Freitag, 14. März 2008

„Perico“ bis ins Grab

Fußball-Fan bis in alle Ewigkeit zu sein, scheint künftig durchaus möglich. THOR WATERSCHEI blickt augenzwinkernd nach Spanien, wo Traditionsverein Espanyol Barcelona für seine Fans demnächst in seiner neuen Arena einen Friedhof errrichten wird.

Barcelona. Falls man jüngst etwas in den Blätterwald hineingehorcht hat, da vernahm man nicht nur das übliche Rauschen von Schlagzeilen. Man hörte mit einem zwinkernden Auge gesagt insbesondere ein Piepen. Dieses Piepen stammte dabei aus dem fernen Spanien von den „Pericos“ (Wellensittiche). Auf diesen Spitznamen hört dort der Traditionsverein Espanyol Barcelona.

Im Schatten Barcas

Bekanntlich flattern die „Pericos“ von Espanyol trotz ihres derzeitigen Superstars und Fanlieblings Raul Tamudo (Foto) schon lange im Schatten ihres schier übermächtigen Erzrivalen Barca und scheinen in der autonomen Region Katalonien im Gegensatz zu Barca gemeinhin wegen ihrer Affinität zur spanischen Monarchie entgegen separatistischer Strömungen nicht sonderlich beliebt.

Um Schlagzeilen war Espanyol allerdings nicht verlegen und wartete schon zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit im besagten Blätterwald mit einem bemerkenswerten Bonmot auf. Zunächst hatte Espanyol per Rundschreiben an alle Konkurrenten in Spanien Mitte Januar bekannt gegeben, künftig auf das Fairplay pfeifen zu wollen. Wenn ein Gegenspieler am Boden liege, kündigte Espanyol an, werde man den Ball nicht mehr ins Aus spielen. Foul sei vielmehr, wenn der Schiedsrichter pfeife.

Adios Fairplay

Das Brechen mit dieser im Fußball ungeschriebenen Regel rechtfertigten die eigenwilligen „Gutmenschen“ von Espanyol damit, gegen die anhaltende Betrügerei im Fußball zu Felde ziehen zu wollen. „Wir werden den Ball nicht mehr ins Aus spielen, weil sich das Ganze zu einer Betrügerei entwickelt hat“, so Espanyols Trainer Ernesto Valverde. Eine gewisse Extravaganz bewiesen die „Pericos“ im Übrigen nun ebenfalls bei der Veröffentlichung der Baupläne für ihr neues Stadion.

Nachdem der zweimalige UEFA-Pokalfinalist, 1997 das von seinen Anhänger geliebte Estadio de Sarrià verließ, bezog Espanyol das Olympiastadion Barcelonas auf dem Montjuïc, dem Hausberg der katalanischen Metropole. Das ungeliebte Exil in der Leichtathletikarena soll nun aber bald beendet sein und im Westen Barcelonas gelegenen Vorort Cornellà stattdessen eine neue Arena entstehen.

Und offensichtlich wollen sich die Verantwortlichen des viermaligen spanischen Pokalsiegers bei ihren einst brüskierten Anhängern, die das Estadio de Sarrià auch nach dem Abschied weiter für die wahre Heimstatt des Klubs ansahen, mit der neuen Arena insofern etwas rehabilitieren. Denn das „Cornellà-Prat“ soll nicht nur modernsten Anforderungen, inklusive einer vollständigen Überdachung, für den sechserfolgreichsten spanischen Klub genügen.

Urnen für bis zu 20.000 Espanyol-Fans

Ebenso wird das „Cornellà-Prat“ 5.000 Grabnischen beherbergen. In jeder werden vier Urnen Platz haben, wodurch in dem Ende des Jahres fertiggestellten Bau insgesamt 20.000 Espanyol-Fans die Möglichkeit haben werden, sich in dem Stadion ihres Lieblingsvereins bestatten zu lassen.

Insgesamt soll der Friedhof des katalanischen Vereins auf drei Etagen 1.000 Quadratmeter umfassen. Man kann daher wohl nur hoffen, dass jene Fanscharen Espanyols, die ihrem Klub den Wegzug aus dem legendären Estadio de Sarrià übel genommen haben, spätestens am Ende ihres langen Fanlebens insofern besänftigt sind.

Wenn man so will, zeigt Espanyol damit, etwas ketzerisch gesagt, zumindest gegenüber seinen Fans ein gewisses „Fairplay“ und gibt denen die Möglichkeit, Espanyol-Fan, also „Perico“, bis ins Grab zu sein. Dieses Privileg besitzt schließlich auch jeder, oder? Natürlich ungeachtet dessen, dass eine Nische stolze 4.000 Euro kosten soll…

Der Artikel ist ebenfalls in der Globetrotter-Serie auf Goal.com veröffentlicht.

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