Sonntag, 20. April 2008

Derbi de la depresión

Der Samstag besitzt im Fußball beinahe sakrale Bedeutung. THOR WATERSCHEI pickt sich regelmäßig in seiner Rubrik SATURDAY ein samstägliches Spiel aus der weiten Welt des Fußballs heraus. Heute: Das gestrige Lokalderby zwischen dem FC Barcelona und Stadtrivale Espanyol.

Wenn sich in Barcelona, im Herzen Kataloniens, die beiden großen Fußballklubs Barca und Espanyol (→ Périco bis ins Grab) zum Derby treffen, hält dort verständlicherweise die Metropole mindestens für 90 Minuten den Atem an. Nach den parallel verlaufenen und teilweise beängstigenden sportlichen Talfahrten der beiden Rivalen in den letzten Wochen wurde das mit Spannung erwartete Stadtduell jedoch von den spanischen Medien zum Derbi de la depresión erklärt.

Damit bewiesen die spanischen Schreiberlinge im Nachhinein sogar prophetische Fähigkeiten. Denn den 75.451 Zuschauern im Nou Camp (→ Bolzen in der Kathedrale) blieb nach der deprimierenden Darbietung von Barca und Espanyol kaum etwas anders übrig, als sich die Enttäuschung über das torloses Remis mit Inbrunst aus der Seele zu pfeifen. Kein Wunder, verspielte Barca im Titelduell der Primera Division mit seinem ewigen Konkurrenten Real Madrid die letzte Titelchance.

Einziger Lichtblick in der Equipe des Champions League-Siegers von Nullsechs war übrigens der Argentinier Lionel Messi (→ Es gibt nur ein Maradona), der nach seiner Einwechslung etwas Bewegung in das statische katalanische Duell brachte, was vor dem bevorstehenden Halbfinale in Europas Königsklasse gegen Manchester United auch die gnadenlose Gazette Sport so sah: „Für die Partie gegen ManU benötigt Barça elf Messis.“ Mit Messis Kollegen ging Sport unterdessen hart ins Gericht: „Der Argentinier lässt die Fans träumen, die anderen Spieler verursachen nur Alpträume.“

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