Sonntag, 10. Februar 2008

Weißer Häuptling

Wenn man das Internet nach Informationen über Otto Pfister durchforstet, bleiben irgendwie von Seite zu Seite und von Interview zu Interview dieselben Dinge hängen. Der 70-jährige gebürtige Kölner, der mit Kamerun bereits das achte Land vom afrikanischen Kontinent trainiert, ist Anfang der Siebziger Jahre nicht als Disziplin- und Taktik-Missionar nach Afrika aufgebrochen. Ebenfalls lässt er, geschult von seinen ganzen Expeditionen in die weite Welt des Fußballs, seine Schützlinge an der langen Leine.

Autorität verschaffte sich Pfister dennoch, wie der Erfolg mit zweiten Rang mit den unbezähmbaren kamerunischen Löwen um Rigobert Song oder Samuel Eto'o beim gerade beendeten Afrika-Cup seinem nonchalanten Prinzip Recht gibt und wird trotzdem anerkennend "weißer Häuptling" genannt. Als vielerorts gepriesener Anti-Vogts lässt er dabei die Dinge auf sich zukommen. "Es gibt hier immer eine Ist-Situation, die niemand ändern kann", so der weise Pfister: "Trainertypen, die glauben, grundlegende Neuerungen durchsetzen zu können vergeuden Energie, sie fahren irgendwann weinend zum Flughafen."

Das enge Korsett für seine Spieler hat Globetrotter Pfister somit erst gar nicht in seinen Koffer eingepackt, der übrigens stets darauf wartet, in einem weiteren Land Afrikas oder der weiten Welt des Fußballs aufgestellt zu werden. Denn trotz des zweiten Ranges mit Kamerun in Ghana, wird der eigenwillige Pfister sich selbst wohl treu bleiben und seine Pall Mall womöglich demnächst vor der Trainerbank Südkoreas oder der Vereinigten Staaten rauchen.

Nach den erfolgreichen letzten Wochen hat sich Pfisters guter Ruf selbst bis dahin herumgesprochen. Grund genug daher für THOR WATERSCHEI den "weißen Häuptling", der sich selbst dereinst als "heimatlosen Abenteurer" einstufte, zum neuen T(h)or der Woche zu küren.

Über den T(h)or der Woche