Samstag, 24. Mai 2008

Die Gallier sind wieder da

Was macht eigentlich...der SV Meppen? Jener emsländische Klub, der einst über eine Dekade zum Synonym des deutschen Zweitligisten avancierte, kämpft derzeit in der viertklassigen Oberliga Nord um das Erreichen der Relegationsrunde zur Qualifikation für die Regionalliga und liefert sich mit seinem Lokalrivalen VfB Oldenburg ein spannendes Fernduell um den zur Teilnahme an der Relegation berechtigenden 7. Rang, dessen Erreichen nach dem Lizenzentzug des Fünften Heeslingen bereits ausreicht.

Ein Sieg im letzten Heimspiel der Saison 2007/2008 im Lokalderby gegen Nachbar Eintracht Nordhorn, welches THOR WATERSCHEI aufmerksam unter die Lupe nahm, war daher für den im emsländischen Volksmund liebevoll SVM genannten Traditionsverein im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig, um die Hand weiter auf dem begehrten Relegationsticket zu halten.

Hierfür waren im Übrigen im Vorfeld der Partie beste Voraussetzungen geschaffen worden. SVM-Legende und Cheftrainer Hubert Hüring hatte mit einem leidenschaftlichen Appell in der Lokalzeitung in das zuweilen leidgeplagte blau-weiße Herz der SVM-Anhänger getroffen. Denn schließlich sollten über 7.000 Zuschauer in das ehemalige Hindenburg-Stadion, dem inzwischen der Name Vivaris Arena verpasst wurde, den später aufopferungsvoll kämpfenden SVM-Kickern den Rücken stärken.

Nach etwas mehr als neunzig Minuten durfte die Vielzahl der freudestrahlenden „Schlachtenbummler“ (→ Albert, du sollst nicht streiten) auch feststellen, dass sich ihr Besuch gelohnt hatte. Zunächst wurde vor dem Anpfiff des Derbys insbesondere auf den Sitzrängen der ehrwürdigen Alten Tribüne noch von den Helden der Meppener Zweitligaepoche geschwelgt.

Etwa von den Martin van der Püttens und Jupp Menkes, die zu ihren besten Zeiten genug für die Bundesliga gewesen wären, dem SVM aber die Treue gehalten hätten. Oder von den Marko Myyrys, der als Kicker des SVM mit dem großen Jari Litmanen in der finnischen Nationalmannschaft Doppelpass gespielt hätte, und den Andreas Helmers, der sich auch nicht zu schade gewesen wäre, im richtigen Moment den Ball einfach Mal auf die Tribüne zu „kloppen“.

Auf dem grünen Rasen zeigte der SVM dann jedenfalls gegen die engagiert auftretenden Nordhorner Gäste gleich, wer Herr im Hause ist, musste jedoch frühzeitig eine erste Hiobsbotschaft hinnehmen, nachdem Abwehrchef Dame Diouf, der ältere Brudes des sengalesischen WM-Stars von 2002 El-Hadji, früh vom Platz humpelte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff folgte dann Hiobsbotschaft Nummer zwei, als die Eintracht ihre überraschende Führung bejubelte. Dass ließ den SVM-Express, der dank seiner drei vorherigen Siege eine kleine Euphoriewelle im Emsland entfacht hatte, jedoch nicht entgleisen.

Vielmehr kam dieser trotz der Rückschlage nun erst richtig in Fahrt und drehte den Rückstand schnell dank zweier sehenswerter Treffer von Meppens elegantem Spielmacher Eray Bayraktar und des pfleilschnellen Niederländers Rene Wessels noch vor dem verdienten Pausentee in eine eigene Führung um. Eine gute Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff stellte dann Bayraktar mit seinem aus abseitsverdächtiger Situation erzielten zweiten Tor die Weichen für den in der Vivaris Arena herbeigesehnten Dreier, der auch durch Nordhorns Anschlusstreffer im weiteren Verlaufs des hochspannenden Duells nicht mehr gefährdet wurde.

Der bisweilen im Kampf um die Regionalligaqualifikation schon totgesagte SVM bewies somit, dass er vor dem finalen Oberligaspieltag am kommenden Wochenende, an dem die Meppener beim bereits feststehenden Holstein Kiel gastieren, weiter quicklebendig ist oder wie SVM-Coach Hüring nach dem Spiel von Stolz erfüllt kommentierte: „Die Gallier sind wieder da. Von den ersten Minuten an hat man gemerkt, dass wir alle zusammenstehen. Wir haben blau-weiße Farbe gezeigt.“

1 Kommentar:

Im Schatten der Tribüne hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch auch aus Nordhorn zu diesem Sieg. Das Spiel wurde ja von den Nordhornern weitesgehend boykottiert. Aber der Bericht auf Emsland1 zeigte, abgesehen, vom netten Werbeeffekt, auch ein Stück Wiederauferstehung. Für Kiel prognostiziere ich einfach mal einen Sieg, die Störche haben ja keinen Druck mehr.Die Eintracht Mannschaft habe ich sehr engagiert gesehen. Aber hier herrschen weiter andere Probleme vor. RWG, Uwe