Sonntag, 16. März 2008

Oldie, but Goldie

Einem Blick in den schier allwissenden historischen Wikipedia-Kalender sei Dank, kann man dem ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt, dem englischen FA Cup, heute anlässlich des 136. Jahrestages des ersten FA Cup-Finales quasi zum „136. Geburtstag“ gratulieren. Altehrwürdig dürfte heutzutage wohl allerorten das erste aus der Feder fließende Attribut sein, sofern man über den wichtigsten Pokalwettbewerb des Mutterlands des Fußballs schreibt.

Das „Kennington Oval“ öffnet seine Pforten

Fünfzehn Mannschaften anstelle von heutzutage 871 Teams hatten sich dereinst für den erstmals ausgetragenen Wettbewerb angemeldet. Am Tag genau vor 136 Jahren öffnete dann das „Kennington Oval“, das heute als Cricket-Stadion genutzt wird und bis 1892 insgesamt stolze 20 Mal Austragungsort des Cup-Endspiels war, im Londoner Bezirk Lambeth für das erste FA Cup-Finale überhaupt seine Pforten.

Im alten Londoner Wembley Stadion, das bis ins Jahr 2000 Austragungsort des FA Cup-Finales blieb, wurde übrigens erst im Jahre 1923 zum ersten Mal ein englisches Pokalfinale veranstaltet, welches als das sogenannte „White Horse Final“ zwischen Bolton und West Ham vor der unglaublichen Kulisse von rund 240.000 Zuschauern über die Bühne ging.

Wanderers F.C. erster FA Cup-Gewinner

Als erster FA Cup-Sieger ging sodann vor der im Gegensatz zur Finalauflage von 1923 geradezu mickrigen Kulisse von 2.000 Zuschauern im „Oval“ der Wanderers Football Club aus Battersea, einem Stadtteil aus dem Londoner Südwesten, in die FA Cup-Annalen ein.

Gegner der Wanderers bei der Finalpremiere waren seinerzeit die elf Offiziere des Armeesportklubs Royal Engineers, infolge ihrer Funktion in der britischen Armee im Volksmund „The Sappers“ (die Pioniere) genannt, die den Wanderers an jenem 16. März 1872 trotz großem handwerklichem Geschick und unermüdlichem Einsatz in den 90 Minuten auf dem Rasenrechteck des „Oval“ knapp mit 0:1 unterlagen.

Als Siegtorschütze sollte schließlich ein gewisser Morton Betts in die englischen Geschichtsbücher eingehen. Der eisenharte Innenverteidiger staubte glücklich ab, nachdem Engineer-Keeper Merriman zuvor den Schuss von Betts' zu jenen Tagen überaus prominenten Mitspielers Robert Vidal nur hatte abklatschen können.

Vidal, in den strengen Tagen des Viktorianischen Zeitalters aufgrund seiner Dribbelkünste mit dem huldvollen Spitznamen „Prince of Dribblers“ bedacht, hatte sich vor seinem von Merriman zunächst abgewehrten Schuss mit einem sehenswerten Solo durch die Defensive der Engineers gedribbelt und seinem damals bestehenden Ruf insofern alle Ehre gemacht.

Die Chuzpe des Morton Betts

Nach dem Spiel nahmen die Offiziere die Niederlage übrigens gentlemanlike hin und gratulierten ihren Kontahenten britisch fair zum historischen Finalsieg. Dass Betts allerdings erst dank einer kleinen Unverfrorenheit zum Finalhelden avancierte, ist erst auf den zweiten Blick erkennbar. Denn der damals 25-Jährige tauchte nicht etwa unter seinem normalen Namen Morton Peto Betts auf dem Spielberichtsbogen auf. Vielmehr nutzte der durchtriebene Betts an jenem Tag das Pseudonym A. H. Chequer.

Der Grund hierfür: der Spieler Betts wäre nach dem damaligen Regelwerk in diesem Finale nach einem vorherigen Einsatz für die Harrow Chequers in der 1. Runde, ausgerechnet übrigens gegen die Wanderers, eigentlich gesperrt gewesen und machte mit seiner kurzweiligen Namensänderung insofern einen eleganten Schlenker um die bestehenden Regeln.

Oldie, but Goldie

Doch damals störte das im Mutterland des Fußballs offensichtlich niemanden so richtig. Für Mr. Betts hatte dies ebenso wie für seine Wanderers keine nachträglichen Konsequenzen. Betts lief anno 1877 sogar einmal für England, als Torhüter wohlgemerkt, in einem Freundschaftsspiel gegen Schottland auf, die Wanderers sind weiter erster FA Cup-Gewinner. Und der FA Cup an sich hat bekanntlich in den folgenden Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Ganz im Gegenteil sogar.

Ringen anno 2008 mit West Bromwich, Cardiff und Barnsley doch gleich drei englische Zweitligisten, von denen sich insbesondere Barnsley einen Ruf als „Giant-Killer“ erworben hat, und mit dem FC Portsmouth als übrig gebliebener Vertreter aus der Premier League in den Halbfinalpartien sowie im späteren Endspiel im neuen Wembley-Stadion um den Triumph in dem wichtigsten englischen Pokalwettbewerb, den Manchester United mit elf Siegen bislang am häufigsten gewann.

Der FA Cup ist und bleibt also im Mutterland des Fußballs ein Evergreen oder halt ein „Oldie, but Goldie“, wenn man so will. Auch wenn der FA Cup seit jeher silber glänzt...

Der Artikel ist ebenfalls auf Goal.com veröffentlicht.

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