Samstag, 22. März 2008

Endstation Clyde

Letzte „Hammer-Time“: Beim abstiegsbedrohten schottischen Zweitligisten Clyde Football Club hat man sich an Jörg Albertz, früher bei den Glasgow Rangers eine große Nummer, zurückerinnert. Jenen früheren deutschen Nationalspieler mit dem unvergleichlich harten Schuss, der seine Stiefel eigentlich schon vor acht Monaten an den berühmten Nagel gehängt hatte.

„It’s Hammer-Time“, frohlockte der Clyde Football Club, jener 1877 gegründete schottische Traditionsverein, der mittlerweile in der Retortenstadt Cumbernauld vor den Toren Glasgows residiert, kürzlich auf seiner Homepage .

Eigentlich hat der ursprünglich aus dem Glasgower Südosten stammende Vorletzte der zweitklassigen schottischen First Division zwar derweil angesichts seines Tabellenplatzes und auch ansonsten im großen Schatten der beiden Glasgower Hegemonialmächte im schottischen Fußball, den Glasgow Rangers und Celtic, recht wenig zu lachen.

Albertz bei den Rangers eine große Nummer

Die Anspielung mit der „Hammer-Time“ bezog sich allerdings auf den kurzfristig zu verkündenden Neuzugang, der seine recht geruhsame Fußball-Rente in Deutschland für ein Intermezzo im beinharten Abstiegskampf der zweiten schottischen Liga aufgegeben hat. Es geht um Jörg Albertz, der sich in den neunziger Jahren eine halbe Dekade lang mit seiner Schussstärke, seiner Kampfkraft und seinem unermüdlichen Einsatzwillen bei den Rangers einen großen Namen gemacht hat und im Ibrox Park trotz Stars wie Paul Gascoigne oder Brian Laudrup zum Liebling der „Gers“-Anhänger avanciert war.

Die Spitznamen „Big George“ und schlicht und einfach „The Hammer“ verpassten diese ihrem beliebten Import aus Deutschland daher, der den schottischen Habitus Fußball zu spielen derart zu verinnerlicht haben schien, dass er beinah schottischer spielte als die Schotten selbst.

An Albertz' Qualitäten erinnerten sich nun Clydes Cheftrainer John Brown und sein Torwarttrainer Andy Goram, denen das Wasser bei dem nach dem durch Glasgow fließenden Strom benannten gleichnamigen Klub am Tabellenende der zweiten schottischen Spielklasse liegend sprichwörtlich bis zum Halse steht und überredeten den mittlerweile 37-Jährigen zum überraschenden Comeback.

Comeback ein Freundschaftsdienst für alte Rangers-Kumpel

Es sei laut Albertz, der vor acht Monaten bei Fortuna Düsseldorf seine Karriere eigentlich beendet hatte, ein „Freundschaftsdienst“ für Brown und Goram, mit denen er früher bei den Glasgow Rangers gespielt habe. Er solle mit meiner Routine im Abstiegskampf helfen, hinten die Schotten dichtzumachen. Und vorne mit meiner Schusskraft das eine oder andere Tor erzielen. Wenn der Klub absteige, seien Albertz‘ beide Kumpel ihren Job los. Albertz, der es im deutschen Nationalteam auf drei Länderspiele brachte, soll der „Gypsy Army“, wie der Clyde Football Club im schottischen Volksmund infolge seiner regelmäßig wechselnden Spielstätten etwas abschätzig genannt wird, tatkräftig und schussgewaltig unter die Arme greifen.

Die mit diesem Spitznamen suggerierte Heimatlosigkeit des Klubs passt im Übrigen auch ganz gut auf den Verlauf der wechselhaften Albertz-Karriere. Denn der Mittelfeldspieler mit dem rotblonden Schopf und dem linken Hammer verließ seine Glasgow Rangers nach etlichen Titel mit dem schottischen Rekordmeister zunächst anno 2001 für gut fünf Millionen Euro und kehrte zum Hamburger SV zurück. Dort wurde der gebürtige Mönchengladbacher, der einst bei der Borussia am Bökelberg für untauglich abgestempelt worden war, allerdings in den Folgejahren ebenso wenig heimisch wie auf seinen nachfolgenden Stationen.

Letztes Karrierehighlight bei der Gypsy Army?

Die sollten ihn sogar bis nach China zu Shenhua Shanghai, in die zweite deutsche Liga nach Fürth und letztlich zurück zu Fortuna Düsseldorf führen, wo Albertz sich Anfang der Neunziger seine ersten Sporen im Profifußball verdiente und wo er im Sommer 2007 seine Treter schon an den berühmten Nagel gehängt hatte. Richtig heimisch wird der Mittelfeldspieler sicher auch beim Clyde F. C. nicht mehr werden.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen, weil er eigenen Angaben zufolge nur zu Clydes Punktspielen am Wochenende aus Deutschland anreist. Zum anderen, weil er höchstens acht Partien für Clyde bis zum Saisonende der First Division bestreiten wird. Allerdings könnte sich Albertz mit der „Gypsy Army“ mit dem anvisierten Klassenerhalt zum Karriereabschluss noch ein letztes Highlight gönnen.

Den Anfang hierzu hat Albertz übrigens selbst gemacht. Jüngst erzielte Albertz bei seinem Debüt im Kellerduell gegen den Tabellenletzten Stirling Albion, das vor knapp 1.100 Zuschauern 1:1-Remis endete, mit einem direkt verwandeltem Freistoßtreffer in typischer Albertz-Manier schon immerhin einen Treffer. Die eingangs erwähnte Prophezeiung, mit der beim Clyde Football Club nunmehr die „Hammer-Time“ ist eingeläutet wurde, hat sich insofern also schon bewahrheitet. Auch wenn es höchstwahrscheinlich die allerletzte in der langen Karriere des Jörg Albertz sein wird.

Der Artikel ist auch in der Globetrotter-Serie auf Goal.com zu finden.

Keine Kommentare: