Donnerstag, 22. Mai 2008

Manchester, Menschenfresser.

Wenn das mal kein feiner Fußballabend war. Da treffen sich zwei englische Mannschaften in Moskau. Es prasselt beinah wie auf der Insel herrlichster Regen auf den noch schnell aus der Slowakei eingeflogenen Naturrasen im Luschniki und nach spannendem 120-minütigen Hin und Her, stehen sich beide auch noch im Elfmeterschießen gegenüber. Ob Roman A. mit Absicht einen englischen Abend in seine russische Heimat importiert hatte? Naja, die beiden „Mister Chelsea“ Lampard und Terry heulten jedenfalls ebenso wie der Ballacksche Micha nach der 5:6-Penalty-Pleite Rotz und Wasser auf das nasse Luschniki-Grün.

Die „Roten Teufel“ aus Manchester um Rekordler Ryan Giggs (→ Giggs is God) bejubelten indessen einheitlich wie königlich , dass sie zum dritten Mal nach '68 und '99 Europas Silberpott in den verregneten Abendhimmel der russischen Kapitale stemmen durften. Sogar der große Sir Alex Ferguson gab sich ungewöhnlich juvenil, tanzte kindlich gelöst durch den Regen Moskaus und sah seine Schützlinge nicht nur in einer Erblinie mit Manchesters tragisch in München abgestürzter 58er Generation.

Vielmehr fühlte Fergie wohl offensichtlich, wie seine ManU-Kickern bei Terrys dramatischem Elfer-Fehlschuss vom Schicksal die Hand geküsst wurden:„Aufgrund der Geschichte des Klubs haben wir es verdient, diese Trophäe heute Nacht zu gewinne. Wir hatten einen guten Grund zum Siegen, und solche Menschen sind nur schwer zu schlagen. Ich glaube, das Schicksal hat uns die Hand gereicht.

Der Telegraph sollte heute hingegen recht pathetisch von einem „ der denkwürdigsten Fußball-Nächte in der Geschichte“ berichten. Der Himmel habe sich bei diesem epischen Finale zwischen zwei englischen Teams geöffnet, und er habe Tränen der Freude für Manchester United und Tränen der Sympathie für John Terry geweint.

Der Evening Standard richtete seinen Blick unterdessen auf Roman A.: „Was für ein außergewöhnlicher Höhepunkt. Zu sehen, wie Roman Abramowitsch in seinem Stuhl kauerte, fast unfähig, hinzuschauen, wie Terry an Grants regendurchnässter Schulter schluchzt, wie Ronaldo am Boden Tränen vergießt. Der Portugiese war überwältigt von den Gefühlen, denn er fürchtete, sein verschossener Elfmeter könnte den Titel gekostet haben.

Die Gazzetta dello Sport machte es sich da einfacher und brachte den gestrigen Abend simpel und treffsicher auf ihren rosa Seiten auf den Punkt: „Manchester, Menschenfresser. Nach der Premier League erobert ManU auch ganz Europa.“ Dann mal hierzu herzliche Glückwünsche aus dem THOR WATERSCHEI-Klubhaus!

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