in der sonntäglichen Wonti-Runde, ziemlich in Wallung. In seinem Blog ließ dieser jedenfalls kein gutes Haar an Friedrich:„ Das bringt mich auf die Palme, weil wirklich jeder weiß, dass Friedrich keine starke EM gespielt, sondern dafür gesorgt hat, dass Deutschland nicht Europameister geworden ist, indem er eine Rück- und Querpass-Orgie feierte.“ Es sei schlimm, Friedrich lüge.

Eine Reaktion auf Steudels Friedrich-Bashing ließ unterdessen nicht lange auf sich warten. Wie notierte Steudel später: „Mein Eintrag war noch nicht kalt, da hatte ein Kollege von spox.com schon reagiert und in seinem Blog heftig Einspruch gegen meinen erhoben.“ Gemeint war Oliver Kucharsky, der seinen „Power-Arnie“ vor den Kadi gezogen sah, sich zu dessen Anwalt aufschwang und sodann emphatisch plädoyierte: „Power-Arnie hat Ronaldo ausgeschaltet. Ganz allein. Mit allem, was er hat. Dafür verdient er ein Denkmal. Das Power-Arnie-Denkmal.“

Herr Steudel beharrte hingegen tags darauf auf seine Meinung, sprach Friedrich erneut ab, eine gute EM gespielt zu haben und zählte noch einmal Erbsen: „Streng genommen, hat er gar keine EM gespielt. Er hat ein bisschen den anderen zugeschaut.“ Gleichwohl rang sich Steudel eine kleine deeskalierende Geste in Richtung Kucharsky ab und bescheinigte Friedrich immerhin, dass er ab und zu „brav wie ein Balljunge“ den anderen den Ball zurückgegeben habe. Kucharsky wiederum nahm den Handshake dankend an und relativierte seine Thesen wie folgt:
1. Arne Friedrich hat bei der EM mehrfach mitgewirkt.

2. Der natürliche Lebensraum des Arne Friedrich ist die eigene Hälfte.

3. In dieser hat Arne Friedrich gegeben, was er hatte. Dies war: überschaubar.

4. Arne Friedrich hat Hotpants-Ronaldo ausgeschaltet. Dafür gebührt ihm Dank.

5. Die Bezeichnung "Power-Arnie" war womöglich, nun ja: überstürzt.
Letztlich konstatierte Kucharsky in Richtung Steudel: „Ich bin mir sicher, dass hiermit nun sämtliche Irritationen aus der Welt sind. Dass ein Mittelweg gefunden wurde. Ein für beide Seiten akzeptabler Kompromiss.“ Gewiss, ein versöhnlicher Querpass, den Arne Friedrich nicht besser hätte spielen können. Kein Wunder, dass ihn Bundes-Jogi Löw vor der EM so stark sah wie noch nie.

THOR WATERSCHEI ist im Übrigen ganz einer Meinung mit (Ex-)Blogger kurtspaeter, der Arne Friedrich für „den Prototypen des biederen, technisch limitierten Aussenverteidigers“ hält, „der es bei seinem eigenen, mittelmäßigen, Verein nicht schafft, seine Traumposition Innenverteidiger für sich zu akquirieren“. Doch nicht zuletzt wegen seiner offenbarten Terrierqualitäten gegen Cristiano Ronaldo wird Arne Friedrich nun zum neuen T(h)or der Woche ernannt, dem TW zugleich kräftig die Daumen für eine „starke“ Bundesligasaison drückt.