Mittwoch, 13. Februar 2008

Fortuna Düsseldorf - alles andere ist (nur) Fußball!

Im Gästeblock von THOR WATERSCHEI erzählen Fußball-Fans von ihrem Lieblingsverein. Heute gibt sich Carsten Koslowski die Ehre und berichtet über seine Fortuna, der Fortuna aus Düsseldorf, mit der er durch dick und dünn geht und die er für den besten Verein der Welt hält.

Fortuna Düsseldorf – was soll man darüber schon groß schreiben? Natürlich ist Fortuna der beste Verein der Welt, solchen Langweilern wie Bayern München oder Werder Bremen turmhoch überlegen, von den selbstbeweihräucherten Selbstdarstellern im Bahnhofskapellendorf etwas südlich von Düsseldorf mal ganz abgesehen – auch wenn dies im Umfeld nicht wirklich viele Leute so weit interessieren würde, dass sie mal regelmäßig ins Stadion kommen würden. In Düsseldorf gab und gibt es stets Wichtigeres, als dem lokalen Fußballverein zu huldigen. Und diesem Verein über Jahrzehnte anzuhängen, ist wohl nur möglich, wenn man das alles nicht so Ernst nimmt...

Meine ersten Spiele der Fortuna im alten Rheinstadion sah ich als kleiner Junge in den 1970er Jahren aus einem ganz profanen Grund – Mutti war hoffnungslos in Klaus Allofs verliebt. Immerhin, Fortuna spielte damals in der 1. Liga, und das sogar richtig gut, weshalb man in den Genuss einiger schöner Spiele kam. Unvergessen natürlich das 7:1 gegen Bayern München im Jahr 1978, als der Maier-Sepp die Orientierung verlor, so oft, wie der sich rumdrehen und den Ball aus dem eigenen Netz holen musste. Allein mit diesem Spiel werden wir wohl bis in alle Ewigkeit im kicker-Sonderheft auftauchen, das vor jeder Saison neu aufgelegt wird – nämlich wenn es bei der Vorstellung des FC Bayern um deren höchste Auswärtsniederlage in der Bundesliga geht. Wer da als kleiner Junge nicht Fan wird, dem ist nicht mehr zu helfen.

Größter Triumph der Fortuna war natürlich der Einzug ins Europapokalfinale der Pokalsieger 1979, als man der mit Weltstars gespickten Truppen des FC Barcelona unglücklich mit 3:4 nach Verlängerung unterlag. Mutti erlaubte mir die Reise nach Basel nicht, daher war ich nur vor dem Fernseher dabei. Da Fortuna natürlich immer etwas Besonderes bietet, ist für dieses Spiel, wohl ebenfalls bis in alle Ewigkeit, ungeklärt, wer den 1:1-Ausgleich erzielte. Ob Klaus Allofs oder sein Bruder Thomas oder beide am Ball waren – das wäre eine Frage, die selbst Galileo Mystery zwischen ihren drei Werbeblöcken nicht würde klären können. Das Europapokalfinale, die beiden DFB-Pokalsiege 1979 und 1980 – das waren die Höhepunkte der fortunistischen Neuzeit.

In den 1980ern hielt man noch gut mit im Konzert der Großen, aber schon damals war Fortuna eben Fortuna: die guten Spieler wurden verkauft, einer nach dem anderen, Klaus Allofs sogar nach Köln. Aber es wurde nicht entsprechend nachgekauft, lieber probierte man gefühlt 300 verschiedene Spieler aus, Masse statt Klasse, natürlich mit dem entsprechenden „Erfolg“.

Gleichzeitig begann die Ära der Präsidiums-Darsteller, denen die eigene Darstellung wichtiger schien als der Erfolg für den Verein. Langsam aber sicher ging es bergab, ein Abstieg in die 2. Liga konnte zwar schon zwei Spielzeiten später ausgebügelt werden, aber in den 1990er Jahren mutierten wir endgültig zur Fahrstuhlmannschaft: keine Liga war vor uns sicher, binnen drei Kalenderjahren stiegen wir von der 1. in die 3. Liga ab und wieder auf (1992 Abstieg aus 1. Liga, 1993 Abstieg aus 2. Liga, 1994 Aufstieg in 2. Liga, 1995 Aufstieg in 1. Liga). Bis heute unerreicht!

Nach den neuerlichen Abstiegen aus der 1. Liga 1997 und der 2. Liga 1999 dümpeln wir seitdem im Amateurbereich. 2002 ging es sogar für zwei Jahre runter bis in die 4. Liga, aber mittlerweile sind wir zumindest wieder in der Regionalliga angekommen. Und immer, wenn sie sich in Köln mal wieder auf die eigene Schulter schlagen und titeln: „Die leidensfähigsten Fans der Welt!“ (Anlass: mal eben wieder in die 2. Liga abgestiegen), dann denke ich daran, dass meine Mannschaft schon gegen Barcelona im Europapokal und gegen Borussia Freialdenhoven um Punkte gespielt hat, und dann muss ich lachen. Selbstmitleid ist bestimmt eine schöne Sache, aber nicht mein Ding.

Natürlich sind wir auch heute kein Verein wie jeder andere. In der Oberliga schafften wir es, dass fast jeder Heimverein bei den Spielen gegen uns Top-Zuschlag nahm und sich mit diesem einen Spiel seinen Jahresetat einfuhr. Wir finanzierten mit Thomas Berthold einen Weltmeister als Manager-Praktikanten, was dieser gerne annahm. Wir spielen mittlerweile in einer riesigen Arena, auch gegen solche Granatentruppen wie Bayer Leverkusen II oder SC Verl, nicht weil wir das toll finden, sondern weil wir das müssen.

Wir haben bei Herrn Kölmel und seiner sportwelt/kinowelt-Connection noch einen Deckel von ca. 6 Mio. Euro stehen, (ab)zahlbar bei Aufstieg in die 2. Liga, den wir routiniert jedes Jahr verpassen. Wir feuern schon mal unsere Trainer nach Siegen beim Tabellen-2. (Slavko Petrovic 2003), nach zuvor vom Manager-Praktikanten öffentlich angedachter Vertragsverlängerung (Massimo Morales, 2004) oder einfach, weil wir nur Tabellen-3. sind (Uwe Weidemann, 2007).

Nach 20 Spielen in der aktuellen Saison haben wir ganze 17 Tore erzielt, stehen damit allerdings nicht auf einem Abstiegsplatz, sondern haben nur zwei Punkte Rückstand auf den Aufstieg, weil wir nur 12 Gegentore kassiert und sechsmal 1:0 gewonnen haben. Wir haben aktuell allerdings auch nur fünf Punkte Vorsprung aufs Vergessen, da in dieser Saison Platz 11 den Abstieg bedeutet.

Die Ansprüche im Umfeld sind immens hoch. Alle können sich an alte Bundesliga-Zeiten erinnern, wenn es aber mal nicht läuft, vergessen sie sogar den Weg zur Arena, dann spielen wir wieder vor 4.000. Wir befinden uns also zwischen Hoffen und Bangen. Wie immer eigentlich. Ein seltsamer Verein. Aber ich kenne keinen Besseren. Egal, in welcher Liga. Und nie vergessen: Fortuna Düsseldorf – alles andere ist (nur) Fußball!

Carsten Koslowski ist in der weiten Welt des Fußballs möglicherweise besser bekannt als Janus, der sich in seiner kleinen Welt (→ www.janus-kleine-welt.de) regelmäßig zu seiner Fortuna auslässt.