Donnerstag, 13. März 2008

Vizelow

THOR WATERSCHEI präsentiert in seiner Eisenfuß-Galerie die "Eisenfüße" aus der weiten Welt des Fußballs. Heute: Grätsch-Gott Carsten Ramelow, der nach 333 Bundesligaspielen nicht mehr für seine Werkself auflaufen wird...

Carsten Ramelow war auf dem Rasenrechteck sicher kein Ballzauberer. Aufgefallen ist der semmelblonde gebürtige Berliner in erster Linie durch seinen unermüdlichen Einsatz, seinen Biss im Zweikampf sowie seiner Leidenschaft, denn seiner filigranen technischen Fertigkeiten. Der Spitzname "Weißer Brasilianer" war und ist bei Bayer 04 Leverkusen schließlich schon an "Schnix" Schneider vergeben. Über ein Jahrzehnt hielt Ramelow nun bei der Werkself seine Knochen hin und machte auf und neben dem Rasen gern Nägel mit Köpfen.

Entweder um unnachahmlich den Rivaldos, Zidanes dieser Fußballwelt den Ball wegzuspitzeln oder einfach mal in Höhe des Mittelkreises dazwischenzupreschen, wenn es dem guten Carsten zu bunt wurde. Zu bunt wurde es Ramelow übrigens in der deutschen Nationalmannschaft, für die der bald 34-jährige Mittelfeldrecke doch beachtliche 46 Länderspiele absolvierte. Denn nach einer bösen 1:5-Schlappe der damals von Rudi Völler gecoachten zumeist etwas rumpeligen DFB-Kicker in Rumänien im Vorfeld der Euro 2004 in Portugal wollte sich Ramelow nicht allein für die Rumpeleien verantwortlich machen lassen und trat zurück, obwohl er bei dem guten Rudi außer Diskussion stand.

Den Schritt zurück wagte Ramelow übrigens auch gestern in Leverkusen. Dort bat er nach ungezählten Schlachten in der BayArena und sonstwo in der weiten Welt des Fußballs selbst um Freistellung bat. "Ich habe das Gefühl, dass ich hier keine Einsatzchance mehr habe. Als 17. oder 18. Mann dabei zu sein, das bringt mir nichts. Da soll der Trainer lieber ein jungen Spieler mitnehmen", verabschiedete sich der Haudegen recht selbstlos vom aktiven Fußball. Bayer bleibt Ramelow, der nach vielen Verletzungen zuletzt nicht mehr auf die Beine kam, zunächst noch bis Saisonende noch als Standby-Profi erhalten, um danach seinen Anschlussvertrag anzutreten. Ansonsten irgendwo mit 80 Prozent zu kicken, sei nicht sein Ding.

Schade eigentlich, dass der Leverkusener "Heino", ja - er nahm tatsächlich mal ne CD auf, seine Stiefel wahrscheinlich ohne jeglichen Titel an den Nagel hängen wird. In seiner durchaus beeindruckenden Vita taucht demnach neben dem glorreichen Leverkusener Vize-Jahr, inklusive des verlorenen Champions League-Endspiels, des missglückten Pokalfinales und dem zweiten Rang in der Meisterschaft, das 2002 verlorene WM-Finale sowie ein weiteres DFB-Pokalendspiel mit unglücklichem Ende auf. Jenes Finale anno 1993 gewann zwar ausgerechnet Bayer Leverkusen.

Ramelow hätte insofern zumindest einmal zum Titelow avancieren können, rackerte aber dieses Mal ausgerechnet auf Seiten des Gegners, der Amateuretruppe von Hertha BSC. Erst zwei Jahre später heuerte Ramelow für die kommenden 13 Jahren am Rhein an. Im Resümee ist Ramelow zwar ohne Spott insofern nur ein Vizelow. Zum Dank für seine rustikalen Grätschen und ehrenhaften Selbstlosigkeiten nimmt ihn THOR WATERSCHEI aber nun in seine Galerie der Eisenfüße auf.

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