Sonntag, 8. Juni 2008

Marek Heinz lässt grüßen

Nach jener 56. Spielminute des Euro-Eröffnungskicks zwischen den Schweizern und Tschechen führte der gute alte Jan Koller einen ausgewachsenen Affentanz in Richtung Karel Brückner auf. Hatte es der Monseigneur des tschechischen Fußballs mit dem silber schimmernden Haar doch gewagt, Koller nach wenig Erquicklichem aus dem Spiel zu nehmen. Dass Brückner richtig lag, bewahrheitete sich, als sein Joker Vaclav Sverkos später das tschechische Siegtor und zugleich den Premierentreffer der Euro markierte (→ Chancenlos gegen das Schicksal) .

Sverkos sprach im Nachhinein von dem wichtigsten Treffer seines Lebens. Nicht verwunderlich. Denn so selbstverständlich, dass Brückner ausgerechnet ihn überhaupt in seinen EM-Kader berufen sowie dann als Trumpfkarte auch noch England-Profi Milan Baros vorzog, war es nach der Sverkos-Odyssee der vergangenen Jahre nicht. Sverkos war vor rund fünf Jahren von Borussia Mönchengladbach an den Bökelberg gelotst worden, hatte dort indes ebenso wie bei seinen nachfolgenden Abstechern zu Hertha BSC Berlin und Austria Wien mehr die Ersatzbänke gewärmt denn schöne Treffer bejubelt. Der Tenor von SMS, die nach seinem goldenen Tor ins THOR WATERSCHEI-Klubhaus eintrudelten, sprach daher Bände: „War das DER SVERKOS? Unglaublich!“

So ein bißchen erinnert der mittlerweile 24-Jährige an seinen Landsmann Marek Heinz. Der hatte bei der Euro vor vier Jahren in Portugal mit zwei Treffern und feinen Dribblings seine wohl schönsten Tänze als Fußballer aufgefüht, gab bei seinen drei Stationen in der Bundesliga, einem Intermezzo bei Galatasaray und auch zurzeit in Frankreich beim zweitklassigen FC Nantes gestrandet eher den Ritter von der traurigen Gestalt . Seine beste Saison spielte Heinz übrigens vor jener Euro Null Vier beim tschechischen Klub Banik Ostrau, für den auch Sverkos inzwischen seine Stiefel schnürt und dort zum Torschützenkönig der tschechischen Liga avancierte.

Wie dem auch sei, der Guardian notierte jedenfalls treffend, dass Sverkos die Schweizer Party beendete. Sverlos darf sich aber nunmehr nicht nur über das wichtigste Tor seines Lebens, sondern ebenso über die Ernennung zum neuen T(h)or der Woche freuen. Der kleine Titel ist ihm, augenzwinkernd gesagt, nicht mehr zu nehmen. Selbst wenn er tatsächlich die Neuauflage des traurigen Marek Heinz sein sollte.

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