Freitag, 11. April 2008

My Arsenal # 16: Pulver verschossen

Arsenals gibt es in der weiten Welt des Fussballs viele. Unter anderem Arsenal Kiew, Arsenal Tula, Arsenal Berekum aus Ghana oder Arsenal de Sarandì aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires entstanden in Gefolgschaft des ehrwürdigen Arsenal Football Clubs aus London, der allerdings und das weiß nicht nur Nick Hornby das einzig wahre Arsenal ist…

Als am Mittwochabend an der Liverpooler Anfield Road in roten Ziffern und Lettern das Endergebnis des dritten Duells des FC Liverpool und Arsenal London innerhalb von einer Woche aufleuchtete, konnten die „Reds“ um ihre Superstars Steve Gerrard und Fernando Torres kräftig jubeln.

Vor dem „Scherbenhaufen“ einer Saison

Englands Rekordmeister hatte über die in dieser Saison oftmals so hochgelobten „Gunners“ aus dem Londoner Norden nach einem wahren Thriller mit 4:2 triumphiert und steht nun in Europas Königsklasse in der Runde der letzten vier. Arsenal hingegen steht nun sozusagen vor dem „Scherbenhaufen“ einer so furios begonnenen Spielzeit. So mancher Beobachter und Bewunderer des so attraktiven wie schnellen Kombinationsspiels Arsenals hatte die Wenger-Eleven eindeutig auf dem Zettel im Hinblick auf die zu vergebenden vier nationalen und internationalen Titel.

Pulver zu früh verschossen

Speziell nach dem überzeugenden Achtelfinalsieg in San Siro bei Champions League-Titelverteidiger AC Mailand. Doch die „Gunners“ hatten vor der entscheidenden Phase dieser Saison ihr Pulver offensichtlich schon verschossen. Besonders bei Eintritt des Frühlings schien sich bei den jungen Wenger-Schützlingen zum ungünstigsten Zeitpunkt der Spielzeit eine Art „Frühjahrslethargie“ breit zu machen.

In der Premier League, die die Londoner noch bis zum Ende des 29. Spieltags vor Meister Manchester United angeführt hatte, rutschte Arsenal inzwischen auf den dritten Rang ab und muss bei noch fünf ausstehenden Partien bis zum englischen Saisonende auf einige Patzer von Spitzenreiter ManU, das über ein stolzes Punktepolster von fünf Zählern verfügt, und Nachbar Chelsea hoffen.

Angesichts der derzeitigen Verfassung Arsenals in der Liga dürfte sich ein Last-Minute-Titelgewinn nach der Talfahrt in den vergangenen Wochen mit lediglich einem Sieg in den letzten sieben Spielen auch im Hinblick auf die derzeitige Konstanz der „Red Devils“ aus Manchester und Chelseas bei aller Zuversicht bei allem Wohlwollen wahrscheinlich kaum realisieren lassen.

Fehlende Reife?

Vielleicht zahlen die „Kanoniere“ nun dafür den Preis, als mannschaftliches Gesamtkunstwerk zwar über die wohl größte spielerische Finesse der so genannten „Fabulous Four“ der Premier League zu verfügen, dem es aber im Vergleich zu ManU, Chelsea und Liverpool an der erforderlichen Reife und Konstanz für den ganz großen Erfolg fehlt.

Wenn man so will, benötigt Arsenal in gewissen Momenten möglicherweise, auch gegen die Wengersche Spielphilosophie, von vielen Champions League-Schlachten gestählte Figuren wie Liverpool-Ikone Gerrard oder Chelseas Ballack oder Lampard, die auch weniger spektakulär das Ruder herumreißen können.

Im Resümee lässt sich diese Spielzeit Arsenal daher bislang recht vereinfacht zusammenfassen: stark begonnen und zuweilen auch stark nachgelassen. Auch wenn am Ende in der Premier League aller Voraussicht der überaus respektable dritte Rang und damit die neuerliche Champions League-Qualifikation herausspringt. Gleichwohl, Arsenals hochbegabter Equipe gehört natürlich weiter die Zukunft. Auch wenn sich der Umbruch nach dem eingeleiteten Generationswechsel noch lange nicht als abgeschlossen erweist.

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