Samstag, 2. Februar 2008

Baskisches Déjà-vu

Der Baske an sich ist scheinbar ein recht eigenwilliger Mensch. Das gilt für das Baskenland als Teil als autonome Gemeinschaft innerhalb des spanischen Königreichs allerdings nicht nur bezüglich des Gehabes gegenüber den restlichen Untertanen des Königreichs von der Iberischen Halbinsel. Auch untereinander geht es zuweilen recht eigenwillig und sogar eigennützig zu.

Der in die zweite spanische Division durchgereichte Traditionsverein Real Sociedad San Sebastian wollte anno 2006 etwa von seinem baskischen Erzrivalen Athletic Bilbao für San Sebastians von Bilbao heißumworbenen Spieler Iban Zubiaurre die nicht gerade preisgünstige Ablöse von 30 Millionen Euro kassieren. Die wollte sich der stolze Nachbar aus Bilbao allerdings von den txuri-urdin nicht aus der Tasche ziehen lassen.

So ereignete sich in der Folgezeit eine baskische Transferseifenoper. Der Umworbene Zubiaurre erwirkte zwar zwischenzeitlich juristisch einen Wechsel, die beiden baskischen Streithähne balgten aber weiter um die Ablössumme. Inwiefern San Sebastian aus dem Umstand Kapital schlagen wollte, dass Bilbao gemäß seines heiligen Klubkodex nur Spieler baskischer Herkunft verpflichtet sowie sich darüber hinaus als inoffizielle baskische Nationalmannschaft ansieht, ist freilich nicht bekannt. Bei San Sebastian jedenfalls bröckelte diese in gewisser Hinsicht patriotische Transferpolitik bereits 1989, als San Sebastian den Iren John Aldridge ins Baskenland lockte.

Dass Bilbao, wo Jupp Heynckes dereinst die schöneren Tage seiner mittlerweile ausgeklungenen Trainerkarriere verbrachte, indes infolge dieser wenig nonchalanten Philosophie in der globalisierten Fußball-Welt nur über eine begrenzte Auswahl bei der Rekrutierung neuer Spieler verfügt, dürfte wohl nicht streitig sein. Da hat es in Bilbao den baskischen Streithahnenkamm durchaus anschwellen lassen, dass der böse Nachbar den Abschied des von Bilbao seinerzeit auserkorenen Zubiaurre ins Estadio San Mamés aus Bilbaos Perspektive perfide erscheinende Art und Weise verhindern wollte.

Der baskische Streithahnenkamm könnte nun aber vielleicht wieder abschwellen. Denn Real Sociedad San Sebastian machte Bilbao kürzlich einen kuriosen Vorschlag zur Bereinigung dieser nervenzehrenden Angelegenheit. Demnach soll Bilbao jetzt nur noch 12 Millionen Euro für Zubiaurre auf den Tisch legen und seinem Erzrivalen dafür garantieren, in den kommenden 100 Jahren 200 Freundschaftsspielen gegen San Sebastian auszutragen.

Bilbaos Antwort hierzu steht noch aus. Noch bleibt das baskische Tischtuch zerschnitten. Stimmt Bilbao zu, wäre das jedenfalls eine neue Art eines baskischen Déjà-vus. Darauf, dass nach Señor Zubiaurre in Bilbao bisher kaum ein Hahn kräht und er paradoxerweise konträr zur Höhe der für ihn geforderten Ablöse sich seine absolvierten Spiele für die inoffizielle baskische Nationalmannschaft gerade einmal an einer Hand abzählen kann, soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.

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