Sonntag, 6. April 2008

Kaiserschmarrn

Zugegeben: so sanft und charmant die Einlassungen des gewiss ehrwürdigen Franz Beckenbauer auch sonst sein mögen, unabhängig von der Relevanz der kaiserlichen Worte an den Folgetagen. Mitunter muten dessen Verlautbarungen an, wie ehedem ein zwar technisch feiner Beckenbauerscher Außenristpass, der allerdings unglücklich in Richtung Tribüne abdriftet.

Einen so genannten verbalen Pass in den freien Raum spielte Beckenbauer auch kürzlich nach der Auslosung des UEFA-Pokalviertelfinales, als er in einer ersten Einschätzung die Spieler des FC Getafe, den Viertelfinalgegner des FC Bayern, aus einem leichten Gemisch aus Unkenntnis und „Mir san mir"-Gehabe als namenlose Kicker abstempelte: „Ich kenne keinen einzigen Spieler von Getafe. Das sind für mich Nobodies.“ Dass Dänemarks Fußballidol Michael Laudrup (→ Händchen) zudem Trainer des erst 25 Jahre alten Vorortklubs aus Madrid ist, hinterließ beim „Kaiser“ offensichtlich nur Staunen: „Und Michael Laudrup ist ihr Coach? Das wusste ich nicht.“

Die stolzen Spanier jedenfalls fühlten sich daher ob der geringen kaiserlichen Wertschätzung etwas auf die Hörner genommen und ließen insbesondere durch ihr Sprachrohr, Präsident Àngel Torres Sánchez, ihrem Verdruss freien Lauf. „Wir haben immerhin neun Nationalspieler. Vielleicht bescheren wir Beckenbauer beim Rückspiel eine schlechte Erinnerung und geben ihm noch ein Autogramm“, sprach der erboste Senor Sánchez, der nach dem späten Ausgleichstreffer seiner Schützlinge am Donnerstag in der Allianz Arena sicher ins Fäustchen gelacht hat.

Das tat im Übrigen auch die spanische Tageszeitung MARCA, die vergnügt nach dem Achtungserfolg Getafes in Richtung des Bayern-Präsidenten feixte: „Die blaue Welle erobert München. Getafe ist ein Kaiser des Fußballs.“ Franz Beckenbauer, den THOR WATERSCHEI für seinen verbalen Fehlpass zum neuen T(h)or der Woche ernennt, hat Getafe in jedem Fall nun kennengelernt und darf sich also auf Autogramme der Laudrup-Elf freuen. Obschon ihm sicher, ein Einzug ins Halbfinale des UEFA-Cups viel lieber wäre. Auch wenn dieser laut einer legendären Stilblüte Beckenbauers ja lediglich den Cup der Verlierer darstellt...

Über den T(h)or der Woche

1 Kommentar:

Herr Wieland (Drei Ecken, ein Elfer) hat gesagt…

Achja, der Kaiser.

Aber ehrlich gesagt, auswendig wusste ich auch keinen Spielernamen von Getafe, Du?
Und ich behaupte mal, das dem Präsident Getafes vom deutschen Tabellenzwölften auch nicht allzu viele Namen spontan einfielen, würde man ihn fragen.